Sidi Ahmed Chaouch, Tunesien (30.03.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
21. August 200923. August 2009

Samstag, 22. August 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Mbita, Remba, Karungu

Wir sind mal wieder auf Bootssuche. Es ist kurz vor acht und wir befinden uns an der Bootsanlegestelle, von der wir diesmal wissen, dass es die richtige ist. Hier sind wir ja auch vor einigen Tagen schon einmal abgefahren. Eine gute halbe Stunde müssen wir noch warten, frühstücken derweil in einer Hütte am Strand und beobachten das Treiben.

Der Kahn ist weit voller als erwartet. Das gestrige Boot nach Remba haben wir auf Mfangano gesehen, es war nebst dem üblichen Warentransport fast leer. Heute am Wochenende ist die Nussschale hingegen bis auf den letzten Platz besetzt und vorne wird später sogar noch ein großer Korb aufgeladen, der mit seinen etwa anderthalb Metern Durchmesser gerade noch so ins Boot passt.

Der Kahn ist aber nicht nur voll, er ist auch der bisher schlechteste. Abgesehen davon, dass er mit seinen 15 Kilometern pro Stunde gut drei km/h langsamer ist als die zwei anderen von uns benutzten, ist er auch weit undichter als diese. An vielen Stellen kann man das Wasser zwischen den Holzplanken reinfließen sehen, bei entsprechendem Wellengang sogar um einiges stärker. Das Wasser beginnt sich in diesen Kähnen immer in der Mitte am tiefsten Punkt zu sammeln und breitet sich dann mit steigendem Pegel aus. An vielen Stellen des Bootes liegen ein paar Bretter quer, damit man zumindest dort eine ebene Fläche zum Auftreten und Abstellen von Gepäck hat. Wo es diese jedoch nicht gibt, muss man auf dem schiefen Holzrumpf balancieren oder aber man steht sowieso im Wasser.

Wenn soviel Wasser reinläuft und der Pegel jede Minute um einen Zentimeter steigt, muss natürlich etwas getan werden. Fast die ganze Bootsfahrt über sitzt in der Mitte daher ein Typ, der mit einem Eimer das Wasser aus dem Boot schippt. Und das sind oft viele randvolle Eimer pro Minute!

Doch das ist mal wieder typisch für Kenia. Anstatt das Boot zu reparieren – wie wir es an anderen Stellen aber auch schon gesehen haben – stellt man hier lieber einen Lenzer mit Eimer an. Und das ist noch ein harmloses Beispiel, denn die Bootsfahrer können sich den Typen sicher gut leisten. Viel schlimmer ist es, wenn Leute, die tagtäglich mit gewissen Gegenständen arbeiten müssen, diese einfach in kaputtem Zustand weiter benutzen, obwohl es einen erheblichen Mehraufwand für sie bedeutet. Da sieht man jemanden, der sich mit seiner Schubkarre abmüht, bei der sich das Rad dauernd schief stellt, verklemmt und folglich sofort im Sand stecken bleibt. Anstatt eine Stunde in die Reparatur zu investieren, rackert sich der Typ Wochen oder gar Jahre lang für jeden Meter doppelt so viel ab, wie er eigentlich müsste. Das Gleiche gilt für die Räder von Zugkarren, die allein aus solchen Gründen oftmals von mehreren Personen bedient werden müssen.

Und die gleiche Misere findet sich bei den Elektrikkomponenten, die jeder im ganzen Land benutzt. Wobei »benutzen« hier wohl das falsche Verb ist – diese Mehrfachstecker sind einfach unbenutzbar! Für 50 Cent haben wir in Nairobi so ein Ding gekauft, letztendlich nichts anderes als ein ganz normaler Dreifachadapter, doch als wir ihn gebrauchen wollten, stellten wir fest, dass die Stecker überhaupt nicht richtig darin halten. Entweder sie fallen gleich von selbst wieder raus oder aber man muss so lange an der Position des Steckers im Adapter herumdoktern, bis endlich zufällig mal ein bleibender Kontakt zu Stande kommt. Wir dachten, das sei ein Einzelfall. Wir dachten, wir hätten für das billige Geld einfach ein schlechtes Produkt erworben.

