Im Taurus-Express bei Afyon, Türkei (02.09.2007)
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was zum Teufel soll diese Adresse?!?
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Donnerstag, 13. August 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Nairobi, Kisumu

Gegen sechs wird es auf einmal richtig kalt. Dazu kommt, dass die Zugbremse einen Schluckauf bekommen zu haben scheint, denn am Ende jedes Bremsvorganges, kurz bevor der Zug zum Stillstand kommt, rüttelt es die ganzen Wagen so durch, als befände sich die große Schlange aus Metall in ihren allerletzten Zügen. Ich versuche, zumindest der Kälte mit einer sinnvolleren Nutzung meiner Decke zu begegnen, wieder einschlafen geht trotzdem nicht.

Das Tageslicht bietet wieder ein paar gute Gelegenheiten zum Fotografieren. Heute sind es aber vor allem Landschaftsfotos und irgendwelche Dorfbahnhöfe. Gestern sind wir hingegen kurz nach Abfahrt erstmal eine halbe Ewigkeit durch Kibera, den angeblich größten Slum Afrikas, gefahren. Eine Barackenwelt aus endlosem Blech, hügelauf, hügelab, soweit das Auge reicht. Dazwischen immer wieder Schneisen mit Bergen aus Müll. Das Ganze teilweise nur einen halben Meter von der Bahnlinie entfernt, wo sich das Leben so stinknormal zwischen Müllfeuern, Geschäftsbaracken, wo auch DVDs verkauft werden, und schlammigen »Marktplätzen« abspielt, dass man es als Weißer wohl kaum näher erleben kann, ohne dass die eigene Sicherheit gefährdet ist. Ich bezweifle zudem sehr, dass sich dort irgendein normaler afrikanischer Städter reintrauen würde.

Und doch ist man selbst im Zug nicht sicher: Der fünfte Mzungu im Zug, ein Italiener in der ersten Klasse, wurde von einem Jungen beim Versuch, die aus dem Fenster gehaltene Kamera zu ergattern, so angesprungen, dass er eine kleine Verletzung an der Hand abbekam. »Das hätte ich nie erwartet!« hat er uns später erzählt, doch ehrlich gesagt finden wir, dass das hier vorprogrammiert ist, wenn man an diesem Flecken Erdenelend die Kamera zum Fotografieren aus dem Fenster hält.

Der Italiener und seine kenianische Freundin liefern heute nach unserer Ankunft in Kisumu auch gleich eine interessante Fortsetzung: Nachdem er von Calle und mir ein Foto vor der Lok gemacht hat, bittet er uns ebenfalls um ein Foto von ihnen. Die beiden stellen sich also vor die Lok, während wir den Auslöser drücken. Doch auf einmal ist die Lok in Bewegung! Nur, wir merken es nicht. Zum Glück kommen auch gerade die beiden Mädels vorbei und fangen an zu rufen. Der Italiener dreht sich daraufhin nur kurz um, erkennt ebenfalls, dass die Lok auf ihn zufährt und springt dann mit seiner Freundin gerade noch rechtzeitig auf den Bahnsteig. Anderthalb Sekunden mehr und der Kuhfänger hätte die beiden an den Beinen aufgegabelt!

Alena und Amanda werden von einer Familie abgeholt, bei der sie auch unterkommen, wir ziehen hingegen mit unseren Rucksäcken in die Stadt und landen recht schnell beim Lakeside Guest House, wo wir für 1.000 KSh ein extrem sauberes Zimmer bekommen. Dass die Betten absolut durchgelegen sind, das Licht im Bad nicht funktioniert und auf dem Duschhahn 220 Volt anliegen, merken wir erst später. Richtig reizvoll ist hingegen der allgemein benutzbare Balkon des Hauses, von dem aus sowohl das Straßentreiben zu beobachten ist, der aber auch einen sehr schönen Blick auf die Ausläufer des Victoriasees bietet.

Kisumu ist die drittgrößte Stadt des Landes, wobei sie überhaupt erst vor acht Jahren zur Stadt ernannt wurde. Barack Obamas Vater kommt aus einem Dorf in der Nähe. Die Obamas waren 2006 auch hier und haben sich öffentlich auf HIV testen lassen, um die Bevölkerung zu ermutigen, dasselbe zu tun. Jeder fünfte hier ist laut Schätzungen infiziert. 250.000 Einwohner soll die Stadt haben – uns kommt es vor wie 60.000. Niedrige Häuser mit Arkaden im Kolonialstil und die Boda-Boda genannten Fahrradtaxis prägen das Stadtbild. Für 10 bis 25 Schilling kann man mit diesen auf den hinten angebrachten, recht großen und gemütlichen Sitzkissen quer durch die Stadt kommen, dabei Fotos machen oder eine rauchen, während sich der Fahrer abstrampelt. Vor allem bergauf! Da kostet es aber oft auch etwas mehr.

