
Montag, 26. Januar 2009Die Syrer sind mal wieder witzig aufgelegt. Visum nur mit Meldebescheinigung. Pfff. Es ist zwar noch nicht ganz klar, wohin die nächste Reise gehen wird und ich habe auch eigentlich erst gestern angefangen, mich wieder ernsthaft über Kosten für Flugzeug und Bahn zu informieren, doch dass Syrien unter den bereisten Ländern sein wird, ist sehr wahrscheinlich. Da ich noch meine letzte Woche »Weihnachtsurlaub« hier in Italien verbringe, habe ich gestern nebenbei einen Blick auf die Internetseite der syrischen Botschaft in Rom geworfen. Naja, nicht direkt auf deren Seite, denn eine solche gibt es gar nicht, aber auf die eine oder andere Infoseite. Und siehe da, Potzblitz! Was sind das nur für Preise? Einfache Einreise: 17 Euro. Mehrfache Einreise: Sagenhafte 23 Euro. All das bei einer kurzen Bearbeitungszeit von nur zwei bis drei Tagen. Wer hätte das gedacht? Zum Vergleich: In Deutschland soll man für dieselben Visa 26 respektive 45 Moneten hinblättern und kann das Geld nicht bar mitbringen – ich sowieso nicht, ein Einschreiben ist das Höchste der Gefühle. Im Juli 2007 zahlte ich sogar für einfache Einreise ganze 40 Euro, wenige Tage bevor die Gebühren reduziert wurden. So will ich mir dieses Schnäppchen, bei dem ich Mehrfacheinreise billiger und schneller bekomme als in Deutschland die Einfacheinreise, nicht entgehen lassen und mache deshalb einen Abstecher zur absolut zentral, direkt gegenüber dem Kapitol gelegenen Botschaft der Syrischen Arabischen Republik. Etwas umständlich geht es durch einen Innenhof hindurch in einen kleinen Gang, von dort eine enge Treppe hoch in den ersten Stock, wo ich eine Klingel betätige. Sofort wird mir die Tür aufgehalten und ich werde in den gemütlich Warteraum gebeten, wo ein paar Junge Männer gerade Formulare ausfüllen, während im Hintergrund Al-Jazeera eine surreale, zusammengeschnittene Sequenz von nächtlichen Luft-Boden-Feuer über Palästina sendet, die zusammen mit der Begleitung durch ein Streichorchester wohl auf zynische Weise an ein frohes und pompöses Feuerwerk erinnern soll. Ja, die Preise seien korrekt, meint der sehr freundliche Mensch hinter dem Tresen im Nebenraum, der durch drei große Bögen mit dem Warteraum verbunden ist. Das jordanische Botschaftsloch in dieser Stadt, mit seiner ungemütlichen Panzerglasscheibe und den in Freundlichkeit etwas zurückgebliebenen Mitarbeitern, welches ich hier vor anderthalb Jahren aufgesucht habe, kann sich von alledem ruhig eine Scheibe abschneiden. Meine Fotos habe ich schlauerweise vergessen, also geht es erst nochmal raus in ein hundert Meter weiter gelegenes Fotogeschäft, wo ich mir meine x-ten italienischen Sträflingsbilder zum nicht gerade erschwinglichen Preis von ganzen sechs Euro machen lasse. Zurück in der Botschaft fülle ich die zwei Antragsformulare aus und gebe sie dem Typen zurück. Ich habe noch kaum ausgesprochen, dass er bitte kurz drüber schauen soll, da sehe ich schon an seiner gerunzelten Stirn, dass wohl etwas nicht stimmt. »Haben Sie ihren Wohnsitz in Italien?« Nein, entgegne ich wahrheitsgemäß – und bekomme zu hören, ich müsse mich entweder an die Botschaft in Berlin wenden, eine italienische Meldebescheinigung vorlegen, oder noch mal mit dem italienischen Pass vorbeikommen. Na Prost! Ich versuche, auf den Typen einzureden, doch weit komme ich nicht. Er könne nichts machen, das sei so Gesetz. Ja klar, natürlich, also ehrlich gesagt: In dem Moment, wo mir jemand – insbesondere ein Araber – mit »das ist Gesetz« kommt, glaube ich erst recht, dass es kein solches gibt. Was ist das außerdem für eine Logik? Wenn ich in Ankara bei der Botschaft aufkreuze bekomme ich schließlich auch ein Visum, ohne dass dafür ein türkischer Pass oder eine türkische Meldebescheinigung von nöten wäre.1 Und letzten Sommer hätten wir zu viert mit zwei Autos in Al-Qamishli sogar ad hoc Visa bekommen, wo doch sonst alle darüber meckern, dass sie an der Grenze abgewiesen werden. Doch was soll’s? Erstens wartet hinter mir schon das nächste Paar und zweitens bekomme ich das Visum in Deutschland ja wahrscheinlich ohne Probleme, wenn auch mit etwas mehr finanziellem und zeitlichem Aufwand. Artig bedanke ich mich und ziehe unverrichteter Dinge wieder ab. Tagesbilanz: 4 Delinquentenfotos für 6 Euro machen lassen, zwei Visum-Antragsformulare ausgefüllt, in die eine oder andere römische Regenpfütze getappt, zwei Werbeprospekte des syrischen Fremdenverkehrsamtes mit nach Hause gebracht. 1 Das stimmt so nicht ganz, wie ich später erfahren werde. Auch hier braucht es, genau wie offenbar in fast allen syrischen Botschaften, entweder eine Meldebescheinigung oder aber ein Empfehlungsschreiben der eigenen Botschaft.
Aktuelles ...AktuellesSamstag, 20. März 2010 Donnerstag, 22. April, 18:00 Uhr İzmir, [Türkei / Deutschland], München, Planegg Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden noch peu à peu nachgereicht. Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen. | ||||||||||||||||||||||||||
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