Motorradfahrer führt uns durch die Ebene nach Bandar Gonaveh, Iran (27.05.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
31. Mai 20082. Juni 2008

Sonntag, 1. Juni 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Hamadan, Tuysarkan

Bevor wir aus Hamadan abhauen, wollen wir noch das Grab der Esther besichtigen. Es ist die erste jüdische Einrichtung im Iran, in die wir hineinkommen, denn die Synagoge, die wir in Yazd aufsuchten, war ja geschlossen. Im Inneren führt uns ein älterer Mann, selbst Jude, durch die zwei Räume und erklärt uns mehr oder weniger das, was wir auch schon im Führer gelesen hatten. Auf unsere Frage hin, ob er oder andere Juden Probleme im Iran hätten, antwortet er mit einem bestimmten Nein und fügt gleich Zahlen hinzu, so unter anderem, dass in Hamadan zwölf jüdische Familien leben.

Es ist schon lustig. Die halbe Welt glaubt, dass ein verrückter Präsident der Islamischen Republik Iran das Land Israel aus der Landkarte ausradieren will, und dann erzählt einem ein Jude im Land – und er ist nicht der erste, der das sagt! – dass man hier als Jude bestens leben kann. Die Juden haben sogar per Gesetz einen festen Sitz im Parlament, was ihnen ein viel größeres anteiliges Mitspracherecht einräumt, als wenn man die Anzahl der Juden in Relation zur Gesamtbevölkerung setzen würde. Auch wenn Israel und Juden natürlich nicht dasselbe sind, ist das allemal eine interessante Beobachtung.

Etwas südlich von Hamadan besuchen wir Ganjnameh. Eigentlich sollten hier irgendwelche Innschriften im Felsen die Attraktion sein, doch ich habe das Gefühl, die meisten Leute kommen allein wegen dem gleich daneben liegenden neun Meter hohen Wasserfall her. Der ist auch bei weitem interessanter, und so klettern wir dort ein bisschen rum und ich hole mir wie schon in Margoon eine richtige Kopfdusche ab.

Um nach Kermanshah zu kommen, beschließen wir, der Straße, auf der wir nun eh schon sind, zu folgen und erst später auf die Hauptstraße zu gelangen. Hier geht es zwar rauf auf über 2.500 Meter, doch es lohnt sich allein wegen der schöneren Streckenführung. Direkt hinter dem Pass halten wir an und treffen Amin mit seiner Frau Samayeh. Die beiden 26-Jährigen haben direkt hinter uns angehalten und wollen nun, dass wir ihnen zu ihrem Heimatort Tuyserkan folgen.

Wir brauchen aber Diesel. Zwar haben wir 60 Liter davon auf dem Dach, doch die Schweinerei des Umfüllens wollen wir uns ersparen. Da es in Tuyserkan eine Dieseltanke geben soll, sagen wir den beiden, dass wir da hinfahren, aber nicht mit ihnen zusammen fahren wollen. Letztendlich läuft es dann darauf hinaus, dass wir ab dem Fuß des Berges doch gemeinsam fahren und ich versuche, jeden Tropfen Treibstoff zu sparen.

Die Dieseltanke in Tuyserkan gibt es wirklich – nur Diesel hat sie nicht. Angeblich soll der Tankwagen in ein bis zwei Stunden vorbeikommen, doch wer weiß schon, was iranische ein bis zwei Stunden in diesem Ort bedeuten. Da uns Amin zu sich nach Hause einlädt, stehen wir vor der schweren Entscheidung, hier umzufüllen und weiterzufahren oder für ein Stündchen zu ihm nach Hause zu gehen und dann hoffentlich Diesel tanken zu können.

Wir entscheiden uns für letzteres. Zu Hause treffen wir auch die Schwester und die Mutter, die im unteren Apartment wohnen. Das obere, wo wir sind, ist richtig groß und auf iranisch-nobel eingerichtet. Nachdem wir uns gegenseitig Fotos gezeigt haben – hier findet man übrigens zum ersten Mal im Iran die Schneebilder interessant, in Syrien waren die hingegen der absolute Renner – wird das Mittagessen serviert. Für uns ist es bereits das zweite, aber macht ja nichts.

