Freitag, 7. August 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Planegg, München, [Deutschland / via Kairo / Kenia], Nairobi
Es ist mal wieder soweit. 12.28 Uhr, Mr. Calle und Mr. Daniel steigen in den Camper ein, der mit uns zu seiner letzten Tour aufbricht. Der Motor läuft rund wie immer: Endziel Kirgisistan.
Oder doch nicht?
Nein, Camperverkauf in Kirgisistan ist gestrichen worden, vorwiegend wegen Zeitmangel an allen Ecken und Enden. Visa für Russland, Kasachstan und Kirgisistan hätten wir besorgen müssen, ersteres davon mal wieder mit Extrasenf in Form einer Einladung und der entsprechenden Referenznummer. Doch nicht nur die Vorbereitung wäre knapp geworden, auch die Reise selbst wäre eine ziemliche Hetzerei gewesen. Mit den geschätzten fünf Wochen, die Calle zur Verfügung hat, hätten wir uns für über 7.000 Kilometer etwa acht Stunden täglich hinter’s Steuer setzen müssen. Klar macht uns Autofahren Spaß – aber irgendwo hört der Spaß auch auf!
Ganz zu schweigen davon, dass der Verkauf alter Karren in Kirgisistan doch nicht so einfach zu sein scheint, wie wir bisher glaubten. Für Schüsseln, die vor 1998 gebaut wurden, sind die Zölle offenbar unrentabel hoch. Dies behauptet jedenfalls der Typ, den ich in der Wirtschaftsabteilung der Botschaft erreicht habe. »Was haben Sie sonst noch anzubieten?« hieß es von dem dann. Selbst als ich ihm erklärt hatte, dass ich nicht ein Händler, Importeur oder Ähnliches sei, sondern stinknormaler Privatmann, beharrte er darauf, dass ich gerne nach Kirgisistan kommen könne, um dort andere Dinge zu verkaufen. Naja, ein andermal dann.
Nicht nur Kirgisistan ist gestrichen, auch den Jemen hat das gleiche Schicksal ereilt. Und kurz darauf erging es der gedachten Asientour von Kalkutta nach Bangkok genau so. Mr. Calle hat nämlich keine Lust, sich entführen zu lassen, will außerdem »etwas Neues« sehen, Mr. Daniel hat hingegen auf Teufel komm raus keine Lust auf Monsunregen.
Was bleibt?
Afrika! Ostafrika hat das Rennen gemacht. Wie wir dazu kamen, weiß wohl keiner mehr so recht. Was uns dort erwartet, noch viel weniger. Es wird sozusagen wieder eine Reise ins Unbekannte und so fühle ich mich auch in etwa wie damals vor der ersten Reise nach Marokko.
Es ist also 12.28 Uhr, wir steigen nicht in den Karren ein, sondern ich nehme die S-Bahn in Planegg. Calle ist auch nicht da, vielmehr wohl gerade auf dem Weg zum Düsseldorfer Flughafen. Beim Stachus gönne ich mir zusammen mit Robert noch die letzte Pizza und dann geht es mit dem wie immer kriminell teuren MVV zum Flughafen. Da hilft auch eine Kundenkarte für die Ringe eins bis sieben nicht viel. Wobei ich den achten Ring schwarz fahre und somit »nur« vier weitere Streifen bis zum Flughafen stempele.
Der Tenor dort ist jedoch derselbe: Satte sieben Euro werden hier für das Umwickeln des Gepäcks mit Folie abgezockt. Wohlgemerkt eine Leistung, die ich bisher auf allen anderen Flughäfen für 50 Cent bis maximal zwei Euro bekommen habe. Bis auf Tehran Merhabad und Kish, da habe ich eine solche Folienstation überhaupt erst gar nicht gefunden. Dass hier in München darüberhinaus nicht einmal ein entsprechender Folienmensch zugegen ist, stattdessen auf einem Zettel lapidar darauf hingewiesen wird, man solle sich doch bitte am Infopoint melden, lässt vermuten, dass dieser Service hier wenig genutzt wird. Kein Wunder, bei diesem Preis! Mein Rucksack fliegt heute jedenfalls unverpackt.
