Danksagung an Kosovo anerkennende Staaten in Priština, Kosovo (12.07.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
12. Mai 200817. Mai 2008

Dienstag, 13. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Isfahan

Erst nachdem wir aufgestanden sind, fällt uns auf, dass wir uns für heute ja eigentlich den Wecker stellen und zur Visaverlängerung schreiten wollten. Nun ist es gerade kurz vor zwölf und es kommt drauf an, welcher der beiden Führer nun Recht hat, was die angegebenen Öffnungszeiten betrifft: Macht der Laden um 12.30 Uhr zu, wie der RKH behauptet, oder liegt der LP richtig und man kann da noch bis halb zwei eintrudeln? Egal, wir wollen es einfach mal versuchen und machen uns auf den Weg.

Schließlich ist es dann jedoch Jacke wie Hose, welche dieser Angaben korrekt ist, denn beide Führer irren in einer ganz anderen, viel wichtigeren Information – dem Ort! Ziemlich wirr laufen wir erst mal zu Fuß an der im Führer beschriebenen Stelle rum und fragen auch Passanten, die aus einem nahe gelegenen Bürogebäude kommen, was aber überhaupt nicht fruchtet, da sie uns dahin schicken, wo wir schon waren.

In einem direkt vor Ort gelegenen Reisebüro fragen wir auch und dort weiß man sogar sofort Bescheid, sagt, dass die Visaverlängerung irgendwo ganz anders, kilometerweit entfernt, möglich sei, und malt uns extra eine Skizze auf, damit wir dort leicht hinfinden können. Das mag zwar guter Service sein, doch ehrlich gesagt können wir es nicht ganz glauben, denn die Führer behaupten da was ganz anderes.

Erst als einer der Passanten, die wir kurz zuvor gefragt haben, uns wieder über den Weg läuft und entgegen seiner Meinung von vor 10 Minuten nun behauptet, »Passeporte« gebe es in der Rodakistraße, fangen wir an, die Information vom Reisebüro zu glauben. Der Laden ist offenbar umgezogen und unser Führer zu alt.

Da das heute mit dem Visum also nichts mehr wird, gehen wir erst mal essen. Danach verbringen wir eine halbe Ewigkeit in einem Internetladen mit urlahmer Verbindung, gegenüber der jede V.90-Modemverbindung aus meinen Internetanfängen ein Traum war. Wenigstens funktioniert hier endlich mal USB 2.0 und ich kann die Homepage bestens updaten sowie alle angelaufenen Mails einigermaßen notdürftig – aber fit für den Rest der Reise – organisieren.

Um kurz nach vier rufen wir Setare an, eine Freundin von Manoosh, die hier in Isfahan studiert. Nach der üblichen, miserablen Mobilfunkkommunikation haben wir für sieben Uhr einen Termin mit ihr an der Si-o-se pol, der 33er Brücke. Wie die Iraner es eigentlich schaffen, mit ihrem Mobilfunkgerät zu telefonieren, ist ziemlich schleierhaft. Immer, wenn wir jemanden anrufen, verstehen wir kaum ein Wort dessen, was der Gesprächspartner zu melden hat, weil die Verbindung so dermaßen vorkriegszeitlich ist, dass nicht nur Wortfetzen, sondern ganze Teilsätze verschluckt werden. Nicht selten kommt auch erst gar keine Verbindung zu Stande. Man hat uns zwar gesagt, dass das an unserem billigen Netzbetreiber Irancell liegt und die anderen besser seien, doch schon allein weil viele Leute Irancell benutzen, bringt es wohl auch nicht allzu viel, wenn man sich selbst eine Karte von zum Beispiel TCI holt.

Bis zu unserer Verabredung latschen wir erstmals richtig durch die Innenstadt und verbleiben insbesondere einige Zeit am Imam Square, dem laut Reiseführer zweitgrößten Platz der Welt nach dem Tiananmenplatz in Peking. Wie diese Ordnung jedoch definiert ist, steht nicht dabei. Auf dem Platz gehen wir in ein Teehaus, welches eine Terrasse zum Sitzen anbietet. Natürlich ist das ein richtiger Tourischuppen, doch da wir draußen sowieso alleine sitzen, ist das egal und der Blick über den Platz entschädigt auch den nur etwas teureren Preis.

Um sieben treffen wir schließlich Setare und ihre Freundin Saba, die sie mitgebracht hat. Beide sind zwanzig Jahre alt und studieren Kunst an der hiesigen Universität. In dem Teeladen unter der Brücke, wo man direkt neben beziehungsweise auf dem Wasser sitzen kann und wir ja auch schon gestern Abend waren, diskutieren wir erst mal über das Übliche. So wie es sich anhört, sind die beiden ziemlich angepisst von der »Gefangenschaft« im Iran und wollen in Zukunft unbedingt das Land verlassen.

