Schüler in Ardabil, Iran (22.04.2008)
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was zum Teufel soll diese Adresse?!?
17. November 200910. März 2010

Dienstag, 9. März 2010aus: Syrien & Libanon 2010
Routenteil: Beograd, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Von der Straße auf die Schiene

Zum fünften Mal begrüße ich İstanbul, und die Stadt empfängt und bedankt sich dafür – mit Pisswetter und extremen Grau. Vielleicht soll das Wetter ja dazu beitragen, mein heimeliges Gefühl zu stärken. Dass sich das jedoch eher durch meine im Durchschnitt halbjährlichen Besuche ergibt und nicht durch möglichst an zu Hause angeglichene Temperaturen und Niederschlagsmengen, hat sich wohl noch nicht so ganz herumgesprochen.

»Wo ist eigentlich der Schnee?« wäre im Hinblick darauf außerdem zu fragen, denn bis gestern Abend kam ich mir eher vor wie im Skiurlaub als auf einer Tour in den Nahen Osten. Das Schneegestöber mit Sichtweiten von 30 Metern kurz nach der Abfahrt in München verlangte über weite Teile Schritttempo auf der A8 bis Österreich. An der Raststätte Walserberg flockte es indes dermaßen weihnachtlich, dass ich mehr Chancen gehabt hätte, als Fahrer eines Schneeräumfahrzeuges einzuspringen als eine Mitfahrgelegenheit nach Süden zu finden. Und während es in Ljubljana, Zagreb und Belgrad zwar mitunter beißend kalt, nebst den aufgeschütteten Schneebergen innerstädtisch aber recht schneefrei zuging, erweckte der Süden Serbiens zusammen mit Bulgarien sowie insbesondere Sofia den Eindruck, Island und nicht İstanbul sei Ziel der Etappe. Immerhin vermittelt so eine eingleisige Zugstrecke, die sich durch die weiße Winterlandschaft schlängelt, ein durchaus romantisches Gefühl.

Klar, wie wir alle wissen, wäre der Zug von Belgrad nach Sofia auch ohne 30 Zentimeter Neuschnee und horizontalem Niederschlag nicht schneller gefahren als die 40 Kilometer pro Stunde, mit denen er sich bestens in die Riege meiner bisherigen Zugfahrten auf dem Balkan einreiht. Hervorzuheben ist viel mehr die Tatsache, dass ich auf Schiene unterwegs war und nicht etwa, wie eigentlich angedacht, auf der Straße.

Angefangen von den Politikern, die sich einst das Sonntagsfahrverbot für LKW ausgedacht haben, bis hin zu den hauptsächlich unkooperativen Jugos, haben es sich einige wohl zur Aufgabe gemacht, mein Fortkommen zu behindern. Da hat es auch nichts geholfen, dass ich bis Slowenien sogar einigermaßen schnell unterwegs war: Mit dem Fotografen Oliver aus Köln und Bozen, der sogar extra umgedreht hat, ging es bis nach Irschenberg. Dort herrschte ein Massenbetrieb, wie ich ihn an dieser Raststelle noch nie erlebt hatte. Bis nach draußen standen die Leute an, wohl auch deshalb, weil sie lieber an der Tanke weilten als auf der Autobahn still zu stehen. Phillip und Alexandra, die sich gerade eine Abendzeitung gekauft hatte, weil sie und ihre Trachtenmarke darin vorgestellt wurden, brachten mich eine halbe Stunde später bis nach Walserberg. Eine große Raststätte, keine Frage, aber es wäre nicht schlecht, wenn außer Polen und Tschechen auch noch jemand anders anhalten würde und die türkischen LKW-Fahrer nicht durch das Fahrverbot für die nächsten 32 Stunden still stünden. Naja, immerhin freute sich letztere Gruppe sehr über mein İstanbuler Akbil, einen Chip zum Aufladen für die Benutzung des ÖPNV, den ich mir letztes Jahr zugelegt habe.

Gute drei Stunden des Wartens später erbarmte sich Gerhard, dessen Mercedes den Charme einer Müllhalde im frühen Stadion hatte, mich sozusagen »um die Ecke« bis nach Hallein zu bringen, wo ich wenigstens mal auf der richtigen Route nach Villach stehen würde. Dass er sich in Wirklichkeit eher aufdrängte als erbarmte, ziemlich unübliches Zeug sprach, angeblich bei der Geheimpolizei war und an jenem Tag schon aushilfsweise Schneeräumer gefahren sein will, mich zudem noch unbedingt zu sich nach Hause einladen wollte, um Mittag zu essen, macht ihn zum kuriosesten Vogel dieser Tage. Warum bitteschön soll ich bei Tageslicht Pause machen? Das wäre vollkommen blöd.

