
Freitag, 27. August 2010aus: Horn von Afrika, Jemen & Naher Osten 2010
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Seit 1991 bemüht sich Somaliland, das sich damals nach einem blutigen Bürgerkrieg inklusive diverser Massaker durch die Zentralregierung in Mogadishu für unabhängig erklärte, um seine internationale Anerkennung. Nicht nur, dass wir täglich von irgendjemandem direkt oder unterschwellig auf die bisher fehlende Akzeptanz der Weltgemeinschaft hingewiesen werden, auch die Bemühungen der Regierung sind durchaus auffallend. Recht und Ordnung wird offensichtlich groß geschrieben, man rühmt sich mit einem einigermaßen demokratischen Dreiparteiensystem, mit freien Wahlen und relativer Sicherheit. Relativ ist hier natürlich alles: Wenn, wie bei den Wahlen vor zwei Monaten, aus denen eine Oppositionspartei als Sieger hervorging und somit ein einigermaßen friedlicher Machtwechsel stattfand, lediglich ein Mensch ums Leben kommt, dann ist das in dieser Region wirklich etwas, das man sich getrost auf die Fahne schreiben kann. Am Horn von Afrika ist man sonst weiß Gott andere Zahlen gewöhnt, wie die nähere Umgebung zeigt. In Kenia gab es vor zwei Jahren bürgerkriegsartige Zustände nach den Wahlen, in Uganda bombt Al-Shabaab einfach mal zwei WM-Live-Übertragungen in die Luft und letztes Jahr saß ich in Kampala noch beim Frühstück, während auf der Straße geschossen wurde, Somalia ist sowieso nicht der Rede wert. Äthiopien hatte bei den Wahlen vor fünf Jahren auch extreme Unruhen. Eritrea hingegen, so stellte letztens einer unserer Gesprächspartner sehr treffend fest, verhält sich wie Deutschland in den 1930er Jahren, Sudan zerfällt – oder teilt? – in Nord und Süd. Jemen auf der anderen Seite des Meeres geht stetig den Bach runter und ist wohl bald bis auf weiteres ein Failed State. Bleibt eigentlich nur noch Dschibuti, bei dem mir jetzt spontan nichts einfällt.
Die größte, letztendlich aber nur vorgeschobene Hürde für die Anerkennung Somalilands, sind die anhaltenden Grenzstreitigkeiten mit Puntland, der anderen selbstproklamierten Teilrepublik Somalias, die westlich von Somaliland direkt an der Spitze des Horns liegt und sich auf der Webpräsenz des Tourismusministeriums »The safest place in Somalia« auf die Fahne schreibt. Nicht nur angesichts dessen, dass Puntland die wichtigste Basis der Piraterie im Golf von Aden darstellt, darf dies mit Recht und Fug bezweifelt werden.
Von Las Geel fahren wir weiter nach Berbera, der zweitgrößten Stadt Somalilands, die neben Dschibuti und Port Sudan einen der wichtigsten Häfen auf der afrikanischen Seite des roten Meeres beherbergt. Vor allem Äthiopien, das selbst keinen Meereszugang hat, möchte in Zukunft verstärkt auf Berbera als nahen und sicheren Seeumschlagplatz für Im- und Exporte setzen, um Dschibutis Monopol zu beenden. Deshalb auch die bereits erwähnen Bemühungen beim Ausbau der Straße in Richtung Somaliland – wobei auf Somalilands Seite da noch extremer Nachholbedarf besteht!
Von Hargheisa nach Berbera sind es zwar nur 140 Kilometer Luftlinie, doch verstecken sich dahinter zusätzlich noch gut 1.200 Meter Höhenunterschied. Während es in der Hauptstadt die letzten drei Tage ausnahmsweise sogar regnerisch und normal warm war, steigt das Quecksilber in Berbera jeden Tag über 40 Grad Celsius. Maximum 42, Minimum 33, das ist die offizielle Ansage für die nächsten drei Tage. Nicht, dass wir damit nicht zurecht kämen, der Irak hat uns da vor zwei Jahren noch ein gutes Stückchen mehr abverlangt, doch bei einem solchen Wurf ins kalte, pardon: warme Wasser, brauchen wir doch zumindest mal einen knappen Tag Gewöhnungszeit.
Robert ist heute sowieso raus. Las Geel hat er noch gut mitgemacht, aber schon bei der Weiterfahrt wird die Lage schlimmer. Während ich in Berbera meinen Ersterkundungsspaziergang mache, ruht er sich im Zimmer aus. Das an sich gute Abendessen verträgt er überhaupt nicht und bereits um acht Uhr legt er sich im glühend heißen Bett ab und hofft auf etwas Erlösung durch den Ventilator. Eigentlich bin ich immer der Kranke, auf mindestens fünf der letzten sieben Reisen hatte ich einen Fiebertag und oder sonstige KO-Symptome, doch nun ist es Robert, der schon zum zweiten Mal erkrankt. Die Symptome – Gliederschmerzen, Appetitverlust, Übelkeit und dergleichen – passen natürlich bestens zu Malaria. Doch das tun sie nun mal immer. Da kann man sich nun verrückt machen lassen oder nicht, aber mit Prophylaxe wäre man zumindest ein klein bisschen beruhigt. Ich nehme vorerst jedenfalls weiterhin brav mein Doxycyclin, auch wenn ich speziell heute das Gefühl nicht los wurde, dass die erhöhte Sonnenempfindlichkeit diesmal doch vorhanden ist. Letztes Jahr merkte ich von dieser Nebenwirkung nichts.
Abends kaufe ich noch Vorrat für morgen ein, denn während des Ramadans ist es hier schwer, auch nur ein Gramm Essbares zu finden. Gleiches gilt für Wasser. So verlade ich eine Wassermelone, vier Bananen, ein paar Kekse, sechs Liter Wasser und zwei Ranis ins Zimmer, um zumindest ansatzweise über die Runden zu kommen. In der Nachthitze, auf den dunklen Sandstraßen zwischen den vielen Ständen mit Gaslampen, komme ich mir mit den vielen Tüten vor wie ein Packesel. Aber die Atmosphäre ist super – genau wie sie mir gefällt. Meine von Markus bekommene Nationlink-SIM-Karte lade ich indes mit zwei Dollar auf, um lediglich einen davon für das zehnminütige Telefonat zum Geburtstag meines Vaters zu verbrauchen. Und schließlich besuche ich noch das mutmaßlich einzige Internetcafé der Stadt, das dem Somalilander Ruf mit seiner recht schnellen Verbindung trotzdem gerecht wird.
Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.
Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.