Camper in der Wüste bei Douz, Tunesien (27.03.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Mittwoch, 25. August 2010aus: Horn von Afrika, Jemen & Naher Osten 2010
Routenteil: Hargheisa

Kriegsmonument mit MiG-Jet in Hargheisa.
Kriegsmonument mit MiG-Jet in Hargheisa.
1988 wurde Hargheisa von somalischen Truppen weitgehend zerstört. Die auf den ersten Blick infantile Zeichnung offenbart krasse Brutalität.
1988 wurde Hargheisa von somalischen Truppen weitgehend zerstört. Die auf den ersten Blick infantile Zeichnung offenbart krasse Brutalität.

Auf unseren Programm steht heute Hargheisa, was im Falle dieser Stadt mangels konkreter Must-Sees oder Must-Dos soviel wie rumlungern bedeutet. Auf Hargheisas Programm stehen jedoch nicht wir, sondern Lärmbelästigung und Regenschauer. So werde ich früh morgens unsanft vom Muezzin der Moschee gegenüber geweckt, deren einer Lautsprecher direkt auf unser Fenster gerichtet ist. Wenn der Typ wenigstens nur kurz seinen üblichen Sermon runterrattern und dann die Schnauze halten würde, könnte ich damit ja durchaus leben, aber dass er zu solch unchristlicher Zeit eine gefühlte Stunde seinen Servus in die Welt hinausposaunen muss, geht dann doch eindeutig zu weit.

Die Muezzine der Ali-Matan-Moschee weckten uns jede Nacht. Fotografiert von unserem Balkon aus.
Die Muezzine der Ali-Matan-Moschee weckten uns jede Nacht. Fotografiert von unserem Balkon aus.

Nach dem Frühstück reden wir mit Saeed, dem Manager des Hotels. Er ist aus Dschibuti und führt zusammen mit dem Besitzer Abdi den Laden. Englisch und Französisch spricht er bestens, nur mit dem Zuhören hat er es nicht so, denn von allen unseren Anfragen merkt er sich nur die erste Hälfte. Telefonisch fragt er für uns beim PR-Manager des Hafens in Berbera nach den nächsten Booten für den Jemen an, und eine Tour nach Las Geel, die wir wohl oder übel nehmen werden müssen, bietet er uns ebenfalls an.

Freitagsmoschee (Jama Mosque) in Hargheisa.
Freitagsmoschee (Jama Mosque) in Hargheisa.

Interessant sind aber auch diverse andere Erzählungen. So geht man hier für die Krankenversorgung nach Äthiopien. Nicht etwa hierher, wo die dicken Autos fahren und eine der besten Kommunikationsinfrastrukturen Afrikas verfügbar ist, auch nicht ins teuere Dschibuti, das sich als Monaco des schwarzen Kontinents profilieren will. Das muss man sich mal vorstellen: Äthiopien als beste medizinische Adresse der Region! In Somaliland und Dschibuti gebe es die entsprechenden Geräte nicht, behauptet Saeed, in Addis hingegen schon. »Die ganze Welt stellt da doch Krankenhäuser und Maschinen hin, wir müssen hier hingegen alles selbst besorgen!«, beschwert er sich.

Ziegen wie Menschen schützen sich unter einem Balkon vor dem Regen.
Ziegen wie Menschen schützen sich unter einem Balkon vor dem Regen.

Unser erster Versuch, Hargheisa zu erkunden, schlägt wegen immer heftiger werdenden Regens fehl – also wird im Hotel erstmal einer aufgegeekt (Robert-Deutsch für generded), bis wir uns gegen vier Uhr nachmittags doch hinaustrauen können. Außer dem MiG-Jet aus Bürgerkriegszeiten gibt es nichts Besonderes zu sehen in der Hauptstadt der selbsternannten Republik, dafür sind die Straßen aber ein Gemisch aus Sand und Pfützen, welches sich bestens zum Hosen-dreckig-Machen eignet. Etliche Marktstände, kleine Buden und Händler unter Sonnenschirmen säumen die Straßenränder mit Obst oder diversem Technikkram, was hier so viel angeboten zu werden scheint wir im ganzen Rest Afrikas zusammen. Toll sehen auch die vielen Geldwechsler aus, die jeweils Dutzende dicker Packen an Somaliland-Schilling, auch einfach »Land« genannt, vor sich aufgestapelt haben, als würden sie Seifen oder Dosenbier verkaufen. Die größten verfügbaren Scheine sind 500er und damit etwas weniger wert als ein dreizehntel US-Dollar – da kommen beim Tausch von hundert Dollar schnell mal über eintausend Scheine zusammen.