Das ist natürlich eine Steilvorlage für unsere übliche Aufklärung zu den wahren Verhältnissen in Europa, die es so oft gibt, wenn wir das Gefühl haben, jemand sieht in Europa das wahre Paradies. Erst wenn man klipp und klar von Arbeitslosigkeit, Armut, anderem Wetter, anderer Kultur, Ausländerfeindlichkeit und misslungenen Starts ins »neue Leben« anderer Emigranten erzählt, beginnen die Leute den einen oder anderen Vorzug des eigenen Landes und des Hierbleibens wahrzunehmen. So sehen die Gesichter der beiden nach einiger Zeit auch um einiges nachdenklicher aus als zu Beginn. Auswandern wollen sie trotzdem. Ist ja auch verständlich – sie wollen Freiheit. Doch der Preis für diese Freiheit ist meist höher als gedacht.

Zum Abendessen gehen wir in das Abbasi Hotel, ein Bonzenhotel, wo wir schon beim Eintreten abkassiert werden. Gut, dass die 12.000 Tuman für uns vier auf die Essensrechnung angerechnet werden können. Der kurze Rundgang im großen Hof des Hotels, mit viel Grün, einem Haufen Brunnen und natürlich vor allem unendlich vielen Touristen, lässt in mir wieder richtiges Pauschalurlaubsgefühl aufkommen, das jedoch schließlich im Abendessenbuffet gipfelt. Im Grunde ist es nicht teuer, denn für acht Dollar kann man hier vom Buffet essen, soviel mal will. Das Hotel beherbergt jedoch eine Hand voll Restaurants und jenes, in das wir ursprünglich gehen wollten, ist heute nur für eine geschlossene Gesellschaft zugänglich. Dort wäre es mit Sicherheit um einiges teurer geworden. Unser relativ billiges Buffet nutzen wir sodenn auch gleich mal aus, denn wir sind froh, dass wir außer dem mit Kebab hier, Kebab dort, Sandwich hier und Sandwich dort inzwischen recht eintönig anmutenden iranischen Essen auch mal wieder etwas anderes bekommen.

Den Rest des Abends verbringen wir zu Hause bei Setare, wobei auch noch zwei andere Freundinnen, einmal die Mitbewohnerin von Saba und noch eine andere Type vorbeikommen. Setare wohnt alleine in einer – wie soll man sagen? – richtigen Studentenbude, die für Münchner Verhältnisse jedoch ein ziemlicher Luxus ist. Mit zwei Zimmern, eigener Küche sowie natürlich WC und separater Dusche legen ihre Eltern aus Tehran 150 Dollar im Monat auf den Tisch. Dafür bekommt man in München so ungefähr gerade mal einen besseren Garagenstellplatz.

Der Abend verläuft ganz lustig, ist jedoch andererseits auch irgendwie langwierig, da eine richtige Beschäftigung fehlt und man in der großen Gruppe auch nicht versucht ist, in diverse Diskussionsthemen einzusteigen. Erschwerend kommen die kommunikativen Defizite hinzu. So ist Saba die einzige, die flüssiges Englisch zwar spricht, aber offenbar richtig große Probleme beim Verstehen hat. Das führt zu bisweilen richtig lustigen Situationen, da überraschenderweise Setare, die bei weitem nicht so gut spricht, viel mehr zu verstehen scheint und für Saba übersetzt. Ein sprachlicher Rundlauf sozusagen, die eine versteht und wiederholt auf Persisch, die andere spricht auf Englisch zurück.

Etwas unentschlossen nehmen wir schließlich doch die Offerte an, im Wohnzimmer auf zwei Matratzen zu schlafen. Ich hole wieder wie üblich mein Bettzeug, also Schlafsack, Decken und Pyjama, Robert nimmt hingegen das, was geboten wird. Für ihn ist es bis auf die Tage in Kish auch die erste Nacht außerhalb des Campers. Die vier Mädels schlafen hingegen allesamt im eigentlich viel zu kleinen Schlafzimmer, weshalb wir ein ziemlich schlechtes Gewissen haben. Aber was soll’s, nicht hier schlafen zu wollen wäre möglicherweise sogar noch unhöflicher.

Mittwoch, 14. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Isfahan

Es ist zwar schon fast zehn Uhr, als ich aufwache, doch komischerweise höre ich vom anderen Zimmer immer noch Stimmen. Eigentlich wollten die vier heute um neun Uhr aufstehen und in die Uni gehen, doch daraus ist offensichtlich nichts geworden. Stattdessen gibt es das bisher europäischste Frühstück auf der Reise mit so ziemlich allem, was das (oder mein) Herz begehrt. Die erste »richtige« Dusche, also nicht nur Camperschlauch, seit Kish tut außerdem ebenfalls gut.

Wir verabschieden uns erst mal von der Truppe, um einige Erledigungen hinter uns zu bringen: Visum verlängern und Wäsche abholen. Der Lonely Planet schreibt, Isfahan sei der beste Platz zur Verlängerung des Visums, weil die Leute der zuständigen Behörde hier so unkompliziert seien. Man solle aber zum Beispiel ja nicht nach Tehran gehen, wo nur islamistische Bürokraten mit Scheuklappen rumsitzen würden und eine Visaverlängerung schonmal zehn Tage in Anspruch nehmen kann.

