Am nördlichsten Punkt Afrikas, dem Kap Rass Ben Sekka, Tunesien (08.04.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
6. Juni 20088. Juni 2008

Samstag, 7. Juni 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Mahabad, Orumiyeh, Bandar-e Golmankhaneh

Robert ist nach zwölf (12!) Stunden Schlaf im vollen Tiefschlaf und lässt sich nicht mit dem üblichen Aufwand wecken, weshalb wir letztendlich erst um eins die Maschine starten. Das erste Ziel ist der Mobilfunkladen, den wir gestern am Meydan gesehen haben. Irgendwie müssen wir ja nach und nach unsere Mängelliste abarbeiten und so hoffen wir, dass irgendjemand unser Mobiltelefon auf die Reihe bringen kann.

Der Typ in dem kleinen Laden scheint aber nicht gerade der richtige dafür zu sein, denn alles, wozu er in der Lage ist, ist das Anstecken des Gerätes an ein Netzkabel. Toll, als wären wir da nicht auch schon drauf gekommen! Doch wenigstens kann er uns weiterhelfen, indem er uns ein paar hundert Meter weiter zu einem anderen Laden schickt.

Hier sieht die Sache schon komplett anders aus: Neben dem Verkaufsraum gibt es auch einen Raum mit einer Werkbank, wo etliche Telefone draufliegen und zwei Typen gerade die Arbeit niederlegen wollen, um Mittag zu essen. Das wird natürlich erst mal wegen uns aufgeschoben. Was sie mit unserem Gerät die ersten zwanzig Minuten machen, kriegen wir nicht mit, da einer damit ständig kommt und geht und die Werkbank außerdem nicht einsehbar ist. Jedoch kann ich endlich unsere o2-Karte in ein anderes Telefon legen und schauen, ob es Neuigkeiten von den Soestern gibt.

Und ob es die gibt! Nach fünf Minuten kommen drei SMS an, in denen sie erst schreiben, dass sie in Tabriz sind, dann, dass sie nach Orumiyeh weiterfahren und schließlich, dass sie irgendwo warten und ob wir denn heute noch kämen. Toll, jetzt haben sie sich wegen uns beeilt, schnell nach Orumiyeh zu kommen – aber jetzt sind wir nicht da! Denn mit »heute« ist natürlich gestern gemeint. Das Wichtigste sind jedoch die Koordinaten ihres Aufenthaltsortes, wo wir uns hoffentlich heute treffen werden. Wir schreiben, dass wir gegen vier dort sein werden.

Unser Gerät wird inzwischen geflasht, doch irgendwie funktioniert das mit dem Aufspielen der Firmware nicht so richtig. Nicht einmal mehr die Status-LED, die vorher wenigstens noch kurz geblinkt hat, geht mehr an. Als wir sagen, dass wir nach Orumiyeh gehen werden, scheint sich die Sache für unsere vermeintlichen Retter jedoch schlagartig zu lösen, denn sie geben uns eine Adresse von Freunden dort, die mit modernster Technik ausgestattet sind und das Telefon ganz sicher wieder in Gang bringen werden.

Also auf nach Orumiyeh! Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir um Viertel nach vier die angegebenen Koordinaten mit dem gemächlich wartenden Hanomag. Mister Calle treffen wir im Garten nebenan, wo er auf dem Gelände des »Iranian Red Crescent« mit 10 Leuten auf seinem in Isfahan gekauften Teppich das Leben genießt, Mister Arnold kommt ein paar Minuten später aus dem nahegelegenen Coffeenet, auf das er zum Schreiben seiner Berichte ausweichen musste, da sein Laptop kaputt gegangen ist.

Mit beiden Autos fahren zur Adresse, die uns in Mahabad gegeben wurde, und es dauert nicht lange, bis der Typ dort fragt, wie viel ich auszugeben bereit wäre. Ja, keine Ahnung?!? Wie viel kostet es denn ungefähr? Ja, also schon so 10 Dollar. Oh mein Gott, ganze zehn Dollar, wie schrecklich lächerlich, natürlich soll er es richten. Und weil es gerade so schön ist, hat Arne auch noch ein Telefon auf Lager, das nicht angeht und bei dem er den Simlock entfernt haben will.

Zwanzig Minuten später haben wir wieder zwei funktionierende Mobiltelefone mehr! Da ich aber die Firmware des Nahen Ostens mit Arabisch, Farsi, Französisch und Englisch nicht unbedingt bestens gebrauchen kann, bitte ich noch, die schweizerische drauf zu machen, da sie als einzige sowohl Deutsch als auch Italienisch bietet, doch das kriegen die Leute irgendwie nicht hin. Entweder haben sie es trotz meiner ausführlichsten Erklärung inklusive Stift und Zettel nicht verstanden, oder sie haben sie nicht gefunden – jedenfalls tun sie die deutsche drauf. Soll mir aber natürlich trotzdem recht sein, immerhin sind wir heilfroh, wieder funktionierenden Funk am Start zu haben.

