Robert und Daniel mit iranischen Soldaten in Qazvin, Iran (27.04.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Mittwoch, 25. August 2010aus: Horn von Afrika, Jemen & Naher Osten 2010
Routenteil: Hargheisa

Kriegsmonument mit MiG-Jet in Hargheisa.
Kriegsmonument mit MiG-Jet in Hargheisa.
1988 wurde Hargheisa von somalischen Truppen weitgehend zerstört. Die auf den ersten Blick infantile Zeichnung offenbart krasse Brutalität.
1988 wurde Hargheisa von somalischen Truppen weitgehend zerstört. Die auf den ersten Blick infantile Zeichnung offenbart krasse Brutalität.

Auf unseren Programm steht heute Hargheisa, was im Falle dieser Stadt mangels konkreter Must-Sees oder Must-Dos soviel wie rumlungern bedeutet. Auf Hargheisas Programm stehen jedoch nicht wir, sondern Lärmbelästigung und Regenschauer. So werde ich früh morgens unsanft vom Muezzin der Moschee gegenüber geweckt, deren einer Lautsprecher direkt auf unser Fenster gerichtet ist. Wenn der Typ wenigstens nur kurz seinen üblichen Sermon runterrattern und dann die Schnauze halten würde, könnte ich damit ja durchaus leben, aber dass er zu solch unchristlicher Zeit eine gefühlte Stunde seinen Servus in die Welt hinausposaunen muss, geht dann doch eindeutig zu weit.

Die Muezzine der Ali-Matan-Moschee weckten uns jede Nacht. Fotografiert von unserem Balkon aus.
Die Muezzine der Ali-Matan-Moschee weckten uns jede Nacht. Fotografiert von unserem Balkon aus.

Nach dem Frühstück reden wir mit Saeed, dem Manager des Hotels. Er ist aus Dschibuti und führt zusammen mit dem Besitzer Abdi den Laden. Englisch und Französisch spricht er bestens, nur mit dem Zuhören hat er es nicht so, denn von allen unseren Anfragen merkt er sich nur die erste Hälfte. Telefonisch fragt er für uns beim PR-Manager des Hafens in Berbera nach den nächsten Booten für den Jemen an, und eine Tour nach Las Geel, die wir wohl oder übel nehmen werden müssen, bietet er uns ebenfalls an.

Freitagsmoschee (Jama Mosque) in Hargheisa.
Freitagsmoschee (Jama Mosque) in Hargheisa.

Interessant sind aber auch diverse andere Erzählungen. So geht man hier für die Krankenversorgung nach Äthiopien. Nicht etwa hierher, wo die dicken Autos fahren und eine der besten Kommunikationsinfrastrukturen Afrikas verfügbar ist, auch nicht ins teuere Dschibuti, das sich als Monaco des schwarzen Kontinents profilieren will. Das muss man sich mal vorstellen: Äthiopien als beste medizinische Adresse der Region! In Somaliland und Dschibuti gebe es die entsprechenden Geräte nicht, behauptet Saeed, in Addis hingegen schon. »Die ganze Welt stellt da doch Krankenhäuser und Maschinen hin, wir müssen hier hingegen alles selbst besorgen!«, beschwert er sich.

Ziegen wie Menschen schützen sich unter einem Balkon vor dem Regen.
Ziegen wie Menschen schützen sich unter einem Balkon vor dem Regen.

Unser erster Versuch, Hargheisa zu erkunden, schlägt wegen immer heftiger werdenden Regens fehl – also wird im Hotel erstmal einer aufgegeekt (Robert-Deutsch für generded), bis wir uns gegen vier Uhr nachmittags doch hinaustrauen können. Außer dem MiG-Jet aus Bürgerkriegszeiten gibt es nichts Besonderes zu sehen in der Hauptstadt der selbsternannten Republik, dafür sind die Straßen aber ein Gemisch aus Sand und Pfützen, welches sich bestens zum Hosen-dreckig-Machen eignet. Etliche Marktstände, kleine Buden und Händler unter Sonnenschirmen säumen die Straßenränder mit Obst oder diversem Technikkram, was hier so viel angeboten zu werden scheint wir im ganzen Rest Afrikas zusammen. Toll sehen auch die vielen Geldwechsler aus, die jeweils Dutzende dicker Packen an Somaliland-Schilling, auch einfach »Land« genannt, vor sich aufgestapelt haben, als würden sie Seifen oder Dosenbier verkaufen. Die größten verfügbaren Scheine sind 500er und damit etwas weniger wert als ein dreizehntel US-Dollar – da kommen beim Tausch von hundert Dollar schnell mal über eintausend Scheine zusammen.

