Paykan in Schafsherde kurz vor Alamut, Iran (26.04.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
31. August 20092. September 2009

Dienstag, 1. September 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Lira, Kigumba, Masindi

Wir können es uns noch so oft vornehmen, trotzdem kommen wir so gut wie nie einigermaßen zeitig aus dem Bett. So ist es auch heute schon wieder Mittag, als wir zum Frühstücken beim Inder von gestern Abend das Mittagsmenü aufschlagen. Meine Wahl fällt ausnahmsweise auf eine Pizza Margherita, denn seit einigen Stunden scheint es mir, als bahnten sich ein paar Verdauungsprobleme an. Das ist soweit nicht weiter schlimm, doch extra reizen will ich meinen Magen in diesem Zustand natürlich auch nicht.

Hätte ich mal etwas anderes bestellt! Als mir die schwarze Bedienung den Teller vorsetzt und uns einen guten Appetit wünscht, traue ich meinen Augen nicht: Auf dieser Pizza Margherita scheint so ziemlich alles nur Erdenkliche drauf zu sein, was sich in der Küche dieses Restaurants finden lässt. Angefangen bei Zwiebeln, Gurken, sonstigem Gemüse und weiteren unidentifizierten Stücken, gipfelt der Belag im Hühnerfleisch, das ganz bestimmt nicht zu dieser Art Pizza gehört. Ob dies wirklich eine Margherita sei, frage ich ungläubig die bejahende Bedienung. Tja, so leid es mir tut, aber dann hat der Inder heute leider Pech mit mir gehabt. Ich würde das Zeug ja schon essen, wenn es mir heute nicht eh schon etwas schlecht ginge und der Inder halt kein Inder wäre. Bei einem Laden von Schwarzen käme ich jetzt nicht auf die Idee, mich zu beschweren, denn es würde unendlich Nerven kosten, mein Anliegen zu erklären, und selbst, wenn dies gelingen sollte, würde man dort dann wohl einfach nur mit den Schultern zucken.

Hier schickt man mir hingegen sofort den Koch höchstpersönlich auf die Veranda, welcher nochmal brav erklärt, dass das ganz klar eine Margherita sei. Ah ja, alles klar! Als ich ihm sage, dass zumindest bisher in eigentlich allen Ländern, die ich kenne, nur Tomaten und Mozarella beziehungsweise Käse auf eine Margherita gehörten, nickt er verständnisvoll und hat des Rätsels Lösung sogleich parat: »Ach! Sie wollen eine Pizza Cheesy!«

Cheesy?

Na sei’s drum, dann soll er mir halt bitte so eine Cheesy-Pizza bringen, die auf der Speisekarte mit »z« statt »s« vermerkt ist. Und tatsächlich, zehn Minuten später habe ich etwas vor mir, das zumindest optisch einer Margherita durchaus ähnelt. Dass er für diese Pizza als Teig jedoch offenbar einfach nur ein etwas dickeres Chapati hergenommen hat, macht die Sache nicht unbedingt deliziös. Mehr schlecht als recht esse ich also das heute nicht mit Zucker, sondern mit Tomaten und Käse belegte Chapati auf und bitte Carl darum, mich bis zum Ende des Urlaubs unbedingt davon abzuhalten, falls ich nochmal in die Versuchung kommen sollte, eine Pizza zu bestellen.