Nachdem wir uns mit drei Kilo Keksen eingedeckt und auch noch »Zubehör« fürs Abendbrot gekauft haben, machen wir uns auf den Weg in Richtung See. Etwa 20 Kilometer entfernt von Orumiyeh erreichen wir bei Bandar-e Golmankhaneh einen Platz, wo man von der Straße direkt vor zum Wasser fahren kann. Die Einzigen, die das nutzen, sind wir aber nicht: Um die dreißig Autos parken hier auf der Salzfläche vor dem Wasser, um den heutigen Feiertag ausklingen zu lassen.

Wir fahren an der Masse vorbei ein paar hundert Meter entlang dem Ufer und erreichen eine Stelle, wo sich ein iranischer Pickup richtig tief ins Salz eingegraben hat. Das ist natürlich der ideale Spielplatz für die Soester und ihren Hano, den sie gleich fit zur Bergung machen. Lediglich mit dem Antrieb auf der Hinterachse, kommt der Fünftonner beim Ziehen aber nicht von der Stelle. Kein Problem für die beiden Hobbymechaniker on Tour, die einfach mal mir nichts dir nichts innerhalb von zehn Minuten das Ding auf Allradantrieb umbauen und den Paykan, Iran Khodro, oder was weiß ich, was das für’n Pickup ist, mit Leichtigkeit herausziehen.

Die Freude der beiden zum Auto gehörenden Iraner ist natürlich groß und sie laden uns gleich zu sich nach Hause zum Essen ein, doch wir haben eher wenig Lust, nun 40 Kilometer irgendwohin wegzufahren, wo wir doch eigentlich vor hatten, die Nacht hier zu verbringen. Außerdem haben wir das Beste noch nicht erledigt: Das Schwimmen.

Wieder zurück bei der sich gerade verdünnisierenden Masse der anderen Leute – wo wir übrigens nur hinkommen, nachdem auch der Camper mit Calle und mir vom Hano aus dem Salz geholt wurde – ziehen wir unsere Badehosen an und laufen mit Badeschlappen ins Wasser. Barfuß kann man hier fast nicht laufen, da der Salzboden teils sehr scharf ist und man sich Füße oder andere Körperteile, die den Boden berühren, leicht aufschneiden kann.

Der See, der an seiner tiefsten Stelle lediglich 16 Meter misst – wobei er derzeit 4 Meter unter Höchstlevel steht und es daher nur 12 Meter sein dürften – ist so extrem flach, dass man erst einmal hunderte Meter reinlaufen muss, um überhaupt mit den Knien im Wasser zu stehen. Und das ist mit Schlappen irgendwie auch noch anstrengend.

Noch weiter draußen können wir schließlich mit dem Schwimmen beginnen, das aber kein so rechtes Schwimmen ist. Der größte der für den Iran typischen abflusslosen Seen ist etwa zehnmal so groß wie der Bodensee und sein Wasser weist einen Salzgehalt von bis zu 30 % auf. Das heißt, es trägt einen noch mehr als zum Beispiel das Tote Meer.

Es dauert eine Zeit, bis wir überhaupt verstehen, wie man hier schwimmt, ohne dass die Füße ständig aus dem Wasser und damit ins Leere schlagen. Das Gefühl, im Wasser förmlich sitzen zu können oder einfach mal Kopf und Hände ohne weiteres über die Oberfläche halten zu können, ist einfach toll. Ständig aufpassen, dass wir möglichst wenig Wasser in die Augen bekommen, weil es nämlich richtig krass brennt, schwimmen wir bis über 500 Meter hinaus, wo wir bis zur Brust im Wasser stehen und damit auch »richtiges« Meer/See-Gefühl haben können.

Bis wir wieder an Land sind, ist es bereits vollkommen dunkel. Nach ein paar Fotos mit der krassen Salzkruste duschen wir uns vor dem Auto ab und sind froh, dass das Kratzen auf der Haut, das selbst im Wasser vorhanden war, endlich aufgehört hat oder zumindest weniger geworden ist.

Zum Abendbrot setzen wir uns zur wenige Meter entfernten Hütte, wo ein Nachtwächter pennt und ab und zu Besuch bekommt, bevor wir um zwei Uhr schließlich ins Bett gehen. Der Tag war damit um einiges besser als der gestrige und allein das Erlebnis hier am See war etwas vollkommen Neues, das man mal erfahren haben sollte. Die Mängelliste hat nun einen Punkt weniger und die mit Isolierband gefixte Uhr hat auch gehalten. Was will man mehr?

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Aktuelles ...

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Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.