Motorradfahrer führt uns durch die Ebene nach Bandar Gonaveh, Iran (27.05.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
3. Juli 20089. Juli 2008

Montag, 7. Juli 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Side, Antalya, Afyon, İstanbul

Heute ist unser dritter Tag in Side, der bei Deutschen sehr beliebten Stadt, die uns am Freitag gleich mal mit einer Parkkralle begrüßte. »Ähm... Entschuldigung, Sie haben da eine Parkkralle am Reifen!« ruft mir eine Familienmutter aus dem Meer von auf der anderen Seite befindlichen Deutschen über die Straße, als ich gerade ein paar Meter umparken will. Dreist hatten wir unsere Autos direkt vor dem antiken Theater geparkt und uns zu Fuß auf eine erste Erkundungstour in die für fremde Autos gesperrte Stadt aufgemacht.

Die auffälligsten Beobachtungen dieser Tour: Die hohe Quote an Deutschen, das zumindest auf den ersten Blick höher erscheinende Niveau der Touris im Gegensatz zu Alanya, die vielen von uns permanent verarschten und nervtötenden Ins-Restaurant-Zieher oder Möchtegern-Verkäufer sowie eben die hart durchgreifende Polizei.

Ich meine, man muss ja nicht gleich eine Parkkralle montieren, oder? Der Hano hatte wegen der großen Reifen sowieso keine bekommen und hätte einfach wegfahren können, doch wegen dem LT entband uns das nicht von der langen Diskussion mit dem selbst an den Start gekommenen Polizisten und seinem angeblichen Chef in mehr oder weniger heruntergekommenen Zivilklamotten. Im Endergebnis verhinderten wir, dass er sich die für die Entfernung geforderten 50 YTL in die eigene Tasche wirtschaften konnte, und gaben ihm stattdessen unsere einzige Flasche irakischen Arak als Lösegeld für unser Auto. Im Nu war die Parkkralle ab. Geschätzter Kostenpunkt: Umgerechnet 16 Lira.

Seitdem haben wir nun also am Strand westlich etwas außerhalb von Side geparkt, wo die ganzen Hotelclubanlagen beginnen, die Küste zu säumen. Es ist proppevoll hier. An der Stelle, wo wir Strandzugang haben, sind zwar auf etwa einhundert Metern fast nur Türken anzutreffen, doch da rechts ausschließlich Hotels und links bis hin zu Stadt nur Touristrandbars den Strand gepachtet haben, sind auch die Touris aller Couleur nicht weit.

Zwei davon haben wir auch besser kennen gelernt. Annek und Giada aus der Nähe von Mannheim sind hier eine Woche als Pauschis am Start. Arne hat sie vorgestern Morgen kennen gelernt, als er bei Maria auf den Sitzgarnituren des 50 Meter entfernten Reisebüros saß, während wir noch schliefen. So sind wir mit den beiden gestern den ganzen Tag am Strand geflackt und vorgestern waren wir zusammen im Oxyd, der offenbar einzigen etwas besseren Diskothek am Platz.

Mit dem Weggehen hat man als Junge hier so seine Probleme. An unserem ersten Abend in Side mussten wir feststellen, dass wir ohne weibliche Begleitung nichtmal als halbwegs sinnvolle Geldquelle angesehen werden. »Athena« und »Lighthouse« heißen die zwei bekanntesten Schuppen in der Sider Innenstadt. Der erste liegt direkt beim Apollontempel, der zweite direkt am zentralen Hauptplatz von Promenade und Hauptstraße. Keiner der beiden Schuppen lässt Jungs ohne Mädels hinein, erst recht nicht, wenn sie zu viert sind.

Im Oxyd hingegen scheint man darauf nicht zu schauen. Vielleicht auch, weil hier 10 Lira Eintritt abgezockt werden, während die anderen Läden keinen Eintritt verlangen. Der vorgestrige Abend dort war jedenfalls nicht beklagenswert und obwohl das bestimmt kein Skandinavierladen à la Doors Rock Bar ist, war meine Abendunterhaltung Julia doch eine Schwedin. Dass wir im Athena und im Lighthouse außerdem nichts verpasst haben, konnte ich gestern Abend rausfinden.

