Routenplanung in Dohuk, Irak (13.06.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
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Sonntag, 11. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Kashan, Abyaneh, Natanz

Da Robert in seinem gestrigen Bericht erwartungsgemäß mit einem schönen Mist den Beitrag abgerundet hat und ich nichtmal seine alte Rechtschreibung verbessern darf, nehme ich heute das Heft wieder in die Hand. Siebeck’sche Literatur in Orthografie von Großmutters Zeiten gibt’s also erst in vielleicht einer Woche wieder.

Bei ziemlicher Hitze stehen wir heute auf und gönnen uns erst mal je eine Dusche. Der Wassertank auf dem Dach reicht bei sparsamer Verwendung für vier Duschvorgänge, wovon wir schon zwei an unserem vorletzten Morgen in Tehran verbraucht haben. Durch unsere Dusche sind wir im Grunde voll autonom und müssen nur ab und zu mal Wasser tanken. Als Toilette dienen eh fast immer öffentliche Klos oder die offene Landschaft.

Bisher waren wir auf dieser Reise sogar nur zweimal auf einem Campingplatz, nämlich in Ankara und südlich von Trabzon in Maçka. Kein Vergleich zu unserer Marokkoreise, wo wir im Grunde nur drei oder vier Nächte nicht (!) auf einem Campingplatz waren. Und selbst für unsere Tunesienreise ist es noch viel, denn da haben wir auch etwa jeden dritten Tag einen solchen Platz aufgesucht. Hier bleibt uns natürlich aber gar nichts anderes übrig, denn bis auf Isfahan und zwei oder drei Orte am Kaspischen Meer, an denen wir jedoch nicht vorbeigekommen sind, wüssten wir nicht, welche weitere Stadt mit Campingplätzen aufwarten kann. Bei Isfahan sind wir uns darüber hinaus nicht mal sicher.

Unsere Besichtigung beginnen wir mit dem Besuch zweier historischer Häuser in der Alavistraße. Die riesigen Residenzen haben meist eine Hand voll Höfe inklusive vieler Brunnen, sind mehrstöckig gebaut und beim Durchlaufen der vielen Räume, Höfe, Treppen und Sackgassen erinnern sie eher an ein Labyrinth. Von der Straße aus sind diese fetten Hütten aber überhaupt nicht als solche zu erkennen, da sie ihre Pracht allein nach innen entfalten und nach außen nichts als Mauern und vielleicht ein paar Windtürme zeigen. Letztere sind Türme, die so konstruiert sind, dass sie oben den Wind »einfangen« und zur Kühlung in das Innere des Hauses leiten, oft über mehrere Stockwerke verteilt.

Zum Mittagessen betreten wir ein Restaurant in derselben Straße und finden uns alsbald zusammen mit vier Tehranern am Tisch wieder. Schon beim Betreten war klar, dass dies Touris sind, denn hier in Kashan laufen alle Frauen, wenn auch nicht immer im Chador wie in Qom, komplett in schwarz rum. Die zwei Mädels am Tisch jedoch tragen farbige Kopftücher und vermitteln für unseren inzwischen geübten Blick ein Tehraner Gefühl.

Der 31-jährige Ali ist der einzige, der einigermaßen Englisch sprechen kann, seine Tante dürfte gar nichts verstehen und die beiden Ischen können offensichtlich einiges verstehen, tun sich aber aktiv doch sehr schwer, weit schwerer, als wir es von Tehran gewohnt sind. Die eine ist die Schwester vom Ali, sie sind 23 und 27 Jahre alt und heißen beide Maria. Soviel dazu.

Nach dem Essen wollen wir gemeinsam unsere Besichtigung fortführen, doch das nächste Ziel der Tehraner ist Qamsar. Nachdem wir ihrem Auto für einige Kilometer folgen und mal wieder feststellen, dass wir die Armen nur ausbremsen und wir eigentlich sowieso nicht nach Qamsar wollen, verabschieden wir uns von ihnen und drehen wieder um in Richtung Kashan.