Geldwechsler mit Somaliland-Schilling.
Geldwechsler mit Somaliland-Schilling.
Geldwechsler mit Hunderterpacken an Somaliland-Schilling. Ein Packen ist gut acht US-Dollar wert.
Geldwechsler mit Hunderterpacken an Somaliland-Schilling. Ein Packen ist gut acht US-Dollar wert.
Robert gesellt sich zu zwei Affen auf den Straßen Hargheisas.
Robert gesellt sich zu zwei Affen auf den Straßen Hargheisas.
Kiosk-Mädel mit erstaunlich gutem Englisch.
Kiosk-Mädel mit erstaunlich gutem Englisch.

Nicht umsonst tauschen wir deswegen 200 Euro in amerikanische Moneten anstatt in Schilling. Das schont den Geldbeutel, ist übersichtlicher und vor allem auch übertragbar. Sozuagen. Da der Euro offiziell bei miesesten 1,265 USD angekommen ist, was so ziemlich der schlechteste Wert aller bisherigen Reisen sein dürfte, macht das Umtauschen eher wenig Freude. Dahabschiil, das lokale Western Union in Grün, bietet immerhin einen Kurs von 1,22 an, doch nach einigem Verhandeln und Weitergehen bei den Straßenwechslern bekommen wir den Tausch sogar zu anständigen 1,24 durchgeführt. Irgendeinen, der schlau genug ist, etwas verdienen zu wollen, gibt es immer. Ich frage mich nur, was die anderen denken, die uns nur wenige Minuten vorher mit harschen Handbewegungen weggeschickt haben und nun sehen, dass ihr Konkurrent das Geschäft macht.

Straßenszene mit interessantem Schild.
Straßenszene mit interessantem Schild.

Vor einem kleinen Kiosk, an dem wir die Essenszeit für heute Abend, ergo Sonnenuntergangszeit, auf der Ramadantabelle checken, spricht uns ein Mädel an. Natürlich mit Kopftuch, wie ausnahmslos alle in Hargheisa. Sie ist die Nichte des Kiosktyps und wohnt im Haus dahinter. Für ihr Alter von nur 14 Jahren, vor allem aber für eine Frau, kann sie erstaunlich gutes Englisch, doch ihre Mutter behauptet angeblich, die Ausgaben für den Privatunterricht seien rausgeschmissenes Geld gewesen, da sie nichts könne. Etwa fünf Dollar im Monat. Diese Meinung können wir überhaupt nicht teilen, stattdessen freuen wir uns, endlich mal mit einem Mädel labern zu können, was hier ja doch nicht so häufig passiert. Wirklich aus dem Konzept bringt sie uns aber erst, als sie uns »What’s your talent?« fragt – das ist in unserem standardisierten Antwortenkatalog nämlich leider nicht drin.

Marktstand in Hargheisa.
Marktstand in Hargheisa.
Straßenszene in Hargheisa.
Straßenszene in Hargheisa.

Kurz darauf beobachten wir in einer Marktstraße eine Rauferei mit einem Pulk von Menschen darum. Mutmaßlich geht es um Diebstahl, aber wirklich wissen tun weder wir noch die um uns Herumstehen etwas. Auf einmal lösen sich die zwei Streithähne aus der Masse und rennen für kurze Zeit zwischen den Ständen hin und her, bis der Verfolgte zu Boden fällt und vom Verfolger Stockprügel kassiert. Währenddessen räumen ein paar andere die heruntergefallenen Waren auf die Marktkarren zurück und eine halbe Minute später geht wieder alles seinen gewohnten Gang. Das soll man verstehen?

Straßenszene in Hargheisa.
Straßenszene in Hargheisa.

Abends treffen wir wieder Markus aus Addis, der heute seinen letzten Tag hier hatte, gehen mit ihm im Somaliland-Restaurant essen. Es ist das erste Essen bei den Somalis, das mir wirklich uneingeschränkt schmeckt. Dazu der leckere Tee mit Kamelmilch und schon bin ich restlos glücklich.

Besatzung eines LKW.
Besatzung eines LKW.
Nur relativ wenige Stände haben bei Dunkelheit noch offen.
Nur relativ wenige Stände haben bei Dunkelheit noch offen.

Aktuelles

Sonntag, 6. Mai 2012
Dienstag, 8. Mai, 13:30 Uhr
Riad, (Edge of the World), Raghbah, (Edge of the World), Riad

Saudischer Funk:
+966 569275638

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.