Si-o-se Pol in Isfahan, Iran (14.05.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
4. Mai 20086. Mai 2008

Montag, 5. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Insel Kish

Damit wir gegebenenfalls eine Änderung des Visums oder gar ein ganz neues Visum beantragen können, stehen wir so auf, dass wir um halb zwölf das Hotel verlassen. Wir wissen zwar weder, wo das entsprechende Büro ist, noch haben wir Ahnung von den Öffnungszeiten, doch irgendwie werden wir schon hinkommen.

Entgegen meinen Erwartungen weiß doch nicht jeder Taxifahrer den Weg zu zeigen, wenn man einfach nach »Visa« fragt, so kriegen wir erst in einem Reisebüro eine gescheite Auskunft, die den Laden übrigens mit »Iranian embassy« beschreibt. Das hier ist (!) der Iran, nix embassy! Im zuständigen Büro erzählt uns der Typ dann leider, dass eine Änderung der Einreiseanzahl nicht mehr möglich sei. Ohnehin bekämen nur wenige Geschäftsreisende Mehrfacheinreise, bei Touristen werde hingegen lediglich einmalige Einreise vergeben. Für 60 oder 85 Euro, ganz klar ist das nicht, könnten wir jedoch einfach ein neues Visum beantragen und mit diesem von Dubai aus wieder einreisen.

Da uns die Aktion höchstens 20 Euro pro Kopf wert ist, nämlich genau den Differenzbetrag zwischen den beiden Visaarten, bedanken wir uns und machen wieder einen Abgang. Wäre zwar nett gewesen, zwei Tage in Dubai zu verbringen, aber letztendlich geht unsere Überhangwoche sowieso für die nicht geplante Zeit in Tehran und Kish drauf. Also ist es, was die Zeit angeht, wahrscheinlich sogar besser, dass wir nicht raus können.

Auf der Rückseite des Gebäudes versuchen wir im Immigration Office das Visum zu verlängern. Der Typ von oben hat uns jedenfalls sehr bestimmt hierhin geschickt und mir schien, dass er wusste, was er tat. In diesem Büro hat der zuständige Typ in Polizeiuniform jedoch Null Ahnung von dem, was wir wollen. Er benimmt sich original so, als hätte er in seinen Jahren als hiesiger Zuständiger überhaupt noch nie so eine Anfrage bekommen. Das kann ich mir aber sogar fast vorstellen, denn in diesem und im Nebenraum wimmelt es nur so von Philippinos, Indern und Pakistanis, deren Anliegen sicherlich nicht eine Visumsverlängerung ist. Unverrichteter Dinge ziehen wir also wieder ab und packen es zum Strand.

Der Strand und das Wasser sind wunderschön, fast wie auf einer Postkarte von der Karibik. Der helle Sand sieht zwar nicht so unberührt aus, viele Leute sind aber trotzdem nicht hier. Ganz im Gegenteil, alle zwanzig Meter liegen vielleicht mal zwei Handtücher rum und entsprechend wenige Leute sind zu erblicken. Das Wasser ist traumhaft klar und dermaßen pisswarm, dass das Hineingehen keine allzu große Abkühlung mit sich bringt. Die Temperaturen draußen sind dafür umso härter, die 40 Grad zur Mittagszeit sind nicht gerade das Komfortabelste.

Dazu muss man jedoch sagen, dass nur die Deutschen so dumm sind, sich um die Mittagszeit an den Strand zu begeben. Mag das irgendwo in Rimini oder an der Costa del Sol aber gerade nochmal gut gehen, kennt die Sonne auf dem 26. Breitengrad keine Gnade mehr. Wir werden geröstet und kassieren einen schönen Sonnenbrand. Robert macht sich zwar erst noch über meine roten Hautstellen lustig, am Abend wird er aber derjenige sein, dem es schlechter geht, da er mit gegrillten Waden und Knien nicht gescheit in Jeans laufen kann und auch sonst der Verbranntere zu sein scheint. Bei mir ist hingegen mal wieder der Rücken dran, weil ich zu lange an meiner Sandburg gebaut und an einem fetten Loch gegraben habe.

Im Wasser treffe ich einen – nach eigener Definition – Deuraner, der bestens Deutsch spricht, weil er schon lange Zeit in Deutschland lebt. Morgen wird er nach Tehran zurückfliegen, weil seine Exfrau zu Besuch kommen wird, aber vielleicht kommt er mit ihr nochmal her. Wie so oft in diesen Tagen kommt die Diskussion wieder auf Religion, Mullahs und Konsorten. Interessanterweise ist er aber jemand, der seine Landsleute permanent zum Nachdenken anregen und, sag ich jetzt mal, aufklären will. Zusammengefasst ist seine Aussage ungefähr die, dass jeder das glauben soll, was er will, es aber als Privatsache behandeln soll. Es sei außerdem zu bedenken, dass die größten Religionen auch den größten Dreck am Stecken haben.

Nachdem zwischen drei und vier – offensichtlich zu spät – alle Brandmelder läuten, verziehen wir uns für den Rest des Nachmittags in den Schatten. Der Kiosk mit seinen Stühlen und Tischen direkt am Strand, an dem wir ja auch schon gestern Abend saßen, scheint langsam unsere kleine Heimat auf der Insel zu werden. Obwohl es natürlich interessanter ist, ständig Kopftuch zupfende Ischen zu beobachten, entdecken wir am Strand auch wieder Matthias und Sanaz, die beiden von gestern Abend. Die Sonne verschwindet gegen Abend hinter einem trüben Himmel, der zunehmend nach Gewitter ausschaut. Das heißt, wir können uns wieder von den Schatten spendenden Bäumen und Schirmen des Kiosks weg trauen. Der Temperatur tut das sowieso kein bisschen was und so bleiben wir mit den beiden noch bis halb acht am Strand.

