Camper in der Wüste bei Douz, Tunesien (27.03.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
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Dienstag, 11. August 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Nairobi

Jackie verabschiedet sich gegen elf und Calle kann sein Bett wieder übernehmen. So wirklich schlau werden wir nicht aus der ganzen Aktion, aber das ist uns jetzt eigentlich auch egal.

Wasser haben wir immer noch nicht, doch Leitungsduschen in anderen Stockwerken ist heute ebenfalls nicht mehr möglich. Irgendein Typ vom Hotel versichert uns, dass es um zwei Uhr Wasser geben wird, doch ehrlich gesagt glauben wir da keinen Deut dran. Da kann er noch so oft »At time two, I tell you the truth!« beteuern. Derweil ist für uns Dösen, Abhängen und Nichtstun angesagt. Ohne Dusche kommen wir heute einfach nicht in die Gänge, denn so urdreckig, wie wir uns fühlen, wollen wir eigentlich nicht in die Stadt ziehen. Vor allem zumal es heute um einiges wärmer zu sein scheint. Letztendlich müssen wir feststellen, dass wir Recht hatten: Zwei Uhr verstreicht und aus der Leitung kommt kein Tropfen.

Doch auf einmal meint der Hoteltyp, er könne uns Wasser bringen. Zwar nicht auf die Leitung, aber in Kanistern und sogar warm. Auf dem Dach werde nämlich Regenwasser gesammelt. Ach!? Früher konnte er das nicht sagen? Zwanzig Minuten später haben wir also zwei Eimer, davon einen mit brennend heißem Wasser, im Bad stehen und können zum Duschen schreiten. Die im Zimmer stehende Karaffe aus Glas wird kurzerhand zum Duschkopf umfunktioniert und erstaunlicherweise duschen wir erstmals in diesem Urlaub wirklich gut und komfortabel. Lieber habe ich nämlich warmes Wasser in einem Eimer als kaltes aus einer miesen Dusche. Zudem erstaunt mich immer wieder, dass für eine komplette Dusche 10 bis 15 Liter locker ausreichen. So viel Wasser, wie ich im Frühjahr für 10 mal auf diese Weise duschen in Damaskus verbraucht habe, reicht mir in Deutschland wahrscheinlich gerade mal bis zum Schampoo.

Es braucht uns nicht zu verwundern, dass der Tag wie im Flug vergeht. Bei dem Rhythmus, den wir zur Zeit drauf haben, kombiniert mit den gerade mal 12 Stunden Sonnenschein, bleibt nicht mehr allzu viel Zeit, um bei Tageslicht etwas zu tun.

Abends gehen wir Bahntickets für morgen nach Kisumu kaufen. Genau wie der Rest des Bahnhofs sieht auch das Fahrkartenbüro aus, als wäre in den letzten 50 Jahren rein gar nichts daran verändert worden. Die Angestellte fragt uns, welche Klasse wir buchen und ob wir auch Abendessen und Frühstück mit dabei haben wollten. Verpflegung nehmen wir für 250 Schilling pro Essen komplett dazu, bei der Klasse entscheiden wir uns hingegen für die zweite als goldene Mitte zwischen der bonzigen ersten und der anscheinend sehr anstrengenden dritten, von der uns die Frau dringend abrät. Doch peinlicherweise können wir nicht bezahlen!

Eigentlich hatten wir extra vor, vorher noch Geld abzuholen, doch irgendwie haben Carl und ich uns dann missverstanden, sodass bis gerade eben jeder meinte, der andere habe noch einen oder zwei Tausender. Tja, Pustekuchen, meine Taschen sind quasi komplett leer und Carls Vermögen deckt gerade mal eine der beiden Fahrkarten ab. Die Frau am Schalter staunt daher nicht schlecht und fragt nur ungläubig »You don’t have money?!?«. Ich denke mal, Wazungu, die nicht zahlen können, sind nicht gerade an der Tagesordnung. Schnellen Schrittes suchen wir irgendwo eine Bank auf und kommen sogar noch rechtzeitig zurück, um die Fahrkarten doch noch abzuholen. Eigentlich ist nämlich schon geschlossen und entsprechend müssen unsere Papiere auch aus einem bereits abgeschlossenen Schrank wieder herausgeholt werden.

