Fußboden einer Kirche in Budapest, Ungarn (21.08.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Montag, 10. August 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Nairobi

Wie nicht anders zu erwarten war, schlafen wir heute bis 13 Uhr. Kevin und Gregor sind offenbar einfach so abgezogen, ohne uns Bescheid zu sagen. Gregor belegt jetzt offiziell nur noch ein Zimmer – nämlich unseres. Zumindest laufen die Rechnungen, die wir bekommen, immer auf seinen Namen und so haben wir uns schon gefragt, ob wir nicht noch eine fette Party bei uns feiern sollten. Schäden gehen dann quasi aufs Haus. Oder aber die beiden haben im Laufe des Morgens geklopft und wir haben nichts gehört. Es ist ja sowieso immer laut hier, jeden Morgen hören wir nebst normaler Musik auch einen Kirchenchor, der heute glücklicherweise besonders schöne Lieder im Programm hatte.

Während Mr. Calle noch pennt, will ich eigentlich duschen, doch nach dem Aufdrehen des Hahns tut sich unter der Dusche genau so wenig wie vorher. Zum ersten Mal auf dieser Reise haben wir kein Wasser. Da können wir uns aber sicher gleich mal richtig dran gewöhnen, denn ich bin mir sicher, dass das den Rest der Reise in etwa so weitergehen wird.

Für heute behelfen wir uns damit, dass wir drei Stockwerke weiter unten in irgendwelchen freien Räumen duschen. Wir brauchen somit das Wasser in den Leitungen auf, das aus den oberen Stockwerken in die unteren fließt. Bei mir reicht es leider nur für eine halbe Minute, keine Chance für die langen Haare, aber Calle hat in seinem Raum offenbar etwas mehr Glück und bekommt noch ein paar Sekunden extra.

Jackie ruft unterdessen an – auf der deutschen Nummer! Wir haben keine Ahnung, wie sie sich das leisten kann, was sie überhaupt dazu treibt, doch Tatsache ist, dass sie einfach anruft und gerade noch irgendetwas wie »I want to meet you!« rausbringt, bevor die Verbindung abbricht. Kein Wunder, hat sie doch sicher ihr ganzes Guthaben im Handumdrehen verbrannt.

Wir gehen es trotzdem locker an, latschen erst mal ein bisschen in der Stadt rum und kaufen eine lokale SIM-Karte von Safaricom. Für nur einen Euro ist das der billigste Mobilfunkanschluss, den ich bisher gekauft habe. Alle bisherigen SIM-Karten auf Reisen waren sechs bis fünfzehn mal so teuer.

Zum Mittagessen suchen wir das Bridges auf, ein Ökolokal, das in Carls DuMont empfohlen wird. Verdauen wollen wir die Ökokost im Uhuru-Park und da wir nun endlich billig telefonieren können, machen wir mit Jackie aus, dass wir uns dort treffen. Schon als wir ankommen, ist es jedoch irgendwie kalt, und als die Type dann auch eine gefühlte halbe Ewigkeit nicht auftaucht, rufen wir sie an, um zu fragen, wo sie bleibt. Sie sei in zehn Minuten da, stellt sie uns in Aussicht. Dass man Kenianer nie danach fragen darf, wann sie da sind, sondern danach, wo sie gerade sind, werden wir erst später erfahren. Entsprechend taucht sie auch nicht auf. Per SMS weisen wir darauf hin, dass wir nun einen Abgang machen werden und wir uns gegebenenfalls zum Abendessen sehen können.

Dieses ist schrecklich! Im Accra-Hotel in der Accra Street, nur 150 Meter von unserer Bleibe entfernt, hocken wir uns auf einen nairobitypischen Balkon. Wieder mal eines der Lokale, die nichts und niemandem über den Weg trauen. Wir haben uns ja inzwischen daran gewöhnt, dass wir immer sofort nach Lieferung von Essen oder Getränken eine Rechnung bekommen, die oftmals auch sofort bezahlt werden muss. Doch dass wir die Bestellung gar nicht erst aufgeben können, wenn wir nicht schon im Vorhinein Geld für die zwei Tusker auf den Tisch legen, geht uns eigentlich schon zu weit!

Die Bedienung ist zwar ganz süß, doch leider eine absolute Nullcheckerin. Sie versteht weder, was wir wollen, noch weiß sie überhaupt, was der Laden anzubieten hat. Die Karten in Kenia zählen nämlich offenbar recht wenig, da steht einfach alles drauf, was der Laden mal gehabt hat oder irgendwann in ferner Zukunft mal anbieten wird. Deshalb müssen wir eigentlich immer erst fragen, was wir denn überhaupt bestellen könnten. Doch wenn selbst die Bedienung nicht weiter weiß, wissen wir es auch nicht.

Das ganze Drumherum könnte man ja alles noch ertragen, wenn wenigstens das Essen gut wäre. Doch als wir schließlich unser Chicken Stew bekommen, dreht sich mir der Magen schon beim Anschauen um. Keiner von uns beiden hat etwas Essbares auf dem Teller, stattdessen schwimmen da jeweils zwei undefinierbare Hühnchenteile in einer schlecht schmeckenden Soße. Noch wissen wir nicht, dass man bei der Bestellung von Huhn immer mit angeben muss, welchen Teil des Huhnes man will, um nicht mit den Resten der anderen abgefertigt zu werden. Weiß jemand eigentlich, was mit dem Rest des Huhnes in Deutschland passiert? Vielleicht McDonalds?