Da Tuyserkan offensichtlich einige interessante Orte zu bieten hat und die drei, also Amin und die beiden Ischen, unbedingt mit uns rumfahren wollen, machen wir aus, dass wir in zwei Stunden zurück sein wollen, um dann nach Kermanshah weiterzufahren. Wir besichtigen etwas abgelegen das tempelhafte Mausoleum eines Dichters, danach geht es in einen Stadtpark, wo das Mausoleum eines Propheten steht und auch andere interessante Leute am Start sind.

Das Rumfahren wird irgendwie zum Selbstläufer und unsere Gastgeber scheinen mal wieder vergessen zu haben, dass wir eigentlich weg wollen. Meine vorsichtige Frage, ob wir denn jetzt nicht nach Hause fahren würden, weil wir weiter wollen, wird damit beantwortet, dass wir jetzt noch zur Stelle was-weiß-ich fahren. Und danach geht es zur nächsten. Und dann wird noch der Mann der Schwester abgeholt. Und dann nochmal rumgefahren. Und dann noch irgendwo ein Wörterbuch geholt. Und noch mit diesem und jenem geredet. Und, und, und.

Statt der angedachten zwei Stunden sind wir nun vier Stunden – die Hälfte davon aus meiner Sicht absolut sinnlos und aus reinen Verplantheitsgründen – unterwegs und meine Laune ist, abgesehen davon, dass ich inzwischen ziemlich müde bin, im Keller. Wieso können diese Araber, Perser und andere was weiß ich ach so gastfreundliche Leute dir eigentlich auf der einen Seite selbst in der Islamischen Republik den Papst nach Hause holen, aber auf der anderen Seite nie respektieren, dass du nun gerne deine Reise fortsetzen würdest und deshalb weiter willst? Damit habe ich echt ein Problem!

Obwohl du bereits 15 Mal gesagt hast, dass du nicht bei ihnen zu Hause pennen willst, hörst du dann, wie sie untereinander auf Farsi diskutieren, wer am besten wo schlafen sollte, damit die Gäste es gut haben. Davon, dass du heute eigentlich noch in Kermanshah sein wolltest, ist einfach mal keine Rede mehr und es wird wie selbstverständlich angenommen, dass du deine Meinung geändert hast und nun natürlich doch bleiben willst. Gesagt hast du das nie.

Für mich ist das keine Gastfreundschaft mehr. Es ist Respektlosigkeit!

Da ich mich aber mit meinem Protest, den ich liebend gerne fett anbringen würde, zurückhalte und Robert das alles sowieso ohne ein Wort mitmacht und mir quasi die schwierige Rolle des Verhandlungsführers überlässt, obwohl er laut eigener Aussage auch nicht bleiben will, enden wir schließlich nach dem Tanken bei der inzwischen in Funktion befindlichen Dieseltanke zu Hause beim Abendessen.

Anstatt also, wie angedacht, um halb sieben loszufahren, sitzen wir um Mitternacht immer noch, inzwischen todmüde, da, und gehen kurz darauf endlich ins Bett. Wenigstens in unser eigenes. Das war nämlich wirklich das Mindeste, was ich in der Situation noch rausholen musste.

Jetzt kann man fragen, wo eigentlich das Problem liegt. Je nach Situation ist es natürlich nicht weiter schlimm, wenn man einfach mal einen Tag zusätzlich wo einlegt, und das haben wir ja in diesem Urlaub auch permanent gemacht. Doch bis zur Ausreise haben wir nun mal eine gewisse Zeitplanung, weil wir uns auch wieder mit den Soestern treffen wollen, und daher sitzen die zusätzlichen Tage nun mal nicht mehr so locker.

Letztendlich liegt das wirkliche Problem aber schon im obigen Satz. Was hier noch unter Gastfreundschaft verstanden wird, ist in Deutschland und selbst auch in Italien längst Nötigung. Dass das permanente Ausschlagen von Einladungen und den ultrabehinderten Konvoifahrangeboten richtig lästig werden kann, mag man sich vielleicht so daheim sitzend nicht vorstellen können, doch hier hat man jeden Tag damit zu kämpfen. Das geht so weit, dass wir mit manchen Leuten schon nichtmal mehr sprechen wollen, weil wir Angst haben, diese dann für die nächsten 24 Stunden nicht mehr loszuwerden.

Auch wenn Robert das alles etwas anders sieht, für mich hört hier die Gastfreundschaft auf.

31. Mai 20082. Juni 2008

Aktuelles ...

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Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.