Marrakesh, Marokko (05.09.2006)
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was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Freitag, 9. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Tehran

Wie gestern suchen wir nach dem Aufstehen erst einmal etwas zu essen. Heute lassen wir uns jedoch gar nicht erst auf sinnlose Touren durch das nördliche Tehran ein, sondern fahren direkt in die Gegend des Bazars zum Park-e Shahr, nahe dem Imam Khomeini Square. Es ist lustig, dass der Park-e Shahr unser erster und wohl auch letzter Anlaufpunkt in Tehran ist. Vor elf Tagen waren wir hier und wussten nichts über diese Stadt, waren gespannt auf das, was wir erleben würden, und dachten eigentlich, dass wir nur drei oder maximal vier Tage bleiben würden. Knapp zwei Wochen sind nun aber vergangen und wir sind immer noch hier, wieder am Park-e Shahr und wieder im selben Lokal, wo ich damals mein Abgousht gegessen habe, das mir eher weniger bekommen ist.

Unsere Girly-Shopping-Tour, aus der wir mit einem Parfum, einem Ring und einer Merci-Tafel herausgekommen sind, ist Allah sei Dank vorbei. Diese drei Geschenke mussten wir gerade kaufen, einmal ein Präsent für die Manoosh, ebenfalls eines für ihre Mutter und dann noch ein Geburtstagsgeschenk für das Mädel, auf dessen Party wir heute Abend eingeladen sind. Sie ist eine Freundin von Manoosh aus dem Englischkurs und ihre Feier ist letztendlich der wahre Grund, warum wir noch hier sind.

So gehen wir nun also, genau wie vor inzwischen vielen Tagen, durch den Park und warten, bis wir uns um sechs Uhr in Richtung Nordteheran aufmachen können, wo das Geburtstagskind Sarah wohnt. Auf dem Weg dorthin sind die Momente im Vollstau mal wieder die besten, denn da kommen wir immer in Kontakt mit unseren Staunachbarn, denen unser Auto natürlich schon auf ewige Entfernung auffällt, nicht nur weil es kurios ist, sondern auch weil in Tehran eigentlich so gut wie kein Auto mit über zwei Meter Höhe rumfährt. Vans, Transporter und ähnliches? – Fehlanzeige! So spricht uns neben einigen anderen ein Mädel aus einem Nachbarauto sogar überraschenderweise in perfektem Deutsch an, weil sie schon seit ihrem fünften Lebensjahr in Deutschland lebt.

Ansonsten belaufen sich die meisten »Gespräche«, manchmal sogar in voller Fahrt, auf das übliche »Welcome to my country!« und »Where are you from?«, oft auch in der Version »Kodja-i?« oder »As kodja?«. Mit dem »D« auf dem Nummernschild kann hier nämlich so gut wie niemand etwas anfangen, ja nichtmal mit der europäischen Flagge. Es kommt aber sogar vor, dass uns jemand zum Beweis der iranischen Gastfreundschaft irgendetwas überreicht, wie gestern zum Beispiel ein Typ im Auto neben uns auf der Azadistraße, der uns gleich mal ein Brot geschenkt hat. Dass wir hingegen immer und überall angehupt werden und man uns aus anderen Autos heraus winkt, hat ehrlich gesagt inzwischen überhaupt keinen großen Unterhaltungswert mehr. Je nachdem, wer es ist, hupen oder winken wir meist relativ lustlos zurück.

Nahe dem Tajrish Square treffen wir schließlich wieder Manoosh mit einem ihrer Freunde und folgen seinem Auto bis zur Partylocation. Sarah wohnt aus meiner Sicht in einem solchen Luxusschuppen, dass es nicht mehr feierlich ist. Schon von außen ist das Gebäude imposant und die virtuellen Dollarscheine flackern beim Betrachten in den Augen auf, und auch im Inneren ist es keineswegs schlechter bestellt. Allein das Wohnzimmer des Appartements im dritten Stock ist wahrscheinlich so groß wie unsere ganze Wohnung mit allem Drum und Dran.

Die rein moderne und meist westliche Musik ist so laut, dass wir sie schon vom Fahrstuhl aus hören, und nicht umsonst hat sich vor unserer Ankunft auch schon ein Nachbar über die Lautstärke beschwert. Da fühlt man sich ja fast wie in der spießigen Heimat. Beim Aussteigen aus dem Fahrstuhl trauen wir erst mal unseren Augen nicht, denn an der Wohnungstür begrüßt uns eine vollkommen aufgemotzte Sarah, mit der wir so (!) in diesem Moment wohl nicht gerechnet hätten. Auch die anderen bis jetzt anwesenden Ischen sind offenbar aus irgendeinem Traum entsprungen, denn so wie die hier rumlaufen, haben wir wohl zuletzt nur Münchner Mädels gesehen.

Würde man jemand aus Deutschland direkt von zu Hause aus per Teletransport hierhin beamen und ihm sagen, das sei Tehran, Hauptstadt der Islamischen Republik Iran, würde er wahrscheinlich lediglich einen Vogel zeigen und einen für verrückt erklären. Neben den Mädels, die hier eben genauso aufgestylt rumlaufen wie auf jeder deutschen Party, läuft auch noch fast dieselbe Partymucke. Abgesehen von sehr heimischen Interpreten wie Dj Ötzi und Groove Coverage läuft auch sonst nur westliche Musik mit dazwischen sehr westlich anmutenden Persischen Songs. Aber das Wichtigste, nach all dem bisher Gesagten jedoch wohl weniger Verblüffende: Es gibt – wohlgemerkt aus der Plastikfalsche der Wassermarke Damavand – genügend Alkohol!

Welcome to Tehran!!!

Die Zeit vergeht für mich – vorwiegend mit einer 22-jährigen Tehranerin namens Sheila – irgendwie wie im Flug, denn leider geht es um kurz nach halb eins schon auf den Zapfenstreich der Veranstaltung zu. Etwas überrascht bin ich schon, dass es jetzt bereits ans Verabschieden geht, doch vor allem Manoosh drängt darauf, dass wir jetzt gehen, da ihr Vater sie sonst killen wird. Pfft, dabei fahren wir ja nichtmal im selben Auto heim, und die Gastgeberin hat ausdrücklich gesagt, dass wir noch bleiben können. Aber mei.

Abgesehen davon: wir fahren überhaupt nicht heim. Wer soll denn bitte noch fahren können? Im Camper kopieren wir schnell gegenseitig unsere Bilder und verabschieden uns für vielleicht immer von Manoosh – inshallah. Robert geht sofort pennen, aber ich habe irgendwie keine große Lust darauf.

Dass ich mal betrunken nachts in Tehran am Straßenrand sitzen und meinen Bericht tippen würde, hätte ich mir aber auch nicht träumen lassen. Etwas später kommen noch zwei Jungs in nem Bonzenkarren, die auch im selben Haus wohnen, vorbei und fragen mich erst mal die üblichen Dinge. Da keiner von uns etwas Besseres zu tun hat, steige ich bei denen ein und wir touren noch ein bisschen durchs nächtliche Tehran. Den Alk hat der eine übrigens schon auf drei Meilen Entfernung gerochen und sich deshalb gleich mehrfach selbst gelobt, als ich ihm bestätigte, dass er Recht hatte.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.