Dass der Rucksack überhaupt fliegen muss, ist ja sowieso schon hart. Wo ist eigentlich der Landweg geblieben? Diese sechste Reise ist nun die erste, wo ich genau das tue, was ich sonst immer als so schlecht brandmarke. Nämlich in ein Flugzeug steigen, in dieser fliegenden Kiste ans Ziel gebracht werden und am Ende einfach aussteigen und – zack! – da sein. Das Ganze ohne jegliche Interaktion mit der Umwelt, ohne selbst etwas für das Fortkommen tun zu müssen, ohne überhaupt auch nur halb im Gefühl zu haben, wo man am Ende ist. Es fehlt die stetige Veränderung der Natur, des Klimas, der Sprache, der Kultur, der Gesichtszüge, einfach alles! Nichts bekommt man mit von all dem, steigt am Ende aus und muss sich erstmal orientieren: Ist das jetzt Nairobi? Oder doch Nagasaki? Vor allem aber fehlt das Gefühl für die Entfernung. Heute Mittag noch in München gegessen, morgen früh um vier schon am Äquator. So geht das einfach nicht!
Die EgyptAir-Maschine nach Kairo lässt trotzdem Urlaubsgefühl aufkommen. Über die Hälfte der Passagiere sind Ägypter, der Rest teilt sich in etwa gleich auf zwischen Deutschen sowie Afrikanern aus Kenia, Eritrea, Äthiopien und Südafrika, die ebenfalls alle in Kairo umgeschlagen werden. Da aber natürlich die Besatzung, die Maschine selbst, genau wie alles andere auch, arabisch sind, fühle ich mich sofort daheim. Oder eben im Urlaub.
Zu meiner Rechten sitzt eine Italienerin, die offenbar keine Ahnung hat, was für Leistungen in ihrer Nilkreuzfahrtpauschalreise enthalten sind. Sie hat sich extra eine Nacht in Kairo hinzugebucht, glaubt aber, dass sie nicht abgeholt werden wird, den Transfer zum Hotel also selbst organisieren muss. Das war doch Bus Nummer 27, oder? Selbst die Ägypterin zu meiner Linken weiß das noch weniger als ich, kann mir aber auf ganz andere Art weiterhelfen: Ihr gebe ich meinen fertigen und frankierten Briefumschlag, mit dem ich in München meine MVV-Kundenkarte nach Hause schicken wollte. Doch dazu hätte ich ihn auch mal einwerfen sollen. So muss ich nun Selma (?) überzeugen, dass ich ihr nicht etwa Drogen, Anthrax oder Sprengstoff andrehen will, sondern nur meine Kundenkarte, die ich nicht gewillt bin, monatelang sinnlos durch Afrika zu schleppen. Außerdem habe ich die 55 Cent ja eh schon aufgeklebt.
In Kairo erkläre ich gerade einer Familie aus Eritrea, dass sie für den Transit nicht das Einreiseformular auszufüllen brauchen, als auf einmal ein »Ja servus!« neben mir ertönt. Für eine Sekunde denke ich mir »Wer war denn da jetzt noch auf meinem Flug?«, doch schon steht Mr. Calle neben mir! Über ein Jahr ist es nun her! Am 15. Juli haben wir uns in Liubljana nach dem Abendessen verabschiedet. Die beiden Misters sind noch in derselben Nacht nach Deutschland weitergetuckert, Robert und ich haben uns hingegen erstmal abgelegt, um unsere 97. und letzte Nacht der Reise schlafend zu verbringen. Da ist die Wiedersehensfreude natürlich groß und die zwei Stunden Aufenthalt in Kairo – meine neue Reise beginnt quasi dort, wo die letzte geendet hat – vergehen wie im Flug! Und dank Skype hat er mich sogar trotz langen Haaren sofort erkannt.
War der erste Flug noch von Lokalkolorit geprägt, so erkennen wir schon beim Anstellen für den zweiten die bittere Realität: Kurze Hosen und eine Europäerquote von vielleicht neun Zehnteln lassen eher La Palma als Nairobi als Ziel vermuten. Die fünf stunden Flug vergehen trotzdem recht angenehm. Ägyptische Flugbegleiterinnen auf dem Gang, nette – und überaus schläfrige! – Leipziger Medizinstudenten zur Rechten, Calle auf der anderen Seite des Ganges zur Linken sowie annehmbares Essen vor uns auf den Tischen sind die essentiellen Bestandteile des Fluges. Nicht zu vergessen, der heftig schnarchende Typ aus der Italienerreihe hinter uns.
