Tourihorde umkreist die Dunes de Tinfou auf Kamelen, Marokko (03.09.2006)
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was zum Teufel soll diese Adresse?!?
11. Juni 200813. Juni 2008

Donnerstag, 12. Juni 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Silopi, [Türkei / Irak], Zakhu, Dohuk

Wir stehen so auf, dass wir wie besprochen um halb zehn Timor im Polizeigebäude besuchen und danach zur Grenze abdüsen können. Erst mal muss ich aber erzieherische Maßnahmen bei einem total misslungenen Kind durchführen, das unsere Mülltüten vor unseren Augen direkt zwischen unseren Autos demonstrativ mit großem Grinsen ausgeleert hat. Das Gesicht von Todesangst, als ich es beim Rennen einhole und dann einfach nur festhalte, ohne etwas zu machen, tut dem vielleicht 12-jährigen Scheißer hoffentlich richtig gut.

Obwohl ich ihm deutlich mache, dass ich nicht zuhauen werde, hat er bei jeder meiner Bewegungen krassen Schiss, dass er eine versetzt bekommt. Da sieht man mal, wie sein Tag normalerweise aussehen muss. Jedenfalls fängt er dann sogar an, vorbeifahrende Autos anzuhalten, wobei ein ausgestiegener Türke, der offenbar eher auf meiner Seite zu sein scheint, ihn dann gleich auch noch zamscheißt. Die Freunde des dummen Kiddies bieten inzwischen an, dass sie alles sauber machen, wenn ich ihn los lasse, und ich gehe auf den Deal gerne ein, doch als wir zurück kommen, haben die deutschen Groupies bereits das Gröbste wieder beseitigt, so dass ich die etwas mehr Grips zu haben scheinenden Freunde entlasse und ihnen nochmal klar mache, dass sie einen krass bescheuerten Freund haben.

Obwohl Timor vorhin im Auto an uns vorbeigefahren ist und uns empfahl, gegenüber auf der anderen Seite des Platzes frühstücken zu gehen, ist er um halb zehn nicht im Polizeirevier, sondern offenbar unterwegs. Der Besuch hat sich aber schon rein deswegen gelohnt, weil wir uns über den absolut sinnlosen Metalldetektor an der Pforte einen ablachen: Keinen interessiert das Piepsen bei unserem Durchgehen und während wir uns mit drei Bullen hinter der Pforte unterhalten, läuft mir nichts dir nichts einfach irgendein zivil gekleideter Mensch mit einer lässig in der Hand getragenen Gewehrtasche herein. Den Umweg durch den Detektor hätte er bestimmt nicht nehmen müssen, damit man weiß, was er dabei hat.

Da wir ja Timors Telefonnummer haben und sein erster Vorschlag sowieso der war, dass wir ihn von der Grenze aus anrufen, fahren wir einfach los, nachdem auch die anderen ihre Rucksäcke fertig gepackt haben. Vor dem Grenzzaun empfangen uns dann wieder dieselben Soldaten wie gestern, die uns fast schon wie Kumpels begrüßen. Die Karren parken wir erst mal zur Seite und informieren Timo(r), dass wir da sind und er nun seinen Freund Hakan anrufen kann.

Bis dieser rauskommt, braucht es erst mal ewig. Mehrmals schicken die Soldaten in der Zwischenzeit die Leute weg, die alle um uns rumgammeln und uns teils dumm anlabern oder einfach nur komisch schauen. Wahrscheinlich sind es die selben, die uns gestern auch das Schloss kaputt gemacht haben, indem sie wohl mit einem Draht oder ähnlichem darin rumgefummelt haben. Jedenfalls werden wir nach einer guten halben Stunde von jemandem hereingerufen, der nicht Hakan ist, sondern irgendein höherer Grenzbeamter.

Die Autos parken wir direkt hinter der Registrierpforte, wo auch Hakan und die Mehr-Streifen-Typen von gestern momentan zugegen sind, und wir glauben gerade, dass es losgehen kann, als mir ein Telefon gereicht wird und Timor am anderen Ende der Leitung erklärt, es gebe ein Problem: Wir könnten unsere Autos doch nicht hier parken, müssten also entweder mit Auto rüber oder die Besitzer müssten hier bleiben. Na toll, dafür haben wir doch gestern den ganzen Stress gemacht. Der interessante Grund ist aber, dass es prinzipiell zwar ginge, doch da die Grenzinfrastruktur angeblich neu und nicht fertig gebaut ist, gibt es nur überdachte, aber keine abgeschlossenen Plätze. Genau die bräuchte man aber laut Gesetz, denn ansonsten könnten sie für unsere Autos nicht garantieren und dürfen sie daher nicht abstellen.

