Dienstag, 10. Juni 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Asagidereli, Şırnak
Arnes Bericht des Tages
Morgens schrieb ich mal wieder ein bisschen für Euch weiter...
Um 10 Uhr wusch ich mich in dem Bachlauf. Das Wasser war sehr kalt und erfrischend. Während die anderen noch schliefen, tauchte ein weiteres Auto auf. Es stieg ein Mann aus, der zu der Feuerstelle ging und dort zig Sachen hinstellte. Bei näherer Betrachtung sah das so aus, als wollte er dort kochen. So war es dann auch! Er setzte sich an den Bach, schnitt haufenweise Gemüse und Fleisch. Wollte er das alles alleine essen??! Es schien so, als würde er viele Gäste erwarten. Hier?- Mitten in der Einsamkeit?! Die Feuerstelle benutzte er als Herd. Das Essen sah richtig lecker aus!! Pünktlich um 12 Uhr kamen drei Lkws von einer Straßenbaufirma. Zwanzig Mann gesellten sich an den Fluss und ruhten sich dort aus. Nun verstand ich auch, für wen der Herr so viel gekocht hatte. Ich unterhielt mich mit den Leuten und wurde mit »Willkommen in Kurdistan« begrüßt.
Die Straßenbaujungs waren echt ein lustiges Volk! Selbstverständlich wurden wir zum Mittagessen und Tee eingeladen. Das Essen war -wie erwartet- super lecker. Während wir noch aßen, wurde in einem Auto das Radio angemacht. Schon standen sechs Kurden auf und tanzten zusammen fröhlich zu der Musik. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen!! Die Leute waren glücklich, fröhlich und tanzten. Es war eine super ausgelassene Stimmung!
Die coolen tanzenden Kurden von der Straßenbau-Firma! War das eine Stimmung, solche Mittagspausen hätte ich auch gerne..
Nach dem Essen gab es noch einen Tee und wir nutzten die Gelegenheit und unterhielten uns, um auch ein wenig mehr über die Kurden und ihr Leben zu erfahren. Anscheinend war nach zwei Stunden die Mittagspause vorbei, denn innerhalb von fünf Minuten waren alle verschwunden.
Also packten wir unsere Sachen und fuhren weiter Richtung Syrien. Nun ging es ständig bergauf und bergab. Da es in der Karte nur eine Straße gab, fuhren wir die gesamte Zeit im Grenzgebiet zum Irak. Das hatte zur Folge, dass wir ungefähr alle zehn Kilometer einen Checkpoint der türkischen Armee passierten... Dort wurden jedesmal unsere gesamten Daten aufgenommen. Dies dauerte jedesmal mindestens 20 Minuten. Das war ganz schön nervig, denn sie stellten eine Menge Fragen, die sich an jedem Grenzposten wiederholten. Sie verstanden nicht, warum wir gerade diesen Weg fahren würden. Nach dem 7. Checkpoint waren wir super genervt. In den Gesprächen mit den Türken klang es so, als hätten sie echt Sorgen wegen der Kurden.
Die Grenzgebiete bestehen sozusagen aus Bergen und hunderten Kasernen dazwischen. Immer wieder sah man Leute, die mit Waffen herum liefen, bei denen es nicht ersichtlich war, ob sie Soldaten waren oder nicht. Merkwürdige Situation. Einer der Männer fischte gerade im Wasser und hatte gleichzeitig seine AK 47 auf dem Rücken. Wir fühlten uns aber nicht bedroht, sondern recht sicher. Zwischenzeitlich waren wir so nah an der irakischen Grenze, dass wir nur noch über den Fluss hätten gehen müssen, um im Irak zu sein.
Die Soldaten waren eigentlich alle sehr lustig drauf. Die angespannte Allgemeinsituation machte sich aber bemerkbar und hinterließ auch bei uns Spuren.
Zwischendurch trafen wir immer wieder Soldaten, die deutsch oder englisch sprachen. Es waren oft Soldaten aus den Großstädten, die ihren 15-monatigen Militärdienst an der Grenze ableisten mussten. Die Jungs fragten uns, warum wir nicht lieber nach Antalya fahren würden statt Richtung Irak. Sie waren überrascht. Der eine Grund ist, dass wir in der Umgebung nur die eine Straße haben und daher nun mal diese nehmen müssen, andererseits sind wir nicht heiß auf einen typischen Touri-Urlaub.
Am späten Nachmittag nach einigen passierten Höhenmetern stoppte Robert ihr Fahrzeug, weil ihre Bremse keine Funktion mehr hatte. Der VW hatte schon seit dem Iran Probleme mit der Bremse. Carl und ich schauten uns das an. Wenn das Bremspedal betätigt wurde, trat man einfach ins Leere. Nach Rücksprache mit Carls Telefonjoker entlüfteten wir die Bremse. Somit hatte diese wieder Funktion, aber das Problem war nicht endgültig behoben... Mehr konnten wir erst mal nicht tun.
Also fuhren wir weiter und passierten weitere vier Checkpoints. In der Dämmerung zogen aus den Kasernen viele Soldaten los in die Berge. Die Jungs waren schwer bewaffnet mit MGs, G3 und Raketenwerfern. Uns wurde schon etwas anders zumute. Sie taten mir auch ein wenig leid, weil ich nachvollziehen kann, wie anstrengend es sein muss, mit so viel Gewicht durch die Berge zu klettern. Die Soldaten sind ungefähr in unserem Alter, schwer vorstellbar.
22 Uhr kamen wir in der Stadt Sinak an. Dort gingen wir etwas essen. Uns begrüßte ein Typ, der sogar deutsch sprach und aus Berlin Kreuzberg kam. Wir unterhielten uns, doch er stellte etwas merkwürdige Fragen, was uns irritierte.
Um einen Schlafplatz zu finden, fuhren wir zu der nächsten Polizeistation und fragten dort nach einem sicheren Platz. Dies scheiterte daran, dass keiner Englisch sprach. Also tranken wir mit den Soldaten und Polizisten einen Tee. Mittlerweile war es schon 1 Uhr und wir alle waren super müde. Das Theater begann, als zwei Zivilpolizisten auftauchten. Sie kontrollierten unsere Pässe und stressten irgendwie herum. Leider konnten wir sie nicht verstehen. Irgendwann fand der anwesende Kommandeur einen Soldaten, der Englisch sprach und uns alles übersetzte. Der Zivilpolizist hatte ein Problem damit, dass wir so viele »gefährliche« Länder bereisen und glaubte uns nicht, dass wir nur Touristen seien. Keiner verstand sein Problem, da wir echt müde waren, wurden Carl und Daniel langsam echt sauer. Als der Polizist einsah, dass es für ihn aussichtslos war, irgendetwas heraus zu finden, durchsuchte er unser Auto. Carl nahm dabei den Typen etwas auf den Arm und wir lachten die ganze Zeit... jeder, der Carl kennt, kann sich die lustige Situation vorstellen. Von jetzt auf gleich war der Herr wie ausgetauscht und nahm Carl in den Arm. Unsere Fahrzeuge stellten wir auf dem Gelände des Militärs neben einem Panzer und Wachtürmen mit MG-Stellungen ab. Irgendwie waren wir uns nun unsicher, ob das nun sicherer oder gefährlicher für uns ist. Da wir super müde waren, war uns das egal und wir legten uns schlafen.