Doch wir dachten falsch! Das ganze Land benutzt genau dieses Einheitsmodell und das ganze Land hat genau dasselbe Problem: Die Stecker halten nicht oder es gibt keinen Kontakt. Das nimmt vor allem in den »Charging-Shops« abstruse Formen an, wenn der Typ, dessen Job den ganzen Tag aus nichts anderem besteht, als Netzteile ein- und auszustecken, jedes Mal wie ein Chirug in Millimeterarbeit sicherstellen muss, dass alle an der Stromleiste angeschlossenen Stecker auch wirklich Strom bekommen. Dass man die Adapter und Leisten ab und zu auch mal aufschrauben könnte, um die Kontakte wieder enger zu biegen, fällt wohl keinem ein.

Die Überfahrt nach Remba dauert etwa drei Stunden. Wir legen erst in Sena an, fahren dann die ganze Südküste von Mfangano entlang und legen auch hierbei noch ein paar Mal an. Jedes Mal, wenn Leute aussteigen und wir denken, dass der Kahn nun endlich leerer wird, steigen wieder neue Passagiere hinzu. Genauso voll geht es folglich auch zur letzten Etappe: In einer Stunde von Mfangano in Richtung Südwesten, wo man Remba schon am Horizont zu erkennen beginnt. Zum ersten Mal mit einem solchen Kahn auf gefühlter hoher See, ohne dass vier Kilometer weiter gleich wieder Land ist.

Ein Typ im gepflegten Hemd, der einigermaßen Ahnung zu haben scheint, stellt uns unterdessen in Aussicht, dass wir drei Tage auf Remba ausharren müssten. Das wöchentliche Schiff nach Uganda ginge erst Dienstag Abend, meint er. Toll, wir haben ja wirklich versucht, das vorher herauszufinden, aber weder auf Mfangano noch in Mbita war uns dies möglich. In diesem Land ist es so verdammt schwer, an Informationen über entfernte, also nicht vor Ort befindliche, Dinge zu kommen, dass wir es sogar teils gar nicht mehr versuchen. Ich erwarte ja gar nicht, dass jeder alles weiß, aber hier ist es den Leuten einfach absolut wurscht, wenn sie dir nicht weiterhelfen können. Viele Araber setzen alles in Bewegung, um dir zu helfen, rufen ihre Enkel und Tanten siebten Grades, angeheirateten Onkel oder irgendwelche Freunde an, um nur eine Telefonnummer von jemandem zu bekommen, der wiederum Ahnung haben könnte. Dass sich jemand eine halbe Stunde um dich kümmert, ist dort keine Seltenheit. Hier aber ist »I dont’t know!« die Standardantwort – was ja immerhin noch besser ist, als wenn sie, wie so oft, die Frage gar nicht erst verstehen. Gerne gibt es auf Fragen wie »How long is your shop open?« einfach mal ein »No!«.

Auch das Hinterfragen von Dingen ist nicht gerade des Kenianers Stärke. Es wird einfach alles hingenommen. Egal, ob es sinnlos ist oder besser gemacht werden könnte. Die vorhin erwähnten kaputten Räder und Stromadapter sind da nur der Anfang. Wenn etwas aus Prinzip nicht funktionieren kann, wird es trotzdem so gemacht. Wieso streicht man fensterlose Wellblechhütten, die sich per se schon auf unerträgliche Temperaturen erhitzen, auch noch schwarz? Wieso baut man einen Ventilator so unter die Deckenlampe, dass die Konstruktion einem Stroboskop gleich kommt? Wieso schließt man beide Wasserhähne eines Waschbeckens an eine Leitung an und erklärt dann auch noch auf Nachfrage wie selbstverständlich, die Hähne seien für jeweils warmes und kaltes Wasser. Da wissen wir auch nichts mehr zu sagen. Einfach verrückt!