Fakt ist: Unser Visum wird nicht verlängert – zumindest heute nicht. Das »Passport and foreigners department« finden wir zwar recht einfach mit Hilfe der gestern vom Reisebüro aufgemalten Skizze, und wir sind sogar während der Öffnungszeiten da, doch von Unkompliziertheit keine Spur. Der Schalter für »Visa extensions« befindet sich direkt im Gebäude der Pforte, wo wir übrigens mal wieder Telefon, Kamera und Konsorten abgeben müssen, an der rückwärtigen, zum Hof gerichteten Seite.

Dort drin sitzt ein Drei-Sterne-Bulle mit genau Null Englischkenntnissen, der nach dem Studium unserer Pässe mit dem Telefon eine Englisch sprechende Type in irgendeinem Büro anruft, um sie für uns übersetzen zu lassen. So wie es aussieht, scheint der das immer so zu machen. Die Type erklärt uns jedenfalls, wir könnten die Visa erst in den letzten drei Tagen vor Ablauf verlängern lassen, eine jetzige Bearbeitung sei nicht möglich. Am besten sollten wir in eine andere Stadt fahren. Als wir ihr daraufhin erklären, dass die Visa in fünf Tagen ablaufen und wir nicht wissen, ob wir bis dahin eine andere Stadt mit entsprechender Verlängerungsmöglichkeit erreichen, heißt es, wir könnten nun lediglich die Formulare mitnehmen und dann am Samstag wiederkommen.

Dass das der Treppenwitz des Tages und darüber hinaus nie gehörter Schmarrn ist, wird uns relativ schnell klar. Nirgends, weder in den Reiseführern noch in den Berichten im Internet, haben wir von so einer komischen Regelung gelesen, die sich der Typ am Schalter oder die Type am Telefon wahrscheinlich gerade adhoc ausgedacht hat. Uns scheint es so, als hätten sie nur keine Lust, jetzt um zwölf Uhr mittags unser Anliegen zu bearbeiten und würden uns deshalb mit aberwitzigen Begründungen auf Samstag oder gar ganz andere Städte vertrösten.

Doch was soll’s, wir wollen uns hier ja auch keine Feinde machen und so kaufen wir noch schnell die entsprechenden Formularbögen für 600 Tuman und ziehen unverrichteter Dinge wieder ab. Morgen werden wir es einfach ganz dreist wieder versuchen und uns dabei dumm stellen. Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.

Am Ahmad Abbad Square treffen wir uns wieder mit Saba, Setare und Malika, um zum Tschehel-Sotoun-Palast in der Innenstadt zu fahren. Als wir aber über den Kreisverkehr laufen, entfernen sich die Mädels auf einmal etwas von uns, ohne dass wir den Grund dafür erkennen. Doch der lässt nicht lange auf sich warten: Plötzlich werden wir von zwei Polizisten auf einem Motorrad, der eine davon in Zivil, angehalten und ziemlich fordernd nach unseren Pässen gefragt, die wir heute nur zufällig wegen der Visaverlängerung mit dabei haben. Das Problem ist klar: Wir dürfen nicht mit den Iranerinnen zusammen auf der Straße laufen.

Entsprechend unfreundlich kommen mir die zwei auch im Gegensatz zu sonstigen Kontrollen vor, die sich nicht auf Verstoß gegen unsinnige Sitten, sondern meist eher auf allgemeine Verkehrskontrollen stützten oder einfach nur ein Vorwand waren, um zu fragen, aus welchem Land man komme. Nach einer Diskussion zwischen den – inzwischen zurückgekehrten – Mädels und den beiden Polizisten werden die beiden jedoch auf einmal freundlicher und dampfen schließlich auf dem Motorrad wieder ab. Nochmal gut gegangen. Doch Setares angstvolles Herzklopfen kann man förmlich hören, als sie gleich danach erklärt, dass das jetzt der absolute Ausländerbonus für alle gewesen sei und es sehr viel schlimmer hätte kommen können.

Durch die halbe Stadt und den Imam Square geht es zum Palast. Den Namen Tschehel-Sotoun, der soviel wie »40 Säulen« bedeutet, trägt der Palast aufgrund seiner nur 20 Säulen, die sich zusammen mit dem eigenen Spiegelbild im Brunnen davor auf 40 addieren. Nette Trickserei, um die Säulen zu sparen und trotzdem die damals wichtige Zahl von 40 zu erreichen.

Im Teehaus des Palastgartens bricht gerade eine richtig fette Ösigruppe auf, als wir uns hinsetzen. Da sind wir der Tourihorde also gerade nochmal davon gekommen. Es dauert jedoch nicht lange, bis wir an derselben Stelle Wolfgang treffen, einen pensionierten Wiener, der laut eigener Aussage nun »endlich mal eine zusammenhängende Reise« machen kann und deshalb mit dem Auto in den Iran gefahren ist. Da gibt es natürlich gegenseitig viel zu erzählen, denn er ist der erste selbstfahrende Tourist, mit dem wir hier im Iran sprechen.