Nach keinen vier Minuten an der Jet-Tanke in der Ortschaft Hallein erklärte sich die Österreicherin Lisa bereit, mich für ein paar Dutzend Kilometer mitzunehmen. Zumindest nachdem wir zusammen das richtige Öl für ihr Auto herausgefunden haben und sie die Hälfte von diesem wie auch des Spritzwassers beim Nachfüllen in den Motorraum vergossen hat. Die Ölkontrollampe war somit wieder dunkel und nur die seit Monaten leuchtende Motorkontrolllampe leuchtete weiter munter vor sich hin. Die 21-jährige ist die wohl jüngste Person, die mich bisher mitgenommen hat und hält mit unter fünf Minuten Wartezeit wahrscheinlich auch gleich einen zweiten Rekord.

Der 90-minütige Aufenthalt bei einer Tanke in der Nähe von Sankt Johann markierte dann auch schon das Ende der Warterei auf deutschsprachigem Boden, die im Allgemeinen um einiges angenehmer ist als jene an nicht deutschsprachigen Raststätten. Nicht nur, dass erstere oft besser ausgerüstet und vor allem eher mit Stühlen und Tischen bestückt sind als andere, auch das sich zum Freund Machen der Angestellten hilft oft ungemein bei der Erfüllung des einen oder anderen Wunsches oder auch einfach nur dem Rumbringen der Zeit.

Nicht oft kommt normalerweise die Situation vor, zwischen mehreren Mitfahrgelegenheiten wählen zu können. Ein Grieche, dessen Gesicht sich bei meinen wenigen Worten Urlaubsgriechisch sogleich erhellte, erklärte mir, er könne mich eine halbe Stunde später mitnehmen. Ich entschied mich dann aber doch für den später gekommenen Deutsch sprechenden Belgier Ludo, der nicht nur bis Villach sondern immerhin bis Slowenien fuhr. Beide Kühl-LKW, sowohl der griechische wie auch der belgische, fallen nicht unter das Fahrverbot und dürfen daher immer fahren.

Zu meiner Überraschung dauerte es an einer kleinen Tanke in Jesenice lediglich zehn Minuten, bis ich bei Nehad einstieg. Der Mazedonier mit schweizer Kennzeichen holt zusammen mit seiner nicht Deutsch sprechenden Frau seinen Enkel, seinen Sohn und seine Schwiegertochter ab. Der Vater von letzterer sollte gleichzeitig von Zagreb aus entgegen kommen, an der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien ist die Übergabe geplant. Nehad war durchaus lustig, verbiss sich manchmal nur etwas zu sehr auf das eine oder anderen Thema; aber ich wollte den seit Jahrzehnten in der Schweiz lebenden Moslem unbedingt auf das Minarettverbot ansprechen.

All seine Bemühungen – er versogte mich mit Cola und organisierte, dass ich vom Vater der Schwiegertochter mit zurück nach Zagreb genommen werden sollte, waren letztendlich jedoch vergebens: Der andere Typ raffte nicht, dass er am Übergabepunkt stehen bleiben sollte und so merkten wir erst Dutzende Kilometer später, dass wir schon längst aneinander vorbei gefahren waren. In Novo Mesto drehten wir um, beide noch im Glauben, ich könne dann nach Zagreb mitfahren, doch als wir schließlich die anderen wieder erreichten, meinte der andere Typ, er fahre jetzt auch nach Ljubljana und verbringe die Nacht dort, weil ihm Zagreb inzwishcen zu weit sei. Weiter in Richtung Ljubljana fahrend wollte mich Nehad an der nächsten Tanke rauslassen – von der 40 Kilometer weit keine einzige zu sehen war und uns somit nichts anderes übrig blieb, als mich auf dem Autobahnring um die Stadt abzusetzen. Hier waren wir schon vor über einer Stunde gewesen und abgesehen von schicken Sloweninnen mit langen blonden Haaren, die im BMW auf dem Weg zur nächsten Party waren, herrschte so gut wie kein Verkehr. Und Stühle gab es auch nicht.

