Frauen am Flussufer in Isfahan, Iran (15.05.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Sonntag, 23. August 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Karungu, Homa Bay

Bis zehn führen wir unseren Schlaf fort, frühstücken dann im Wellblechinnenhof vier Chapati und begeben uns inklusive unserer Sachen auf die Hauptstraße. Es braucht mal wieder Ewigkeiten und zig Fotos, bis wir rauskriegen, wo die Matatus abfahren. Ist denn das so schwer? Die Leute hier raffen es einfach nicht. Dazu kommt, dass wir aus Versehen mal wieder den Fehler begangen haben, eine Karte in der Hand zu halten. Dann wollen die anderen nämlich selbst auch darauf schauen, doch offensichtlich haben viele von ihnen in ihrem ganzen Leben noch keine Karte gesehen. Erst recht nicht von der Region, wo sie wohnen. Wie kleine Kinder stehen sie dann zu zehnt da und lesen im Chor irgendwelche Ortsnamen vor, die überhaupt nichts mit unserer Frage zu tun haben. Nach drei Minuten freuen sie sich dann und geben uns die Antwort: »We are now here!«. Na danke, das wussten wir schon von der ersten Sekunde an!

Die Matatufahrt gibt mir den Rest. Wie immer ist es eng, doch mit dem Rucksack auf dem Schoß nervt es noch mehr, dass man aufgrund der miserablen Straßen, welche als reine Pisten wohl besser befahrbar wären, ständig nach links und rechts sowie oben und unten durchgeschüttelt wird. Wenigstens ist in diesem Karren etwas mehr Kopffreiheit, sodass ich mir diesen heute nicht anhaue. Dafür transportiert der für 15 Leute sowieso schon irre eng bestuhlte Karren zeitweise 22 Fahrgäste, ein Kleinkind, den Fahrer und eine Ziege. Dass drei Leute in der Tür stehen und zwei sich drinnen über die sitzenden Leute beugen, ist hier stinknormal. Und ich dachte, in Syrien würden sie die Schüsseln schon zu voll packen.

Enge allein geht ja noch, aber wenn die Mitfahrer auch noch krasse Spasten sind, hört der Spaß wirklich auf. So ein behinderter Clown, der Gott sei Dank nur auf den letzten zehn Kilometern – für die man aber lässig eine halbe Stunde brauchen kann – mitfährt, benutzt auf einmal direkt neben meinem Ohr eine Art traditionelles Musikinstrument, das einen ätzend lauten Pfeifton abgibt. Dafür müsste er sich eine fangen, doch ich haue ihm nur auf die Schulter und beschimpfe ihn auf Deutsch. Der Karren lacht, doch der Typ selbst checkt gar nichts, hat eine Fahne und ist betrunken. Noch am Abend wird mir das Ohr wegen dem Penner leicht weh tun.

In Homa Bay angekommen ist es dann echt genug! Während wir nach einem Platz zum Essen suchen, kriegen wir schon wieder irgendeinen besoffenen Kenianer an die Backe. Der führt uns zwar sogar zu einem gescheiten Platz, dem Tourist Hotel, doch dass er sich dann dort ungefragt zu uns hockt und ungefragt auf unsere Kosten ein Bier bestellt, geht eindeutig zu weit! Ich erkläre ihm, dass er nicht so viel saufen soll, dass es diesem verdammten Land so verdammt viel besser gehen würde, wenn nicht jeder zweite dauernd nur bekifft oder besoffen wäre, wenn endlich mal nicht nur für das nächste Tusker, sondern für das Leben und die eigene Zukunft gearbeitet werden würde, wenn die Leute nicht so unendlich krass faul wären! Mit ihm persönlich, habe das gar nicht mal so viel zu tun, sage ich ihm, auch wenn er mit seiner Fahne wieder ein Musterexemplar für besagte Leute darstelle. Mit Kenia wären wir für heute fertig, jetzt wollten wir nur noch unsere Ruhe und deswegen sei jetzt Schluss! Letztendlich muss der Kellner auf Wunsch des Managers den Typen rausbitten, da er sonst wie angewurzelt sitzen bleiben würde.

Angesichts dieser Situation könnte es keinen besseren Platz zum Essen für uns geben. Wir sitzen an einem großen und gemütlichen Holztisch mitten auf dem gepflegtesten Rasen, den wir seit unserer Ankunft in Kenia gesehen haben. Die wenigen Tische sind alle über die riesige Wiese verteilt, im Abstand von 20 oder auch mehr Metern. Ein paar hundert Meter weiter sieht man den Victoriasee und etwas näher einen der typischen Bäume, der von 20 solcher komischen Riesenvögel – erst viel später werden wir erfahren, dass es sich um Marabu-Störche handelt – besetzt wird. Die Kellner haben hier zwar richtig krass einen Stock im Arsch, nerven zudem mit Fragen à la »Darf ich die leere Flasche abräumen?«, doch hier finden wir endlich wieder zu uns selbst. Dazu braucht es nämlich einen Platz ohne ständiges »Jambo, jambo«, Gehupe, Generve und sonstigen Shit. Hier herrscht Ruhe und Seelenfrieden. Da lohnt sich auch ein Essen zum Preisniveau von Nairobi.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit mieten wir uns weiter oben im Ort im Sheraton Gästehaus ein. Fünf Sterne sind es zwar nicht gerade, aber der von einer nüchternen Frau – es sind sowieso meist nur die Männer, die sich hier besaufen – geleitete Laden gibt endlich mal wieder ein positives Beispiel dafür ab, wie man mit geringstem Aufwand so viele Dinge besser machen könnte. Zwar hausen wir auch hier in Wellblechhütten, doch die sind anständig eingerichtet, die Außenwände sind optisch etwas verziert, der Platz ist sauber und alles, sowohl Strom- als auch Wassersysteme, scheint zu funktionieren.

Na bitte, geht doch! Ist halt leider nur ein Einzelfall. Carl stellt aber schon in Aussicht, dass er nicht über Mitte September hinaus verlängern wird. Schön, das alles mal gesehen zu haben, doch hier ist’s einfach zu krass.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.