Wir stehen nun also vor der Entscheidung. Die Einreise in den Irak mit Auto soll einfach von statten gehen, doch wir sind noch dagegen. Als man uns aber erzählt, dass es vor der irakischen Einreise einen Otopark geben soll, an dem wir die Karren abstellen könnten, entscheiden wir uns für die Ausreise aus der Türkei, auch wenn wir das mit dem Parking vor der Grenze nicht ganz glauben. Wie soll das denn rechtlich funktionieren? Auto steht im Land, ist aber nirgendwo registriert? Komische Sache.

Die Ausreise geht recht einfach von statten. Mit dem Public Écrivant, in den wir leider schon wieder gestolpert sind, der am Ende aber auch kein Geld von uns bekommt und nichtmal einen Aufstand deshalb macht, geht die Abfertigung recht fix. Nun sind wir draußen aus der Türkei, zum zweiten Mal auf dieser Reise.

Über die Brücke, die von türkischer Seite natürlich von Panzern und Soldaten gesichert ist und vor der ewig viele LKW anstehen, geht es rüber in den Irak.

Was machen wir hier eigentlich?

Wir sind hier, weil wir gerade in der Gegend waren und mal vorbeischauen wollten. Die drei zur autonomen Region Kurdistan gehörenden Provinzen im Nordirak sollen relativ sicher sein und auch das Auswärtige Amt schränkt hier seine Reisewarnung ein. Natürlich werden wir uns genau informieren müssen, wo wir hinfahren können und wo nicht, doch irgendwer muss den Tourismus ja auch mal anschmeißen.

Die während der Saddam-Ära unterdrückten Kurden haben sich zu Beginn der US-geführten Invasion 2003 mit den Angreifern gegen Saddam verbündet und genießen daher nun eine zumindest im Gegensatz zu vorher viel stärkere Position in Bezug auf die irakischen Machtverhältnisse. Kurdistan hat bereits eine in großen Teilen autonome Verwaltung und strebt an, ein eigener Staat zu werden, was jedoch keinem der umliegenden Länder in den Kram passt. Allen voran haben natürlich die Türken damit ein Problem, denn wenn aus dem Irak ein eigenes Land für Kurden herausgeschnitten werden sollte, werden die kurdischen Gebiete im Südosten der Türkei sich diesem neuen Staat anschließen wollen. Gleiches gilt für den Osten Syriens und den Nordwesten des Irans.

Das ist wohl auch der Grund, warum die Türkei vor zwei Monaten in den Nordirak einmarschiert ist und ein bisschen rumgeballert hat. Offiziell sollten offenbar irgendwelche PKK-Kämpfer aufgespürt werden, doch in Wirklichkeit ging es wahrscheinlich darum, zum einen Stärke zu demonstrieren und zum anderen auch den einen oder anderen Unterschlupf kurdischer Kämpfer zu zerstören. Unterschlüpfe, die zu dieser Jahreszeit jedoch sowieso nicht besetzt waren und bis zum Sommer wohl ohne Probleme neu eingerichtet werden können.

Die Kurden in der Türkei sind die, denen es gewissermaßen am schlechtesten geht. Früher war es gar verboten, auf der Straße Kurdisch zu sprechen, und man sieht auch so gut wie niemanden in kurdischen Baggies rumlaufen. Kurdisch wird nicht an den Schulen unterrichtet, Staatsausgaben fließen in die kurdischen Gebiete nur in geringem Maße und auf die Kurden hören in Ankara wohl nur wenige. Etwas anders sieht es im Iran aus, wo die Kurden nicht wirklich unterdrückt, sondern eher assimiliert werden. Die Iraner betrachten Sie nicht als etwas anderes oder Besonderes, lassen ihnen dadurch aber auch die Freiheit, im Rahmen der Gesetze zu tun und lassen, was sie wollen. Jeder spricht Kurdisch und alle tragen Baggies. Selbst die islamische Kleiderordnung wird dort offenbar nicht wirklich befolgt, denn sonst wären die farbenfrohen Gewänder der Frauen nicht so oft zu sehen.