Neben mir gab es jedoch noch eine weitere ständige Präsenz: Im silbernen 1er-BMW saßen der junge Österreicher Gernot, seine mexikanische Freundin und die Brasilianerin, die die beiden besuchte. Mit plattem Hinterreifen waren sie dank der Flatrun-Räder sogar noch über 300 Kilometer aus Kroatien bis an diese Tanke getuckert, haben dabei die Brasilianerin illegal – sie hatte sich zuvor mehr als die erlaubten neunzig Tage im Schengenraum aufgehalten – in die Europäische Union gebracht und versuchten nun, mit BMW-Service, ÖAMTC und ADAC irgendwie zu einer Lösung zu kommen, die sie an jenem Samstagabend noch weiterkommen lassen würde. Nicht nur ich war jedoch verwundert, dass es keine der drei Organisationen fertig brachte, noch in der Nacht einen Ersatzreifen heranschaffen zu lassen. So stieg ich schließlich aus purer Laune heraus mit ein und leitete die drei ins Zentrum von Ljubljana, das in mir die Erinnerung an den letzten Abend unserer Iranreise wachrief, wo wir Carl und Arne verabschiedet hatten.

Aus dem geplanten Bier mit Gernot und Kompanie wurde leider nichts mehr, und dass dies – mal abgesehen von weiteren 1,5 Kilometern – die letzte per Anhalter gefahrene Teilstrecke auf dem Weg nach İstanbul war, wäre mir auch nicht im Traum eingefallen.

Bei den Jugos war nämlich Schluss mit lustig.

Natürlich gab es auch in diesen Tagen wieder einige Deutsche und Österreicher, die sich entweder extrem unfreundlich benommen oder mich vollständig ignoriert haben, wenn ich sie ansprach. Da fragt man freundlich »Grüß Gott, fahren Sie zufällig nach Novo Mesto?« und erntet entweder einen bösen Blick oder aber, und das ist noch häufiger, die gefragte Person dreht ihren Kopf demonstrativ weg und beschleunigt ihren Gang, ganz so als wolle sie ja nichts mit der pennerähnlichen Kreatur, diesem Verlierer der Gesellschaft, der andere nach einer Mitfahrgelegenheit fragen muss, zu tun haben.

Auf dem Balkan nimmt dies scheinbar umso mehr zu, je weiter man nach Südosten kommt. Aufgrund der Verständigungsschwierigkeiten hat es sich zwar als sinnvoller erwiesen, keine kompletten Fragen, sondern nur mit einem durch Mimik und Gestik unterstützten »Hello! Beograd?« zu arbeiten, doch selbst wenn die Leute daraufhin etwas freundlicher abweisen, hilft das in der Sache auch nicht gerade viel weiter.

13 Stunden standen mir in Zagreb, das ich mit dem morgendlichen 6.20-Uhr-Zug aus Ljubljana erreichte, zur Verfügung, um eine Mitfahrgelegenheit nach oder in Richtung Belgrad zu finden – doch wer, wie nicht zuletzt ich selbst, jetzt glaubt, das müsse doch dicke reichen, der täuscht sich. Nach fünf Stunden reiner Standzeit an vier unterschiedlichen, jeweils am Stadtrand an Ausfallstraßen gelegenenen Orten, zu denen ich mittels Tram und GPS gefunden habe, war es mir schließlich genug. Wie auch die obigen asozialen Reaktionen beim Ansprechen, ist es in gewisser Weise demütigend, wenn die Insassen der vielen Dutzend pro Minute vorbeikommenden Autos mich zwar mit großen Augen anstarren, dabei aber eher das Gas- als das Bremspedal ein Stück weiter herunterdrücken.

Immerhin vier Autos hielten an in Zagreb: Einer fuhr nur um die Ecke, zwei andere auf die falsche Autobahn und ein vierter wollte 20 Euro dafür, mich in seinem bis obenhin zugemüllten Auto eine Teilstrecke mitzunehmen. So dastehend, der Arm immer schwerer, der Rücken immer krümmer zum ausgestreckten Arm gebogen, blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu wundern, was eigentlich ganze Heerscharen an Deutschen veranlasst, jedes Jahr aufs Neue in ihr Lieblingsland Kroatien zu fahren. Sind die Einwohner an der Küste etwa so viel freundlicher? Oder verschanzen sich die Touris möglicherweise alle auf ihrem Campingplatz und haben gar nichts mit den Jugos zu tun? Wenn das Zagreber Preisniveau eines Restaurantbesuches wenigstens deutlich unter jenem von Deutschland liegen würde, könnte ich all das ja noch eher verstehen, aber bei acht Euro für eine anständige Pizza und eine kleine Fanta kriechen höchstens die Münchner aus ihren Löchern. Billigere Plätze gibt es jedenfalls zuhauf.

