Sonnenuntergang in Astara am Kaspischen Meer, Iran (22.04.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
2. Juni 20084. Juni 2008

Dienstag, 3. Juni 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Kermanshah, Paveh, Marivan

So, wie die Nacht angefangen hat, so endet sie auch. Unkomfortabel. Der Kreisverkehr ist laut und im Karren wird es mal wieder viel zu heiß. Mit Schlafen ist es deshalb nicht allzu weit her. Nach zwei Duschen und zwei Kaffees setzen wir uns um kurz vor zwölf in Bewegung. Wir wollen an den See bei Marivan, jedoch nicht über die durch Sanandaj führende Hauptroute, die wir morgen zurückfahren wollen, sondern über die Ortschaft Paveh sowie eine Passstraße nahe der irakischen Grenze.

Bis kurz vor Paveh ist die Strecke eher mittelmäßig. Zwar ist es als »gelbe Straße« (auf der Karte) natürlich besser als die oft zweispurig ausgebauten »roten Straßen«, die oft todlangweilig sind, oder gar Autobahnen, aber das ist ja auch nicht schwer. Was heute richtig nervt, ist der Gegenwind, mit dem die Tachonadel die 60 km/h nur selten signifikant übersteigt.

Kermanshah liegt zwar schon im Kurdengebiet, aber außer dass das Durchschnittsgesicht weniger iranisch und mehr kurdisch aussieht, haben wir nicht viel davon bemerkt. Ganz anders hier! Wir durchfahren Dörfer, wo wahrscheinlich kein einziger Perser lebt und das Kurdische offensichtlich omnipräsent ist. Am deutlichsten wird dies durch die Kleidung der Männer, die durch und durch, also zu 100%, eine kurdische Baggy tragen. Wir hatten erwartet, dass das vielleicht ein paar tun würden, oder vielleicht die Hälfte – aber es sind wirklich alle! Das ist so, wie wenn in Bayern jeder, also wirklich jeder, Lederhosen und Dirndl tragen würde. Den ganzen Tag. Immer.

Auch bei den Frauen ist es anders: Endlich, nach einem Monat ist endlich mal wieder Schluss mit Schwarz. Abgesehen von einigen farbigen Kopftüchern hier und da sowie natürlich auch von den tehranischen Touristen im Land haben wir seit Tehran nur noch schwarz gesehen. Fast wortwörtlich. Hier sind hingegen vor allem die Ommas richtig bunt gekleidet und vermitteln uns Schwarzgeschädigten einen richtig frohen Eindruck. Jetzt müssten sie nur noch so schön wie die Perserinnen sein.

Die Straße geht hoch und runter, besteht im Grunde aus nichts anderem als aus Serpentinen. Dazu kommt, dass wir an einer Kreuzung falsch abbiegen und uns damit wohl ein bis zwei Stunden mehr Fahrt bescheren. Die Straße führt zwar mit der, die wir nehmen sollten, zusammen, jedoch geht es erst mal runter auf 700 Meter und danach wieder rauf auf zweitausendirgendwas. Nicht zu vergessen die kleinen Aufs und Abs zwischendurch.

Viele Militärkontrollposten gibt es hier. An eigentlich jeder Kreuzung stehen bewaffnete Soldaten und aus Sandsäcken sind Schutzmauern gebaut, die neben deren Baracken stehen. Über all die kleinen Straßen hier kommt man rüber in den nur noch wenige Kilometer entfernten Irak, und angesichts der politischen Spannungen sowie der Sicherheitslage dort drüben ist es nur verständlich, dass hier viel kontrolliert wird. Wir selbst werden zwar nur kurios angeschaut und nicht groß angehalten, aber wir sehen andere, die ihren Kofferraum öffnen und eine Durchsuchung über sich ergehen lassen müssen.