Im Irak geht es den Kurden also am besten. In Kurdistan – die Regionen in den anderen Ländern werden von den Kurden selbst auch als Kurdistan bezeichnet, jedoch gibt es eine gleichnamige Provinz meines Wissens nur im Iran mit Sanandaj als Hauptstadt – haben sie ihre eigene Regierung, ihre eigene Polizei und Armee, ihre eigene Verwaltung. Gewissermaßen also schon fast ihr eigenes Land. Sehr wichtig für ein Volk, das es in der Geschichte sozusagen verpasst hat, sich einen eigenen Staat zu sichern.

Wir kommen auf der anderen Seite der Brücke an. Von Otopark oder einer sonstigen Langzeitabstellmöglichkeit keine Spur. Stattdessen werden wir erst mal auf einen kleinen Parkplatz verwiesen. Im angrenzenden Immigration-Gebäude mit der gemütlichen Einrichtung sitzen wir erst mal etwas rum und trinken aus den vergoldeten Tassen Tee, der jedem sofort angeboten wird. Krasse Begrüßung für eines der derzeit angeblich chaotischsten und unübersichtlichsten Länder dieser Erde. Ohne größere Probleme bekommen Arne und ich unsere Pässe mit entsprechendem Einreisestempel zurück, auf dem vermerkt ist, dass man sich innerhalb von zehn Tagen beim Einwohnermeldeamt zu melden hat, falls man länger bleiben will. Wollen wir sowieso nicht, würde aber andernfalls wohl auch kein Problem darstellen.

Robert und Calle bekommen ihre Pässe nicht zurück und der Typ gibt stattdessen zu verstehen, dass wir sie später, nach der Einreise mit dem Auto, wieder abholen könnten. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass wir das falsch verstanden haben, denn er meint, wir könnten die Pässe bei der Ausreise wieder kriegen, also erst wenn wir wieder in die Türkei zurück fahren. Ansonsten meint der Typ noch, dass es überhaupt kein Problem für uns wäre, mit dem Auto durch den Irak zu fahren, und gibt uns gleich noch entsprechende Hinweise, welche Gebiete zu meiden sind und welche ok sein sollen.

Ganz geheuer ist uns das mit dem Auto nicht, denn eigentlich heißt es, dass das das Gefährlichste sei, was man nur tun kann. Die meisten Informationen in dieser Richtung beziehen sich jedoch auf den mittleren und südlichen Irak, auf Baghdad, auf Basra, nicht aber auf Kurdistan. Wir kommen überein, dass wir jetzt mal ganz normal einreisen und dann immer noch entscheiden können, ob wir das Auto gegebenenfalls bei einem Otopark ein paar Kilometer weiter abstellen und dann als Backpacker weiterziehen.

Mehrere hundert Meter weiter geht es zur Autoeinreise und hier beginnt unsere lange, zwei Stunden währende Grenzprozedur. Was uns in dieser Zeit am meisten auffällt: Alle Leute sind extrem freundlich und zuvorkommend. Zwischen den vielen Gebäuden mischt sich kurdische Gastfreundschaft mit arabischer Geschäftigkeit und daher herrscht in meinen Augen eine geniale Stimmung. Während Robert, Calle und ich uns durch die Formalitäten durchwühlen und einhundert Euro gegen unsere ersten irakischen Dinare tauschen, passt Arne zusammen mit einem Polizisten auf unsere Autos auf.

Sah man auf der türkischen Seite noch schwer bewaffnete Soldaten und Panzer rumstehen, trägt der hiesige Ordnungshüter – das sollte man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen! – lediglich einen dünnen Stock. Nicht mal eine Knarre, nur ein Stock. Und um das Ganze abzurunden, lässt er sich zur Belustigung der umstehenden Personen auch noch von Arne sackeln und lacht selbst darüber. Es ist echt schon verrückt, was die Türken da drüben alles anstellen und wie viel Schiss die haben, wohingegen es hier ausschaut wie in einer vollkommen demilitarisierten Zone.

Die Formalitäten zur Einreise mit dem PKW gestalten sich etwas komisch und vor allem anders als üblich. Trotzdem fühlt man sich hier nicht lost in translation, da es immer einen freundlichen Beamten gibt, der einem entweder weiterhilft oder gleich eine komplette Führung durch die eine oder andere Station anbietet. Prinzipiell ist das Einreisen mit Auto also eigentlich gar nicht so schwer, denn man muss nur folgen und immer den nächsten Schritt tun, doch der Irak ist das erste Land, das ich kenne, das den Pass des Halters an der Grenze einzieht und erst bei Ausreise wieder zurückgibt.

