Am Kaspischen Meer in Chamkhaleh, Iran (24.04.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
26. August 200928. August 2009

Donnerstag, 27. August 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Busia, [Kenia / Uganda], Busia, Tororo

Schon um kurz vor sieben wache ich auf, und da das mit dem Einschlafen auch nicht mehr so richtig klappt, mache ich mich fertig und gehe im Erdgeschoss ins Internetcafé. Normale Dinge können wir zwar bestens über Safaricom erledigen, doch wenn ich vorhabe, eine Stunde nach Flügen zu suchen, muss das nicht mit GPRS und auf einem PDA-Bildschirm sein. Abgesehen davon funktionieren Opodo sowie Expedia auf Opera Mobile sowieso nicht so richtig.

Da Carl ja entschieden hat, dass er nicht verlängern, sondern wirklich Mitte September zurückfliegen wird, muss ich mir überlegen, was ich dann tun werde. Einfach nach Deutschland zurück? Vielleicht doch erst noch ein paar Wochen Ägypten, oder diesmal von Kairo auf dem Landweg nach Hause? Eine andere Möglichkeit wäre, nach Dubai zu fliegen und von dort über Iran per Land nach Hause. Nicht zuletzt sind auch noch Landweg von Marokko oder Tunesien im Rennen, wenn auch eher unter ferner liefen.

Als Carl hinzukommt und ich ihm erkläre, dass im EgyptAir-Flug von Kampala nach Kairo am 13. September – und den müssen wir mehr oder weniger nehmen, wenn wir nicht mindestens einhundert Euro mehr zahlen wollen – nur noch drei Plätze frei sind, und es für ihn sonst sogar um etwa zweihundert Euro teurer wird, ist er schon fast so weit, dass er buchen will.

Da wir erst mal frühstücken gehen, verschaffen wir uns ein bisschen Bedenkzeit. Für Carl ist die Lage zwar mehr oder weniger klar, am 13.09. soll es von Kampala über Kairo nach Frankfurt gehen, doch mir stehen so viele Optionen offen, dass die Entscheidung nicht leicht fällt. Und einen der drei Plätze auf dem Flug brauche ich bei den meisten dieser Optionen auch.

Schließlich macht EBB-CAI-FCO das Rennen. Wir fliegen zusammen am 13. September nach Kairo, doch erst am 1. Oktober werde ich weiterfliegen, und zwar nach Rom. So habe ich noch gut zwei Wochen, um eine kleine Tour durch Ägypten zu machen, für die ich dieses Frühjahr keine Zeit hatte, und danach kann ich noch gute zwei Wochen zu Hause in Italien abhängen. Lustiger Zufall ist auch, dass Alena nur fünf Minuten nach uns mit der EgyptAir-Maschine aus Nairobi in Kairo ankommen wird und in ihren acht Stunden Aufenthalt gerne eine Kurzbesichtigung des 16-Millionen-Einwohner-Städtchens unternehmen würde. Wenn wir alle pünktlich sind, geht das klar.

Sogar Skype können wir in diesem Internetcafé nutzen. Vor dem Frühstück hatten wir extra darum gebeten, dass es eine halbe Stunde später bereit sein würde. Zwar war es dann wirklich installiert und man hat uns auch Headsets gegeben, die ausnahmsweise bestens in Schuss sind, doch die Verbindung ist einfach urmies. Vor allem der Upstream geht mal gar nicht, unsere Gesprächspartner hören uns so schlecht, dass wir nur extrem langsam sprechen können und jeden wichtigen Satz automatisch zwei- oder dreimal wiederholen, in der Hoffnung, dass nicht immer die gleichen Stellen fehlerhaft am anderen Ende ankommen. Meinem Vater gratuliere ich zum Fünfzigsten, Carl organisiert sein Abholen vom Frankfurter Flughafen, und wir rufen noch einige weitere Leute an, die man in Deutschland so früh am Morgen schon erreichen kann.

