Touristenhorde auf Kamelen in Douz, Tunesien (27.03.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Mittwoch, 14. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Isfahan

Es ist zwar schon fast zehn Uhr, als ich aufwache, doch komischerweise höre ich vom anderen Zimmer immer noch Stimmen. Eigentlich wollten die vier heute um neun Uhr aufstehen und in die Uni gehen, doch daraus ist offensichtlich nichts geworden. Stattdessen gibt es das bisher europäischste Frühstück auf der Reise mit so ziemlich allem, was das (oder mein) Herz begehrt. Die erste »richtige« Dusche, also nicht nur Camperschlauch, seit Kish tut außerdem ebenfalls gut.

Wir verabschieden uns erst mal von der Truppe, um einige Erledigungen hinter uns zu bringen: Visum verlängern und Wäsche abholen. Der Lonely Planet schreibt, Isfahan sei der beste Platz zur Verlängerung des Visums, weil die Leute der zuständigen Behörde hier so unkompliziert seien. Man solle aber zum Beispiel ja nicht nach Tehran gehen, wo nur islamistische Bürokraten mit Scheuklappen rumsitzen würden und eine Visaverlängerung schonmal zehn Tage in Anspruch nehmen kann.

Fakt ist: Unser Visum wird nicht verlängert – zumindest heute nicht. Das »Passport and foreigners department« finden wir zwar recht einfach mit Hilfe der gestern vom Reisebüro aufgemalten Skizze, und wir sind sogar während der Öffnungszeiten da, doch von Unkompliziertheit keine Spur. Der Schalter für »Visa extensions« befindet sich direkt im Gebäude der Pforte, wo wir übrigens mal wieder Telefon, Kamera und Konsorten abgeben müssen, an der rückwärtigen, zum Hof gerichteten Seite.

Dort drin sitzt ein Drei-Sterne-Bulle mit genau Null Englischkenntnissen, der nach dem Studium unserer Pässe mit dem Telefon eine Englisch sprechende Type in irgendeinem Büro anruft, um sie für uns übersetzen zu lassen. So wie es aussieht, scheint der das immer so zu machen. Die Type erklärt uns jedenfalls, wir könnten die Visa erst in den letzten drei Tagen vor Ablauf verlängern lassen, eine jetzige Bearbeitung sei nicht möglich. Am besten sollten wir in eine andere Stadt fahren. Als wir ihr daraufhin erklären, dass die Visa in fünf Tagen ablaufen und wir nicht wissen, ob wir bis dahin eine andere Stadt mit entsprechender Verlängerungsmöglichkeit erreichen, heißt es, wir könnten nun lediglich die Formulare mitnehmen und dann am Samstag wiederkommen.

Dass das der Treppenwitz des Tages und darüber hinaus nie gehörter Schmarrn ist, wird uns relativ schnell klar. Nirgends, weder in den Reiseführern noch in den Berichten im Internet, haben wir von so einer komischen Regelung gelesen, die sich der Typ am Schalter oder die Type am Telefon wahrscheinlich gerade adhoc ausgedacht hat. Uns scheint es so, als hätten sie nur keine Lust, jetzt um zwölf Uhr mittags unser Anliegen zu bearbeiten und würden uns deshalb mit aberwitzigen Begründungen auf Samstag oder gar ganz andere Städte vertrösten.

Doch was soll’s, wir wollen uns hier ja auch keine Feinde machen und so kaufen wir noch schnell die entsprechenden Formularbögen für 600 Tuman und ziehen unverrichteter Dinge wieder ab. Morgen werden wir es einfach ganz dreist wieder versuchen und uns dabei dumm stellen. Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.

Am Ahmad Abbad Square treffen wir uns wieder mit Saba, Setare und Malika, um zum Tschehel-Sotoun-Palast in der Innenstadt zu fahren. Als wir aber über den Kreisverkehr laufen, entfernen sich die Mädels auf einmal etwas von uns, ohne dass wir den Grund dafür erkennen. Doch der lässt nicht lange auf sich warten: Plötzlich werden wir von zwei Polizisten auf einem Motorrad, der eine davon in Zivil, angehalten und ziemlich fordernd nach unseren Pässen gefragt, die wir heute nur zufällig wegen der Visaverlängerung mit dabei haben. Das Problem ist klar: Wir dürfen nicht mit den Iranerinnen zusammen auf der Straße laufen.

Entsprechend unfreundlich kommen mir die zwei auch im Gegensatz zu sonstigen Kontrollen vor, die sich nicht auf Verstoß gegen unsinnige Sitten, sondern meist eher auf allgemeine Verkehrskontrollen stützten oder einfach nur ein Vorwand waren, um zu fragen, aus welchem Land man komme. Nach einer Diskussion zwischen den – inzwischen zurückgekehrten – Mädels und den beiden Polizisten werden die beiden jedoch auf einmal freundlicher und dampfen schließlich auf dem Motorrad wieder ab. Nochmal gut gegangen. Doch Setares angstvolles Herzklopfen kann man förmlich hören, als sie gleich danach erklärt, dass das jetzt der absolute Ausländerbonus für alle gewesen sei und es sehr viel schlimmer hätte kommen können.