Das heißt, Robert und Calle werden hier nun ohne Reisepass unterwegs sein und haben an seiner statt nur drei zusammengetackerte Zettel vorzuweisen, von denen sich zwei ums Auto drehen und einer als Ausweisersatz im Land gilt. Warum sich keiner für das Carnet interessiert und wie jemand vorgehen soll, der nicht plant, über denselben Grenzübergang wieder auszureisen, bleibt mir schleierhaft. Das Beste aber ist, dass die anderen beiden es wieder, wie schon vor ein paar Tagen in der Türkei, geschafft haben, ohne Grüne Karte einzureisen. Robert hat seine sofort vorgezeigt und Calle ist extra so lang zum »Holen« derselben weggeblieben, dass der Beamte nach der dritten Nachfrage irgendwann keinen Bock mehr hatte und die Unterlagen mit nur einer Karte abgeheftet hat.

Nicht nur der Pass, der Fahrzeugschein und die Grüne Karte müssen an der Grenze hinterlegt werden, auch die eigenen Nummernschilder. Ein Angestellter im Blaumann kommt mit vier irakischen, temporären Nummernschildern in babyblau zu unseren Autos und montiert unsere alten Schilder erst mal kommentarlos ab. Wir versuchen ihn zu überreden, dass wir sie wenigstens im Auto mitführen können, doch da ist nichts zu machen. Unsere STA- und SO-Schilder landen in einem Schrank, der in einer Garage steht, und stattdessen werden uns die temporären Schilder aufmontiert. Wir sind also mit irakischen Kennzeichen unterwegs. Irgendwie lustig.

Nach gut zwei Stunden sind wir also drin. In Kurdistan. Im Irak. An einen Irak, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, erinnert hier aber höchstens der Umstand, dass nun wirklich alles arabisch ist und die Nummernschilder alle den arabischen Schriftzug »Al-Iraq« aufweisen. Den meisten wird es aber wurscht sein, da sie es sowieso nicht lesen können.

Das Erste, was wir in diesem für uns neuen Land machen, ist essen gehen. An einem Straßenrestaurant bekommen wir super gutes Essen, das von der Menge her für ein ganzes Bataillon reichen würde, müssen aber auch 48.000 Dinar, also umgerechnet 40 Dollar blechen. Die extreme Sauberkeit in dem Schuppen lässt uns aber sehr verblüfft, denn ein so sauberes Restaurant haben wir im ganzen Iran nicht gesehen, und auch die Toilette ließ – trotz Berberstyle – keine Wünsche offen.

Wir fahren gleich weiter bis nach Dohuk und laufen dort erst mal eine Runde über den Souk. Es ist schwer zu sagen, ob die Leute erstaunt sind, uns zu sehen, oder nicht. Fakt ist, dass jeder herschaut und oft auch gleich seine umstehenden Leute auf uns hinweist. Auf der anderen Seite spricht uns aber niemand an oder fragt gar, woher wir seien. Braucht ja auch niemand tun, wir sind natürlich Amerikaner. Und wieder mal wäre ein gedrucktes T-Shirt nicht schlecht, diesmal nicht mit »Schengen« und unserem Alter, sondern vielleicht eher mit einem dicken Almaniya auf Arabisch.

Als wir wieder zu unseren Autos zurückkehren, stehen dort zwei Polizisten und eine Menge Kinder rum, die offensichtlich auf uns warten. Sogleich heißt es »Passport« und wir erfahren das Unverständnis darüber, dass wir hier Urlaub machen. Es ist gar nicht so einfach, das zu erklären und gleichzeitig auch noch zu vermitteln, dass wir deshalb keine »Company Card« oder was auch immer von unserem Arbeitgeber vorweisen können. Schließlich bekommen wir aber einen Zettel in die Hand gedrückt, wo wir einen sicheren Schlafplatz für die Nacht finden könnten.

Nochmal durch die Stadt latschend finden wir erst mal einen richtigen Alkoholshop, zu dem wir später zurückkommen und uns eindecken werden, aber wir suchen auch einen Buchladen, um eine Karte von Kurdistan zu kaufen, und Funkgeräte, wenn möglich. Die Karte ist nach einigem Fragen schnell gefunden. Es sind vier: Eine Karte mit ganz Kurdistan und jeweils eine Karte für die drei kurdischen Hauptregionen – alle ausschließlich auf Arabisch. Das stört uns aber eher weniger, dauert halt nur etwas länger zum Lesen, und auch, dass selbst das kleinste Kaff verzeichnet scheint, ist eine dolle Kartografieleistung, doch die Anzahl der verzeichneten Straßen kommt uns etwas mickrig vor. Eigentlich würden auf eine Karte dieses Maßstabes auch Pisten eingezeichnet gehören.