Dachte ich indes letztes Jahr noch, Ungarn sei für Anhalter schwierig gewesen, muss ich heuer feststellen, dass es um den Rest des Balkans nicht viel besser bestellt zu sein scheint. Vor allem vor dem Hintergrund, dass einem ältere Balkanis ständig erzählen, sie hätten in ihrer Jugend selbst viel getrampt und diese Reiseform früher gang und gäbe gewesen sei, wundert es doch sehr, woher diese völlige Ablehnung kommt. Sicherheitsaspekte und schlechte Erfahrungen mögen eine Rolle spielen, doch letztendlich führe ich es von meinen Beobachtungen her wieder auf die von mir typischerweise zugeschriebene Jugo-Attitüde zurück: »Ich hatte schon immer einen hässlichen Haarschnitt, neuerdings aber auch ein dickes Auto, muss an der Ampel damit posen und gebe mich nicht mit dem Pöbel, zu dem ich mich fälschlicherweise selbst nicht zähle, ab. Der soll mich bitteschön bewundern, deshalb beschleunige ich schnell. Im Bürgerkrieg waren außerdem eh alle asi zu mir und auch jetzt bin ich mir daher selbst der Nächste. Nastrovje!«

Um Mitternacht mit dem Zug in Belgrad angekommen, stellte ich mich mangels sinnvoller Beschäftigung an die innerhalb der Stadt verlaufende Autobahn. Wieder half dabei natürlich nicht nur das GPS, sondern auch die Tatsache, die komplette Strecke von München bis İstanbul bereits auch aus Selbstfahrerperspektive zu kennen. Eine Stunde lang stand ich vor einer Haltestellenbucht und hoffte auf ein Anhalten der seit einigen Stunden wieder fahrenden LKW – in diesem Moment ärgerte ich mich, dass ich keine Tachoscheibe mitgenommen habe – erzielte dabei aber eher einen Etappensieg zur Erfrierung als zur Mitnahme. Wirklich verübeln kann ich es aber keinem, denn das war wohl der einzige Platz, an dem ich selbst auch nicht angehalten hätte. Erst recht nicht um halb drei in der Nacht.

Um sechs Uhr morgens, nach einigen Stunden in einem Fastfood-Laden wie auch in einer heruntergekommenen Kneipe, wo diverse Leute pennten, erklärte ich das Trampen für beendet und kaufte ein Ticket von Belgrad nach İstanbul.

Dass ich nachts inzwischen wacher als bei Tag bin, liegt vorwiegend an der ersten nacht in Ljubljana: Erst die ganze BMW-Geschichte, dann ein betrunkener Franzose, den ich eigentlich nach dem Weg fragen wollte, wo ich aber schließlich derjenige war, der ihn zurück zu seinen Freunden führen musste. Und schließlich Katja, die Deutsch studierende Rezeptionistin im Alibi-Hostel, bei der ich um zwei Uhr eintrudelte, mich vier Stunden mit ihr unterhielt, nur um dann doch kein Zimmer zu nehmen, sondern um sechs Uhr morgens zum Zug zu gehen, in dem ich bis Zagreb wenigstens zwei Stunden Schlaf fand.

Eine weitere interessante Begegnung war Klaus aus Berlin, mit dem ich die ganze gestrige Etappe von Belgrad nach Sofia zusammensaß. Der vermutliche Mittvierziger bereist den Balkan schon einige Wochen und schwärmt insbesondere von Albanien sowie den serbischen Frauen in den höchsten Tönen. Albanien, das stellen wir nach den Erzählungen meinerseits fest, scheint, was Gastfreundlichkeit und Konakt mit Leuten betrifft, sozusagen der Iran des Balkans zu sein. Schade, dass es das letzte verbliebene Land des Balkans ist, welches auf der Karte meiner bereisten Länder noch weiß ist. Robby wird sich jetzt bestätigt fühlen, hat er doch damals auf der Rückfahrt 2008 für die Durchquerung des Landes gestimmt, doch zeitlich hätte es leider wirklich nicht hingehauen. Naja, nächstes Mal dann.

