Marrakesh, Marokko (05.09.2006)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
26. Januar 20098. August 2009

Freitag, 7. August 2009aus: Ostafrika & Ägypten 2009
Routenteil: Planegg, München, [Deutschland / via Kairo / Kenia], Nairobi

Es ist mal wieder soweit. 12.28 Uhr, Mr. Calle und Mr. Daniel steigen in den Camper ein, der mit uns zu seiner letzten Tour aufbricht. Der Motor läuft rund wie immer: Endziel Kirgisistan.

Oder doch nicht?

Nein, Camperverkauf in Kirgisistan ist gestrichen worden, vorwiegend wegen Zeitmangel an allen Ecken und Enden. Visa für Russland, Kasachstan und Kirgisistan hätten wir besorgen müssen, ersteres davon mal wieder mit Extrasenf in Form einer Einladung und der entsprechenden Referenznummer. Doch nicht nur die Vorbereitung wäre knapp geworden, auch die Reise selbst wäre eine ziemliche Hetzerei gewesen. Mit den geschätzten fünf Wochen, die Calle zur Verfügung hat, hätten wir uns für über 7.000 Kilometer etwa acht Stunden täglich hinter’s Steuer setzen müssen. Klar macht uns Autofahren Spaß – aber irgendwo hört der Spaß auch auf!

Ganz zu schweigen davon, dass der Verkauf alter Karren in Kirgisistan doch nicht so einfach zu sein scheint, wie wir bisher glaubten. Für Schüsseln, die vor 1998 gebaut wurden, sind die Zölle offenbar unrentabel hoch. Dies behauptet jedenfalls der Typ, den ich in der Wirtschaftsabteilung der Botschaft erreicht habe. »Was haben Sie sonst noch anzubieten?« hieß es von dem dann. Selbst als ich ihm erklärt hatte, dass ich nicht ein Händler, Importeur oder Ähnliches sei, sondern stinknormaler Privatmann, beharrte er darauf, dass ich gerne nach Kirgisistan kommen könne, um dort andere Dinge zu verkaufen. Naja, ein andermal dann.

Nicht nur Kirgisistan ist gestrichen, auch den Jemen hat das gleiche Schicksal ereilt. Und kurz darauf erging es der gedachten Asientour von Kalkutta nach Bangkok genau so. Mr. Calle hat nämlich keine Lust, sich entführen zu lassen, will außerdem »etwas Neues« sehen, Mr. Daniel hat hingegen auf Teufel komm raus keine Lust auf Monsunregen.

Was bleibt?

Afrika! Ostafrika hat das Rennen gemacht. Wie wir dazu kamen, weiß wohl keiner mehr so recht. Was uns dort erwartet, noch viel weniger. Es wird sozusagen wieder eine Reise ins Unbekannte und so fühle ich mich auch in etwa wie damals vor der ersten Reise nach Marokko.

Es ist also 12.28 Uhr, wir steigen nicht in den Karren ein, sondern ich nehme die S-Bahn in Planegg. Calle ist auch nicht da, vielmehr wohl gerade auf dem Weg zum Düsseldorfer Flughafen. Beim Stachus gönne ich mir zusammen mit Robert noch die letzte Pizza und dann geht es mit dem wie immer kriminell teuren MVV zum Flughafen. Da hilft auch eine Kundenkarte für die Ringe eins bis sieben nicht viel. Wobei ich den achten Ring schwarz fahre und somit »nur« vier weitere Streifen bis zum Flughafen stempele.

Der Tenor dort ist jedoch derselbe: Satte sieben Euro werden hier für das Umwickeln des Gepäcks mit Folie abgezockt. Wohlgemerkt eine Leistung, die ich bisher auf allen anderen Flughäfen für 50 Cent bis maximal zwei Euro bekommen habe. Bis auf Tehran Merhabad und Kish, da habe ich eine solche Folienstation überhaupt erst gar nicht gefunden. Dass hier in München darüberhinaus nicht einmal ein entsprechender Folienmensch zugegen ist, stattdessen auf einem Zettel lapidar darauf hingewiesen wird, man solle sich doch bitte am Infopoint melden, lässt vermuten, dass dieser Service hier wenig genutzt wird. Kein Wunder, bei diesem Preis! Mein Rucksack fliegt heute jedenfalls unverpackt.

