Sonnenaufgang im Erg Chebbi, Marokko (29.08.2006)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
21. Mai 200825. Mai 2008

Donnerstag, 22. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Shiraz

Der Pennplatz ist, was den Morgen angeht, einer der nervigsten der ganzen Reise, denn die ganze Zeit kommen irgendwelche Leute vorbei, die mich annerven. Das geht damit los, dass ich vom Klopfen mehrerer Jugendlicher geweckt werde, die dann aber abziehen, ohne dass ich die Tür öffne oder die Jalousie runtermache. Kurz nachdem ich den Laden aber »eröffnet« habe, kommt schon der erste Typ vorbei, um ziemlich aufdringlich den Camper zu besichtigen und dabei halb mein noch nicht gemachtes Bett zu besteigen. Dass er, kurz nachdem ich ihn durch die Blumen weggeschickt habe, nochmal mit einem Freund wiederkommt, der den Karren auch unbedingt sehen will, macht die Sache auch nicht besser.

Weiter geht es mit einem der typischen oiden Oppas hier. Der Typ kündigt sich schon Minuten vorher an, da er ewig braucht, bis er in seinem Schneckengang kriechend auch irgendwann wirklich den Camper erreicht. Rial hier, Tuman dort, der Typ will mir die Kohle aus der Tasche ziehen, aber nach einem Monat im Iran brauche ich nun auch nicht anfangen, mich darauf einzulassen, und so wird er unvermittelt wieder weggeschickt. Fünf Minuten später ist er wirklich verschwunden.

Der Morgen der ungebetenen Besuche wird schließlich abgerundet von einem ziemlich debil dreinschauenden Iraner, dessen Auftreten nicht gerade der größte Pluspunkt seines täglichen Lebens zu sein scheint. Mit seiner leeren Thermoskanne fuchtelt er vor meiner Nase rum, labert dabei auf Persisch irgendwas von Wasser, Gas und Tee und scheint jeden Moment das Camperreich stürmen zu wollen. Ich weiß zwar nicht, wie um Himmels willen er darauf kommt, dass ich ihm an diesem morgens verlassenen Parkplatz einfach mal wie selbstverständlich eine Kanne kochendes Wasser hinstellen soll, er weiß ja nichtmal, ob ich Gas habe, aber genau das scheint der zu wollen. Das er dabei ziemlich fordernd und unfreundlich vorgeht sowie die Tatsache, dass seine außen mit Plastik verkleidete Kanne sich wohl kaum über einen Gasherd erfreuen würde, macht die Sache aus meiner Sicht aber sinnlos und so stelle ich mich so lang dumm, bis er endlich einen Abgang macht. Auf Umfüllen und Derartiges habe ich jetzt keine Lust.

Nachdem Robert aufgestanden ist und wir uns beide eine Dusche gegönnt haben, machen wir uns für einen Rundgang durch die Stadt auf. Es gibt viel zu sehen in Shiraz, sodass wir mehrere Stunden durch die Stadt ziehen und dabei Teile des Lonely Planets abarbeiten. Wirklich vom Hocker haut mich jedoch nichts, so ist das für mich Interessanteste eine in der Stadtfestung befindliche Fotoausstellung, die tolle Bilder aus Shiraz in früherer Zeit zeigt.

Das Umwandeln von Euros in Rial gestaltet sich heute mal wieder etwas schwierig. Zwar finden wir zwei Wechselstuben, doch eine davon ist geschlossen und die andere sagt auf Nachfrage zwar, sie hätte 50.000er-Scheine, will uns aber schließlich das Geld in 20.000ern auszahlen – das kommt aber nicht in Frage. Beim ersten Tausch in Tabriz hatten wir schon den Fehler gemacht und diese unendlichen Bündel an Zehn- und Zwanzigtausendern angenommen, die daraufhin unsere Taschen wochenlang so dick gemacht haben, dass wir uns wie Packesel vorkamen. Seitdem nehmen wir nur noch 50er.