Das Wort »warum« scheint man hier wirklich nicht zu kennen. Ich frage den Typen auf dem Boot, ob er wisse, warum das Boot nach Uganda denn nachts fahre. Wir hegen nämlich den Verdacht, dass die Einreise auf diese Weise illegal sein könnte. Doch der Typ versteht nicht einmal die Frage. Zuerst bittet er mich, sie zu wiederholen, als er dann jedoch bemerkt, dass er auch zuvor schon richtig gehört hat, bekommt er einen halben Lachanfall und lässt seiner Verwunderung freien Lauf: »You are asking me why?!?« Als ich bestätige und er endlich checkt, dass ich es mit der Frage ernst meine, wird er schließlich wieder leiser, sagt, er wisse es nicht, und fügt schließlich noch hinzu, dass er glaube, es gebe keinen Grund.

Das ist Kenia! Dinge sind einfach so! Gründe gibt es nicht. Keiner kennt sie, keiner will sie wissen. Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter. Bananen sind krumm. Schluss, aus, Ende, basta! Und doch bin ich mir sicher, dass der Bootsmensch des ugandischen Bootes sehr wohl einen Grund hat, nachts zu fahren. Und sei es auch nur die Hitze oder dass er tagsüber zu Hause sein will.

Remba ist der Schock! Hatten wir uns noch vorgestellt, dass es hier in etwa aussieht, wie auf Mfangano, so lagen wir absolut daneben. Anstatt grüner Vegetation, schönen Stränden und einem zumindest anständigen Ort, gibt es hier nur hässliches, schwarzes Gestein mit Wellblech darüber. Straßen gibt es nicht. Wozu auch? Es gibt nicht nur keine Autos, sondern auch keine Motorräder. Die Insel dürfte geschätzte zehn Hektar groß sein, in knapp 20 Minuten lässt sie sich komplett zu Fuß umrunden. Die vielen engen Wege zwischen den Wellblechbauten gleichen einem Labyrinth, in dem wir uns mehrmals verirren. Dass in den zig Jahren, in denen die Menschen hier leben, sich mal jemand daran gemacht hätte, alle losen Steine von den Wegen zu räumen, kann man getrost vergessen. So erinnert das Rumlaufen hier eher an eine Trekkingtour oder stellenweise gar an eine kleine Bergwanderung, mit dem Unterschied, dass ich mir einen solchen Ausflug nicht mit solch hässlichem Panorama vorstellen kann.

Nur an der Nordseite gibt es etwas Grün und sogar einige Kaktusbäume, die dem landschaftlichen Bild etwas Schönes verleihen. Hier treffe ich im Baghdad-Shop auch gut 20 Somalis an, die sich ein etwas besseres Leben aufgebaut haben. Manch einer ist fünf Monate hier, andere über zehn Jahre. Sie besitzen einen Haufen Boote, sind im Gegensatz zu den luschigen Kenianern tüchtige Geschäftsmänner, die eigentlich alle nur als Flüchtlinge zum Fischen hergekommen sind. Nie würden sie mich nach Geld fragen.

Von den Kenianern kann man das alles nicht erwarten. Was bereits auf dem Festland höchst auffällig ist, gilt hier quasi ausnahmslos: Alle Kenianer auf dieser Insel sind besoffen oder breit! Wohin wir auch schauen, irgendwer torkelt, mit wem wir auch reden, eine Fahne liegt in der Luft, wohin wir auch gehen, werden wir angenervt. Beim Mittagessen sitzen wir in einem Lokal und beobachten das Volk, das hier nur aus Fischern besteht. In den Laden rein, schnell essen, schnell raus, endlich weitersaufen. Uns wird in irgendwelchen dubiosen Schuppen mal wieder selbstgebranntes Zeug angeboten, das wir diesmal aber dankend ablehnen, doch kiffen kann man ganz offiziell gleich gegenüber dem Wellblechgästehaus, in dessen fensterlosem Doppelzimmer es ungefähr 50 schwüle Grad zu haben scheint. Hier steht nämlich ein Laden, in dem ein Mensch von morgens bis abends mit nichts anderem beschäftigt ist, als Joints zu bauen. Über eine Waschschüssel mit Gras gebeugt, dreht er mit professionellem Werkzeug pro halbe Minute einen neuen Dübel. Und am laufenden Band kommen Leute herein, um sich für 10 Cent einen zu kaufen. Kiffen scheint hier sozusagen legalisiert zu sein. Die einzige Polizei, die wir sehen, ist indes ein Schnellboot der ugandischen Küstenwache etwa zwei Kilometer vor der Insel, wo die Grenze auch tatsächlich verläuft.