Inzwischen ist auch Jackie hinzugestoßen und uns ist nicht ganz klar, ob sie gerne gegessen hätte oder nicht. Erst gibt sie an, Hunger zu haben, aber als wir dann nicht explizit sagen, dass wir sie einladen, will sie doch nichts. Besser so! Das Mädel ist außerdem so dermaßen ungesprächig, dass Carl und ich uns schon die ganze Zeit angrinsen müssen. Ich mein, da sitzt sie mit zwei Wazungu am Tisch und will irgendwie überhaupt nichts wissen, nichts über Deutschland, nichts über Reisen und auch nur extrem wenig über uns. Wir wiederum können nichts anderes tun, als Fragen zu stellen, doch wenn es dann zu viele werden, will sie auf einmal wissen, warum wir denn so viel fragen würden. Ja hallo?!? Wir können uns auch gerne anschweigen. Ein Glück, dass Roberts Anruf auf dem Funk die Stimmung aufheitert und gleichzeitig neuen Gesprächsstoff bringt.

Wir fragen uns immer noch, ob sie nicht vielleicht einfach aufs »Geschäft« aus ist, auch wenn sie angeblich etwas ganz anderes macht und eigentlich auch andere Dinge dagegen sprechen, da landen wir nach dem Accra-Hotel in einer Bikinishow mit angeschlossenem Puff. Jackie wollte uns hier eigentlich irgendeiner Freundin vorstellen, doch – glücklicherweise – ist sie nicht da. Oder am Arbeiten? Keiner weiß es. Nach einem Bier machen wir jedenfalls wieder einen Abgang und verlegen uns von Downtown nach Uptown, wo wir ins Simmers gehen. Das ist der reinste Wazunguschuppen, hier tummeln sich etliche Weiße! Wahrscheinlich war nicht einmal die Hälfte von denen jemals downtown in einem der Clubs, sondern hängt immerzu jeden Abend nur hier ab. Der Laden selbst ist ganz nett gestaltet, denn im Grunde ist es nur eine Art Garten, in dessen Mitte eine Bar steht und man drumherum unter Sonnenschirmen sitzt. Jackie ist inzwischen auch gesprächiger, doch Calle wird von irgendeiner Tuse vereinnahmt, die erst kurz bevor wir gehen abhaut, nämlich als ihr klar wird, dass wir ihr kein Bier ausgeben werden.

Zwei Uhr dürfte es nun schon sein, wir sind mal wieder mitten in Nairobi unterwegs und werden sogar weniger angenervt als Jackie. Wieso das Kind, das nach Geld fragt, ausgerechnet sie anspricht und nicht uns Weiße, können wir beim besten Willen nicht verstehen. Die Straßen erwecken jedenfalls keinesfalls einen ungemütlichen oder bedrohlichen Eindruck. Im Gegenteil, da vor jedem zweiten Laden, also letztendlich alle zehn Meter, irgendein Typ von einer privaten Sicherheitsfirma liegend oder manchmal auch sitzend pennt, um so die ganze Nacht über Einbrüche zu verhindern, ist man nie alleine auf den Straßen unterwegs. Dass diese Leute im Ernstfall wirklich behilflich sein könnten, darf durchaus bezweifelt werden, doch allein die Tatsache, dass selbst mitten in der Nacht eigentlich immer einige Menschen im näheren Umkreis sind, lässt uns in gewisser Hinsicht wohl fühlen.

Vor unserem Hotel angekommen, wollen wir uns eigentlich von Jackie verabschieden, doch da wir gerade vor einer Minute noch über Schnee gesprochen haben, schlagen wir ihr vor, dass wir ihr unsere Bilder zeigen. Ich habe ja immer ein paar Dutzend Bilder aus der Heimat dabei, um sie auf Reisen herumzuzeigen. Da ist ein bisschen von allem dabei. Familie, Freunde, Heimatorte, mein Zimmer, Bilder von anderen Reisen – und natürlich Schneefotos! Mit denen ist es immer so eine Sache: Während sie in Syrien der Renner waren, da bin ich quasi ohne Schneebilder aus dem Shami abgezogen, weil mir die Krankenschwestern alle abgenommen hatten, hat sich im Iran kein Aas für sie interessiert. Die haben halt selber genug Schnee, da braucht es keine Fotos.

Jackie scheint jedenfalls sowohl die Schneefotos als auch alle anderen interessant zu finden. Überraschenderweise endet der Abend so, dass Carl auf dem Boden schläft, weil er der Tuse sein Bett angeboten hat – selber schuld, hätte ich nie und nimmer gemacht! – während sich für mich und mein Bett nichts ändert. Warum sie nicht mehr nach Hause gefahren ist, stattdessen mehr oder weniger wie angewurzelt mit den Fotos sitzen geblieben ist, bleibt uns schleierhaft. Oder auch nicht? Sie spricht ja eh so wenig. Aber mei, was soll’s, solange sie uns weder nervt noch etwas klaut, und dafür schläft Carl extra direkt vor der Tür, soll es uns recht sein.

Morgen machen wir aber dann wohl doch lieber wieder etwas alleine.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.