In einem Laden neben einer der Buden ist dann auch erwartungsgemäß ein Schwarzwechsler, der uns zwar nicht alles, aber zumindest die Hälfte in 50ern und den Rest in 20ern ausbezahlen kann. Dass er am Tausch meiner 50 Euro nicht gerade reich wird, wurmt ihn sichtlich, denn er hat wohl nicht mit unseren in arabischen Ländern – und dagegen sind die Perser echt ein Witz! – erprobten Verhandlungsqualitäten gerechnet. Er ist aber selbst schuld, wenn er uns erst einen Kurs nennt, auf Nachfrage angibt, es gebe keine Kommission, dann aber einfach mal ein paar Tausend Tuman unterschlägt. Da wir heute auf seinen lausigen Tauschservice nichtmal angewiesen sind und somit am längeren Hebel sitzen, drücke ich ihm seine Scheine jedesmal zurück in die Hand und gehe in Richtung Ladenausgang, bis er seine Kommission auf den mickrigen Gegenwert von 50 US-Cent reduziert hat. Tja, das nächste Mal soll er einfach von vornherein sagen, was Sache ist, wenn er nicht abgezockt werden will.

Internet ist heute auch mal wieder dran, da Robert sich für seine Klausuren im Juli anmelden muss. Beim ersten Besuch sind zwar zwei Läden geschlossen und im dritten hören wir, dass das gesamte Viertel ohne Strom sei, doch als wir ein paar Stunden später nach der Stadttour wieder auftauchen, laufen die Bits einweindfrei. Das ist die bei weitem schnellste Verbindung, die wir bisher in einem Cafénet im Iran hatten. Wirklich nerven tut jedoch das hier noch allseits verbreitete USB 1.1, mit dem das Öffnen all meiner Programme von der SD-Karte teils halbe Ewigkeiten dauert. Schade ist auch, dass Skype in diesem Laden irgendwie geblockt oder zumindest nicht zu funktionieren scheint, denn dann hätten wir wegen der ausreichend schnellen Verbindung erstmalig irgendwen zu Hause anrufen können.

So gibt’s halt doch nur das Übliche: Homepage aktualisieren, E-Mails wegsortieren, Track vom GPS-Logger sichern und außerdem noch einen Schock bekommen! Treibstoff in Deutschland bei 1,55 Euro! Man sagte uns in Yazd, der Ölpreis sei bei über 120 Dollar pro Barrel angelangt, was uns, angesichts dessen, dass wir bei 103 bis 105 losgefahren sind, schonmal sehr überrascht hat. So waren wir jetzt auch sehr gespannt auf die Treibstoffpreise in Europa, welche wir jedoch lieber nicht nachgeschaut hätten, denn nun graust es immer mehr vor der Rückfahrt, und die Argumente, einfach weiter nach Indien zu fahren, werden immer zahlreicher. Auch sollten wir vielleicht mal schauen, ob wir uns hier noch einen zusätzlichen Tank für ein paar hundert Liter Diesel einbauen lassen können. Jeder Liter Volumen muss dabei mit Faktor 1,5 vom Preis in Euro abgezogen werden, da könnte es sich schon lohnen.

Zum Abendessen gehen wir in das vollste Restaurant, dass wir bisher im Iran gesehen haben. In diesem auch vom LP empfohlenen Schuppen ist der gesamte Essbereich im Untergeschoss überfüllt und wir müssen sogar etwas warten, bis ein Platz für uns frei wird. Bisher fanden wir es schon erwähnenswert, wenn außer uns noch zwei oder drei andere Tische in einem Restaurant besetzt waren und der Laden ausnahmsweise mal nicht so aussah, als hätte er zu oder würde seine Gäste mutwillig vertreiben. Mit 26.600 Tuman stellen wir zwar einen neuen preislichen Rekord in der Kategorie Luxusessen auf, doch der Besuch lohnt sich.