So erfahren wir von ihm, dass er überhaupt keine Probleme hatte, sein Visum weit mehr als drei Tage vor Ablauf zu verlängern, dass er aber wegen dem Kennzeichenzettel, den er auch an der Grenze bekommen hat, schon öfters Probleme bekam. Wir führen das aber darauf zurück, dass er diesen bei den Kontrollen immer freiwillig vorgezeigt hat, während wir uns hingegen auf die bisher einzige Frage eines Polizisten nach unseren iranischen Kennzeichen dumm gestellt haben, bis es »Welcome to Iran! Goodbye!« hieß.

Um kurz vor vier setzen wir Saba ab, weil sie jetzt zwei Stunden Englischkurs hat. Mit den anderen beiden und einem Typen, den wir vor Ort treffen, setzen wir uns in deren, wenn ich das richtig verstanden habe, Stammcafé im Stadtviertel Jolfa. Hier wollten wir uns eigentlich vorher noch eine armenische Kirche anschauen, doch die war schon geschlossen, als wir gerade vorbeikamen.

Nach Sabas Englischkurs geht es gemeinsam in einem nahe gelegenen Restaurant essen, woraufhin wir uns aber allesamt verabschieden, weil die drei noch irgendetwas machen wollen, was wir nicht ganz checken. Im Grunde war die Luft jetzt am Nachmittag auch raus. Wir hatten uns nicht mehr viel zu sagen und ohne Saba war die Kommunikation ohnehin streckenweise recht schwierig. Mit ihr letztendlich aber auch.

Dazu kommt, dass das Verständnis über die Rollen von Gastgeber und Gast im Iran komplett anders zu sein scheint, als wir es gewohnt sind. In Deutschland gibt der Gastgeber den Ton an, denkt sich zum Beispiel irgendwas aus, was man machen könnte, fragt dann noch, ob das für den Gast in Ordnung sei – und dann wird das einfach gemacht. Hier hingegen fragt uns jeder »What do you want to do!« oder »What are your plans for today?«. Damit können wir aber recht wenig anfangen, da wir ja meist nichtmal wissen, was für Möglichkeiten es gibt, ganz zu schweigen davon, dass wir einen richtigen Plan für den Tag hätten.

So kommt es, dass sich unsere Gastgeber teils vielleicht als schlechte Gastgeber fühlen, weil wir zu verstehen geben, dass es uns eigentlich egal ist und die Entscheidung ihnen überlassen wollen. Im Grunde müssen die ja besser wissen, was sehens- oder machenswerter ist, und nicht wir. Außerdem brauchen wir eigentlich kein vollkommen eigenes Unterhaltungsprogramm, sondern wollen eher am täglichen Leben der Gastgeber teilnehmen. Das scheint hier aber keiner verstehen zu wollen.

Zumindest heute ist die Luft deshalb also raus und wahrscheinlich sind erst mal alle erleichtert, dass sie wieder alleine ihren Dingen nachgehen können. Robert und ich laufen mal wieder zum Imam Square, heute erstmalig bei Nacht und dann zurück zum Fluss, wo wir noch kurz das Ufer entlang gehen.

Zurück auf unserem »Parkplatz mit Klo« von vorgestern geht Robert sofort ins Bett, während ich noch ein bisschen vor zum Ufer gehe und ewig und drei Tage ein Vogelviech auf der Suche nach Fischen beobachte. Auf dem Rückweg zum Camper werde ich dann noch von vier 25-jährigen Jungs am Lagerfeuer auf Tee, Kokos und sonstwas alles eingeladen, wodurch auch nochmal fast eine Stunde in die Lande zieht, bevor ich schließlich so spät, dass ich nichtmal mehr auf die Uhr schaue, ins Bett komme.

Donnerstag, 15. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Isfahan

Der Wecker geht um halb elf, weil wir heute einfach nochmal dreist bei der Visastelle aufkreuzen und so tun wollen, als wären wir gestern gar nicht da gewesen. Vielleicht sind die Zuständigen heute nicht so faul. Die Begründung mit der Frist war jedenfalls ganz klar eine Ausrede, denn der Wolfgang von gestern hat sein Visum auch weit mehr als drei Tage vor Ablauf hier verlängert.

Nur weil der Wecker geht, heißt das jedoch noch lange nicht, dass der Robby aufsteht, und so bringt es nichts, dass ich ihn um elf Uhr wecke und mitteile, dass er aufstehen soll. Bis jetzt kamen wir, was das Aufstehen angeht, ja super zurecht – im Gegensatz zu Marokko und Tunesien. Wohl vor allem, weil wir uns beide Mühe geben, ich durch meine Berichte um einiges später als sonst ins Bett komme und auch unter anderem deswegen länger schlafe. Dazu kommt, dass wir in diesem Urlaub sowieso nicht stressen und im Gegensatz zu unseren vergangenen Reisen, wo wir bis auf ganz wenige Ausnahmen jeden Tag weitergefahren sind, gefühlte Ewigkeiten am selben Ort verbringen.