Samstag, 8. August 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Planegg, München, [Deutschland / via Kairo / Kenia], Nairobi
Die Uhr zeigt kurz nach vier Uhr Ortszeit, mit einer knappen halben Stunde Verspätung kommen wir in Nairobi an. Irgendwie ist das weiterhin ein komisches Gefühl, gestern noch am Stachus Mittag gegessen zu haben und nun schon auf einem Grad südlicher Breite zu sein – das war übrigens für uns beide die Äquatortaufe. Mit dem Camper hätten wir realistischerweise vier bis sechs Wochen im gehetzten Modus und wohl gute zehn Wochen in Urlaubsgangart gebraucht.
Wären wir mit dem Camper hier, müssten wir uns auch nicht inmitten hunderter Touristen im Malle-Stil in einer mit Teppich ausgelegten Halle an den Visums- und Einreiseschaltern anstellen. Natürlich kommen die alle nur aus unserer Maschine, da es um diese Zeit einfach keine anderen Ankünfte gibt. Meine große Reiseerfahrung stelle ich auch sogleich unter Beweis, als ich anstatt des Visumformulars fälschlicherweise jenes für die Schweinegrippe ergreife und mich auch noch wundere, warum das denn angeblich alle so gewissenhaft ausfüllen. Gut, dass wir es so früh am Morgen nicht eilig haben.
Komisch außerdem, dass der Grenztyp überhaupt nicht bemerkt, dass Calles Pass erst gestern ausgestellt wurde. Erst als er selbst – in gewisser Weise stolz, es überhaupt zu erkennen – darauf hinweist, dass es sich um einen voläufigen Reisepass handelt, erwähnen wir, dass das gute Teil noch nicht einmal 24 Stunden alt ist. Der richtige Reisepass befindet sich nämlich schon den dritten Tag per Einschreiben irgendwo bei der Deutschen Post. Dass Calle natürlich einfach am Montag die Äthiopische Botschaft hätte anrufen können, damit der Pass etwas früher rausgeht, gibt uns selbst die Schuld an diesem Schlamassel, doch dass Einschreiben neuerdings deutlich länger brauchen als normale Briefe, ist mir dann doch neu. Dabei hat Carl echt alles versucht, zum Beispiel indem er gestern früh morgens sogar zum Briefverteilzentrum gefahren ist, dort den entsprechenden Tourenfahrer ausfindig gemacht hat und ihn vergeblich die Tagespost durchsuchen ließ. Die nächste Anlaufstelle war somit die Warsteiner Gemeinde, denn da die Bürokraten ihm dort vor einigen Wochen keinen Zweitpass ausstellen wollten – was bei mir und auch bei Robert bisher anstandslos geklappt hat – musste nun ein vorläufiger Reisepass her. Und auch hier durften die dummen Fragen natürlich nicht fehlen. Das ist deutscher Bürgerservice par excellence.
Wir sind also unter den letzten fünf Passagieren, die schließlich zur Gepäckausgabe kommen, wo ich meinen Rucksack trotz der fehlenden Folie für kriminelle Münchner Preise heil vom Band nehmen kann. Selbst die Rucksäcke von den beiden Leipzigern Gregor und Kevin sind da, obwohl sie die schon vorgestern in Frankfurt abgegeben haben – man freut sich ja bereits über Selbstverständliches.
Gute zehn Minuten lassen wir uns auf Kevins Initiative hin in einer Art Reisebüro bezüglich unserer Unterkunft zulabern. Die drei Mitarbeiterinnen kommen uns zwar anständig vor und haben schließlich hier auch wirklich ein Büro, doch ehrlich gesagt fühlen wir uns ein bisschen überrumpelt. Wir wollen erstmal chillen! Da kommt es uns gerade recht, dass sie offenbar keines der Hostels telefonisch erreichen können. Als wir ihnen daraufhin sagen, dass wir jetzt auf eigene Faust weitermachen wollen und auch die beiden Leipziger überreden, einen Abgang zu machen, sind die drei anscheinend ziemlich überrascht, haben aber auch kein schlagendes Argument mehr auf Lager.