Für die illegalen, aber sicher vorhandenen Datenkraken zu Hause in Deutschland haben wir dann auch noch ein kleines Gutti auf Lager: Mit der o2-Karte buchen wir uns in eines der zwei irakischen Mobilfunknetze ein, da Irancell und TCI hier sowieso nicht verfügbar sind. Da wurde jetzt sicher irgendwo ein Filter angesprochen und mein Bewegungsprofil in einer staatlichen, wohl aber eher privaten, Datenbank um einen entscheidenden Eintrag ergänzt. Illegal, aber was soll’s. Datenschutz ist in Deutschland sowieso out, gell Mister »Stasi 2.0« Schäuble?

An einer netten Stelle, drei Kilometer vom Irak entfernt, machen wir einen Stopp und steigen für eine kleine Nachbarlandschau aus. Viel zu sehen gibt es nicht. Wie auch schon in den letzten zwei Tagen ist es sehr diesig und letztendlich sieht es hier sowieso genauso aus wie woanders auch. Bis auf eine kleine Militärstation und den einen oder anderen vermutlichen Wachposten in der Ferne lässt nichts darauf schließen, dass die vor uns liegenden Hügel und Berge zum Zweistromland gehören.

Ein paar Kilometer weiter erreichen wir den Pass der Straße, von dem eine Piste runter in die Region Kurdistan führt und man dann über eine geteerte Straße weiter nach Marivan kommt. Als wir oben aussteigen, ist ziemlich schnell ein kleines Mädchen zugegen, das mit uns wie selbstverständlich eine Diskussion beginnt. Es ist echt rührend, wie die 12-jährige Paria uns letztendlich zu einem Großteil dieselben Fragen stellt, die uns hier auch die Erwachsenen fragen – gerade dass sie nicht noch die Zylinderanzahl unseres Motors wissen will. Selbst wenn wir etwas nicht verstehen oder mit unserem Farsi nicht weiterkommen, gießt sie ihren Satz einfach nochmal in andere Worte oder hilft uns mit dem einen oder anderen Wort auf die Sprünge. Echt total süß!

Als wäre sie es von jeher gewohnt, stellt sie sich außerdem zu jedem Foto dazu, das auch andere von uns machen wollen. Von einem netten Herrn werden wir natürlich auch noch auf einen Tee eingeladen und wir kommen ins Gespräch mit vielen Leuten. Hier ist richtig was los auf dem Pass. Es gibt eigentlich nichts als drei hingestellte Baracken, in denen man etwas essen kann, doch trotzdem parken hier, an einer Straße, von der ich eh nicht weiß, wer sie eigentlich benutzen soll, zehn Autos und entsprechend viele Leute sind zugegen.

Durch Marivan fahren wir schnurstracks durch und parken gleich am Zeribar-See. Hier herrscht krasser Hochbetrieb, ganz so wie wenn es Freitag wäre. Irgendwann in dieser Woche, am 14. Khordat, ist auch wirklich ein Feiertag, da dies Khomeinis Todestag ist, aber da unsere Guthabenabfrage gerade nicht funktioniert, können wir das heutige Datum nicht rausfinden. Wahrscheinlich nehmen sich viele Leute aber sowieso die ganze Woche frei und fahren dann mit ihrem Teppich auf dem Dach durchs Land.

An einem Weg ein paar hundert Meter hinter dem Ende der geschäftigen Promenade finden wir auch einen wunderschönen Platz für die Nacht, wo wir zum einen wohl wenig gestört werden und zum anderen morgen früh einen tollen Blick auf den See haben werden. Während wir noch einfach so dasitzen und auf den See schauen, parkt zehn Meter vor uns ein Auto, aus welchem unendlich Leute herauszukommen scheinen: Neun Stück! Davon nur zweieinhalb Kinder, der Rest in Erwachsenengröße. Das ist neuer Autovollstopfrekord. Der für Mopeds liegt bei fünf.

Mit dem Familienvater dieser aus Kermanshah kommenden Gruppe und zwei der kleinen Töchter, die von der Situation ziemlich belustigt scheinen, werden kurz ein paar Sätze ausgetauscht. Die übliche Einladung zum Essen mit denen schlagen wir aber natürlich aus und gehen kurz danach selbst. Nach dem Essen im hochgelegenen Tourist Inn und einem weiteren Stündchen auf der Promenade gehen wir zurück zum Camper und Robert legt sich pennen.

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Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.