Windräder zwischen El Cuartón und Cortijo de la Picota, Spanien (19.08.2006)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Freitag, 16. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Isfahan

Roberts zweiter Gastbeitrag

Als ich gegen 14 Uhr aufstehe, ist Daniel schon 4 Stunden auf den Beinen. Um unser Auto herum hat sich ein Haufen, bestehend aus weiteren Autos und Teppichen mit picknickenden Menschen, gebildet. An Wegfahren ist gar nicht zu denken, und Daniel hat sich die letzten 4 Stunden mit den ganzen Leuten hier unterhalten.

Nachdem ich geduscht habe, gehe ich zu Daniel, der mit 4 jungen Männern wenige Meter von unserem Auto auf dem Boden sitzt. Die Jungs sind aus Shiraz und Yazd und machen eine Art Rundfahrt im Iran, jedenfalls wollen sie in den nächsten Tagen noch nach Rasht und Mashad. Sie sprechen zwar nur wenig Englisch, wir können uns aber recht gut mit ihnen unterhalten. Sie laden uns schließlich auch zum Essen ein, es gibt Reis mit Gemüse und Salat; zwischen den ganzen Autos selbstverständlich. Sie lassen sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als das direkt neben dem Teppich parkende Auto losfährt und beim Ausparken erst mal über ihre Schuhe und den Teppich fährt. Daniel lobt gerade noch die Ausparkkünste der Iraner, da rammt das Auto gleich noch ein anderes. Nach dem Essen rauchen wir noch eine Wasserpfeife, bevor die Jungs einpacken, um weiterzufahren. Wir demontieren währenddessen unseren Wassertank, da dieser leckt.

Da für uns immer noch nicht ans Ausparken zu denken ist, beschließen wir, mit dem Taxi in die Innenstadt zu fahren. Auf dem Besichtigungsplan fehlt nur noch die Jameh Moschee, alles andere in Isfahan haben wir bereits mehr oder weniger erledigt.

Die Jameh Moschee ist die größte im ganzen Iran und auch eine der ältesten. Teile des Gebäudes sind über 900 Jahre alt und stehen trotz mehrerer Erdbeben immer noch. Die Liwans rund um den Innenhof sind auch ziemlich imposant, der Rest ist jedoch eher schmucklos, da waren die anderen Moscheen in Isfahan schon etwas schöner. Jedenfalls können wir nicht nachvollziehen, warum beide Reiseführer schreiben, für die Besichtigung der Jameh Moschee bräuchte man viele Stunden. Wir haben nur eine Stunde gebraucht, aber vielleicht haben wir ja was Wichtiges übersehen...

Von der Moschee aus laufen wir durch den Bazar Richtung Imam Square. Der Bazar ist jedoch geschlossen, da Freitag ist. Drinnen schaut es aus wie in einer Geisterstadt oder in einem schlecht animierten Egoshooter, da wirklich kein Geschäft geöffnet ist, nichtmal die touristischen Teppichläden. Dafür fährt das ein oder andere Auto durch.

Am Imam Square angekommen beschließen wir, nochmals in das altbekannte Teehaus auf dem Dach des Bazars zu gehen. Dort sitzen wie üblich lauter alte bis sehr alte Touristengruppen. Ein Middle-East-Lonely-Planet zieht jedoch meine Aufmerksamkeit auf sich, und ich frage deren Besitzer, ob ich einen Blick hineinwerfen könnte; mich interessiert, was der Lonely Planet über den Irak zu erzählen hat: nicht viel, und das, was drinsteht, ist veraltet. Also ein eher geringer Informationsgewinn. Dafür komme ich mit den Besitzern des Buches ins Gespräch, zwei Mädchen aus England und ein Kerl aus Australien, der jedoch nicht sehr gesprächig ist. Die Mädchen machen eine zweiwöchige Backpacktour durch den Iran und sind darüber verwundert, wie ich es im Urlaub schaffe, mit einem weißen Hemd herumzulaufen, ohne Dreck einzufangen. Sie selbst können nicht so viele Klamotten mit sich herumschleppen, da sie alles im Rucksack haben.