Geldwechsler mit Somaliland-Schilling.
Geldwechsler mit Somaliland-Schilling.
Geldwechsler mit Hunderterpacken an Somaliland-Schilling. Ein Packen ist gut acht US-Dollar wert.
Geldwechsler mit Hunderterpacken an Somaliland-Schilling. Ein Packen ist gut acht US-Dollar wert.
Robert gesellt sich zu zwei Affen auf den Straßen Hargheisas.
Robert gesellt sich zu zwei Affen auf den Straßen Hargheisas.
Kiosk-Mädel mit erstaunlich gutem Englisch.
Kiosk-Mädel mit erstaunlich gutem Englisch.

Nicht umsonst tauschen wir deswegen 200 Euro in amerikanische Moneten anstatt in Schilling. Das schont den Geldbeutel, ist übersichtlicher und vor allem auch übertragbar. Sozuagen. Da der Euro offiziell bei miesesten 1,265 USD angekommen ist, was so ziemlich der schlechteste Wert aller bisherigen Reisen sein dürfte, macht das Umtauschen eher wenig Freude. Dahabschiil, das lokale Western Union in Grün, bietet immerhin einen Kurs von 1,22 an, doch nach einigem Verhandeln und Weitergehen bei den Straßenwechslern bekommen wir den Tausch sogar zu anständigen 1,24 durchgeführt. Irgendeinen, der schlau genug ist, etwas verdienen zu wollen, gibt es immer. Ich frage mich nur, was die anderen denken, die uns nur wenige Minuten vorher mit harschen Handbewegungen weggeschickt haben und nun sehen, dass ihr Konkurrent das Geschäft macht.

Straßenszene mit interessantem Schild.
Straßenszene mit interessantem Schild.

Vor einem kleinen Kiosk, an dem wir die Essenszeit für heute Abend, ergo Sonnenuntergangszeit, auf der Ramadantabelle checken, spricht uns ein Mädel an. Natürlich mit Kopftuch, wie ausnahmslos alle in Hargheisa. Sie ist die Nichte des Kiosktyps und wohnt im Haus dahinter. Für ihr Alter von nur 14 Jahren, vor allem aber für eine Frau, kann sie erstaunlich gutes Englisch, doch ihre Mutter behauptet angeblich, die Ausgaben für den Privatunterricht seien rausgeschmissenes Geld gewesen, da sie nichts könne. Etwa fünf Dollar im Monat. Diese Meinung können wir überhaupt nicht teilen, stattdessen freuen wir uns, endlich mal mit einem Mädel labern zu können, was hier ja doch nicht so häufig passiert. Wirklich aus dem Konzept bringt sie uns aber erst, als sie uns »What’s your talent?« fragt – das ist in unserem standardisierten Antwortenkatalog nämlich leider nicht drin.

Marktstand in Hargheisa.
Marktstand in Hargheisa.
Straßenszene in Hargheisa.
Straßenszene in Hargheisa.

Kurz darauf beobachten wir in einer Marktstraße eine Rauferei mit einem Pulk von Menschen darum. Mutmaßlich geht es um Diebstahl, aber wirklich wissen tun weder wir noch die um uns Herumstehen etwas. Auf einmal lösen sich die zwei Streithähne aus der Masse und rennen für kurze Zeit zwischen den Ständen hin und her, bis der Verfolgte zu Boden fällt und vom Verfolger Stockprügel kassiert. Währenddessen räumen ein paar andere die heruntergefallenen Waren auf die Marktkarren zurück und eine halbe Minute später geht wieder alles seinen gewohnten Gang. Das soll man verstehen?

Straßenszene in Hargheisa.
Straßenszene in Hargheisa.

Abends treffen wir wieder Markus aus Addis, der heute seinen letzten Tag hier hatte, gehen mit ihm im Somaliland-Restaurant essen. Es ist das erste Essen bei den Somalis, das mir wirklich uneingeschränkt schmeckt. Dazu der leckere Tee mit Kamelmilch und schon bin ich restlos glücklich.

Besatzung eines LKW.
Besatzung eines LKW.
Nur relativ wenige Stände haben bei Dunkelheit noch offen.
Nur relativ wenige Stände haben bei Dunkelheit noch offen.

Donnerstag, 26. August 2010aus: Horn von Afrika, Jemen & Naher Osten 2010
Routenteil: Hargheisa

Busbahnhof Hargheisas.
Busbahnhof Hargheisas.
Straßenszene in Hargheisa.
Straßenszene in Hargheisa.
Eingang zu einer Marktstraße Hargheisas.
Eingang zu einer Marktstraße Hargheisas.