Zum Mittagessen gehen wir in ein deutsches Restaurant, das uns die Mädels und der Reiseführer empfohlen haben. Schon allein die Karte liest sich so schmackhaft, dass wir vor lauter lecker klingenden Gerichten gar nicht wissen, was wir überhaupt nehmen sollen. Schließlich landen wir bei Lasagne. Der Besitzer hier ist Deutscher und scheint sein Personal sehr gewissenhaft auszuwählen und auch gut zu instruieren, denn hier werden wir gut bedient, der Kellner verhält sich normal und abgezockt werden wir auch nicht.

Sonst funktioniert das nämlich meist so: Für jede Teilbestellung bekommt man eine eigene Rechnung. Zwei Tusker? Rechnung! Essen? Rechnung! Nochmal zwei Tusker? Nochmal Rechnung. Und so läuft das oft den ganzen Abend. Wenn es ganz hart kommt, wollen die sogar bezahlt werden, bevor irgendetwas gebracht wird. Jeden Tag fragen wir uns deshalb: Sehen wir so wenig vertrauenswürdig aus? Mit dem Wechselgeld ist das auch so eine Sache. Das braucht schon mal gut 20 Minuten, bis es am Tisch liegt. Spekulieren die darauf, dass wir nullcheckerhaft abhauen und ihnen noch 100% Trinkgeld draufgeben, oder gehört sich das in Kenia so? Naja, all das gibt es in diesem Lokal – »Green Garden« heißt es – endlich mal nicht. Und das Wichtigste ist sowieso, dass es hier sehr gut schmeckt.

Wir fahren mit den Boda-Bodas, die zwar überall rumstehen, zusätzlich aber auch quasi an festen Taxiständen stehen, zum Kisumu Museum. Leider jedoch vergeblich, da der Laden keinen Strom hat und uns der Typ nicht mal vor diesem Hintergrund ermäßigt reinlassen will. Dann sollen wir halt morgen wieder kommen. Nun wollen wir eigentlich mit zwei anderen Boda-Bodas zurück ins Stadtzentrum fahren, doch die Verständigung klappt überraschenderweise mal überhaupt nicht. Als wir realisieren, dass die beiden Null Ahnung haben, wo wir hinwollen, und wohl einfach nur frei nach Schnauze fahren, müssen wir sie mit Hilfe des GPS zurück in die richtige Richtung dirigieren. Der Track schaut am Ende nach einer halben Stadtrundfahrt aus: Dreieinhalb Kilometer Fahrt für eigentlich anderthalb Kilometer Strecke. Na wenigstens freuen sich die beiden extrem über unseren Hunderterschein, den wir ihnen für die große Mühe da lassen. Wieviel er ihnen aber bringt, ist fraglich, denn die Hälfte davon müssen sie wahrscheinlich sowieso gleich in Wasser investieren.

Irgendwann am Nachmittag pennen wir im Zimmer ein. Der kurze Schlaf im Zug macht sich bemerkbar, aber auch die fast senkrecht stehende Sonne macht uns ziemlich fertig. Wir befinden uns gerade mal auf sechs Minuten südlicher Breite, also fast auf dem Äquator. Rechnet man noch den Sonnenstand ein, den ich um diese Jahreszeit mal auf so elf Grad Nord schätzen würde, kommt man auf elf und ein paar Zerquetschte. Also immerhin so senkrecht, wie wir es beide noch nie erlebt haben.

Als wir aufstehen, pisst es gerade in Strömen. Wir warten also noch ein bisschen und gehen dann auf Essenstour. Diese endet schließlich in einem arabischen Restaurant names Al-Noor, bei dem wir uns eine Portion Kebab bestellen. Sogar Carl isst Kebab! Obwohl wir bisher fast jeden Tag die Kebabdiskussion auf dem Tisch hatten: Ich fand sieben Wochen Kebab im Iran super, er konnte das Zeug hingegen seitdem nicht mehr sehen. So unterschiedlich sind die Eindrücke einer Reise.

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Samstag, 20. März 2010
Donnerstag, 22. April, 18:00 Uhr
İzmir, [Türkei / Deutschland], München, Planegg

Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.