Anstatt ins Hotel zurückzukehren, gehen wir direkt mit unseren Badesachen zum Essen. In Tüten, versteht sich, denn in Badehose kann man natürlich auch hier nicht rumlaufen. Ich glaube, man gewöhnt sich aber recht schnell daran, sich mehrfach am Tag umzuziehen und den ganzen Tag die Badezeugtüte mitzuschleppen.

Wir entdecken ein Restaurant, sowieso scheinbar das einzige weit und breit, welches nur indisches, pakistanisches, arabisches und philippinisches Essen anbietet. Entsprechend muss man sich auch die Kundschaft vorstellen, die ausschließlich aus Philipinos und Indern zu bestehen scheint. Alle Leute hier sind Gastarbeiter aus Dubai, die ausreisen müssen, um ein neues Visum zu besorgen, oder aber Emigranten, die sich hier in Kish um ein iranisches Visum bemühen. So werden wir hier zum Beispiel auch »Is your visa coming?« gefragt. Man behandelt uns aber extrem nett, denn als einzige Gäste gilt für uns nicht Selbstbedienung, sondern wir bekommen alles an den Tisch serviert. Zudem essen wir nicht wie alle anderen von Plastikgeschirr oder Mensatellern, sondern man kramt für uns sogar extra die Porzellanteller aus. Robert gönnt sich einen Fisch, ich hingegen fahre schlicht mit Reis und irgendeiner ziemlich guten Soße dazu.

Beim Bezahlen bekommen wir hier den Preis erst mal in Dirham genannt. Übrigens genau wie auch schon beim Kiosk. Als wir sagen, dass wir in iranischen Rial zahlen wollen – das ist ja schließlich die offizielle Landeswährung – ist erst mal ein Fünkchen Unbeholfenheit zu spüren. Mit irgendeinem Faktor wird dann auf dem Taschenrechner umgerechnet und wir zahlen 7.000 Tuman. Abgesehen davon, dass in diesem Restaurant eine ganz eigene Kultur mit eigener Sprache und eigenem Essen herrscht, scheint die meistbenutzte Währung auf der Insel wirklich der emiratische Dirham zu sein. Zwar wird wahrscheinlich vor allem Touristen alles in Dirham genannt, aber auch das eine oder andere ganz normale Preisschild war ausschließlich in Dirham zu sehen, ganz ohne Rial.

Zurück am Kiosk – wo denn auch sonst? – kommen wir recht bald ins Gespräch mit drei tehraner Jungs. Dass sie aus Tehran sind, braucht man aber eigentlich gar nicht erwähnen, denn hier ist so ungefähr jeder aus Tehran, dass es Jungs sind und keine Ischen, ist hingegen schade. Wenig später setzt sich an den Nachbartisch jedoch ein Paar, von dem die Ische, die eher arabisch denn persisch aussieht, extrem auffällig zu uns herüberschaut. Man hat ja inzwischen ein Gefühl dafür, was hier normal ist und was nicht.

Als sie rüberkommt und auf Englisch fragt, woher wir seien, ist klar, dass die beiden hier offenbar auch Touristen sind, doch ihre angebliche Herkunft lässt uns doch sehr verblüffen: aus Schweden?!? Wir setzen uns zu den beiden an den Tisch, und die nachfolgende Diskussion lüftet zumindest das Herkunftsrätsel, denn Hamid ist ein 26-jähriger Tehraner und Nasma ist eine 23-jährige Palästinenserin, die beide nach Schweden emigriert sind, sich dort kennen gelernt und geheiratet haben.

Mit den beiden lässt es sich super reden, da sie zum einen gutes Englisch können und zum anderen auch viel Interessantes zu erzählen haben. Sowohl zu ihren Herkunftsländern als auch zu Europa aus ihrer Sicht. Wir lernen auch, dass die Bürokratie in Schweden weit besser läuft als in Deutschland und die Skandinavier sich über deutsche Verhältnisse wahrscheinlich einen ablachen, wie wir über italienische. Sowieso kann man dort über Internet alles machen, und zum Pass Beantragen muss man genauso wenig irgendwo erscheinen wie zum Religionswechsel. Einfach nur irgendein Formular von zu Hause abschicken – zwei Wochen später ist man dann Muslim, Christ oder sonstwas.

Matthias und Sanaz erscheinen kurz vor ein Uhr und sind fertig zum Baden. Zu fünft, ohne Nasma, die sich nicht in den Klamotten baden traut, veranstalten wir um ein Uhr nachts mein Geburtstagsbaden im Persischen Golf. Das Wunderbare hier ist, dass man immer baden kann. Egal wie spät, egal ob Nacht oder Tag. Wann immer man Lust hat, kann man baden. Es ist nie zu kalt, höchstens zu heiß. Ähnlich wie am Evan-See sind wir hier auch eine Art Attraktion, denn aus dem Wasser heraus können wir beobachten, wie uns viele Leute vom Strand aus zuschauen und über uns reden.

Die beiden Schweden verabschieden sich recht schnell wieder, wir anderen hocken hingegen danach noch länger am Kiosk. Erst um kurz vor vier erreichen wir schließlich wieder unser Hotel und geben dem Sandmann klein bei.

4. Mai 20086. Mai 2008

Aktuelles ...

Aktuelles

Samstag, 20. März 2010
Donnerstag, 22. April, 18:00 Uhr
İzmir, [Türkei / Deutschland], München, Planegg

Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.