Nach insgesamt dem vielleicht vorerst letzten Frühstück mit Tee und Chapati sowie drei Stunden Mittagessen laufen wir mit Restschilling im Gegenwert von zwei Euro über die Grenze nach Uganda. Hier geht es zu wie am Stachus, unzählige Menschen kreuzen sich zwischen den beiden Grenzzäunen, führen Fahrräder, Hühner und sonstwas alles mit sich. Die beiden Grenztore stehen die ganze Zeit offen, kein Mensch kontrolliert Stempel oder sonstige Dinge – zumindest nicht bei den Schwarzen. Wir gehen zuerst brav beim kenianischen Ausreiseschalter vorbei, wo ich beim Stempeln gefragt werde, ob die Berliner Mauer noch stehe. Ich schätze mal, das war ein Scherz, ganz sicher bin ich mir jedoch nicht. Als ich nämlich mitteile, dass das nach zwanzig Jahren inzwischen ein recht alter Hut sei, verabschiedet der Grenzer mich mit »Oh, so you have democracy!«. Jaja, die Kenianer und ihre Demokratie, kein Tag vergeht, an dem nicht jemand witzelnd das Wort in den Mund nimmt.

Wenn wir nicht von Kampala zurückfliegen würden, wäre es sicher eine interessante Option, einfach in das Land reinzulatschen und sich die 100 Dollar für zwei Visa zu sparen, doch für uns kommt das eigentlich nicht in Frage und so leiern wir die übliche Prozedur an. Bei den Ugandern – wie zum Teufel nennt man die Einwohner Ugandas?!? – ist aber recht bald Schluss mit lustig. Die erste Station ist ein Schweinegrippepavillon, unter dem zwei lächerliche Gestalten mit Mundschutz sitzen, die sich »District Health Inspector« nennen und uns vier Formulare zum Ausfüllen in die Hand drücken. Direkt daneben, ebenfalls unter dem Pavillon, sitzt ein Junge, der Eier verkauft, es staubt ohne Ende, auf der Toilette 20 Meter weiter gibt es kein fließend Wasser, auf diesem Grenzübergang geht es zu wie auf einem Gemüsemarkt – und diese zwei Typen sitzen in ihrem Mundschutz da und tun wichtig.

Doch als wenn das nicht genug wäre, sind sie nach jahrelangem Reisen und was weiß ich wie vielen Grenzübergängen die Ersten, die richtig krass wegen den nicht ausgefüllten Feldern des Formulars rumnörgeln. Es ginge doch nicht an, dass wir keine Adresse in Uganda hätten, außerdem müssten wir doch wissen, wo wir hinfahren wollten. Die größten Probleme haben sie aber damit, dass wir unsere Flugnummer des Fluges nach Nairobi nicht mehr wissen. Ich finde die Korinthenkackerei lächerlich und frage jedes Mal nur dämlich zurück, warum um Himmels willen ich mir denn die Flugnummer eines vor drei Wochen genommenen Fluges merken sollte. Uns ist natürlich klar, dass das essentielle Daten für solche Pandemie-Heinis sind, denn wenn nun jemand von diesem Flug infiziert ist, werden alle anderen wohl auch gleich unter Verdacht gestellt. Aber auch das ist noch lange kein Freibrief, um hier so einen Stress zu machen.

Die Einreise an sich stellt eine weit geringere Hürde dar als die Schweinegrippe, und so laufen wir wenige Minuten später mit vier Stempeln mehr und um 100 Dollar erleichtert durch das ugandische Tor. Es sieht fast genauso aus wie vorher, nur dass noch mehr Leute unterwegs sind als drüben.

Nachdem wir uns mit lokalem Reichtum aus dem Geldautomaten eingedeckt und Mittag gegessen haben, nehmen wir einen Bus nach Tororo. Eigentlich hatten wir vor, ein Matatu zu nehmen, sind aber irgendwie wieder beim Bus gelandet. Doch diesmal ist es uns endgültig genug! Dass das Ding vor dem Losfahren noch von einem halben Dutzend Männern angeschoben werden muss, weil es nicht selbst starten kann, ist ja noch lustig. Doch dass wir so ungemütlich sitzen, dass einem der Arsch schmerzt, die Beine einschlafen, weil der eigene Rucksack darauf weilt, und die Knie weh tun, weil man mit angewinkelten Beinen sitzen und dabei auch noch gegen den Vordersitz drücken muss, ist einfach nicht mehr feierlich. Wenn man wenigstens das Gepäck anderswo verstauen könnte, doch bisher haben wir keinen Bus und kein Matatu gesehen, das etwas auf dem Dach geladen hatte, wie in Kenia ja üblich.