Nach dem Teehausbesuch laufen wir noch über den Imam-Square, der schon voll von Menschen ist, bis wir vor der Imam-Moschee mehr oder weniger stecken bleiben, da wir pausenlos von Leuten angesprochen werden. Ich rede mit einem 22 jährigen Jungen, der sehr gut deutsch spricht, obwohl er, wie er sagt, alles nur aus Büchern gelernt hat und nie einen Kurs oder so besucht hat. Er ist sehr interessiert an Deutschland und wie man an Visa kommt etc. Mit dabei ist sein taubstummer Onkel, der per Gebärdensprache auch die eine oder andere Frage an uns stellt.

Daniel redet unterdessen mit verschiedenen Leuten, darunter eine Gruppe von 6 Mädchen, davon 2 aus Tehran, die sogar zweimal vorbeikommen. Außerdem kommt er mit einem streng gläubigen Moslem ins Gespräch, der sich zwar für die Verschleierung der Frauen einsetzt, jedoch mit der Regierung Ahmedinedschads eher weniger zufrieden ist, da dieser seiner Meinung nach eine verfehlte Wirtschaftspolitik verfolgt. Außerdem gibt er Daniel Tipps, welche der 6 Mädchen er flachlegen solle. Auf die Nachfrage, ob er als Moslem so etwas überhaupt dürfe, antwortet er, daß er sehr wohl solche Tipps an Nichtmoslems geben darf, aber selber etwas mit den Mädchen anzufangen sei ihm verboten.

Weiterhin kommen ein paar Jugendliche vorbei, die, nachdem Daniel sie auf Farsi begrüßt hat, wieder abziehen und dabei sagen, daß sie eigentlich ihr Englisch ausprobieren wollten und dafür wohl den falschen Touristen erwischt haben.

Und der Journalist, den wir 2 Tage zuvor im Teehaus unter der Si-o-se-Brücke getroffen haben, kommt auch zweimal vorbei. Im Schlepptau hat er einen Italiener, dem wir schon in Tehran über den Weg gelaufen sind, wo er ein Internetcafe gesucht hat und wir ihm einen Tipp gaben.

Irgendwann schaffen wir es dann, alle unsere Gesprächspartner loszuwerden, damit wir endlich essen gehen können. Wir gehen in ein Restaurant nicht weit vom Imam Square, um danach wieder dorthin zurückzukehren. Dort gibt es dann als Nachtisch Eis für den Daniel und Faludeh für mich.

Der Imam Square ist in der Zwischenzeit noch voller geworden, lauter Familien benutzen den Freitag für ein Picknick auf den grünen Flächen. Überall springen Kinder herum, Jugendliche rauchen Wasserpfeife, und dazwischen fahren ein paar Leute Fahrrad und Motorrad.

Etwas später spricht Daniel einen Menschen an, der mit einer etwas komischen Kamera hantiert. Es handelt sich um einen halb irischen Italiener namens Marcello, der mit Kameras aus den 50ern photographiert, da diese seiner Meinung nach dank des größeren Films bessere Bilder machen. Er muß dafür jedoch alle Filme für seinen Urlaub selbst mitbringen, da diese nicht leicht zu bekommen sind, und außerdem kostet ihn jedes Bild circa einen Euro. Wir kommen auch noch mit 4 Englischlehrern ins Gespräch, die zuvor schon mit Marcello geredet hatten. Es entwickelt sich eine interessante Diskussion über Politik und die Frage, ob CIA und der iranische Geheimdienst auch heutzutage noch Leute verschwinden lassen. Nachdem die Englischlehrer nach Hause gegangen sind, reden wir noch etwas mit Marcello. Er ist allein im Iran unterwegs, da seine Freundin nach dem gemeinsamen Urlaub in Äthiopien keine Lust mehr auf Reisen hat. Und er ist relativ gehetzt unterwegs, da er nur 2 Wochen Zeit hat.

Während wir reden, leert sich der Imam Square langsam. Am Schluß sind nur noch ein paar Gärtner auf dem Rasen, die diesen gießen. Erstaunlich, wie wenig Müll so viele Iraner hinterlassen. In jedem europäischen Land wäre nach einer so großen Ansammlung von Leuten ein Riesenhaufen Müll übrig geblieben.

Schließlich laufen wir wieder vor zum Fluß. Wir wollen eigentlich ein Taxi zurück zu unserem Auto nehmen, da das doch ein Stück weit weg steht. Jedoch kommen keine Paykan-Taxen mehr vorbei, doch nach ein paar Minuten halten zwei Jungs an und nehmen uns freundlicherweise mit, da sie in dieselbe Richtung müssen.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.