Der für unsere Verhältnisse frühe Rhythmus, den wir in den letzten Tagen praktiziert haben, ist bereits wieder flöten gegangen. Der Muezzin beschallt uns zwar weiterhin zu inhumaner Zeit, aber wenn er dann endlich mal fertig ist, kann man ja wieder weiterpennen. So ist es bereits halb elf, als ich mich in den hellen, überdachten Innenhof mit den vielen Pflanzen und Pavillons zum Frühstück setze. Robert braucht noch gut 20 Minuten länger.

Auch hier gibt’s die typisch afrikanischen Ladenbemalungen.
Auch hier gibt’s die typisch afrikanischen Ladenbemalungen.
Selbst Röntgenläden verzichten nicht auf die Bemalung.
Selbst Röntgenläden verzichten nicht auf die Bemalung.
Wieder mal ein Beauty Salon.
Wieder mal ein Beauty Salon.
Auf dem Dach des City Centre Hotels.
Auf dem Dach des City Centre Hotels.
Sambusa, Falafel und andere Leckereien.
Sambusa, Falafel und andere Leckereien.
Familie im Hauseingang nördlich des Zentrums.
Familie im Hauseingang nördlich des Zentrums.
Straßenszene in Hargheisa.
Straßenszene in Hargheisa.
Soso, gebrauchte Reifen also.
Soso, gebrauchte Reifen also.
Bus mit Kennzeichen Nummer 10.
Bus mit Kennzeichen Nummer 10.

Die nächsten Stunden verbringen wir mit dem Schreiben von E-Mails und Blogeinträgen, während draußen wieder die üblichen Mittagsschauer auf das Dach herunterprasseln. Ich bin etwa sechs Tage im Rückstand, Robby auch irgendetwas in der Art, was eigentlich schon so viel ist, dass die Schreibmotivation darunter so sehr leidet, dass ich das Schreiben fast schon wieder an den Nagel hängen will – wenn mir Robbys neu erwachtes Strebertum nicht ein schlechtes Gewissen machen würde.

Tankstelle nahe des Zentrums Hargheisas.
Tankstelle nahe des Zentrums Hargheisas.

Den Nachmittag verbringen wir planlos durch Hargheisa latschend, wie es sich auch sonst bei jedem Stadtaufenthalt gehört. Zunächst genießen wir die Aussicht über die Stadt, die uns das Dach des City-Center-Hotels bietet, auf das wir einfach mal raufgestiegen sind, danach geht es in die bisher nicht abgelaufenen Bezirke etwas weiter außen, wo das Treiben im Vergleich zum Zentrum merklich geringer ausfällt. Dass wir dabei Hargheisa endlich auch mal mit etwas Sonne sehen, freut vor allem beim Fotografieren.

Verkabelung auf dem neuen Stand von Wissenschaft und Technik. Sieht aus wie in Tripolis.
Verkabelung auf dem neuen Stand von Wissenschaft und Technik. Sieht aus wie in Tripolis.

Pünktlich um viertel nach sechs finden wir uns wieder im Hotel ein, um das Fasten zu brechen – obwohl wir nicht gefastet haben. Vom Hotel gibt es jeden Tag gratis ein paar Datteln, drei Stück Sambusa, zwei andere Gebäcke und einen Fruchtsalat mit Pudding, jeweils für alle Gäste schon gut zwanzig Minuten vorher bereitgestellt, sodass man dann gespannt und erwartungsvoll davor am Tisch sitzen und auf den Ruf des Muezzins warten kann. Leider gibt es dafür zu unseren Aufstehzeiten immer nur ein mickriges Frühstück. Paul aus Neuseeland und Alex aus den USA, die wir schon von gestern bzw. von der Somaliland-Mission in Addis kennen, haben das Konzept offenbar irgendwie nicht verstanden: Obwohl gerade mal noch 10 Minuten zu warten wären, essen sie gemütlich vor sich hin, während der Schwarze, der mit ihnen am Tisch sitzt, und natürlich alle anderen im Hof, wie auch wir, auf den Sonnenuntergang warten. Gerade für reiseerfahrene Leute wie die beiden wundert mich ein solch großer Mangel an Respekt und Feinfühligkeit schon sehr.

Kinder in einem nord-östlichen Außenbezirk Hargheisas.
Kinder in einem nord-östlichen Außenbezirk Hargheisas.

Den Rest des Abends verpenne ich größtenteils und beim Rausgehen verlieren Robert und ich uns auch noch, sodass er essen geht und ich nur kurz im Café einen Saftcocktail zu mir nehme. Kein Plan, warum ich so dermaßen müde bin, aber da wir morgen um neun Uhr für Las Geel und Berbera abfahrbereit sein müssen, ist ein bisschen mehr Schlaf durchaus angebracht.

Aktuelles

Sonntag, 6. Mai 2012
Dienstag, 8. Mai, 13:30 Uhr
Riad, (Edge of the World), Raghbah, (Edge of the World), Riad

Saudischer Funk:
+966 569275638

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.