Abendessen im Zelt bei Redjim Maatoug, Tunesien (26.03.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
21. Juni 200823. Juni 2008

Sonntag, 22. Juni 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Sulemanya, Chemi Rezan, Dokan, Dokan-See bei Chosh(n)au

Den Vormittag verbringen wir wie üblich in der Lobby. Da wir in Wikitravel von einer Grotte Namens Chemi Rezan gelesen haben, fragen wir die Hotelcrew, ob sie uns auf der Karte zeigen könne, wo das liegt. Das übliche Kartenlesespiel beginnt. Es ist unglaublich, wie fünf Erwachsene, die hier Jahrzehnte oder gar schon ihr ganzes Leben verbracht haben, nicht einmal ihre Heimatstadt auf einer arabisch beschrifteten Karte finden. Da schauen sie erst mal etwas blöd darauf hin und her, bis man ihnen schließlich per Fingerzeig einen Tipp gibt, wo man sich gerade befindet.

Nicht viel besser läuft es mit dem Ziel. Ok, Chemi Rezan selbst ist nicht auf der Karte verzeichnet, obwohl da eigentlich jedes Kaff drauf zu sein scheint, doch ist das ein Grund, um erst mal fünf Minuten über die komplett falsche Straße zu diskutieren, bereits etwas auf einem Zettel dazu aufgemalt zu haben, und das Ganze erst zu verwerfen, als jemand aus der Gruppe meint, dass es ja doch die andere Straße sein könnte?

Nach insgesamt einer Viertelstunde haben sich die fünf einigermaßen mit der Karte angefreundet und auch untereinander geeinigt, sodass wir nun ungefähr eine Ahnung haben, wo wir hin oder zumindest weiterfragen müssen. Um eins fahren wir also – diesmal zum wahrscheinlich letzten Mal – aus Suli ab. Wer hätte gedacht, dass wir hier so viele Tage verbringen, ja dass wir überhaupt bis hierher kommen würden? War auf jeden Fall eine nette Stadt, und wer weiß, eines Tages kommt der eine oder andere von uns vielleicht ja auch wieder. Möglicherweise gar in ein Land, dass dann nicht mehr Irak heißt.

Eine Dreiviertelstunde später sind wir am Start in Chemi Rezan. Auf den ersten Blick schaut es hier sehr touristisch aus, doch die wenigen Gebäude und das bebaute Areal konzentrieren sich eigentlich nur um einen kleinen Wasserfall, der noch vor den Grotten liegt. Zwei Kilometer weiter endet die Straße an einem Bach, von dem aus wir links den Berg hinauflaufen, da wir dort oben die Grotten vermuten. Ausgeschildert ist hier gar nichts.

Oben angekommen erleben wir beim Eintritt in eine der Grotten ein Naturspektakel, das in dieser Form noch keiner von uns so erlebt haben dürfte: Hunderte, wenn nicht gar tausende Fledermäuse, die von unserem Eintreten geweckt wurden, verlassen ihre Plätze an der Decke und in den diversen Nischen, um tiefer in die Grotte hinein zu fliegen. Da wir vier echte Schlaumeier sind und natürlich keiner von uns daran gedacht hat, eine Taschenlampe oder eine andere Form von Licht mitzubringen – und das wohlgemerkt für den Besuch einer Grotte! – laufen wir zur Strafe für das fehlende Mitdenken wieder hinunter zu den Autos und kommen dann etwas ausgerüsteter wieder oben in der Grotte an.

Weiter drinnen in der Grotte versuchen wir, von den Viechern ein paar Fotos zu machen, doch viel mehr müssen wir auf unsere Köpfe aufpassen. Die Fledermäuse fliegen so tief, dass Robert eine direkt ins Gesicht bekommen hat und wir uns die ganze Zeit ducken müssen, um nicht von jeder dritten erwischt zu werden.

