Camper eingegraben im Sand der Oase Tamerza, Tunesien (26.03.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Donnerstag, 26. Juni 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Dohuk

Die Affenhitze holt uns nach nur wenigen Stunden Schlaf mit einer dicken Alkoholbirne in die harte Urlaubsrealität zurück. Da das Baden im eigenen Schweiß bei vierzig plus x Grad nicht gerade eine unserer Lieblingsbeschäftigungen ist, mit Schädel und Schlafmangel erst recht nicht, verziehen wir uns von elf bis 19 Uhr ins nahe gelegene Schwimmbad. Es geht ja nicht an, dass wir unseren irakischen Badeurlaub unterbrechen. Ein Glück, dass wir wieder Johnny Bravo getroffen haben, einen kurdischen Jungen, der hier ab und an für Geld den Amis bei irgendetwas hilft. Ohne ihn wüssten wir nichtmal, dass dreihundert Meter neben unserem Pennplatz ein fettes Freiluftschwimmbad existiert.

Hier grenzt auch ein Hotel an, in dem es nur so von Amis wimmeln soll. Doch trotz des mit Amikarren voll belegten Parkplatzes sehen wir nur einen vor der Straße sein Auto herrichten und kriegen als unverkennbare Gringos ein »Good morning!« hinterher gerufen. Im Schwimmbad selbst ist von Amis aber keine Spur.

Der alles verbietende, nur »No!« sagende und mit Megaphon nervende Hauptbademeister, der erst cool wird, nachdem ich ihn ein bisschen verarscht habe, glaubt, wir seien Amis, und wir spielen das Spiel aus Spaß an der Freude einfach mal mit. Arne ist aus Seattle, ich aus D.C. Unsere Kompanie hat Urlaub und wir waren nur kurz in Baghdad stationiert. Ich hätte es ja nicht glauben wollen, aber jetzt verstehe ich auf einmal, was Simone mir am letzten Abend gesagt hat, kurz bevor wir unsere selbstverständlich zu nichts führende Kriegsdiskussion abgebrochen haben. Ich erlebe es selbst: Der Typ flüstert mir zu, dass er es toll finde, dass wir hier seien und bedankt sich mehrfach mit höchst demütigem Unterton. Klingt nur etwas wirr: »It is good american soldiers come to Dohuk, Kurdistan. Thank you for helping our country. You know, Kirkuk, Mosul, Dohuk, Hewler, all this is Kurdistan. Thank you, mister Daniel. I am happy.«

Krasse Sache. Später ruft er mich extra nochmal zu sich und stellt mich seinem Boss vor, der sich ebenfalls darüber freut, amerikanische Soldaten hier Urlaub machen zu sehen. Mir geht das ehrlich gesagt langsam zu weit und ich sehe den Rest des Tages einfach zu, die beiden zu meiden, aber nun kann ich glauben, was Simone meinte, fast jeden Tag zu hören: »Thank you for being an American. You saved me and my family’s life!«

Acht Stunden währt unser heutiges Badeerlebnis und rundet damit unseren irakischen Badeurlaub bestens ab. Wenn wir morgen ausreisen, werden wir an 10 von 15 Tagen in Seen, Flüssen oder Pools geschwommen sein. Was soll man bei Temperaturen zwischen 41 und 49 Grad Celsius denn bitte auch anderes machen?

Am Abend tauschen wir nochmal etwas Geld, kaufen ein wenig Alkohol, gehen essen und hocken uns dann an unserem üblichen Platz zwischen die Autos. Diesmal jedoch ganz in iranischer Manier möbelfrei nur auf dem Teppich, wo jeder von uns im Laufe der Unterhaltung irgendwann einfach wegpennt.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.