Nicht nur wegen dem wirklich guten Essen, sondern auch und vor allem, weil wir Arne und Carl aus Soest kennen lernen. Die zwei Blonden fallen mir auf, als sie zusammen mit zwei Iranern auf einen Tisch warten und ich dabei auf einmal die gut ausgesprochenen Namen Klinsmann und Beckenbauer raushören kann. Dass ich das Robert gleich mitteilen muss, fällt wiederum den beiden auf, sie kommen rüber zu uns und schon sind wir im Gespräch. Die beiden 22-jährigen sind mit ihrem Hanomag-LKW hier und somit nach Oliver die zweiten jungen und gleichzeitig auch die zweiten mit dem Auto selbst fahrenden Deutschen, die wir hier unterwegs treffen.

Ihre beiden iranischen Begleiter sind älter und kommen uns auf den ersten Blick etwas komisch vor, doch da die beiden Jungs keinen iranischen Funk haben, müssen wir einem Typen, den Arne schon »Goldlocke« getauft hat, unsere Nummer geben. Während unseres Verdauungsspaziergangs im Azadipark schräg gegenüber rufen die vier dann auch schon an, dass sie nun an unserem Karren stünden und wir vorbeikommen sollen. Gesagt, getan, finden wir uns alle am Camper ein und fahren zusammen, geführt von den beiden Iranern, zu einem uns unbekannten Ziel los.

Man mag es kaum glauben, aber so ist es: An diesem Abend, wohlgemerkt einem Donnerstagabend, also den zusammen mit Freitagabend interessantesten Stunden der Woche, führen uns diese beiden Typen in das Shiraz’sche Vorlandnirvana zu einer Art Privatgarten, einer im Umkreis von fünf Meilen offenbar garantiert ischenfreien Zone. Ja sag mal, geht’s noch?!?

Jetzt gilt es, die beiden schnellstens los zu werden und möglichst fix hier weg zu kommen. Da die beiden iranischen Kauze, die mit ihrem eigenen Auto hier sind, uns aber partout zurück in die Stadt begleiten wollen, wird das nur teilweise etwas. Wir fahren zurück nach Shiraz zur Pennstelle der beiden Soester, gegenüber einem Taxistand nahe dem Aria Fast Food gelegen.

Da steht er, der Soester Hanomag. Fasziniert beginne ich meine Erkundungstour durch das mobile Zuhause von Arne und Carl, dass sich die beiden in sage und schreibe fünf Monaten Arbeit zusammgengebastelt haben. Den Aufbau des 40 Jahre alten LKW haben sie komplett selbst ausgebaut und entsprechend ist alles extrem funktional und vor allem mit Liebe zum Detail eingerichtet. Ob das nun die hochklappbaren Betten, die fast schon designerhafte Innenbeleuchtung, die geräumigen Schränke und Schubladen oder die Toilette mit Dusche und WC ist, alles ist durchdacht. Gipfeln tut das Ganze wortwörtlich im fast vollständig begehbaren Dach, das mit seinem aus PVC-Latten bestehenden Boden eher an eine Sonnenterrasse erinnert als an die Abdeckung eines Expeditionsgefährts.

Die Faszination verfliegt in Teilen aber wieder, als man sich die Vor- und Nachteile eines solchen Fortbewegungsmittels genauer anschaut. Klar ist es toll, komplett straßen- und pistenunabhängig querbeet durch Wüsten und sonstige Landschaften fahren zu können, doch ein wendiges Stadtmobil hat mitunter auch seine Vorteile. Schaut man sich dann noch an, dass ein neuer Reifen für den Hano über 400 Euro kostet und wir mit 39-Euro-Gummis bestens durch die Welt fahren, lerne ich unsren LT auch wieder von anderer Seite zu schätzen.