Draußen laufen wir noch etwas den Felsen am Talibantal entlang. Unweigerlich muss man bei dieser Landschaft und einigen weiteren Grotten, die wir finden, daran denken, wie einfach es sein muss, sich in so einem Gebiet zu verstecken und auch über Jahre hinweg nicht gefunden zu werden. Wer so ein Gelände wie seine Hosentasche kennt, dem macht niemand etwas vor.

Wieder unten angekommen springen wir noch schnell für drei Schwimmzüge an einer tiefen, beckenartigen Stelle in den Bach und fahren dann zurück zur Hauptstraße, der wir Richtung Norden folgen. In Dokan essen wir den bisher schrecklichsten Kebab der ganzen Reise und bezahlen diesen Fraß auch noch unverschämt teuer. Wie können die irakischen Kurden nur so einen Shit essen? Die meisten Kebabs hier sind an der Grenze zum Widerlichen – oder eben sogar über diese hinaus.

Von hier aus nehmen wir diesmal die östlich des Sees entlang führende Straße, da diese direkter zu unserem morgigen Ziel, den Gali Ali Bag Wasserfällen, führt und wir uns außerdem erhoffen, einfacher an einen Badeplatz zu kommen. Da haben wir uns aber offensichtlich getäuscht. Als erstes führt die Straße auf einen weit über 1.000 Meter hohen Pass, dessen Überwindung uns so viel Zeit kostet, dass es bereits fast dunkel ist, als wir oben ankommen. Und als ob das nicht genug wäre, ist die Straße, die von hier nach unten führt, mit ihren Löchern, Verformungen und einfach auf der Straße liegenden Steinhaufen in einem dermaßen miserablen Zustand, dass das Befahren jeder durchschnittlichen Piste auf einmal wie ein reinster Luxus erscheint.

Kurz bevor wir Bin Gird erreichen, nehmen wir dann auch eine Piste, die links in Richtung See abzugehen scheint. Mit weit komfortablerer Geschwindigkeit als vorher kommen wir hier in der Dunkelheit voran und erreichen schließlich den kleinen Hauptplatz eines kleinen Dorfes. Schien es hier eine Minute lang noch wie ausgestorben, kommen auf einmal nach und nach Leute aus allen Richtungen zu uns, bis wir schließlich von 15 bis 20 Menschen belagert werden. Kein Wunder aber auch. Wahrscheinlich sind hier noch nie Touristen gestrandet, noch dazu mit ihren zwei Autos, und erst recht nicht um kurz vor neun in völliger Dunkelheit.

Wir werden natürlich wieder zum Essen, Schlafen und was weiß ich noch allem eingeladen, doch wir geben den Leuten mit etwas Farsi, Kurdisch und Arabisch zu verstehen, dass wir eigentlich zum See und schwimmen wollen. Schwimmen? Heute noch? Ja, heute noch! Die Verwunderung darüber ist offensichtlich groß.

Zu unserer Überraschung ist wenige hundert Meter hinter dem Dorf bereits auch wirklich das Ufer, doch da die Dorfpiste für uns unpassierbar ist, führen uns nun ein paar Erwachsene und eine Hand voll Kinder über eine andere Piste bis hinunter zum Wasser, wo wir unseren Platz für die Nacht aufschlagen. Fürs Baden ist die Stelle mit ihrem schlammigen Ufer zwar nur mittelmäßig geeignet, aber das hindert uns nicht daran, im Scheinwerferlicht des Hano unser zweites und letztes Bad für den Tag zu nehmen und dabei die Fische zu beobachten, wie sie im Licht aus dem Wasser springen.

Mister Arne geht daraufhin recht früh ins Bett während Mister Robert, Mister Calle und ich noch ein bisschen von der herumliegenden Scheiße verfeuern und dabei etwas trinken. Die hiesige Scheiße brennt sogar besser als die vom anderen Ufer. Leider liegt jedoch weniger davon herum und der Spaß hat irgendwann ein Ende, weswegen wir letztendlich bereits etwas früher, als uns lieb ist, im Bett verschwinden.

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Aktuelles ...

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Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.