Nach ewigem Nachfragen bezüglich des Bootes landen wir irgendwann beim »Beach Leader« höchstpersönlich. In dessen Büro, das in gewisser Hinsicht das einzige der Insel sein dürfte, gibt es neben Fischernetzen, Außenbordern und einem dreckigen Schreibtisch auch Flipcharts mit, sagen wir mal, unerwartetem Inhalt an den Wänden: Eine SWOT-Analyse mit einzeln aufgelisteten Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats. Hä? Haben wir das nicht irgendwann mal in einer der beschissenen BWL-Vorlesungen gehört? Und nun steht das hier in Afrika, fernab anständiger Zivilisation, auf einer hässlichen Insel voller Fischer im sogenannten Büro des kleinen, dicken und bärtigen Beach Leaders! Dazu weitere Charts mit Geboten des Anständigen Fischers, aber auch den Fangzahlen der letzten Monate und ähnlichen Dingen. Trotzdem, da weiß ich jetzt auch nicht!

Spätestens als uns hier bestätigt wird, dass wir bis Dienstag zu warten hätten, wissen wir, dass wir hier recht schnell wieder weg wollen. Das nächste Boot nach Mbita geht erst morgen Mittag, nach Sindo im Osten wird wohl eines morgen früh um vier gehen und nach Karungu im Südosten fährt es schon gegen neun oder zehn. Für dieses entscheiden wir uns auch, schon allein deshalb, weil wir uns damit eine Nacht in unserem Ofenzimmer ersparen.

Eine Bootstour wie diese haben wir echt noch nicht erlebt! Schon bei den Bootsfahrten der letzten Tage hatte ich ja die Assoziation des Flüchtlingsbootes vor italienischer oder spanischer Küste, doch das hier geht nun noch eine Stufe mehr in die Richtung. Der Kahn ist gut doppelt so groß wie die anderen Boote, vielleicht 12 bis 15 Meter lang und in der Mitte sogar um die zweieinhalb Meter breit. Während sich das Boot nach und nach mit Passagieren füllt – wir dachten fälschlicherweise, wir würden nur ein paar Hanseln sein, da keiner die beschwerliche Fahrt auf sich nehmen würde und die Route unbeliebt sei – verstehen wir auch, dass wir uns nicht etwa auf die Randbank hinsetzen, sondern besser noch schnell einen Liegeplatz sichern sollten.

Als es los geht, liegen wir Körper an Körper auf den nackten Holzplanken, von denen manche Löcher haben, aus anderen dicke Nägel hervorstehen und unter dritten wiederum ganze Famlien an Kakerlaken wohnen. Zu meiner Linken liegt Mr. Calle, meine Beine werden von einer jungen Kenianerin vor mir, die ich in der Dunkelheit gar nicht so recht erkenne, als Kopfkissen verwendet. Ab und zu, wenn ich aufwache, habe ich die Ferse von einer anderen im Gesicht, doch dann heißt es einfach nur »Augen zu und weiterpennen«. Mr. Calles Knie bohren sich hin und wieder in meinen linken Oberschenkel, während ich mit dem Ellenbogen ständig seine Nase kitzele. Ein paar Meter weiter vorne fängt ein Baby hin und wieder das Schreien an und wird dann auch mal durchgereicht, wenn die Mutter gerade überfordert ist.

Wir liegen in unseren Schlafsäcken da und haben im Gegensatz zu manch anderen sogar noch relativ viel Platz, doch einigen wird es nach einer guten Stunde Fahrt offenbar zu kalt, sodass die Regenplane rausgeholt wird. Außerdem blitzt es am Horizont schon wieder die ganze Zeit. Es braucht eine Vierstelstunde, bis dieses versiffte Ding über den ganzen Kahn gelegt und entsprechend Schmutz auf uns abgefallen ist. Doch während sich die meisten freuen, keine Zugluft mehr zu haben, wird es mir recht bald zu heiß. Da ich jedoch zu müde und eingezwängt bin, um aus dem Schlafsack oder der immer noch angezogenen Regenjacke herauszukommen, ist vorerst Schwitzen angesagt.