In der Nähe der Stadt besichtigen wir den Garten Fin, sozusagen einen Innenhof von einem kleinen Palast, der mit seinen Wegen und Wasserläufen ganz nett angelegt ist, jedoch nicht mit irgendetwas Besonderem aufzuwarten hat. Letztendlich ist es hier eher interessant, das Treiben einer Schulklasse und von Touris zu beobachten, die allesamt in großer Zahl anwesend sind. Nicht weit von hier besichtigen wir auch so genannte Ausgrabungen namens Tepe Sialk, welche uns jedoch nicht gerade vom Hocker hauen. Den beiden Vorderasiatische-Archäologie-Studentinnen aus meinem Arabischkurs würde hier wahrscheinlich das Herz aufgehen, doch wir können mit ein paar löchrigen Hügeln leider recht wenig anfangen. Gut, dass es nichtmal Eintritt kostet.

Das mit dem Eintritt ist aber eh so eine Geschichte. Die heutigen Eintritte waren alle billiger, als uns der Lonely Planet erwarten ließ. In den Häusern zahlten wir anstatt 1.000 Tuman lediglich jeweils 300 und auch der Garten Fin war mit jeweils 500 Tuman ein Schnäppchen. Führt man sich vor Augen, dass das Eintrittspreise um die zwanzig Eurocent sind, erscheint das Ganze nahezu lächerlich. Da frage ich mich wie schon bei den Stätten in Syrien oder zum Beispiel hier bei der Autobahn, ob sich der Aufwand des Geldeintreibens überhaupt lohnen kann. Und warum die Preise sogar billiger geworden sind, statt angesichts der ständigen Inflation teurer zu werden, steht in den Sternen.

Der Tag ist inzwischen schon recht weit fortgeschritten und so stehen wir vor der Entscheidung, wie wir weiter verfahren sollen. In Kashan gäbe es noch die eine oder andere Kleinigkeit zu besichtigen und eigentlich könnte man sich auch nochmal mit der Feri treffen, da sie eh schon die eine oder andere deutliche SMS schrieb, aber wir fahren letztendlich weiter. Unser nächstes Ziel ist ein angeblich malerisches Bergdorf namens Abyaneh etwa fünfzig Kilometer südlich von Kashan, das so ungefähr jeder Iraner zu kennen und toll zu finden scheint.

Auf dem Weg dorthin sehen wir auf einmal einen Flakgeschützposten unweit vom Straßenrand stehen. Mit etwas Verwunderung schauen wir uns um, sehen aber erst mal nix Besonderes. Doch dann tauchen in der Ebene immer mehr Luftabwehrstellungen auf. Manche davon auf dem flachen Geröllboden, die meisten jedoch etwas erhöht auf aufgeschütteten Hügeln. Dazu gehören in allen Fällen auch eine kleine Militärbaracke und viele gelangweilte Soldaten. Nachdem wir schon über ein Dutzend solcher Stellungen erspäht haben, kommen wir schließlich an einem großen gesicherten Komplex vorbei, den die vielen kilometerweit verstreuten Posten offensichtlich gegen Luftangriffe schützen sollen.

Im Lonely Planet lesen wir später: »Be sure not to loiter too long around the military facility you’ll see about halfway there. It’s apparently part of Iran’s nuclear program and foreign visitors are not welcome.« Wenn hier wirklich die Bombe gebaut wird, frage ich mich, was diese Flaks und Geschütze, die irgendwie aussehen wie aus dem zweiten Weltkrieg, gegen einen amerikanischen Hightechvogel ausrichten sollen. Wer weiß, vielleicht werden wir es irgendwann sehen.

Als wir in Abyaneh ankommen, macht sich jedoch erst mal eine Art Ernüchterung breit. Im Vergleich zum trubeligen Kashan ist hier absolut gar nichts los, grad dass vielleicht zwei Katzen auf der Straße rumlaufen. Und das Dorf selbst ist halt eine Ansammlung von Lehmhütten, die sich den Hang hinauf schmiegen, also im Grunde wirklich nichts Besonderes. Die Iraner finden das vielleicht cool, weil hier erstens ein vollständig eigener Dialekt gesprochen wird und weil im Iran diese Art von Bauten oder gar Dörfern auch nicht üblich zu sein scheint. Uns erinnert das Ganze jedoch an unzählige Plätze in Tunesien und vor allem Marokko, wo beispielsweise Ait Benhaddou etwas nördlich von Quarzazate ganz gut zum Vergleich herhalten kann.