Funkgeräte finden wir sogar auch. Sowohl im Iran als auch in der Türkei hatten wir damit keinen Erfolg, doch kaum 24 Stunden im Irak, werden wir fündig. Für 150 Dollar erwerben wir zwei Motorola Talkabout T5000, die eine gute Reichweite bieten sollen und für unsere Bedürfnisse genau das Richtige zu sein scheinen. Das billigere Modell war eher schundig und das teurere zwar ne nette Sache, mit über 200 Dollar aber außerhalb unseres Budgetrahmens. Es ist schon beachtenswert genug, dass wir überhaupt eine Auswahl hatten.

Hier gibt es sowieso alles Westliche, was das Herz begehren kann. Angefangen bei voll gestopften Elektronikläden über Alkoholshops bis hin zu Autos aller Marken – auch wenn die meisten wohl deutsche Modelle aus den 90er Jahren zu fahren scheinen. Ausnahmsweise übrigens mal nicht nur Benz, sondern auch viel BMW, Opel und Volkswagen.

Es handelt sich um den gemeinsamen Parkplatz eines Supermarktes und eines Vergnügungsparks, an dem wir später bei Dunkelheit ankommen, indem wir uns mit dem Zettel durch die halbe Stadt fragen. Von der Polizeistation nebenan werden wir gleich hereingebeten, und während wir so dasitzen und der Fernseher läuft, versucht man mit uns zu sprechen. Klappt aber nicht so recht. Kurz darauf taucht deshalb Nazar auf, ein Verwandter eines Polizeibeamten, der seit 15 Jahren in England lebt und daher perfekt spricht. Der Boss am Schreibtisch will lediglich unsere Namen und unsere Kennzeichen notieren und lässt uns dann zusammen mit Nazar abdampfen.

Der ist mächtig stolz auf seinen in unseren Augen nicht gerade allzu tollen Toyota Jcruiser, den es in der Stadt nur zweimal gibt, da lediglich er und sein Vater einen fahren. Klar, dass er uns deshalb gleich auf eine Spritztour mitnimmt und uns auch eine abgelegene Straße entlang des Dohuk-Sees zeigt, die die inoffizielle Alkoholkonsumierungsstraße von Dohuk darzustellen scheint. Alle paar Meter stehen Autos mit trinkenden Leuten am Rand.

Zurück bei unseren Autos verabschieden wir uns von Nazar und machen mit ihm aus, dass wir uns morgen um eins wieder hier mit ihm treffen. Sein Vater betreibt einen Privatfernsehsender, dessen Funkhaus ich ganz gerne sehen würde, und auch sonst kann er uns sicher viel in der Umgebung zeigen. Außerdem hat der Sender vielleicht auch Interesse an einem Interview mit europäischen Iraktouristen. Wir fassen das jedenfalls mal ins Auge.

Als wir wieder alleine sind, überrede ich den Kassier des Vergnügungsparks, dass er uns kostenlos rein lässt. Was macht man so an seinem ersten Abend im Irak? Man geht in einen Vergnügungspark. Klingt nicht gerade nach einer Antwort, die man auf die Frage erwarten würde. Der entscheidende Unterschied zu einem iranischen Luna Park ist, dass hier viel weniger Leute ihren Teppich auf der Wiese zum Picknicken ausgebreitet haben und dass Frauen, die so wie hier in einem iranischen Park rumlaufen würden, wohl als Nutten beschimpft und sogleich auch wegen Unzüchtigkeit verhaftet werden würden. Bis auf die Waffenkontrolle am Eingang ansonsten also alles normal. In einem Fahrgeschäft wird sogar Oli P. gespielt.

Den Abend ausklingen lassen wir zu viert im Hano, wo wir ein paar Gläser Raki leeren und ich mitten in der Unterhaltung einschlafe, bis ich mich irgendwann rüber in mein eigenes Bett schleppe. Gute Nacht zusammen.

11. Juni 200813. Juni 2008

Aktuelles ...

Aktuelles

Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.