Eine Stunde später sitzen wir im Bus nach Kampala, was aber noch lange nicht heißt, dass dieser auch fährt. Vielmehr gilt es mal wieder zu warten, bis die über sechzig Plätze restlos belegt und alle möglichen Gepäckstücke irgendwie untergebracht sind. Da das erfahrungsgemäß halbe Ewigkeiten dauern kann, mache ich mich auf die Suche nach Taschentüchern. Meine aus Deutschland und Kenia mitgebrachten Packungen neigen sich dem Ende zu, und es schadet ja außerdem auch nicht, die Wartezeit sinnvoll zu nutzen. Hätte ich jedoch gewusst, dass es in dieser Stadt unmöglich ist, innerhalb einer halben Stunde an ein solches Luxusgut zu kommen, hätte ich es doch sein lassen. In zwei Apotheken, mehreren Supermärkten und natürlich jedem noch so kleinen Stand auf der Straße frage ich danach, doch überall heißt es, sie seien aus oder man führe so etwas nicht. Meist ist wohl eher letzteres der Fall, denn ich habe schon Probleme, zu erklären, was ich überhaupt will. Mit »tissue« oder »facial tissue« kann eigentlich niemand etwas anfangen, und erst wenn ich ein In-die-Finger-Rotzen simuliere, scheint es bei den Verkäufern zu klingeln. Bedenkt man, dass bei den Arabern Taschentücher quasi ein Allerweltsgut sind und oft beim Einkauf, egal ob im Supermarkt oder an der Tankstelle, gratis eine dieser Hunderterpackungen Servietten beigegeben wird – »Some Kleenex for you!« heißt es dann – komme ich nicht umhin, mir ob der unterschiedlichen Sauberkeit und Hygiene dieser beiden Kulturkreise Fragen zu stellen. Wohlgemerkt: Selbst wenn es hier Taschentücher gäbe, hieße das noch lange nichts. Die in Kenia gekauften zerfallen schon beim Anschauen und weisen Löcher auf, sobald man sie überhaupt nur mit der Hand zum Gesicht führt.

Um kurz vor halb drei ist es schließlich doch so weit, unser Bus setzt sich in Bewegung. Erstaunlicherweise ist die Straße über große Strecken hinweg sehr gut asphaltiert und ist immerhin weniger löchrig als ein kenianisches Taschentuch, sodass wir in nur zwei Stunden die 133 Kilometer nach Kigumba zurücklegen, wo wir in ein Matatu Richtung Masindi umsteigen müssen. Eine halbe Stunde Warterei und eine weitere Stunde Fahrt – diesmal ist die Straße noch nie asphaltiert gewesen, weshalb es genau so schnell vorwärts geht – später kommen wir deshalb mit einem Tagesschnitt von beachtlichen 46 Kilometern pro Stunde in Masindi an. Wenn wir mit den Steigerungen so weitermachen, fahren wir irgendwann nochmal mit Einhundert in der Hauptstadt ein.

Für 30.000 Schilling pro Nacht entscheiden wir uns in Masindi nach einer Stunde des Suchens für das Kolping-Hotel. Nicht nur weil ich wegen der Scheißerei heute gerne ein vernünftiges Klo hätte, auch die sehr westlich anmutenden Gebäude auf dem weitläufigen, gut zwei bis drei Hektar großen Areal sehen schon beim Eintreten durch das große Tor sehr einladend aus. Das Zimmer ist zwar nicht unbedingt das bisher größte, jedoch für unsere sonstigen Verhältnisse gut eingerichtet, da es mit anständigen Betten, einem Tisch, einem Stuhl, einer Kommode und sogar einem Schrank aufwarten kann. Nicht dass wir das alles unbedingt bräuchten, eigentlich waren wir ja erst vor zwei Tagen in einem sehr schönen Zimmer in Mbale, doch dort ist ständig Strom und Wasser ausgefallen. Das Kolpinghaus hat hingegen ein ganzes Häuschen voller Generatoren im Garten stehen und auch das warme Wasser der Gemeinschaftsdusche ist ein überaus überzeugendes Argument. Im Gegensatz zu den anderen Unterkünften, die wir vorhin angeschaut haben und die teils sogar genau so teuer waren, kommt uns dieser Ort fast paradiesisch vor.