Da unsere handwerklichen Fähigkeiten außerdem darauf begrenzt sind, kleine Schrauben durch dickere zu ersetzen, und wir sogar zum Sägen und Schneiden von Holz und Blech den Michi Achtelik aufsuchen müssen sowie das durch die entfernte Standheizung entstandene Loch mit einer Spülmaschinenklappe aus Roberts Garage schließen, verbietet sich für uns der Selbstbau. Auch wenn es natürlich schön ist, alles selbst zu planen und ein Ergebnis nach den eigenen Vorstellungen vorzufinden. Der Preis sind neben 2.500 Kaufpreis 5.000 Euro allein für den Ausbau und fünf Monate Arbeit. Wir haben vor Marokko nichtmal eine Woche rumgeschraubt.

Als Goldlöckchen und Gefährte endlich abgezogen sind und auch der Taxichef schlafen gegangen ist, machen wir es uns mit unseren Stühlen auf der Straße zwischen den beiden Karren gemütlich. Bis fünf Uhr nachts sitzen wir hier und labern, bevor wir ins Bett fallen, über diese und jene Dinge des Lebens. Vorwiegend natürlich übers Reisen.

Freitag, 23. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Shiraz

Die Aufstehordnung sieht so aus: Arne um acht, ich um neun, Carl um halb elf; Robert hingegen außerhalb des Messbereichs, als wir gerade im Aria Fast Food zu Mittag essen wollen und ich mit Arne auch schon einen Morgenspaziergang hinter mich gebracht habe. Wir werden wohl in den nächsten Tagen mal tauschen müssen: Ein morgens abfahrendes Fahrzeug mit 16 bis 18 Stunden Wachzeit pro Tag und ein Pennerfahrzeug mit um 14 Uhr Aufstehenden und mindestens 12 Stunden gesetzlich geregelter Schlafenszeit pro Tag – wenn das für Robert mal genug sein sollte.

Am frühen Nachmittag hängen die Typen aus dem Fast Food alle in unserer Straße rum und lassen Arne und Carl ihre für deutsche Verhältnisse offenbar schrottreifen, aber hier trotzdem neuwertigen, Mopeds ausprobieren. Plötzlich heißt es dann, ob wir schwimmen wollten, und so sind wir – die Soester weiter auf den Mopeds mit jeweils einem Iraner hinten drauf – auf einmal unterwegs zu einem Schwimmbad.

Das erste, was uns dort noch kurz vor der Tür zum Umkleideraum entgegenschlägt, ist der Fußschweißgeruch. So intensiv, wie wir ihn wohl noch nie gerochen haben. Nach dem Bezahlen des Tickets für 2.000 Tuman gibt man seine Schuhe an einem Tresen ab und schlüpft in zwei der wahrscheinlich zwei- bis dreihundert auf einem Haufen liegenden Schlappen, deren Tragen sicher sehr hygienisch ist.

Das Schwimmbecken mit dem pisswarmen Wasser ist riesig, misst 100 Meter in der Länge und weist um die zehn Bahnen auf. So groß hätte ich mir den Laden hier irgendwo in einer Stadt im Iran wirklich nicht vorgestellt. Als ich in der Umkleide den Ansturm an Leuten gesehen habe, befürchtete ich außerdem, dass wir im Becken wie die Sardinen nebeneinander mit einer Bewegungsfreiheit von einem Viertel Meter aufgestellt sein würden, doch weit gefehlt: Der Schwimmerbereich des Beckens – mit dem Sprungbereich unter den Türmen über zwei Drittel des Beckens umfassend – ist so gut wie leer.

Ganz anders sieht es im restlichen Drittel aus, wo sich im flachen Nichtschwimmerbereich Groß und Klein dicht an dicht drängen. Hier kann einfach mal wieder keiner schwimmen! Uns soll es recht sein, denn abgesehen davon, dass wir stark an der Sauberkeit des Wassers zweifeln, haben wir richtig viel Platz für uns alleine und können uns mit den acht oder neun Iranern, die mit uns hier sind und sich sogar alle über Wasser halten zu können scheinen, austoben.