In Tororo mieten wir uns ins Blue Mountain Inn ein, ein typisches Gästehaus mit Innenhof, das diesmal jedoch nicht aus Wellblech besteht. Unser erster Eindruck von Uganda ist sowieso durchaus positiv: Weit weniger Wellblech, mehr beschäftigte Leute, die sinnvoller Arbeit nachgehen, und mehr urwaldähnliche Vegetation.

Nur mit dem Mobilfunk stimmt irgendetwas noch nicht so ganz. Wir kaufen uns eine SIM-Karte von MTN, die auch hier nur einen Euro kostet, doch Internet kriegen wir einfach nicht zum Laufen. Und professionellen Rat zu holen, ist nicht gerade einfach. So gut wie jeder Shop hat alle möglichen Mobilfunklogos draußen angebracht, von MTN über Zain bis hin zu Warid und anderen, doch Ahnung hat keiner! Klar, wie soll denn auch ein Gemüseverkäufer, der nebenbei auch noch SIM-Karten und Guthaben verkauft, etwas von APN-Zugangspunkten und Datenkompression verstehen. Was wir beim Gemüsehändler noch durchgehen lassen, ist beim lokalen MTN-Flagship-Store aber einfach nur noch traurig. Auch dort weiß nämlich kein Aas Bescheid und die einzigen beiden, die uns so halb helfen wollen, kommen auch nicht wirklich weiter. Die Hotline ist ebenfalls nicht erreichbar und auch sonst kommt man überhaupt nur schwer zum Telefonieren durch. Wenn das morgen so weitergeht, bin ich schwer enttäuscht von dieser MTN-Karte, die meine vierte sein dürfte.

Das ist bei mir eh so eine Hassliebe mit der Mobile Technology Network Group. Das stark expandierende südafrikanische Unternehmen ist neben bekannten Größen wie Etisalat oder Zain einer der führenden Mobilfunkprovider in Afrika und dem Nahen Osten, doch meine Erfahrungen damit sind höchst unterschiedlich. Im Iran kann man MTN Irancell getrost in die Tonne treten, denn wenn man gerade mal zufällig Empfang hat und auch noch das Glück haben sollte, dass eine Verbindung zu Stande kommt, besteht die größte Herausforderung darin, den Gesprächspartner überhaupt zu verstehen. Unsere nächste iranische SIM wird wohl eine TCI werden – teurer, aber dafür nutzbar. Ganz anders dagegen in Syrien, wo MTN diesen Frühling für mich das Netz der Wahl war, während ich mich vor zwei Jahren mit SyriaTel nur schwarzgeärgert habe. Auch hier in Uganda hat uns der Verkäufer gesagt, MTN sei am besten. Schade nur, dass wir davon noch nix mitbekommen.

Morgen werden wir uns wohl nochmal SIM-Karten anderer Provider zulegen. Bei einem Euro pro Karte kann man ja nicht allzu viel falsch machen und mit seinen angeblich 86 Eurocent pro Megabyte ist MTN sowieso sündteuer. Den Preis von Safaricom in Kenia wissen wir zwar nicht genau, aber nach einwöchtiger Benutzung würde ich ihn mal auf etwa 10 Cent pro MB schätzen.

Dafür ist hier das Bier billiger. Für 3.600 ugandische Schilling, also in etwa 1,20 Euro, trinken wir noch zwei Bier in einem Pub unweit unseres Gästehauses. Zum ersten Mal nach Wochen können wir dabei endlich auch draußen sitzen. Bei den Kenianern läuft in dieser Hinsicht nämlich irgendetwas schief, da spielt sich alles nur in irgendwelchen Innenhöfen oder unter geschlossenen Vordächern ab.

26. August 200928. August 2009

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Samstag, 20. März 2010
Donnerstag, 22. April, 18:00 Uhr
İzmir, [Türkei / Deutschland], München, Planegg

Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.