Da sind wir also gerade mal 20 Minuten in Nairobi und werfen schon alle anständigen Vorsätze über Bord. Wie war das nochmal? Bei Dunkelheit nicht auf die Straße gehen? Am Flughafen nicht in ein Taxi steigen? Oder zumindest nicht in das nächstbeste? Alles klar! Sagte man uns letztes Jahr nicht, Baghdad sei safe?
Wir steigen aber auch nicht in das nächstbeste Taxi, sondern machen es uns ein paar hundert Meter weiter auf der Straße im nächstbesten Café gemütlich. Dass wir vier auf dem Weg dorthin natürlich bereits ab der Ausgangstür des Terminals Begleitung haben, ist ja sowieso klar. Ich frage mich nur, wie manche Leute so dumm sein können, uns um halb fünf in der Nacht, 30 Minuten nach unserer Ankunft in einem fremden Land, bereits eine Safari aufs Auge drücken zu wollen. Die Schlauen fangen hingegen nicht mit dem Verchecken irgendwelcher Abzockpakete an, sondern mit dem Freundlichsein und Helfen. So sitzen wir also mal zu sechst und mal zu siebt – bei ständig wechselnder Besetzung der Verchecker – auf der Straßenterrasse dieses Cafés und akklimatisieren uns an das Fremde.
Und an das Wetter! Denn im Gegensatz zu den deutschen Nächten der letzten Wochen ist es hier saukalt und sporadisch setzt Nieselregen ein! Ich bin wenigstens im Pulli angekommen, doch Calle ist im dünnen Hemd mit weniger Komfort gesegnet. Ganz zu schweigen von Kevin und Gregor in ihren kurzen Hosen, die hier meiner Meinung nach nicht nur wegen der Temperatur fehl am Platz sind.
Calle und ich haben dermaßen die Ruhe weg und verweigern uns jeglicher Aktivität, dass Kevin sich schon die ganze Zeit einen ablacht und die Verchecker immer ungeduldiger werden, wann sie uns denn endlich in die Stadt führen könnten. Warum sollten wir es auch eilig haben? Wir wissen nicht, wohin wir sollen, Zeit haben wir genug, und bald wird es sowieso hell. So dauert es schließlich mehrere Stunden, ein paar Croissants, mehrere Tees mit und ohne Milch, zwei Doxyzyklin- und Malarone-Tabletten sowie einen Mückenstich durch meine Hose – Malaria lässt also schon grüßen! – bis wir uns endlich von den Stühlen erheben und in einen Bus der Linie 34 steigen. Gut, dass alle anderen Touris in ihren Land Cruisern, Defendern und Mitsubishi-Kleinbussen abgeholt werden. Wir fahren jedenfalls Bus. Für 75 Eurocent pro Person inklusive Gepäck.
Die Dreiviertelstunde Busfahrt ist zwar eigentlich schon richtig interessant, doch Captain Schlaf hat – zumindest bei Kevin und mir – nun endgültig das Kommando übernommen. Während ich also auf den höchst unbequemen und engen Sitzen, wovon wir einen, wie ja auch sonst üblich, allein für unser Gepäck bezahlen mussten, beginne, ein kleines Nickerchen zu halten, rumpelt der Bus über die schlecht ausgebaute Straße, manchmal auch über schlammige Seitenspuren, gen Stadtzentrum. Wir sehen »Waschstraßen«, die aus nichts anderem bestehen als einem siffigen Erduntergrund und einem Eimer Wasser, der vom Waschstraßenbesitzer zum Putzen hergenommen wird. Ansonsten erinnert alles, vor allem die vielen Leute auf den Straßen und wie sie sich benehmen, ein bisschen an – welch Wunder! – Afrika oder zumindest das Bild, welches man bei uns vermittelt bekommt.