Durch die Plane ist das Flüchtlingsbootgefühl perfekt. Es stinkt nach Fisch, genauso nach Mensch, und wir verstecken uns, auf rauen Holzplanken liegend, unter einer Plane, während sich das Boot mit teils ziemlich großem Auf und Ab sowie Geschaukele durch die See, besser gesagt den See, windet.

200 kostet die fünfstündige Überfahrt. Und sie ist jeden Schilling wert! Als gegen zwei Uhr das Geld eingesammelt wird, nutze ich die Gelegenheit der allgemeinen Störung, um dem Fleischteppich am Boden zu entfliehen. Ohne Drehen oder Umlegen war es mir jetzt echt zu unbequem. Mit den Beinen unter der Plane setze ich mich auf den Bootsrand und verbringe die restlichen anderthalb Stunden damit, aufzupassen, trotz heftigem Geschaukele nicht ins Wasser zu fallen. Ich gehe nämlich davon aus, dass es niemand merken würde, und habe mir als kleine Lebensversicherung meine wasserdichte LED-Lampe um den Puls geschnallt, um sie in der Finsternis, in der sich nicht einmal Wasser von Luft unterscheiden lässt, als Positionsleuchte benutzen zu können.

Anfangs gibt es sogar noch etwas zu bestaunen: Die vielen Fischerbojen, die jeweils eine mit Paraffin betriebene Lampe aufgeschnallt haben, ergeben in der dunklen Nacht ein mystisches Panorama. Schon vom Ufer in Sena aus war es jeden Abend toll, dieses Schauspiel zu beobachten, doch jetzt zwischen diesen Lichtquellen hindurchzusteuern, ist nochmal was ganz anderes. Ab und zu ertönt sogar eine Stimme vom Wasser und erst dann erkenne ich die Silhouette eines Fischerbootes, an dem wir fünfzig Meter entfernt vorbeifahren. Später ist hingegen alles dunkel, sodass mir nur bleibt, die Sterne zu beobachten, der Gischt zu lauschen oder ein paar E-Mails zu schreiben. Wann hat man sonst schonmal Internet auf einer Nussschale? Und vor allem, wann habe ich sonst Zeit dazu?

Um halb vier kommen wir in Karungu an. Einige Leute verabschieden sich extra von uns, ein Typ vom Boot fragt, ob es mir gefallen habe. Sowieso waren wir mal wieder eine richtige Attraktion, denn schon beim Einsteigen haben sich die anderen gar nicht mehr eingekriegt und ständig von den Wazungu – auf Remba benutzten die Leute übrigens erstmals den richtigen Plural – geredet. Wir glauben, dass die einfach baff waren, uns auf diesem Boot zu sehen. Schon auf der Insel sehen sie nur selten Weiße, und wenn, dann sind die wohl alle mit ihrem Privatboot da, so wie es viele auch bei uns meinten. Doch dass wir uns einfach auf so ein Flüchtlingsboot mit drauflegen, hätten sich viele hier wohl nicht erwartet.

Vorerst war es aber auch für uns genug. Nach gut 400 Metern Fußmarsch durch die Nacht kommen wir auf die Hauptstraße von Karungu, wo uns irgendein Polizist oder Wachmann aufgeschreckt empfängt. Dass er uns mit seiner Taschenlampe blendet und dabei in der anderen Hand eine Art Dolch mit Widerhaken auf uns gerichtet hält, macht ihn uns nicht gerade sympathisch. »Ah, Wazungu?!?« bringt er nach ein oder zwei Sekunden heraus, und der Widerhaken richtet sich nur noch gegen unsere Füße anstatt des Oberkörpers. Fünf Minuten später legen wir uns für einen Euro im Wellblechzimmer eines Gästehauses ab, das der Dolchtyp aufgetrieben hat.

21. August 200923. August 2009

Aktuelles ...

Aktuelles

Samstag, 20. März 2010
Donnerstag, 22. April, 18:00 Uhr
İzmir, [Türkei / Deutschland], München, Planegg

Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.