Chris, Mikey, Corinna, Simon und Daniel am Simeonskloster, Syrien (05.09.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Donnerstag, 1. Mai 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Tehran

Superspät trudele ich um zwölf im Erdgeschoss an, gerate in das Ende einer Art Hausputz. Danach pule und schneide ich über eine Stunde lang Bohnen, um mich irgendwie nützlich zu machen und ein bisschen Zeit rumzubringen. Teilweise sitzen wir zu viert, also Mutter, Vater, Tochter und ich mit den Bohnen um den Tisch. Sollte ich diese Arbeit bisher je in meinem Leben gemacht haben, dann wohl höchstens zwei Minuten. Hier kam sie mir jedenfalls recht gelegen, um gemütlich in den Tag zu starten, denn gut geschlafen habe ich irgendwie nicht und der Durchfallteufel hat auch schon wieder Oberhand bekommen.

Um halb zwei trudelt dann auch Robert ein, natürlich aber nicht, ohne vorher geweckt worden zu sein. Nur dass ich heute den Schlüssel und diese Aufgabe mal abgegeben habe, was sicher auch mal ganz lustig ist und für Abwechslung sorgt.

Nach dem Mittagessen lesen Robert und ich mal wieder Reiseführer, während Manoosh für ihren Englischtest lernt. Tehran hat natürlich viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber die wichtigsten haben wir entweder schon gesehen oder sie sind erst, wie zum Beispiel das Juwelenmuseum, ab nächsten Samstag wieder zu besichtigen. Um halb vier ist es dann aber trotzdem genug der Rumhockerei und des Wartens auf den Abend an einem unserer abgezählten Urlaubstage, weswegen Robert und ich einfach auf eigene Faust in den Süden der Stadt fahren.

Wie gestern nehmen wir wieder ein Taxi zur Mirdamad-Station und fahren von dort zu Station Taleqani. Dort befindet sich die ehemalige amerikanische Botschaft, das Gebäude, das zum Beginn der Islamischen Revolution für 444 Tage die Welt in Atem hielt. Hier wurden von November 1979 bis Januar 1981 die Angehörigen der US-Botschaft von revolutionären Studenten als Geiseln gehalten.

Doch das ist nicht der einzige Grund, warum die Ereignisse dieses Gebäudes nicht allein die jüngere Geschichte des Landes, sondern sogar die des gesamten Nahen Ostens mitbestimmten. Im Jahre 1953 wurde hier in einem Bunker von der CIA der Putsch geplant, der die Regierung zum Sturz brachte. 25 Jahre war die US-Botschaft daraufhin ein wichtiger Stützpunkt des Shahs, und nicht zuletzt um einen erneuten Putsch während der Revolution zu unterbinden, wurde die Botschaft 1979 schließlich besetzt.

Heutzutage haben hier die Sepah-Milizen ihren Sitz, eine Hardlinergruppe, welche die Revolution verteidigen soll. Auf den Außenmauern entlang Taleqani sind dann auch etliche amerika- und israelfeindliche Gemälde zu sehen, welche den »Großen Satan« USA dämonisieren und nebst vielen Sprüchen zum Beispiel die Freiheitsstatue mit Totenschädel oder andere eingehende Abbildungen zeigen. Höchst interessant!

Genauso interessant geht es durch die geschäftige Ferdowsistraße weiter, wo wir auch einen Hundert-Euro-Schein in zigtausend Rialscheine verwandeln. Diesmal jedoch nicht bei einem Straßenwechsler, sondern in einem richtigen Wechselbüro. Die Anwesenheit der Wechsler, die sich offenbar immer nur um genau diese Büros scharen, um selbst schlechtere Kurse anzubieten und nach erfolgtem Umtausch selbst im Büro wieder zurückzuwechseln, hat uns überhaupt erst auf das Büro aufmerksam gemacht.

Nebst der britischen und der türkischen befindet sich etwas weiter unten in der Straße auch die deutsche Botschaft. Im Gegensatz zu den anderen beiden befindet sie sich in einem sehr schönen, hellweißen Gebäude, das von einem bestens gepflegten Garten umrahmt wird. Bei den Deutschen kann man außerdem einfach durch die Gitterstäbe schauen, während man bei den anderen froh sein darf, über die Mauer hinweg noch einen Teil des ersten Stocks sehen zu dürfen.

Naja, die Deutschen müssen hier wohl auch noch am wenigsten Angst haben. Es ist einfach toll, wenn wir den Iranern ihr bestes Grinsen auf das Gesicht zaubern, nur weil wir auf ihre Herkunftsfrage antworten, dass wir Deutsche sind. Die meisten belassen es bei »Germany is good!«, »Germany is the best!« oder einem simplen »I love you!!!«, manche gehen aber auch einen kleinen Schritt weiter und erklären »Iran and Germany are really good friends!« sowie »Iranians and Germans were really close together in the past.«. Nicht allzu wenigen ist das aber nicht genug und diese fangen mit der gemeinsamen arischen Rasse und ähnlichen Dingen an, die aber wenigstens ein klein wenig durchdachter klingen als das übliche »Hitler was good«, was wir oft in arabischen Ländern gehört haben.

Am Imam Khomeini Square ist unser Stadtrundgang dann auch schon wieder beendet. Mit Metro und Bus geht es wieder zurück nach Hause. Unsere Feuerprobe, allein im hiesigen ÖPNV zu überleben, haben wir bestens bestanden. War eigentlich kinderleicht, wenn man vorher gesehen hat, wie alles funktioniert. Das mit den Taxen funktioniert wie in Damaskus: man stellt sich an den Straßenrand und schreit in die verlangsamenden Autos sein Ziel rein. Wer anhält, ist bereit, einen mitzunehmen. Die anderen offensichtlich nicht. Metrofahren funktioniert hingegen wie überall sonst auch, doch beim Busfahren gibt es die eine oder andere Ausnahme. Zwar gibt es scheinbar diverse Busse, also auch solche, die man mit zuvor gekauften Tickets besteigt, doch gestern und heute waren wir in solchen, wo man seine Fahrt jeweils erst am Fahrtende beim Aussteigen in bar bezahlt.

Am Abend machen wir uns zusammen mit Golrokh, einer Freundin von Manoosh, in den Park Jamshidiyeh in den Norden Tehrans auf. Dafür bewegen wir zum ersten Mal seit über drei Tagen auch wieder den Camper, da der Peugeot nicht zur Verfügung steht. Der Park ist echt super. Abgesehen von der tollen Anlage und der beträchtlichen Größe ist vor allem die hoch oben am Berghang angesiedelte Lage sein wohl größter Pluspunkt. Von hier aus hat man eine atemberaubende Aussicht auf einen Großteil der 15-Millionen-Einwohner-Stadt Tehran, die wir jetzt zwar bei Nacht genießen dürfen, welche aber wohl auch tagsüber echt lohnen muss.

Wir essen zu Abend in einem am Hang gelegenen Restaurant, jedoch mangels Platz leider nicht auf der Terrasse. Es ist teuer, aber gut. Erst um zwei Uhr und nach vielen »My Dad’s gonna kill me!« von sowohl Manoosh wie auch Golrehg (keine Ahnung, wie ich den Namen in Latein transkribieren soll!) kommen wir wieder nach Hause und wir treten unsere Nacht im Camper an. Für mich erscheint es nach drei auswärtigen Nächten jedoch erst mal lästig, da das Bett nicht schon offen steht und ich erst mal kruschteln muss, um mich hinzulegen.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.