Windräder zwischen El Cuartón und Cortijo de la Picota, Spanien (19.08.2006)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Donnerstag, 11. März 2010aus: Syrien & Libanon 2010
Routenteil: İstanbul, Ankara, Adana, İskenderun, Antakya

Adana IV.

Im türkisch gefühlten Südosten der Landkarte befindet sich Adana, die den Autokennzeichen nach zu urteilen erste Stadt des Landes – wenn diese nicht einfach alphabetisch durchnummeriert wären. Schaut man sich die Karte jedoch etwas genauer an, fällt auf, dass die viertgrößte Stadt der Türkei so östlich gar nicht liegt, sondern den Süden des Landes recht gleichmäßig in Ost und West teilt. Dass für einen Einwohner İstanbuls, und erst recht für den Otto-Normal-Kontinentaleuropäer, Adana trotzdem jenseits von Gut und Böse liegt, mag zum einen daran liegen, dass die Mittelmeerküste nur wenig östlich der Stadt in Richtung Süden zu verlaufen beginnt und sich die weitere Türkei nicht mit dem bei manchen vorherrschenden Bild einer immerzu vorhandenen türkischen Südküste vereinen lässt. Vor allem aber beginnt gute 100 Kilometer weiter östlich jener Teil der Türkei, der für die meisten Türken zwar ein absolutes No-Go-Gebiet ist, gleichzeitig jedoch mit aller Vehemenz als unveräußerbares Staatsgebiet der Türkiye Cumhuriyeti angesehen wird: die kurdischen Gebiete, sozusagen Türkisch-Kurdistan.

Dort leben gewissermaßen die Affen und sollte man jemals dagewesen und trotzdem noch am Leben sein, dann muss das Glück wohl per Definition auf der eigenen Seite gewesen sein – oder aber man ist Übermensch. Wenn ich erwähne, in Hakkari, Şirnak, Çizre oder Silopi gewesen zu sein, verschlägt es vielen für mehrere Sekunden die Sprache. Manche fühlen sich genötigt, es sofort den Umstehenden weiterzuerzählen und selbst wenn eine halbe Stunde später jemand weiteres hinzustößt, gehört das Befahren der D400, der südlichen Ost-West-Verbindung, östlich von Gaziantep fest zur Kurzbeschreibung meiner Person. Tatsächlich habe ich seit Ende 2008 keinen Türken mehr getroffen, der Trabzon, Erzurum, Doğubeyazıt, oder die bereits genannten Städte besucht hat. Hakkari ist für die meisten einfach nur die türkische Hölle, wo angeblich täglich die eigenen Soldaten in des Teufels Hinterhof sterben. Wir erinnern uns: »Sir! I have to tell you, sir: This is not a safe place to stay, sir!«

Zum vorerst letzten Mal steige ich in Adana aus dem Zug. Eigentlich ist die Situation gerade blöd: Ein gewisser Mustafa hat vor wenigen Minuten in meinem Abteil seinen Fotoapparat vergessen, ohne dass ich ihn jedoch finden oder sonst etwas Sinnvolles für ihn tun könnte. Und auch Fardi und Huseyin, meine beiden Kompagnons aus dem Speisewagen, sind nicht mehr auffindbar, obwohl wir uns auf dem Bahnsteig treffen wollten. Wahrscheinlich haben sie gedacht, ich sei schon weg, dabei musste ich erstmal mein auf mehrere Waggons verstreutes Zeug zusammensammeln.

Trotzdem fühle ich mich jetzt erstmal so richtig im Urlaub. Jacke und Weste werden in den Rucksack gepackt, so warm ist es, und ich genieße direkt vor dem Bahnhof bei einem Apfel und ein paar Keksen das nahende Ende meiner sechs Tage währenden Anreise.

Anstatt wie letztes Jahr auf nicht gerade optimalen Umwegen in mehreren Bussen zum gewünschten Otogar, dem Busbahnhof, zu kommen, mache ich mich zu Fuß auf den Weg durch die Stadt. Viele Leute grüßen mich, ich bleibe manchmal zum kurzen Tratsch stehen, etliche Leute von groß bis klein hängen zwischen künstlichen Wasserfällen, Brunnen und Blumenbeeten in den diversen Parkanlagen ab. Eine Gruppe junger Türken freut sich, vor der großen Moschee fotografiert zu werden, und endlich kann man mit dem einen oder anderen schon Arabisch statt Türkisch kommunizieren. Kurzum: Willkommen im Urlaub.

Zum vierten Mal bin ich nun in Adana, doch alles was ich nach einer Durchfahrt mit dem Zug, einer mit dem Auto und einer mit zwei Stadtbussen kannte, waren der Bahnhof, drei Hauptstraßen und die Umgehungsstraße. Nicht, dass ich nach der heutigen Stunde zu Fuß viel mehr kennen würde, doch hat sie Appetit auf mehr gemacht und irgendwann werde ich, auch wenn es hier eigentlich nichts Besonderes zu sehen oder zu tun gibt, wohl mal etwas länger verweilen.

Am Otogar geht es schließlich in Richtung Antakya weiter. Wie schön, dass der Bus nicht so voll wie beim letzten Mal ist und der Angestellte nicht ganz so verrückt und laut sein »Hatay, Hatay, Hatay!«, den neutürkischen Namen für Antakya, aus voller Kehle herausschreit.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.