Freitag, 13. August 2010aus: Horn von Afrika, Jemen & Naher Osten 2010
Routenteil: Planegg, München, [Deutschland / via Kairo / Äthiopien], Addis Abeba
Wieder nicht selbstfahrend. Wieder kein Landweg.
Dabei war ich mir so gut wie sicher, dass es diesen Sommer im Camper losgehen würde. Kein Warten auf Busse mehr, kein ständiges Suchen nach Unterkünften. Einfach so an die abgelegensten Orte fahren – ganz ohne Busfahrzeiten raussuchen zu müssen und die zweite Weghälfte auf irgendeiner Ladefläche mitgenommen zu werden.
Doch weil sich mit Roberts fünf Wochen im Camper nicht viel anstellen lässt, was uns auch interessieren würde – die kürzeste in Frage kommende Tour hätte uns nach Georgien, Armenien und Aserbaidschan geführt – tragen wir nun also wieder mal 10 respektive 16 Kilo auf unserem Rücken herum anstatt den Camper mit einer halben Tonne wichtiger und unwichtiger Habseligkeiten zu beladen.
Und damit nicht genug: Schrieb ich Ende letzten Sommers nicht in meinen Bericht, ich hätte vorerst genug von Schwarzafrika? Dass es zwar schon interessant und lustig gewesen sei in Kenia und Uganda, diese Kultur und Mentalität aber nicht unbedingt die mir genehmste sei und ich mich bei den Arabern besser aufgehoben fühlte? Nun, gerade mal ein knappes Jahr ist seitdem vergangen und wieder sitze ich im 15.55-Uhr-Flug mit der gleichen Flugnummer von München nach Kairo. Carl werde ich dort diesmal zwar nicht treffen, aber dafür sitzt Robert auch schon neben mir. Der bezeichnet unsere komfortablen Plätze am Notausgang zwar als Ramadansitzreihe, weil er die in den Armlehnen verborgenen Tische nicht sofort entdeckt. Doch – wer hätte es gedacht? – auch in unserem Ramadanflieger von Egyptair gibt es anständig viel zu essen.
Check-in in München.
In Kairo kaufe ich mir pro Forma zwei ägyptische Visa zum Einkleben. Man weiß ja nie. In gut zwei Monaten werde ich sie sowieso brauchen und billiger als die Konsulargebühren in Damaskus, wo es nämlich umgerechnet 16 Euro kostet, sind die 15 US-Dollar auch allemal. Ganz zu schweigen davon, dass in Taba womöglich sowieso nur ein Visum für den Sinai ausgestellt wird, mit dem man eigentlich nicht nach Kairo dürfte. Habe leider letztes Jahr nicht gefragt.
Es ist sicher gut, sich Visa vorher zu besorgen – noch besser ist es aber, seinen Pass auch rechtzeitig wiederzukommen. Unsere haben wir seit gestern Abend. Nachdem das äthiopische Visum wieder einmal nur drei Werktage inklusive Postwegen gebraucht hat, hätte uns das jemenitische Visum fast mit unseren Zweitpässen losziehen lassen. Ein Visum für Jemen in Deutschland zu beantragen ist eine ziemliche Tortur, wenn man nicht gerade eine organisierte Tour und gebuchte Flüge vorweisen kann. Damit müsste man sich nämlich angeblich neuerdings eine Genehmigung des Innenministeriums besorgen und dann nach Einreichung aller Unterlagen in Berlin oder Frankfurt hoffen, dass auch wirklich eines ausgestellt wird. Ziehen in letzter Zeit etwa zu viele Deutsche in den Djihad?
Aber wie das bei den Arabern nun mal so ist, kommen die Anweisungen aus der Heimat bei so manchen Auslandsvertretungen an – und bei manchen eben nicht. Durch einige Recherche kamen wir drauf, dass die Prozedur in Wien ganz anders läuft: Pass hinschicken, Antrag rein, Hotelbuchung rein, 50 Euro dazu, frankrierter Rückumschlag, und in angeblich nur einem Werktag würde das Visum ausgestellt werden. Einziges Problem dabei ist, dass man mir bei Anruf in der Botschaft riet, wir sollten so tun, als seien wir in Österreich ansässig, um eine Nachfrage nach unseren nicht vorhandenen Meldebescheinigungen zu vermeiden. Es galt folglich, eine österreichische Adresse zu besorgen sowie österreichische Briefmarken zum Frankieren des Rückumschlags. Dass sich vor allem die letztere Aufgabe als ein handfestes Problem entpuppen würde, mit dem wir gut zwei Wochen beschäftigt sein würden, hätte wohl keiner erwartet. Was hilft es, wenn man zwar Dutzende Leute kennt, die in der Alpenrepublik studieren, diese aufgrund der bereits angelaufenen Semesterferien aber allesamt nicht dort sind? Erst als es mir eines Tages zu blöd war, ständig zu fragen und hinterher zu rennen, kam ich auf die zündende Idee: Wenn ich im Rahmen von Mitfahrgelegenheiten schon ständig irgendwelche Waren von A nach B bringe, warum sollte mir dann nicht jemand Briefmarken mitbringen können? Gesagt, getan, Mitfahrgelegenheit von Innsbruck nach München rausgesucht, angerufen, und nur vier Stunden später konnte ich zwei 3,75-Euro-Marken der österreichischen Post in Pasing abholen.
