
Mittwoch, 20. August 2008Über einen Monat nach Reiseende bin ich heute endlich dazu gekommen, unser »Vokabelheft« auszuwerten. In dieses schreiben wir unsere gemeinschaftlich getätigten Ausgaben auf – ich auf der linken und Robby auf der rechten Seite. Tag für Tag, Ausgabe für Ausgabe, schon seit Marokko machen wir das so. Auch wenn viele, die wir unterwegs kennen gelernt haben, uns dafür und für den Umstand, dass wir keine Gemeinschaftskasse haben, schon für verrückt erklärt haben. Angesichts dessen, dass der eine oder andere Eintrag den Gegenwert von 10 Eurocent nicht übersteigt, nicht weiter verwunderlich, und doch ist es genauso einfach wie eine Gemeinschaftskasse, zudem aber sogar sicherer. Verliert einer von uns sein Geld, wird bestohlen oder gar ausgeraubt, ist im Normalfall nur die Hälfte des Geldes weg. Außerdem hat so jeder sein eigenes Geld in der Tasche und kann nach Belieben Ausgaben tätigen, die den anderen nichts angehen oder die er nicht mittragen will. »Und wieviel habt ihr ausgegeben?«Lange Rede, kurzer Sinn, der Weg ist nun frei sowohl für eine Abrechnung zwischen Robby und mir als auch für eine einigermaßen genaue Berechnung der Reisekosten. Das war jetzt auch bitter nötig, denn die immer wiederkehrende Frage nach den Kosten der Reise, die wirklich von so gut wie jedem gestellt wird, mit dem man sich länger als zwei Minuten darüber unterhält, konnte ich den ganzen Monat lang immer nur mit groben Schätzwerten beantworten. Dass wir angesichts toller 98 Tage auf über 18.000 Kilometern in 13 Ländern vergleichsweise billig unterwegs waren, ist jedoch keine große Neuigkeit. Aber lassen wir die Zahlen sprechen: Etwa 2.200 Euro pro Person haben wir unterwegs verfeuert. Dazu kommen für jeden von uns grobe 900 Euro in der Vorbereitungsphase, von denen jedoch nur die Hälfte explizit der Reise zuzuordnen ist, da hier auch einige beständige Anschaffungen wie zum Beispiel der neue Fahrersitz, Kanister und außerdem auch die KFZ-Steuer für das ganze Jahr enthalten sind. Iran 2008 hat uns somit um die 2.700 Euro pro Person gekostet. Die Werte basieren jedoch ausschließlich auf meinen Ausgaben. Da Robby im normalen Tagesablauf und erst recht in der Zeit mit den Soestern nicht wenige Male Eigenschaften eines Prosumers an den Tag legte, dürfte seine persönliche Rechnung die meinige um ein paar Hunderter übersteigen. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass in diesem Betrag bereits auch die Wiederbeschaffung des geklauten Mobiltelefons sowie der wahrscheinlich ebenfalls geklauten Taschenlampe enthalten ist. »Essen«, »Diesel«, »Essen«, »Essen«Recht monoton lesen sich die Einträge aus dem Vokabelheft, dominiert vom Wort »Essen«, welches »Diesel« und »Eintritt« auf die Plätze verwies. Handelt es sich beim Eintritt trotz des häufigen Vorkommens nur um geringe Beträge – im Iran kosteten die meisten Eintritte nur einige Dutzend Eurocent – sieht das bei den erstgenannten Ausgabenposten schon ganz anders aus. In den ersten zwei Monaten, also im Iran und während der Anreise dorthin, gaben wir in etwa 530 Euro für Essen aus. Letztendlich ein lächerlicher Betrag, wenn man sich vor Augen führt, dass wir in dieser Zeit wohl durchschnittlich anderthalb Male am Tag essen waren und nur sehr wenige Male selbst gekocht haben. Wäre es nicht so billig gewesen, hätte ich das aber auch nicht so gemacht. Das Essen des letzten Monats im Irak, in der Türkei und auf dem Balkan ist buchhalterisch nicht mehr erfasst, da wir ab diesem Zeitpunkt eine Gemeinschaftskasse für alle vier Reisenden hatten, aus der solche Ausgaben getätigt wurden. Anders sieht es beim Sprit aus. Um die 1.300 Euro haben wir in Diesel gesteckt, um 18.714 Kilometer weit zu kommen. Der größte Batzen ging in der Türkei bei Preisen zwischen 1,50 und 1,70 Euro pro Liter über den Tresen, am wenigsten haben wir wohl trotz der größten Menge an Kilometern im Iran gezahlt – bei einem Preis von 165 Rial pro Liter, also 1,1 Eurocent, aber auch kein großes Wunder. Billig, ja. Und wer will, kriegt es noch billiger.Insgesamt kann ich mich also überhaupt nicht beschweren. Wenn ich von Zauner und Bernhard so höre, dass sie für drei Wochen – Wochen wohlgemerkt, keine Monate! – in den Vereinigten Staaten knapp 3.000 Euro pro Person veranschlagen, dreht es mir ja fast den Magen um. Wer will, kann unsere Tour auch mit noch weniger Moneten machen, muss dann aber sogar im Iran oft selbst kochen, auf jeden Fall die Wäsche immer selber waschen (war im Iran teuer!) und ein paar Ranis weniger trinken. Sich nicht beklauen lassen wäre darüber hinaus auch von Vorteil. Nach oben hin gibt es hingegen, wie immer, keine Grenzen. Aber wer mit seinem Einhunderttausend-Euro-WoMo durch die Gegend cruist, den interessiert das wohl auch eher weniger.
Aktuelles ...AktuellesSamstag, 20. März 2010 Donnerstag, 22. April, 18:00 Uhr İzmir, [Türkei / Deutschland], München, Planegg Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden noch peu à peu nachgereicht. Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen. | ||||||||||||||||||||||||||
© 2010 Daniel Schmidt-Loebe | ||||||||||||||||||||||||||