Zurück in unserer Straße füllen wir an der Taxibude erst mal unsere Tanks wieder mit Wasser und verpassen dem Karren dann auch gleich mal eine kleine Autowäsche, die erste seit der Tunesienhinfahrt. Die inzwischen sehr dicke Schicht an Dreck ist so hart, dass sie nur beim Wischen mit Lappen abgeht und dem Karren in den letzten Wochen vor allem eine komplett andere Farbe verpasst hat. Jetzt sind wir auf einmal selbst verwundert über das strahlend blendende Blau, das die Kiste zum Vorschein bringt. Wir sind echt überrascht, denn nach über einem Monat mit immer dreckiger werdendem Karren hatten wir die Originalfarbe inzwischen schlichtweg vergessen.

Um etwas zum Abendessen zu finden, fahren wir direkt vor die Wäscherei vor, wo wir gestern unser Zeug abgegeben haben. Diese hat zwar natürlich geschlossen, aber nebenan gibt es genug Imbissbuden und auch eine Kebabbude, wo man sogar draußen hocken kann. Wo es doch eh schon immer schwer ist, ein Restaurant zu finden, war es bisher fast unmöglich, einen Laden zum draußen Sitzen zu finden.

Danach geht es zu Fuß durch den Azadipark, wo heute erwartungsgemäß die Hölle los ist. Gerade, dass man noch ein paar Quadratmeter Wiese hier und da sieht, denn fast alles ist von Picknickern mit Teppichen ausgelegt und halb Shiraz scheint hier zu sein. Als ich mit Carl alleine laufe, werden wir von einer Gruppe Jugendlicher dumm angemacht. Zum ersten Mal im Iran fühle ich mich in einer Situation, wo es gleich der Faust bedürfen könnte, doch das Problem ist, dass der Penner, der mir einfach meinen Stift aus der Brusttasche gezogen hat und damit nun abdampfen will, an ein wandelndes Anabolikalager erinnert. Da der Typ aber auch ein paar etwas vernünftigere Freunde dabei hat und es bei einer Eskalation binnen zwei Sekunden sofort über 200 Zuschauer gäbe, belässt er es bei angedeuteten Schlagansätzen. Den Stift erhalte ich derweil von einem seiner Freunde zurück.

Kurz danach kommen zwei Iraner zu uns und fragen uns, was das Problem gewesen sei und ob wir Hilfe bräuchten, doch der Stift ist wieder bei mir und die komische Truppe ist weitergezogen, also alles ok. Es ist echt lustig, dass die Asis sich überall gleichen, egal ob hier oder in Deutschland.

Im Park gibt es einen »Park im Park«, also einen abgezäunten Bereich als Luna Park. Als wir dort erstmalig rein wollen, lässt man uns mit einer persischen Begründung nicht hinein und wir verstehen nicht ganz, was los ist, denn gestern konnten wir hier ohne Probleme rumlaufen. An einem anderen Eingang ergibt sich erst mal dasselbe Bild, doch als die »Türsteher« merken, dass wir uns wundern und nichts checken, lässt man uns hinein.

Drinnen wimmelt es im Gegensatz zum Rest des Parks von Polizei und Soldaten und uns fällt vor allem auf, dass keine Männer oder Jungs alleine unterwegs sind und auch andere an den Eingängen abgewiesen werden. Die englische und daher verständliche Begründung für all das erhalten wir etwas später, als wir alle vier nochmal am ersten Eingang rein wollen, wo wir erst abgewiesen wurden. Der Wächter holt einen anderen Mann herbei, der so etwas wie der Manager des Luna Parks zu sein scheint, und der begründet das Ganze so: »We had some problems... with young men... they were drunk... and searching for girlfriends. But you come in one quarter, at twelve... then it’s free!«

Zu geil! Erst als wir uns leider schon von ihm verabschiedet haben, fällt uns ein, dass wir hätten fragen sollen, ob wir also ab zwölf betrunken mit Flasche reingehen und alle Mädels anmachen dürfen.