Es ist bereits acht Uhr, doch da wir uns hier also nicht allzu wohl fühlen, fahren wir wieder runter zur Hauptstraße, der wir weiter in südlicher Richtung bis zur Stadt Natanz folgen. Die ist jedoch ebenfalls absolut zu vergessen. Auf der Landkarte mit derselben Größenkategorie wie Kashan eingezeichnet, scheint dieser Laden nicht mehr zu bieten als eine etwas mickrige Hauptstraße, die angeblich das Stadtzentrum darstellen soll, sowie eine ziemlich tote Hose auf den Straßen. Der geplante Restauranthalt fällt daher ins Wasser und wir wollen in Richtung Isfahan weiterfahren, um einen Schlafplatz zu finden und dort zu kochen.

Isfahan werden wir morgen erreichen, und ich muss sagen, dass ich mich da schon ziemlich drauf freue. Die Vorstellung, dass es ein zweites Tehran wird, ist wohl eher falsch, aber neben der Hauptstadt sollen Isfahan und Shiraz die liberalsten und modernsten Städte im Iran sein. Es ist zwar auch unwahrscheinlich, dass wir dort unsere nächste astreine, westliche Party mit Alk, Ischen und allem Drum und Dran feiern werden, doch irgendetwas in dieser Richtung wäre zumindest schon nicht schlecht.

Die beiden von gestern, Feri und Akram, sind übrigens auch aus Isfahan und letztendlich hat man ihnen das auch angemerkt. Eine Kashanerin hätte wohl nicht einfach mal so dermaßen fröhlich »Hi« gesagt und dazu auf diese Weise gegrinst, wenn sie mit uns das historische Hamam betreten hätte. Zwar waren beide im Kashaner Stil komplett in Schwarz gekleidet, aber die Feri hätte mit der Hijabposition auch bestens nach Tehran gepasst.

Wirklich besonders war in Kashan aber die überwältigende Anzahl an Leuten, die uns gegrüßt oder richtig angesprochen haben. Wir sind daran gewöhnt, alle hundert Meter angelabert zu werden, aber eine derartige Anlaberdichte wie in Kashan haben wir vielleicht sogar noch nie erlebt. Wahrscheinlich rührt dies daher, dass hier genau der richtige Mix aus Touristen da ist: Von iranischer Seite viele liberale Tehranis und Isfahanis, von ausländischer Seite zwar immerhin so viele, dass Touristen nicht als böses, unbekanntes und fremdes Etwas gesehen werden, aber immerhin doch so wenige, dass sie noch etwas Besonderes sind und nicht zum normalen Stadtbild dazugehören.

Tolle Stadt eigentlich. Schade, dass wir weg sind.

Viel früher als erwartet, schon am südlichen Ortsausgang von Natanz, finden wir ein nettes Plätzchen neben einem Friedhof und einer Institution, auf deren Torschild ich lediglich »Allah« als mir bekanntes Wort identifiziere. Hier machen wir es uns im Camper gemütlich und nach einer guten Runde Spaghetti sowie ausgiebigem Lesen (Robert) und Schreiben (ich) packen wir es heute mal etwas früher als üblich in die Heia.

Das Schreiben entartet übrigens eher in Korrigieren, denn da ich mir heute zum ersten Mal alte Berichte von vergangenen Tagen durchgelesen habe und über die horrende Fehlerquote erschrocken bin, will ich zumindest die gravierendsten Fehler ausbessern. Bringt natürlich demjenigen, der die Berichte schon gelesen hat, nicht allzu viel, ist aber wohl besser als gar nichts. Vielleicht sollte ich mir mal angewöhnen, die Berichte nach dem Schreiben nochmal durchzulesen, doch meist habe ich dazu überhaupt keine Lust, da es eh oft schon sehr spät ist und ich eigentlich pennen will. Auf dem kleinen Bildschirm ist es auch nicht allzu komfortabel und diese miese Tastatur, die ungefähr jeden fünften meiner Anschläge überhaupt nicht erkennt, fördert die Fehlerquote zudem auch immens.

Wie auch immer, eine richtige und vollständige Korrektur gibt es erst, wenn wir zurück in Deutschland sind. Bis dahin darf sich jeder über meine Fehler aufregen.

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Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.