Dass der Rucksack überhaupt fliegen muss, ist ja sowieso schon hart. Wo ist eigentlich der Landweg geblieben? Diese sechste Reise ist nun die erste, wo ich genau das tue, was ich sonst immer als so schlecht brandmarke. Nämlich in ein Flugzeug steigen, in dieser fliegenden Kiste ans Ziel gebracht werden und am Ende einfach aussteigen und – zack! – da sein. Das Ganze ohne jegliche Interaktion mit der Umwelt, ohne selbst etwas für das Fortkommen tun zu müssen, ohne überhaupt auch nur halb im Gefühl zu haben, wo man am Ende ist. Es fehlt die stetige Veränderung der Natur, des Klimas, der Sprache, der Kultur, der Gesichtszüge, einfach alles! Nichts bekommt man mit von all dem, steigt am Ende aus und muss sich erstmal orientieren: Ist das jetzt Nairobi? Oder doch Nagasaki? Vor allem aber fehlt das Gefühl für die Entfernung. Heute Mittag noch in München gegessen, morgen früh um vier schon am Äquator. So geht das einfach nicht!

Die EgyptAir-Maschine nach Kairo lässt trotzdem Urlaubsgefühl aufkommen. Über die Hälfte der Passagiere sind Ägypter, der Rest teilt sich in etwa gleich auf zwischen Deutschen sowie Afrikanern aus Kenia, Eritrea, Äthiopien und Südafrika, die ebenfalls alle in Kairo umgeschlagen werden. Da aber natürlich die Besatzung, die Maschine selbst, genau wie alles andere auch, arabisch sind, fühle ich mich sofort daheim. Oder eben im Urlaub.

Zu meiner Rechten sitzt eine Italienerin, die offenbar keine Ahnung hat, was für Leistungen in ihrer Nilkreuzfahrtpauschalreise enthalten sind. Sie hat sich extra eine Nacht in Kairo hinzugebucht, glaubt aber, dass sie nicht abgeholt werden wird, den Transfer zum Hotel also selbst organisieren muss. Das war doch Bus Nummer 27, oder? Selbst die Ägypterin zu meiner Linken weiß das noch weniger als ich, kann mir aber auf ganz andere Art weiterhelfen: Ihr gebe ich meinen fertigen und frankierten Briefumschlag, mit dem ich in München meine MVV-Kundenkarte nach Hause schicken wollte. Doch dazu hätte ich ihn auch mal einwerfen sollen. So muss ich nun Selma (?) überzeugen, dass ich ihr nicht etwa Drogen, Anthrax oder Sprengstoff andrehen will, sondern nur meine Kundenkarte, die ich nicht gewillt bin, monatelang sinnlos durch Afrika zu schleppen. Außerdem habe ich die 55 Cent ja eh schon aufgeklebt.

In Kairo erkläre ich gerade einer Familie aus Eritrea, dass sie für den Transit nicht das Einreiseformular auszufüllen brauchen, als auf einmal ein »Ja servus!« neben mir ertönt. Für eine Sekunde denke ich mir »Wer war denn da jetzt noch auf meinem Flug?«, doch schon steht Mr. Calle neben mir! Über ein Jahr ist es nun her! Am 15. Juli haben wir uns in Liubljana nach dem Abendessen verabschiedet. Die beiden Misters sind noch in derselben Nacht nach Deutschland weitergetuckert, Robert und ich haben uns hingegen erstmal abgelegt, um unsere 97. und letzte Nacht der Reise schlafend zu verbringen. Da ist die Wiedersehensfreude natürlich groß und die zwei Stunden Aufenthalt in Kairo – meine neue Reise beginnt quasi dort, wo die letzte geendet hat – vergehen wie im Flug! Und dank Skype hat er mich sogar trotz langen Haaren sofort erkannt.

War der erste Flug noch von Lokalkolorit geprägt, so erkennen wir schon beim Anstellen für den zweiten die bittere Realität: Kurze Hosen und eine Europäerquote von vielleicht neun Zehnteln lassen eher La Palma als Nairobi als Ziel vermuten. Die fünf stunden Flug vergehen trotzdem recht angenehm. Ägyptische Flugbegleiterinnen auf dem Gang, nette – und überaus schläfrige! – Leipziger Medizinstudenten zur Rechten, Calle auf der anderen Seite des Ganges zur Linken sowie annehmbares Essen vor uns auf den Tischen sind die essentiellen Bestandteile des Fluges. Nicht zu vergessen, der heftig schnarchende Typ aus der Italienerreihe hinter uns.

26. Januar 20098. August 2009

Aktuelles ...

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Samstag, 20. März 2010
Donnerstag, 22. April, 18:00 Uhr
İzmir, [Türkei / Deutschland], München, Planegg

Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.