Nach normal langer Unterkunftssuche im Zentrum Nairobis, die ohne die Hilfe der Safariverchecker wohl um einiges schwieriger ausgefallen wäre, mieten wir uns im Hotel Greton auf der Tsavo Road für 1.200 Kenianische Shilling ein. Das sind knappe 12 Euro für zwei Personen pro Nacht. Das lässt sich ja schon mal gut an, denn damit liegen wir überraschenderweise selbst in der Hauptstadt – oder gerade hier?!? – auf dem Preisniveau meines letzten Urlaubs. Dass wir hier eher in einer Absteige für Schwarze gelandet sind, in die sich nur wenige Touristen verirren, merken wir daraufhin auch recht schnell und haben wir uns eigentlich auch schon denken können. Gut so! Denn hier »downtown« scheint das richtige Leben zu spielen, nicht im bonzigen »uptown«, wo sich die wenigen Weißen dieser Stadt zwischen Hilton und InterContinental auf viel saubereren Straßen tummeln.
Ein paar Stunden Schlaf später steht leider erstmal ein nerviges Pflichtprogramm auf der Tagesordnung: Die Typen, die uns vom Flughafen bis hierher geholfen haben, müssen uns in ihre Büros führen, um uns dort ihre sündhaft teuren Touriprogramme schmackhaft zu machen. Ich kann es jedoch kaum glauben, als letztendlich alle nach der entsprechenden Präsentation ziemlich anstandslos akzeptieren, dass wir jetzt noch nichts dergleichen buchen wollen. Wo dir diese Leute hier die Hand geben und einen schönen Tag wünschen, fangen die Araber gerade erst an, überhaupt in die Diskussion einzusteigen. Von den Marokkanern ganz zu schweigen. Doch »nein« heißt hier offenbar »nein«, da gibt es wenig zu rütteln. Das Schlimmste an der ganzen Sache jedoch ist, dass die Angebote bereits einen vernünftigen Preis haben. Den Araber, der dir seinen Mondpreis für ein halbes Kaugummi nennt, kann man noch einfach milde belächeln oder gar auslachen und weitergehen, doch für diese Safariverchecker müssen Sätze her wie: »Ja also dein Angebot ist wirklich gut und es liegt auch wirklich nicht am Preis, aber wir wollen uns ein paar Stunden nach unserer Ankunft nun einfach nicht festlegen. Wildwanderung hin oder her.«
Mit vollen Tüten aus dem Supermarkt gehen wir zurück zum Hotel, von wo aus wir unsere erste kleine Erkundungstour durch die Stadt starten. Das Wetter hier ist dabei ein bisschen nervig. Ohne Sonne braucht es auf jeden Fall einen Pulli, denn die Luft an sich ist nicht gerade die wärmste, und wenn auch noch ein kleines Lüftchen weht, sind wir schnell am Frieren. Erst später werden wir checken, dass Nairobi auf etwa 1.600 Metern liegt. Kommt jedoch die Sonne raus, wird es schnell brühheiß und die Mitnahme des Pullis erscheint als die absurdeste Idee des Tages. Das ganze nun alle paar Minuten im Wechsel und schon kann man sich bestens vorstellen, dass hier wirklich gilt: Wie wir’s auch machen, wir machen’s falsch.
Zu Abend essen wir gut und billig auf einem netten Balkon an einem Kreisverkehr, von wo aus wir das viele Treiben auf dem Platz bestens beobachten können. Inklusive Bier lassen wir hier gerade mal den Gegenwert von 6 Euro auf dem Tisch. Da wir die Nairobi-bei-Nacht-Regel sowieso schon gekippt haben, gehen wir danach auf unsere erste nächtliche Erkundungstour und sind wieder verblüfft, wieviele Leute sich downtown auf den Straßen drängen. Tausende Schwarze, kein einziger Weißer. Zumindest läuft uns keiner über den Weg.
Das letzte Tusker – das ist in Kenia hergestelltes Bier der East African Brewers Company – genießen wir in einer Bar beim Century Kino. Genau wie an fast allen anderen Schuppen, die nicht afrikanische, sondern »moderne« Musik spielen, laufen hier nur Remixe der 90er-Jahre-Hits. Und zwar rauf und runter, runter und rauf, am laufenden Band, teilweise in Wiederholung. Ich kann mich nicht beschweren, mir gefällt’s, doch etwas verblüfft sind wir ehrlich gesagt schon.