Durch die halbe Stadt und den Imam Square geht es zum Palast. Den Namen Tschehel-Sotoun, der soviel wie »40 Säulen« bedeutet, trägt der Palast aufgrund seiner nur 20 Säulen, die sich zusammen mit dem eigenen Spiegelbild im Brunnen davor auf 40 addieren. Nette Trickserei, um die Säulen zu sparen und trotzdem die damals wichtige Zahl von 40 zu erreichen.

Im Teehaus des Palastgartens bricht gerade eine richtig fette Ösigruppe auf, als wir uns hinsetzen. Da sind wir der Tourihorde also gerade nochmal davon gekommen. Es dauert jedoch nicht lange, bis wir an derselben Stelle Wolfgang treffen, einen pensionierten Wiener, der laut eigener Aussage nun »endlich mal eine zusammenhängende Reise« machen kann und deshalb mit dem Auto in den Iran gefahren ist. Da gibt es natürlich gegenseitig viel zu erzählen, denn er ist der erste selbstfahrende Tourist, mit dem wir hier im Iran sprechen.

So erfahren wir von ihm, dass er überhaupt keine Probleme hatte, sein Visum weit mehr als drei Tage vor Ablauf zu verlängern, dass er aber wegen dem Kennzeichenzettel, den er auch an der Grenze bekommen hat, schon öfters Probleme bekam. Wir führen das aber darauf zurück, dass er diesen bei den Kontrollen immer freiwillig vorgezeigt hat, während wir uns hingegen auf die bisher einzige Frage eines Polizisten nach unseren iranischen Kennzeichen dumm gestellt haben, bis es »Welcome to Iran! Goodbye!« hieß.

Um kurz vor vier setzen wir Saba ab, weil sie jetzt zwei Stunden Englischkurs hat. Mit den anderen beiden und einem Typen, den wir vor Ort treffen, setzen wir uns in deren, wenn ich das richtig verstanden habe, Stammcafé im Stadtviertel Jolfa. Hier wollten wir uns eigentlich vorher noch eine armenische Kirche anschauen, doch die war schon geschlossen, als wir gerade vorbeikamen.

Nach Sabas Englischkurs geht es gemeinsam in einem nahe gelegenen Restaurant essen, woraufhin wir uns aber allesamt verabschieden, weil die drei noch irgendetwas machen wollen, was wir nicht ganz checken. Im Grunde war die Luft jetzt am Nachmittag auch raus. Wir hatten uns nicht mehr viel zu sagen und ohne Saba war die Kommunikation ohnehin streckenweise recht schwierig. Mit ihr letztendlich aber auch.

Dazu kommt, dass das Verständnis über die Rollen von Gastgeber und Gast im Iran komplett anders zu sein scheint, als wir es gewohnt sind. In Deutschland gibt der Gastgeber den Ton an, denkt sich zum Beispiel irgendwas aus, was man machen könnte, fragt dann noch, ob das für den Gast in Ordnung sei – und dann wird das einfach gemacht. Hier hingegen fragt uns jeder »What do you want to do!« oder »What are your plans for today?«. Damit können wir aber recht wenig anfangen, da wir ja meist nichtmal wissen, was für Möglichkeiten es gibt, ganz zu schweigen davon, dass wir einen richtigen Plan für den Tag hätten.

So kommt es, dass sich unsere Gastgeber teils vielleicht als schlechte Gastgeber fühlen, weil wir zu verstehen geben, dass es uns eigentlich egal ist und die Entscheidung ihnen überlassen wollen. Im Grunde müssen die ja besser wissen, was sehens- oder machenswerter ist, und nicht wir. Außerdem brauchen wir eigentlich kein vollkommen eigenes Unterhaltungsprogramm, sondern wollen eher am täglichen Leben der Gastgeber teilnehmen. Das scheint hier aber keiner verstehen zu wollen.

Zumindest heute ist die Luft deshalb also raus und wahrscheinlich sind erst mal alle erleichtert, dass sie wieder alleine ihren Dingen nachgehen können. Robert und ich laufen mal wieder zum Imam Square, heute erstmalig bei Nacht und dann zurück zum Fluss, wo wir noch kurz das Ufer entlang gehen.

Zurück auf unserem »Parkplatz mit Klo« von vorgestern geht Robert sofort ins Bett, während ich noch ein bisschen vor zum Ufer gehe und ewig und drei Tage ein Vogelviech auf der Suche nach Fischen beobachte. Auf dem Rückweg zum Camper werde ich dann noch von vier 25-jährigen Jungs am Lagerfeuer auf Tee, Kokos und sonstwas alles eingeladen, wodurch auch nochmal fast eine Stunde in die Lande zieht, bevor ich schließlich so spät, dass ich nichtmal mehr auf die Uhr schaue, ins Bett komme.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.