Am Bahnhof ist um diese Zeit richtig viel los. Es gibt pro Abend offenbar mehrere Pendlerzüge, die von vorne bis hinten mit Menschen vollgestopft sind. Viele hängen in den Türen, manche sitzen in den Fenstern, selbst der rostige Bremswagen am Ende des Zuges ist proppevoll. Auch während der Fahrt springen noch viele auf den fahrenden Zug auf, solang sie auf einem der Trittbretter überhaupt noch Platz finden oder von anderen reingezogen werden, bis wirklich gar nichts mehr geht. Vor dem Bahnhof werden hingegen die Tickets für diese »Commuters« verkauft, und zwar von einer Horde Ticketverkäufer, die auf gut 30 Metern Länge hinter einem gespannten Seil stehen. Jeder dieser Verkäufer verdient irgendeinen Minibetrag pro verkaufter Fahrkarte und so kann man sich leicht ausmalen, wie es aussieht, wenn 50 dieser Menschen versuchen, möglichst ein Ticket von genau ihrem Fahrkartenblock an den Mann zu bringen. Doch eins muss man dem System lassen: Es funktioniert super! Die auf den Bahnhofseingang zulaufenden Pendler laufen einfach an dem Seil vorbei, welches nur dazu da ist, das Verhalten der Verkäufer zu reglementieren, geben kurz ein paar Münzen in eine der vielen entgegengestreckten Hände und erhalten eine Sekunde später eine Fahrkarte zurück. Ich schätze mal, dass zeitweise bis zu fünf Karten pro Sekunde verkauft werden. Das soll man denen mal nachmachen.

Vor dem Tor, das zum Bahnsteigsbereich führt, findet dann die eigentliche Fahrkartenkontrolle statt. Hier drängen sich zig Menschen durch den Spalt von einem Meter Breite, wobei jeder auch noch sein Ticket hinhalten muss. Wir bestaunen eigentlich nur gerade die Szenerie, als zufällig David vom Eisenbahnmuseum vorbeikommt und uns anbietet, den Bahnhof zu zeigen. Dafür öffnet er ein weiteres Tor, um eigentlich nur uns durchzulassen, doch ehe wir uns es versehen, stecken schon 15 bis 20 Kenianer zwischen den Gittern und drängen ohne Kontrolle auf den Bahnsteig. Es braucht reichlich physische Durchsetzungskraft, damit auch wir es hindurch schaffen und es braucht noch mehr Kraft, damit David das Tor trotz des Andrangs hinter uns wieder schließen kann. Da sind doch glatt innerhalb weniger Sekunden 20 bis 30 Schwarze in das nur für uns geöffnete Tor durchgekommen. Irgendwie unheimlich.

Das Abendessen findet heute endlich ohne Experimente statt. Nachdem wir mit dem Fleisch heute Mittag wieder einen vollen Griff ins Klo gelandet haben, haben wir nun mit dem Restaurant Steak & Ale gleich hinter dem Century-Kino endlich ein richtig gutes Restaurant gefunden, das gutes Essen zu vernünftigen Preisen und in ausreichender Menge anbietet. Selbst die Bedienungen sind hier um Welten anders.

Ohne die Kameras ins Hotel zurückzubringen, laufen wir anschließend ein bisschen durch die Stadt. Grobe Route: Einmal zum Uhuru-Park und zurück. Diesen ganzen Shit mit der nächtlichen Ausgangssperre für Touris, von der vor unserer Abreise so ungefähr jeder gesprochen hat, können wir immer weniger verstehen. Im Gegenteil, nachts treffen wir die interessanteren Leute. So werden wir zum Beispiel, als wir auf einer Kreuzung Fotos machen, quer über die ganze Straße von einer Frau angeschrien, die eigentlich nur will, dass wir mal zu ihr rüber kommen und uns vorstellen. Ihr Mann schiebt dort gerade Wache vor einem Laden und sie leistet ihm dabei Gesellschaft. Auch keine schlechte Idee.

Eigentlich wollen wir uns auch das New Florida anschauen, aber 300 Eintritt für den Club sind uns angesichts dessen, dass wir eh nicht lange bleiben würden, zu viel. Letztendlich gehen wir nochmal kurz ins Simmers, um auf die Toilette zu schauen. Heute sind noch weit mehr Wazungu am Start als gestern. Eine ganze Gruppe junger Mädels, von denen die meisten ein T-Shirt mit der Aufschrift »Kenzania 2009« tragen, hat gerade ihren Spaß - doch ansprechen brauchen wir sie nicht. Eine Diskussion mit denen würde höchstwahrscheinlich wegen zu unterschiedlicher Ansichten im Debakel enden, darauf können wir fast wetten.

Als wir wieder rausgehen und uns durch die Barhocker schlängeln, gibt uns ein etwa fünfzigjähriger Weißer mit britischem Akzent noch ein »You guys are brave!« mit auf den Weg. »Because of the cameras?« – Ja, natürlich wegen den Kameras, viel Glück.

Ja mei, tut uns leid, dass wir vorher nicht mehr im Hotel waren und außerdem auch mal ein paar Nachtfotos machen wollen. Wir glauben langsam, keiner könne uns überfallen, da die potentiellen Täter bass erstaunt und mit offener Kinnlade stehen bleiben, wenn sie sehen, wie wir hier rumlaufen.

Vielleicht ein Trugschluss, jedoch auch heute folgenlos. Schon um zehn sind wir heute auf dem Zimmer. Mit den Kameras. Und auch selbst noch vollständig. Es gibt dringend Schlaf nachzuholen.

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Aktuelles ...

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Samstag, 20. März 2010
Donnerstag, 22. April, 18:00 Uhr
İzmir, [Türkei / Deutschland], München, Planegg

Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.