Von zwölf bis halb vier sitzen wir schließlich wieder wie gestern zu viert, teilweise auch zu fünft mit dem Taxi Chef »Mr. Marlboro« auf der Straße. Heute jedoch mit einer für zwei Dollar gekauften Flasche Alk, die gemixt mit Miranda-Limonada genau für zwei kleine Runden reicht. Dass die Polizei jeden Abend zur selben Zeit hier auftaucht und die Lage checkt, soll uns nicht stören. Hier sind alle unsere Freunde.

Hauptthema des Abends ist das weitere Vorgehen und die zeitliche Einteilung der Reste unserer beiden Reisen. Die Soester sind sich etwas uneinig, was den weiteren Verlauf angeht. Eigentlich wollten sie sowieso nach Indien, doch da Arne nun nicht durch Pakistan will, wird es erst mal beim Iran bleiben. Hier müssen sie jedoch alle sieben Tage etwas nervig ihr Transitvisum verlängern, und so werden sie wohl mit uns ausreisen und wir können auch in der Türkei noch etwas gemeinsam fahren.

Zu Hochform laufe ich auch, als ich meine eigene private Werbeveranstaltung für Syrien fahre, um die beiden zu einem Abstecher von Qamishli über Palmyra nach Aleppo und Lattakiya zu bewegen. Dann könnten sie wenigstens ihren Karren nochmal richtig offroad nutzen, wären andererseits in einem sichereren Land sowie nicht zu weit von zu Hause weg und könnten außerdem gegebenenfalls ADAC-Hilfe in Anspruch nehmen, falls ihr Motor, wie befürchtet, wirklich schlapp macht.

Nach beendeter Werbeveranstaltung und ausgiebigem Studium der Iran-, Türkei- und Syrienkarten sowie des mitgebrachten ADAC-Weltatlasses geht es wieder später als erwartet ins Bett.

Samstag, 24. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Shiraz

Der Tag geht damit los, dass die anderen beiden in Persepolis sind und ich den Morgen gemütlich mit Schreiben, Musik und Ausruhen verbringe. Robert steht sowieso erst um 14 Uhr auf und ist damit nur eine Viertelstunde früher als die Soester am Start, die kurz danach nämlich wieder zurück sind.

Ich hatte mein Frühstück beim Aria Fast Food gerade schon, doch die anderen drei gehen dort jetzt Mittag essen, sodass es schließlich schon halb vier ist, als wir eigentlich alle fertig sind, um irgendetwas anzustellen. Arne und ich wollen jedoch eigentlich gerade gar nichts machen außer gemütlich da hocken und ein bisschen Bericht schreiben, also ziehen Mister Calle und Mister Robert alleine los.

Viel fruchtet die Tour jedoch wohl nicht, denn der Eintritt in den Eram Park ist ihnen zu teuer und so schauen sie sich offenbar nur kurz das Grab vom Hafez an. Danach geht es wieder zu viert weiter: Geldwechsel, Internet (das schnellste im ganzen bisherigen Iran!), Wäsche abholen, dann zum Korantor und dort Tee trinken.

Zum Abendessen gehen wir in ein Lokal namens Teen Restaurant, welches im LP empfohlen wird. Der andere Schuppen, Hamam-e Vakil oder so ähnlich, scheint nur tagsüber offen zu haben. Das Essen im Teen schmeckt vorzüglich und ist auch nicht allzu teuer. Dazu kommt, dass wir beim Bestellen sogar übersetzende Hilfe des bestens Englisch und auch ein bisschen Deutsch sprechenden Herrn am Nebentisch bekommen, der dort mit seiner tollen Tehraner Ische und zwei anderen Personen zugegen ist.

Zurück in unserer Heimstraße gehe ich recht bald ins Bett, da ich ziemlich fertig bin, während die anderen drei im Büro des Fast Food Chefs noch ne Flasche Alk leeren.

Wie jetzt? Es hört sich so an, als sei heute nichts passiert? – Stimmt vollkommen!

Und das war auch mal gut so.

21. Mai 200825. Mai 2008

Aktuelles ...

Aktuelles

Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.