Heute jedenfalls verpassen wir durch Roberts Pennen die Öffnungszeiten der Visastelle gänzlich und kommen erst an, als sie schon geschlossen ist. Wäre nicht Donnerstag – was hier so in etwa wie unser Samstag ist – hätte das Büro wohl noch mindestens eine Stunde offen, als wir um viertel vor eins dort ankommen, doch da donnerstags alles früher schließt, haben wir keine Chance. Morgen wird natürlich sowieso zu sein und so ist hiermit erst mal besiegelt, dass wir bis mindestens Samstagmorgen hier bleiben müssen. Soll uns eigentlich recht sein.

Um halb zwei wollen wir dem Italienischkurs von Saba beiwohnen und fahren deshalb zum Bozorgmehr-Institut im Osten der Stadt unter der Qadirbrücke. Diese Brücke und der darüber führende so genannte Highway sind nicht auf unserer von der Touripolizei bekommenen Karte verzeichnet. Wohl aber nicht, weil die Brücke so extrem neu ist, sondern eher, weil die Karte uralt ist. Das Finden dieses Instituts, das letztendlich nichts anderes als ne kleine Uni zu sein scheint, gestaltet sich deshalb etwas schwierig, und wir übersehen sogar Saba, die unten an der Hauptstraße steht, um uns abzufangen.

Irgendwie erreichen wir aber doch unser Ziel und nach Roberts Versuch, beim Parken die Stabilität unseres Camperdachs mit dem Vordach eines Eingangsbereichs zu testen, stehen wir auch vor dem Institut – und kommen nicht rein.

Der Pförtner, hier also eher in Gestalt eines Türstehers, will uns partout nicht in das Gebäude lassen. Mehrere Studenten reden gleichzeitig auf ihn ein, um uns doch noch die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen, doch der Typ lässt einfach nicht locker. Als ich Saba nach seinem Job frage, antwortet sie, dass er der »Protector of the building« sei und er müsse darauf achten, dass auch hier alle Gesetze eingehalten werden. Zwar wissen wir nicht, welches Gesetz uns hier eigentlich das Eintreten verbietet, aber die ganze Diskussion zwischen dem Protector, den Studenten und auch dem Italienischlehrer geht fast eine halbe Stunde.

Der Lehrer kommt auch kurz zu uns raus und ich bin geschockt von seinem schlechten Italienisch. Laut Saba ist er ein Iraner, der eine Zeit lang in Venedig gelebt hat, und ganz offensichtlich hat diese Zeit ganz und gar nicht ausgereicht, um gescheites Italienisch, geschweige denn akzentfrei zu sprechen. Dass jemand, der in jedem zweiten Satz nach Wörtern ringt und diese dann auch noch iranisch ausspricht, Unterricht geben kann, hätten wir uns aber nach unseren Erfahrungen mit dem hiesigen Sprachbildungssystem fast denken können.

Schließlich kommen Saba, Setare und Malika heraus, um uns mitzuteilen, dass es keinen Weg gebe, uns hereinzubringen. Wir fahren deshalb wieder zurück zum Fluss bei der Si-o-se Pol und machen uns zu Fuß auf in Richtung Imam Square, um ein paar weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt abzuhaken. Auf dem Weg kommen wir dabei erst mal an einer Medrese vorbei, also einer Koranschule, die wohl die erste Medrese auf unseren Reisen ist, die wirklich was hermacht. Waren die von uns besuchten Koranschulen in Marokko und Tunesien irgendwelche kleinen Dinger mit einem 10 mal 15 Meter messenden Innenhof und insgesamt eher nicht so großer Natur, so hat dieser Laden hier mit ganz anderen Dimensionen aufzuwarten. Die schöne Kuppel des Doms sowie die zwei Minarette runden die ganze Sache außerdem hervorragend ab.

Am Imam Square besuchen wir die Imam Moschee, eine der größten und schönsten des Irans. Mit dem Innenhof von 68 mal 53 Metern, der genialen Akustik im Gebetssaal – Wissenschaftler haben über 40 Echos gemessen, der Mensch kann dort angeblich bis zu 12 wahrnehmen – und dem imposanten Eingangsportal am Imam Square ist das wohl einer der besuchenswertesten Orte Isfahans. Nicht umsonst wurde über 20 Jahre an dem Schuppen gebaut.

In einer Nebenstraße essen wir eine komische Auberginenpampe mit Ei und sonstwas allem zu Mittag. Allzu appetitlich sieht das halbfeste, gelbe Zeug, welches in riesigen Töpfen von mehr als einem halben Meter Durchmesser zubereitet wird, auf den ersten Blick zwar nicht aus, aber es schmeckt letztendlich eigentlich ziemlich gut und sättigt vor allem. Außer der Pampe und dem üblichen Kebab haben die Läden dieser Straße sowieso nichts anderes.

Weil wir eigentlich nicht richtig wissen, was wir überhaupt machen wollen, beschließen wir, nochmal in das Teehaus mit Terrasse am Imam Square zu gehen, wo wir schon vorgestern waren, auch wenn wir schon von unten sehen, dass wir dort heute kaum alleine sein werden, weil die Hälfte der Terrasse schon mit Touris bevölkert ist.