Die paradiesische Ruhe beim Abendessen im Garten wird jedoch gestört von Hassan, der wie aus dem Nichts erscheint und sich ungefragt zu uns setzt. Hassan ist Unternehmer. Er besitzt ein, zwei oder drei Autos – so genau weiß man das nicht – und fährt damit Touristen in den nahe gelegenen Murchison Falls Nationalpark, wegen dessen Besuch wir ja überhaupt in diese Stadt gekommen sind. Eigentlich ist Hassan also Fahrer. Bei unserer Unterkunftssuche sind wir ihm auf der Hauptstraße über den Weg gelaufen, und da wir in den nächsten Tagen ja auch wirklich einen Fahrer brauchen, haben wir uns seine Telefonnummer geben lassen. Eingeladen haben wir ihn nicht, aber nun sitzt er da und ist offenbar auch nicht so einfach loszuwerden.

Seine Beschreibung einer möglichen Tour durch den Park lässt vermuten, dass er mehr Ahnung von dem Geschäft hat als unser letzter Fahrer aus Homa Bay, doch der Bursche verlangt satte 250 US-Dollar für seinen eintägigen Dienst. Allein schon die Tatsache, dass der Typ unfähig ist, in seiner eigenen Währung zu verhandeln, sondern auf Preisangaben in Dollar besteht, geht mir ziemlich auf den Sack. Und damit nicht genug: Vor Ort kämen für jeden von uns nochmal etwa 70 Dollar diverser Gebühren für Eintritt, Führer, die Fähre über den Nil und ein Boot zu den Wasserfällen hinzu. Gerade in diesem Punkt ist er bestens ausgerüstet, hat sogar eine offizielle Preisliste dabei, das muss man ihm lassen. Obwohl wir es eigentlich überhaupt nicht vorhatten, sind wir somit auf einmal mitten in den Verhandlungen, welche sich typisch ostafrikanisch gestalten. Während ich bei den Arabern Spaß und meist auch Erfolg beim Feilschen habe, überlasse ich hier lieber wieder Carl das Feld, der seine Sache vermutlich um einiges besser macht, als ich es hinkriegen würde. Diese ewigen Schweigeminuten als Phasen zum Nachdenken und Sackenlassen sind einfach nichts für mich.

Hassan, vielleicht doch mehr Unternehmer als Fahrer, bleibt hart. Er weiß, er hat die besseren Karten – und wir kein eigenes Auto. Innerlich haben wir uns ja sowieso schon auf die übliche Nationalparkabzocke eingestellt und werden wohl mit fast jedem Ergebnis zufrieden sein müssen, aber es schadet ja auch nicht, noch das Beste herauszuholen. Immer wieder verwundert mich jedoch, dass rationale Argumente rein überhaupt nicht ziehen. Als wir nämlich erwägen, die Tour für morgen doch sein zu lassen, weise ich Hassan darauf hin, dass er morgen wohl keinen Cent verdiente, wenn wir uns jetzt nicht einigten. Schließlich wird er um neun Uhr abends wohl kaum noch irgendwelche anderen auftreiben können. »Einhundertzwanzig Dollar oder eben null Dollar« sage ich – und muss mit ansehen, dass es ihn komplett kalt lässt. Stattdessen fängt er wieder mit seiner Leier über den Spritverbrauch an, der bei seinem Karren bei angeblich 15 Litern liegt. Offenbar hängt er lieber nichts tuend ab, als etwas unter dem Betrag zu verdienen, mit dem man ihn sonst verwöhnt. Kein Wunder, dass er auf Nachfrage erklärt, nur ein bis zwei Mal pro Woche in den Park zu fahren. Öfter hat er es auch nicht nötig!

170 US-Bucks für Auto, Sprit und Fahrer lautet schließlich das Ergebnis. Das ist zwar nicht unbedingt die Größenordnung, die wir uns vorgestellt haben, aber billiger werden wir es wohl auch nicht kriegen. Hassan verzieht selbst zum Abschluss keine Miene, garantiert dafür bitteren Ernstes, dass er morgen früh pünktlich um sechs auf dem Parkplatz stehen wird. Na dann mal ganz schnell ab ins Bett!

31. August 20092. September 2009

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Samstag, 20. März 2010
Donnerstag, 22. April, 18:00 Uhr
İzmir, [Türkei / Deutschland], München, Planegg

Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.