Während die anderen Jungs am Camper »Plan B« umsetzten und dadurch anscheinend die beiden Mädels vertrieben, legte ich es darauf an, die beiden Schuppen zu besuchen. Alleine ist das auch nicht so schwer, denn zwei Ischen, die einen einfach mal mit rein nehmen, sind dann doch schnell gefunden. Vier hingegen nicht. Jedenfalls war das Athena leerer als leer und noch dazu mit assliger Musik beschallt, was letztendlich schade ist, da die Lokalität an sich – inmitten von antiken Mauern, wie viele andere Dissen ebenfalls unter freiem Himmel – eigentlich einiges hermacht. Im Lighthouse ging es schon etwas besser zu und es ließ sich einigermaßen aushalten, doch letztendlich habe ich mich schon um drei wieder auf den Heimweg gemacht.

Nach dem Aufstehen heute Morgen gehe ich mal wieder ins Hotel. Das Nerton mit vier Sternen liegt nur wenige hundert Meter von uns entfernt und bietet sowohl freies Internet als auch saubere Toiletten. Wie schon gestern, als ich mit Calle einfach mal am Stand entlang das eine oder andere Hotel aufgesucht habe, macht es Spaß, sich auf den Arealen zu bewegen und quasi jedes Mal in einen neuen kleinen Mikrokosmos einzutreten, der seine eigene Sozialstruktur, seine eigenen geographischen Eigenschaften, letztendlich also sein kleines Eigenleben besitzt. Als langjähriger Pauschaltouri bin ich erst recht daran interessiert und weiß auch, wie ich mich ohne aufzufallen zu bewegen habe. Denn vor allem in den Hotels, wo man mit Bändchen am Arm rumläuft, sollte man nicht gerade ohne Bändchen beim Frühstück erwischt werden.

Am Nachmittag fahren wir nach Antalya und stellen uns dort erst mal ein sehr ausgiebiges und sättigendes, dafür wohl auch etwas zu frühes Abendessen rein. Obwohl ich eigentlich dachte, dass wir uns jetzt hier niederlassen und mit unserer Strand-und-Party-Strategie fortfahren – Antalya ist dafür ja sicher nicht das schlechteste Pflaster für – kommt es zu einer Lagebesprechung, in der klar wird, dass die anderen keine Lust mehr auf »Asistrand und -party« auf diesem Niveau haben. Soso, die feinen Herren also.

Im Endergebnis wird somit um acht Uhr abends eine sogar für uns selbst verblüffende Entscheidung getroffen: Radikaler Abbruch des Asiurlaubs, sofortige Abfahrt nach İstanbul mit Schichtfahrbetrieb. Treffpunkt offen, das erste Team am Ort schickt die Koordinaten an das andere.

Schade um Strand und Party kann ich nur sagen, aber mir werden die paar Tage mehr auf dem Balkan – immerhin einige Länder, die komplett neu für mich sind – wohl genauso gut gefallen.

Dienstag, 8. Juli 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Side, Antalya, Afyon, İstanbul

Robert und ich sind heute gegen neun Uhr das erste Team am Platz und schicken unsere Koordinaten von der Kennedy Caddesi an das Hano-Team. Die beiden sind auf der Autobahn eigentlich nur wenige Kilometer hinter uns unterwegs gewesen, doch an der südlichen Bosporusbrücke ist offenbar ein weit größerer Stau als der, den wir gerade hitner der nördlichen Brücke überwunden haben.

Die ersten Stunden, ja sozusagen den ganzen Vormittag, verplämperen wir mit absolut sinnloser Parkplatzsuche in den teils engen und verwinkelten Gassen des Sultanahmet-Viertels. Viele Gespräche mit den Parkboys und einige Beinahewutanfälle von Mister Calle später – über eben die türkischen Parkmenschen – landen wir wieder auf unserem ursprünglichen Parkplatz vom Morgen, direkt zwischen der Kennedy Caddesi und dem Meer. Schien uns der Preis vor einigen Stunden noch totale Abzocke zu sein, sind wir nun froh, endlich zur Ruhe zu finden. Von hier ist es zu Fuß letztendlich auch nur ein paar Meter zu unserem recht zentralen Stellplatz von vor drei Monaten.

