Die Misters im Dokan-See, Irak (16.06.2008)
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was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Samstag, 20. März 2010aus: Syrien & Libanon 2010
Routenteil: Tartus, Banias, Qalat al-Marqab, Banias, Tartus

Tartus als den Libanon Syriens zu bezeichnen handelt mir den vehementen Widerspruch der Hotelchefin ein, die ursprünglich aus einem Dorf in der Nähe von Qalat al-Hosn stammt. Die 35-Jährige hat in ihrem Leben nach eigener Aussage jedoch noch nicht einmal Hama oder Aleppo besucht, geschweige denn irgendeine Stadt am Euphrat oder gar östlich davon, weshalb ich mich frage, ob ein etwas herumgekommener Tourist das nicht sogar besser beurteilen kann als sie.

Immerhin hat sie recht, wenn sie behauptet, man könne sich in Tartus zwar viel erlauben und weit mehr machen als womöglich im Rest Syriens, dass die Freiheiten jedoch nicht grenzenlos wie im Libanon seien. Leben möchte sie dort sowieso nicht, allem voran, wegen der geringeren Sicherheit und dem angeblich viel chaotischeren Leben. Syrien, auch da liegt sie sicherlich richtig, sei sowohl für Touristen wie auch für Einwohner sehr sicher – und Tartus darüber hinaus auch noch sehr sauber und auf kleinstädtische Weise gemütlich.

Tatsächlich kann Tartus zumindest ansatzweise mit einer Mischung aus mediterranem Küstenflair, libanesicher Liberalität und syrischer Rahmenordnung aufwarten, die es zu einem durchaus lebenswerten Ort machen. Im Gegensatz zu Lattakia besteht der Meerblick nicht nur aus Containern und Kränen, sondern einer durchaus ansehnlichen Corniche, auf der am Nachmittag flaniert, Eis gegessen, Drachen steigen gelassen und das Meer beobachtet wird.

Bei allem Lob sei jedoch klar gestellt: wie einen malerischen italienischen Ort mit Jahrzehnte alter Strandpromenade, die mit den sie umgebenden Gebäuden eine stilistisch harmonische Einheit bildet, darf man sich Tartus nicht vorstellen. Die überbreite Corniche wirkt extrem künstlich sowie willkürlich an die Küste platziert – und sie ist es wohl auch. Eine sechsspurige Straße trennt sie von der ersten Gebäudereihe, welche, abgesehen von einigen Ausnahmen, die mit moderner Glasfassade oder in Form einer Moschee daherkommen, aus Bauten von nicht nennenswerter Schönheit der letzten Jahrzehnte besteht; in ihrem Grau oder dreckigem Weiß geben sie allesamt nicht allzu viel her.

Weil es in Tartus selbst außer der Kreuzritterkathedrale, der kleinen Altstadt, in der heute Morgen eine Horde Menschen den Dreharbeiten einer mutmaßlichen B-Produktion beigewohnt hat, und der vielen hübschen Mädels nicht viel zu sehen gibt, mache ich einen Ausflug nach Banias, um die nahe gelegene Burg Qalat al-Marqab zu besichtigen. Syrien und Jordanien sind ja buchstäblich vollgestopft mit Kreuzritterburgen, doch diese ist nach Qalat al-Hosn und Qalat al-Salahdin die drittwichtigste im Lande. Anders als ihre Konsorten ist sie außerdem aus dunklem Gestein gebaut und wird deshalb vereinzelt auch »Schwarze Burg« genannt.

In der Tat bietet sie allein deswegen eine große optische Abwechslung, wartet aber ansonsten mit den mehr oder weniger gleichen Eigenschaften der sonstigen Burgen auf, welche immer wieder interessant zu besichtigen sind: Begehbare Verteidigungsmauern, Dutzende Meter hohe Haupttürme, mehrstöckige Raumsysteme, Küchen, Ställe und Verliese, zig Meter lange, von Bögen gesäumte Gänge, und weite Flächen, die von wilder Flora teils hüfthoch überwachsen sind. Nicht zu vergessen die atemberaubende Lagen wie diese hier, 500 Meter über Banias und der weithin bis Lattakia erblickbaren Mittelmeerküste situiert.

Morgen werde ich anstatt Safita zu besuchen wohl in den Libanon fahren. Zum einen langweilit mich das Hotel Daniel inzwischen etwas, da mir die Atmosphäre nicht so recht gefällt. Auf den ersten Blick ist es eine nette Sache, dass die Besitzerfamilie gleichzeitig hier wohnt und die beiden drei und fünf Jahre alten Jungs ständig irgendwo im Weg abhängen, doch da es sich bei dem, was ich eher für eine Lobby halten und als solche auch benutzen würde, quasi um das Wohnzimmer der Familie handelt, sollte man eher auf seinem eigenen Zimmer hocken. Das ist zwar groß und sehr anständig sauber – doch eben auch ziemlich langweilig!

Zum anderen stressen meine Ohren in den letzten Tagen etwas. Eine ungewohnte Empfindlichkeit für Druckunterschiede und Kälte lässt mich vermuten, dass ich in dieser Hinsicht derzeit nicht ganz fit bin. Da ich sowohl gestern wie auch heute nach der Rückkehr auf Meeresniveau den Druck auf den Ohren selbst nach Stunden nicht mehr los werden konnte, möchte ich mir morgen das viele Hundert Meter hoch gelegene Safita, welches ich gestern schon mehr oder weniger unwissend per Anhalter durchquert habe, lieber sein lassen.

Also auf zum Geldvernichten in den Libanon.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.