Als wir die Treppe hochgehen, sind zwei Mädels vor uns und zwei hinter uns, von denen die vorderen fragen: »Ihr seids net zufällig aus Österreich?«. Wir antworten lediglich, dass wir aus Deutschland sind, gehen aber ohne weitere Unterhaltung auf die Terrasse, wo wir uns an unseren Tisch von vorgestern setzen. Die zwei, die hinter uns waren und nichts gesagt haben, gehen ebenfalls raus, setzen sich aber woanders hin.

Lustigerweise bringt der Kellner uns eine Minute später ungefragt eine große Kanne Tee mit vier (!) Gläsern auf dem Tablett, was uns erst mal nicht allzu stutzig macht. Als er kurz darauf aber verwundert sieht, dass wir weiterhin noch zu zweit hocken und die anderen beiden woanders, checkt er, dass wir eigentlich nicht zusammengehören. Keine Ahnung, ob das hier die iranische Verkuppelungstechnik der Teehäuser sein soll, auf jeden Fall bleibt uns nichts anderes übrig, als uns zu den anderen zu setzen.

Die in Österreich aufgewachsene Kurdin Selma sowie Judith aus Wien sind hier auf »Exkursion« mit der Uni in einer 34-köpfigen Gruppe unterwegs, haben sich aber für den Nachmittag abgeseilt, weil sie vom Leben in der Schafsherde schon richtig angenervt sind. Nach einer Stunde Teehaus gehen wir gemeinsam runter zum Fluss und latschen an beiden Ufern etwas entlang, bis wir schließlich an unserem Auto ankommen, mit dem wir dann auch zurück zum Treffpunkt der Gruppe hinter dem Ali Qapu Palast fahren. Dass die zwei das als eine der spannendsten Dinge der Reise betrachten, wirft ein interessantes Licht auf den Unterhaltungswert der zweiwöchigen Iranreise zu Bus.

Was es heißt, an einer Gruppenreise mit fünf verplanten Organisatoren und Aufpassern teilzunehmen, sollten wir dann auch gleich mal kennen lernen. Wie üblich kommen am Treffpunkt einige erst mal zu spät und so wird die Gruppe umso schneller in den 200 Meter weiter stehenden Bus gescheucht. Wir wollen dem Bus mit unserem Karren folgen, um gemeinsam mit der Gruppe Abend zu essen, doch als der Bus über zehn Minuten lang partout nicht losfahren will, obwohl bereits alle drin sind und zwischenzeitlich sogar die Türen zu waren, kommt uns das Ganze schon etwas komisch vor.

Schließlich kommt Selma heraus und erklärt uns, dass das immer so sei. Man könne sich nicht entscheiden, ob man essen oder zurück zum Gasthaus fahren soll, man wisse nicht, welches Restaurant man anfahren würde, und die Organisatoren hätten sowieso seit zwei Wochen diesbezüglich keine Ahnung. Erst mal Treffpunkt ausmachen, dann alle in den Bus verfrachten, schließlich aber nichtmal wissen, wohin es gehen soll und welches Restaurant für soviel Leute geeignet sein könnte. Na prost!

Wir fangen jetzt schon an, etwas angenervt zu sein, und als wir uns nach weiteren zehn Minuten gerade aus dem Staub machen wollen, steigt auf einmal die ganze Gruppe wieder aus dem Bus aus. Es wird doch hier irgendwo gegessen. Nachdem sich einige sehr interessiert das Interieur unseres Campers angesehen haben, latschen wir in der Schafsherde zurück zum Imam Square. Jetzt wissen wir auch, warum die selbst nach zwei Wochen Iran und mehrtägigem Aufenthalt in Tehran nicht allzu geübt im Straße überqueren sind: Bevor die Gruppe die Straße betritt, postiert sich auf beiden Seiten je einer der »Aufpasser« und stoppt den Autofluss so lange, bis alle hinüber sind. Echt köstlich! Grad, dass man nicht noch Hand in Hand wie eine Grundschulklasse in Zweierreihen unterwegs sein muss.

Schließlich schaffen wir es also doch, mit der ganzen Truppe in einem ziemlich großen Restaurant etwas zwischen die Zähne zu kriegen. Warum erst eine Karte rumging, dann aber doch einfach generische Essensteller auf die Tische kommen, ist keinem so recht klar, aber uns soll es recht sein. Die anderen scheinen an solche verplanten Aktionen schon total gewöhnt zu sein.

In unserem Tischumfeld sitzen wieder Selma und Judith sowie noch vier andere, darunter auch eine ältere Dame, die ebenfalls, genau wie noch weitere drei oder vier Ältere in der Gruppe, auch irgendwas an der Uni studiert und deswegen auf dieser »Exkursion« am Start ist. Am interessantesten ist aber Maria, eine 22-jährige Slowakin, die bereits verheiratet ist und – wie sie mir erst später auf dem Weg zum Bus sagt – sogar schon ein fast zweijähriges Kind hat. Hut ab und weiter so!