İstanbul V.

Heute steht hingegen Erholung in İstanbul auf dem Plan. Selbst wenn ich die wichtigen Sehenswürdigkeiten nicht schon alle gesehen hätte, würde ich heute wohl nur ein paar alltägliche Dinge machen: Akbil aufladen und damit ausgiebig auf Fähren, Trambahnen, Bussen, Metro und »Tünnel« – das ist eine unterirdische Seilbahn zum Taksimplatz – fahren, ein bisschen auf der asiatischen Seite herumlatschen, Zugticket kaufen, Internet benutzen und bei einem Tee abhängen.

Ganz anders die drei Engländer, die in Plovdiv in den Zug zugestiegen sind und die ich heute morgen vom Bahnhof zu einem Hostel geführt habe: In 24 Stunden, zwei der drei sind zum ersten Mal in İstanbul, wollen sie »as many major sights as possible« sehen. Wohlgemerkt: bei Pisswetter in einer Mehrmilliondenstadt. Trotzdem, und das obwohl der dritte von ihnen den Bazar auch für unschön erklärt, wollen sie diesen nicht auslassen, schließlich solle der ja ach so toll sein. »I’ve never been to a bazar« heißt es dazu lapidar. Schade nur, dass sie auch hier keinen Souk im eigentlichen Sinne sehen werden. Dass sie für das Frühstück gleich in der Hostelstraße das nächstbeste Tourilokal ansteuern, welches auf Meilen als solches zu erkennen ist, lässt zudem ihre Bedenken über die Preise der Stadt in meinen Ohren extrem unglaubwürdig erscheinen. Ich merke an, dass wir auch ein paar Straßen weiter in »richtige« Lokale einkehren könnten, doch obwohl ihnen selbst fünf Lira beim Preis des Hostels gerade eben noch wichtig waren, heißt es nun, dieser teure Laden sei doch super. Das ist Kohärenz im Zenit. Ich sehe zu, sie nach dem Essen zu verabschieden.

Meinen persönlich beeindruckensten Moment des Tages habe ich indes nicht irgendwelchen Touris, sondern ein paar Tieren zu verdanken. Nichtsahnend sitze ich mal wieder auf der Fähre von Eminönü nach Kadiköy und beobachte die vielen mitfliegenden Möven, als ich auf einmal fünf Delphine erblicke, die regelmäßig an die Oberfläche kommen, während sie sich durch den Bosporus zwischen den vielen Fähren und Schiffen hindurch ihren Weg zum Schwarzen Meer bahnen. Ich wusste bis heute nicht einmal, dass es in dieser Region Delphine gibt.

Abends treffe ich Ayşe, bei der ich eigentlich hätte übernachten sollen. Doch die Versuchung, mir schon mittags ein Hostel zu nehmen, alles abzulegen und endlich duschen zu können, war dann doch zu groß. Die Alternative wäre gewesen, bis zum Ende ihres Arbeitstages um acht Uhr abends knappe zwölf Stunden zu warten. Allzu erfreut ist die gebürtige Adanerin darüber zwar nicht, doch bei ein paar guten Efes verbringen wir doch noch ein paar lustige Stunden in einigen İstanbuler Kneipen.

Ab morgen will ich jedoch zusehen, dass ich nach Süden komme. Breitengrad 41 fällt beim Wetterkomforttest im diesjährigen März noch mehr durch als im letztjährigen Februar.

Und gespannt sind wir, wie lange denn die neue Tastatur diesmal halten wird. Redd’s in Dosen zum Überschütten gibt es im Umkreis einiger tausend Kilometer Gott sei Dank wohl eher nicht.

17. November 200910. März 2010

Aktuelles ...

Aktuelles

Freitag, 27. August 2010
Freitag, 3. September, 13:45 Uhr

Funkrufzeichen in Äthiopien:
+251 921457521
+39 328 8982773

Funkrufzeichen in Somaliland:
+252 2 4234075

Funkrufzeichen in Jemen:
+967 736367955

Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden (vielleicht) noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (sehr vielleicht) noch folgen.