Bis zum Abend hängen wir in der Stadt ab. Ich bin in İstanbul nun zum dritten Mal innerhalb eines Jahres und fühle mich inzwischen schon recht heimisch. Die Aussicht vom Sultan Hostel sowie der freie Internetzugang dürfen natürlich auch dieses Mal nicht fehlen. Neu ist aber, dass wir an diesem letzten Abend in der Türkei von einer Mutter wohl als mögliche Gatten für ihre Töchter ausgewählt werden. Auf dem Platz vor der blauen Moschee, wo es sich auf den vielen Bänken bestens sitzen und das bunte Gemisch von Türken und Fremden beobachten lässt, werden wir von ihr und ihren Töchtern erst ständig angeschaut und schließlich auch noch von ihr »ausgefragt«. Die deutlichen Hinweise auf ihre Töchter sind jedenfalls nicht zu überhören. Interessanter ist nach Auffassung von Arne und mir jedoch die Familie direkt neben uns, von der sich herausstellt, dass es Saudis sind. Gerne würden wir noch etwas länger mit der hübschen und auf Englisch gut kommunizierenden Ische plaudern, doch wir müssen weiter.

Bora, ein deutscher Freund der Soester, den sie auch schon auf dem Hinweg besucht haben, ruft nämlich an, er stehe nun vor der Hagia Sofia. Mit seinem Auto machen wir uns auf die Suche nach einem Futterladen und enden schließlich in einem Fischrestaurant. Einerseits nicht allzu sehr begeistert von dem Laden und andererseits getrieben von dem Wunsch, den letzten Abend in İstanbul irgendwie anders zu verbringen, setze ich mich ab und ziehe in einer vom sozialen Standpunkt durchaus fraglichen Aktion alleine los. Die üblich verdächtigen Plätze in Sultanahmet leeren sich jedoch zu später Stunde recht schnell und so lande ich schließlich wieder im Sultan-Hostel – natürlich auf der Dachterrasse. Und in bester Gesellschaft: Zwei Holländer, zwei Brasilianerinnen, eine Türkin. Junge und interessante Leute allesamt.

Die Deutsch sprechenden Holländer sind super nett, laden mich übrigens auch auf ein Bier ein, welches ich am Ende jedoch gerne selbst bezahle. Wir wollen ja schließlich die Holländer Holländer sein lassen und außerdem haben die beiden noch so viel Reise vor sich, es ist ihr erster Reisetag. Die Brasilianerin hingegen weilt seit über einem Monat im Sultan, versteckt sich dort vor ihrem in Brasilien zurückgebliebenen Freund, der sie umbringen will, weil sie sich weigert, ihn zu heiraten. Oder irgendwie so. Wie das mit dem Geld von der Mutter funktioniert und wie lange sie sich noch in İstanbul verstecken will, wird mir trotz Erklärung nicht ganz klar. Praktischerweise kann sie Italienisch, weil sie irgendwann dort gewohnt hat. Die andere Brasilianerin spricht den ganzen Abend nur drei Wörter, ist allein mit Portugiesisch nicht so von der Partie. Und die Türkin ist die um diese Uhrzeit arbeitslose Bedienung, welche ein recht rudimentäres, aber auch ulkiges, türkisches Englisch drauf hat und nur drei Tage länger da ist als die Brasilianerin.

Zufrieden über den unerwartet guten Verlauf des Abends mit der netten Truppe auf dem Dach komme ich zurück zu unserem Parkplatz, wo ich neben Shisha rauchenden, aber noch fitten Boras und Arnes einen auf dem Stuhl halb pennenden Mister Robert und einen bereits im Bett liegenden Mister Calle vorfinde. Als ich zu letzterem kurz ins Auto steige und ihn anspreche, beugt sich dieser in Windeseile kommentarlos nach vorne, öffnet seine Kotzklappe und macht noch während dieser Bewegung – bisher sind vielleicht anderthalb Sekunden vergangen – im wahrsten Sinne der Namensgebung von ihr Gebrauch. Wer jetzt denkt, Mister Calle hätte seine iranische Polizeimütze mit extra langem Schild bei dieser Aktion ausnahmsweise mal nicht auf, der irrt. Sieht jedenfalls köstlich aus. Nur gut, dass der LT auf der anderen Seite vom Hano steht.

Und auch der Wind kommt vom Meer, also von der LT-Seite, sonst würde das Schlafen wohl recht schwierig werden.

3. Juli 20089. Juli 2008

Aktuelles ...

Aktuelles

Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.