Um kurz nach elf wird die Schafsherde, die morgen nach Tehran zurückfahren und übermorgen weiter nach Wien fliegen wird, aus dem Lokal getrieben und wir schaffen es nichtmal, unseren Anteil zu bezahlen, weil der Kassier erst mal überhaupt nicht versteht, was wir wollen. Als ich ihm dann noch sage, dass wir nichts gesondert bestellt haben, werde ich mit einem »No problem!« weggeschickt. Da haben wir uns also unerwarteterweise bestens durchschmarotzt.

Am Bus verabschieden wir uns von der Truppe und bekommen dabei gleichzeitig noch weiteren Einblick in das völlig löchrige Iranbild nach zweiwöchiger Iranrundreise: Die Mädels meinen allen Ernstes, sie könnten uns nichtmal die Hand geben! Wenigstens reicht die Tatsache, dass das und auch mehr bis jetzt jedes iranische Mädel mit uns problemlos gemacht hat, zur Überzeugung des Gegenteils, auch wenn vier Meter weiter ein Soldat den Tschehel-Sotoun-Palast bewacht.

Ich glaub, wir müssten denen mal ein paar Telefonnummern geben, damit sie mit richtigen Iranern im privaten sprechen und nicht nur in gekünstelten Frage-Antwort-Stunden mit ausgewählten Leuten an der Tehraner Uni. Trotzdem war es natürlich ein netter Abend mit der lustigen Truppe und wir wissen jetzt wieder umso mehr unsere Individualreise zu zweit zu genießen. Das machen wir gleich mal, indem wir, wie immer, an der Si-o-se pol parken und am Ufer entlang laufen.

Freitag, 16. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Isfahan

Roberts zweiter Gastbeitrag

Als ich gegen 14 Uhr aufstehe, ist Daniel schon 4 Stunden auf den Beinen. Um unser Auto herum hat sich ein Haufen, bestehend aus weiteren Autos und Teppichen mit picknickenden Menschen, gebildet. An Wegfahren ist gar nicht zu denken, und Daniel hat sich die letzten 4 Stunden mit den ganzen Leuten hier unterhalten.

Nachdem ich geduscht habe, gehe ich zu Daniel, der mit 4 jungen Männern wenige Meter von unserem Auto auf dem Boden sitzt. Die Jungs sind aus Shiraz und Yazd und machen eine Art Rundfahrt im Iran, jedenfalls wollen sie in den nächsten Tagen noch nach Rasht und Mashad. Sie sprechen zwar nur wenig Englisch, wir können uns aber recht gut mit ihnen unterhalten. Sie laden uns schließlich auch zum Essen ein, es gibt Reis mit Gemüse und Salat; zwischen den ganzen Autos selbstverständlich. Sie lassen sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als das direkt neben dem Teppich parkende Auto losfährt und beim Ausparken erst mal über ihre Schuhe und den Teppich fährt. Daniel lobt gerade noch die Ausparkkünste der Iraner, da rammt das Auto gleich noch ein anderes. Nach dem Essen rauchen wir noch eine Wasserpfeife, bevor die Jungs einpacken, um weiterzufahren. Wir demontieren währenddessen unseren Wassertank, da dieser leckt.

Da für uns immer noch nicht ans Ausparken zu denken ist, beschließen wir, mit dem Taxi in die Innenstadt zu fahren. Auf dem Besichtigungsplan fehlt nur noch die Jameh Moschee, alles andere in Isfahan haben wir bereits mehr oder weniger erledigt.

Die Jameh Moschee ist die größte im ganzen Iran und auch eine der ältesten. Teile des Gebäudes sind über 900 Jahre alt und stehen trotz mehrerer Erdbeben immer noch. Die Liwans rund um den Innenhof sind auch ziemlich imposant, der Rest ist jedoch eher schmucklos, da waren die anderen Moscheen in Isfahan schon etwas schöner. Jedenfalls können wir nicht nachvollziehen, warum beide Reiseführer schreiben, für die Besichtigung der Jameh Moschee bräuchte man viele Stunden. Wir haben nur eine Stunde gebraucht, aber vielleicht haben wir ja was Wichtiges übersehen...

Von der Moschee aus laufen wir durch den Bazar Richtung Imam Square. Der Bazar ist jedoch geschlossen, da Freitag ist. Drinnen schaut es aus wie in einer Geisterstadt oder in einem schlecht animierten Egoshooter, da wirklich kein Geschäft geöffnet ist, nichtmal die touristischen Teppichläden. Dafür fährt das ein oder andere Auto durch.

Am Imam Square angekommen beschließen wir, nochmals in das altbekannte Teehaus auf dem Dach des Bazars zu gehen. Dort sitzen wie üblich lauter alte bis sehr alte Touristengruppen. Ein Middle-East-Lonely-Planet zieht jedoch meine Aufmerksamkeit auf sich, und ich frage deren Besitzer, ob ich einen Blick hineinwerfen könnte; mich interessiert, was der Lonely Planet über den Irak zu erzählen hat: nicht viel, und das, was drinsteht, ist veraltet. Also ein eher geringer Informationsgewinn. Dafür komme ich mit den Besitzern des Buches ins Gespräch, zwei Mädchen aus England und ein Kerl aus Australien, der jedoch nicht sehr gesprächig ist. Die Mädchen machen eine zweiwöchige Backpacktour durch den Iran und sind darüber verwundert, wie ich es im Urlaub schaffe, mit einem weißen Hemd herumzulaufen, ohne Dreck einzufangen. Sie selbst können nicht so viele Klamotten mit sich herumschleppen, da sie alles im Rucksack haben.