Dachten wir zunächst noch, zwei Wochen sollten lässig reichen, um die Pässe von uns zur Botschaft, von dieser zu unserer Adresse und von dort zurück nach München zu schicken, so sind wir auch hier in deutlicher Weise eines Besseren belehrt worden. Verwöhnt von der Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Deutschen Post, wo es fast schon ein Skandal ist, wenn ein Brief zwei Tage braucht, hätten wir nie gedacht, dass österreichische Brieflaufzeiten eher den italienischen ähneln als unseren. So brauchte das Einschreiben von 1030 Wien nach 1090 Wien ganze fünf Tage und der Internationale Eilbrief von Wien nach München immerhin drei. Womit wir bei gestern angelangt wären.
Ägyptisches Bier am Terminal 3 in Kairo.
Unser Anschlussflug von Kairo sieht indes etwas anders aus als letztes Jahr. Statt nach Nairobi fliegen wir weiter nach Addis Abeba, von wo wir in Richtung Osten nach Somaliland wollen, um von dort mit einem Boot nach Jemen überzusetzen. Für Robert ist es der zweite Besuch in Äthiopien nach seiner Reise vor fünf Jahren, für mich ist es nach einem Jahr hingegen endlich mal wieder ein neues Land.
Und wie es der Zufall will, komme ich mit meinem Sitznachbarn Ben ins Gespräch und erwähne nebenbei, dass weiter vorne – Robby und ich sitzen auf diesem Flug nämlich etliche Reihen auseinander – noch mein Kumpel sitzt, der schon einmal in Äthiopien war und dessen Vater Medizinprofessor ist. »Der heißt aber nicht Matthias?« »Doch«, sage ich, »Siebeck«. Und da die Welt nun mal klein ist, kennt Ben den Matthes, hat mit Shenkhut, den wir eh noch anrufen wollen, früher mal zusammen in München gewohnt, und hat auch schon zwei der Siebecksöhne bei einem gemeinsamen Essen kennen gelernt. Robert war wohl aber nicht dabei, wie sich später rausstellt.
Der Flughafen in Addis lässt uns bass erstaunt, denn in weniger als einer halben Stunde nach Landung sind wir bereits draußen. Rollweg, Andocken des Fingers, Einreise, alles dauert nur wenige Minuten. Sogar das Gepäck ist bereits auf dem Band, als wir zwanzig Minuten nach Landung alle Formalitäten hinter uns haben. Robert meinte noch, wir könnten da jetzt sicher mehrere Ewigkeiten warten – und ist vor Überraschung ohne Worte geblieben.
Addis Abebas Flughafen »Bole International«.
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Wie jetzt? Use or abuse? Darunter ein Beispiel für amharische Schrift.
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Dienstleistung wird hier groß geschrieben.
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Mit Preston, einem in Amman lebenden Amerikaner, der ebenfalls auf unserem Flug war, teilen wir uns ein Taxi ins Piassa-Viertel, wo wir direkt zum Hotel Baro fahren. 100 Birr für die Fahrt, also umgerechnet etwas mehr als fünf Euro, ist zwar nicht gerade der allerbeste Preis, den man sich vorstellen kann, aber immerhin weniger als die zunächst verlangten 160, und angesichts dessen, dass es halb vier ist und wir eigentlich eher schlafen als verhandeln wollen, voll im Rahmen.
In einem dreckigen Dreibettzimmer für ebenfalls nicht allzu billige 240 Birr legen wir uns schließlich ab. Die Check-out-Zeit von 12 Uhr können wir gleich mal vergessen.
Preston in unserem Zweieinhalbbettzimmer im Hotel Baro.