Nach dem Teehausbesuch laufen wir noch über den Imam-Square, der schon voll von Menschen ist, bis wir vor der Imam-Moschee mehr oder weniger stecken bleiben, da wir pausenlos von Leuten angesprochen werden. Ich rede mit einem 22 jährigen Jungen, der sehr gut deutsch spricht, obwohl er, wie er sagt, alles nur aus Büchern gelernt hat und nie einen Kurs oder so besucht hat. Er ist sehr interessiert an Deutschland und wie man an Visa kommt etc. Mit dabei ist sein taubstummer Onkel, der per Gebärdensprache auch die eine oder andere Frage an uns stellt.

Daniel redet unterdessen mit verschiedenen Leuten, darunter eine Gruppe von 6 Mädchen, davon 2 aus Tehran, die sogar zweimal vorbeikommen. Außerdem kommt er mit einem streng gläubigen Moslem ins Gespräch, der sich zwar für die Verschleierung der Frauen einsetzt, jedoch mit der Regierung Ahmedinedschads eher weniger zufrieden ist, da dieser seiner Meinung nach eine verfehlte Wirtschaftspolitik verfolgt. Außerdem gibt er Daniel Tipps, welche der 6 Mädchen er flachlegen solle. Auf die Nachfrage, ob er als Moslem so etwas überhaupt dürfe, antwortet er, daß er sehr wohl solche Tipps an Nichtmoslems geben darf, aber selber etwas mit den Mädchen anzufangen sei ihm verboten.

Weiterhin kommen ein paar Jugendliche vorbei, die, nachdem Daniel sie auf Farsi begrüßt hat, wieder abziehen und dabei sagen, daß sie eigentlich ihr Englisch ausprobieren wollten und dafür wohl den falschen Touristen erwischt haben.

Und der Journalist, den wir 2 Tage zuvor im Teehaus unter der Si-o-se-Brücke getroffen haben, kommt auch zweimal vorbei. Im Schlepptau hat er einen Italiener, dem wir schon in Tehran über den Weg gelaufen sind, wo er ein Internetcafe gesucht hat und wir ihm einen Tipp gaben.

Irgendwann schaffen wir es dann, alle unsere Gesprächspartner loszuwerden, damit wir endlich essen gehen können. Wir gehen in ein Restaurant nicht weit vom Imam Square, um danach wieder dorthin zurückzukehren. Dort gibt es dann als Nachtisch Eis für den Daniel und Faludeh für mich.

Der Imam Square ist in der Zwischenzeit noch voller geworden, lauter Familien benutzen den Freitag für ein Picknick auf den grünen Flächen. Überall springen Kinder herum, Jugendliche rauchen Wasserpfeife, und dazwischen fahren ein paar Leute Fahrrad und Motorrad.

Etwas später spricht Daniel einen Menschen an, der mit einer etwas komischen Kamera hantiert. Es handelt sich um einen halb irischen Italiener namens Marcello, der mit Kameras aus den 50ern photographiert, da diese seiner Meinung nach dank des größeren Films bessere Bilder machen. Er muß dafür jedoch alle Filme für seinen Urlaub selbst mitbringen, da diese nicht leicht zu bekommen sind, und außerdem kostet ihn jedes Bild circa einen Euro. Wir kommen auch noch mit 4 Englischlehrern ins Gespräch, die zuvor schon mit Marcello geredet hatten. Es entwickelt sich eine interessante Diskussion über Politik und die Frage, ob CIA und der iranische Geheimdienst auch heutzutage noch Leute verschwinden lassen. Nachdem die Englischlehrer nach Hause gegangen sind, reden wir noch etwas mit Marcello. Er ist allein im Iran unterwegs, da seine Freundin nach dem gemeinsamen Urlaub in Äthiopien keine Lust mehr auf Reisen hat. Und er ist relativ gehetzt unterwegs, da er nur 2 Wochen Zeit hat.

Während wir reden, leert sich der Imam Square langsam. Am Schluß sind nur noch ein paar Gärtner auf dem Rasen, die diesen gießen. Erstaunlich, wie wenig Müll so viele Iraner hinterlassen. In jedem europäischen Land wäre nach einer so großen Ansammlung von Leuten ein Riesenhaufen Müll übrig geblieben.

Schließlich laufen wir wieder vor zum Fluß. Wir wollen eigentlich ein Taxi zurück zu unserem Auto nehmen, da das doch ein Stück weit weg steht. Jedoch kommen keine Paykan-Taxen mehr vorbei, doch nach ein paar Minuten halten zwei Jungs an und nehmen uns freundlicherweise mit, da sie in dieselbe Richtung müssen.

12. Mai 200817. Mai 2008

Aktuelles ...

Aktuelles

Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.