Stuhlreihen in einer Kirche in Budapest, Ungarn (21.08.2007)
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was zum Teufel soll diese Adresse?!?
22. April 200824. April 2008

Mittwoch, 23. April 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Astara, Lisar, Bandar Anzali, Rasht, Langarud, Chamkhaleh

Astara ist mal wieder so ein Ort, in dem es nichts zu sehen gibt und der in den Reiseführern nicht allzu gut wegkommt. Dass er überhaupt erwähnt ist, verdankt er seiner Grenze zu Aserbaidschan, welche der Hauptübergang zwischen Iran und diesem Land ist. So gibt es auch ein iranisches und ein aserbaidschanisches Astara. Ähnlich wie Al-Qamishli in Syrien, wo ich letztes Jahr eigentlich hin wollte.

Da es hier also nichts mehr zu tun gibt, fahren wir gleich nach dem Aufstehen los. Heute geht es von Astara aus die Küste des Kaspischen Meeres entlang in Richtung Rasht und Langarud. Hier haben wir auch eine Telefonnummer von Martin bekommen, die wir theoretisch anrufen können, wenn wir noch seine »Freigabe« hierfür erhalten.

In Lisar machen wir einen kurzen Stopp und besichtigen eine alte Festung, die ein paar hundert Meter von der Hauptstraße entfernt liegt. Ein junger Iraner begrüßt uns und hält uns seine Ohrhörer vom Handy hin: Er hört gerade einen Englischkurs. Sein gesprochenes Englisch ist dann bei der einen oder anderen Floskel auch gar nicht so schlecht, für eine richtige Unterhaltung reicht es aber genauso wenig aus wie unser Persisch. Verständlicherweise ist er etwas enttäuscht, als wir uns dann unten an der Straße verabschieden, denn er hätte wohl gerne länger seine neue Sprache geübt.

In Bandar Anzali wollen wir Mittag essen. Wir latschen in ein Restaurant rein und die zweite Frage des Typen ist »Sprechen Sie Deutsch?«. Es stellt sich heraus, dass er drei Jahre in Österreich gewohnt hat. Das ist ja endlich mal was! Sonst beläuft sich die Kommunikation in einem Restaurant fast immer nur auf Fingerzeig, hier können wir hingegen nach Belieben fast alles sprechen. Ironie des Schicksals ist es dann wohl, dass der Typ die Bestellung trotzdem vollkommen vergurkt und meine zwei Spieße auf Robert und mich aufteilt, während Roberts bestellter Fisch überhaupt nicht kommt.

Weiter geht es nach Rasht, das wir kurz danach erreichen. Den Karren parken wir – wie fast immer – im Parkverbot und zu Fuß machen wir uns auf den Weg durch den Bazar und einige Hauptstraßen. Die von den Frauen gezeigte Haarfläche scheint indirekt proportional zur Entfernung zu Tehran zu sein, denn hier könnten sich manche ihren Hijab inzwischen wirklich sparen. Schon in Ardabil und Astara war ich überrascht, wie – natürlich nur für die hiesigen Verhältnisse – offen und liberal manche rumlaufen, obwohl die Städte nicht gerade als die liberalen Hochburgen gelten. Das heißt natürlich trotzdem mit Kopftuch, jedoch so weit hinter gezogen, dass oft mehr als zehn Zentimeter Haare rausschauen, und enger Kleidung, die aber in Europa immer noch höchstens als normal und wohl weniger als eng angesehen werden würde.

Trotzdem, es ist höchst interessant. Waren am ersten Tag noch alle gleich oder kamen einem zumindest gleich vor, so lernt man mit ein paar Tagen schon die kleinen Unterschiede deuten. Ich glaube, nach einem Monat kann man die Liberalität einer Frau innerhalb einer Sekunde feststellen – und zwar auf drei Meilen Entfernung. Das geht, wie eben beschrieben, los bei Haarfläche und Kleidung bis hin zur Farbe des Hijabs. Neben einer gebrechlichen Omma im weiten Chador, der seiner deutschen wörtlichen Übersetzung »Zelt« bestens gerecht wird, wirkt eine junge Frau in Jeans, Turnschuhen, Mantel nur bis zu den Oberschenkeln, knalligfarbigem Tuch auf dem Hinterkopf sowie halbem Kilo Schminke im Gesicht schon mehr als westlich. So verzerrt sich mit der Zeit die Wahrnehmung.

Robert und ich scherzen schon immer, dass wir den Sittenwächternotruf anrufen müssten. Wieso gibt’s das hier eigentlich nicht?

Durch Lahijan und Langarud fahren wir nur durch. Wir haben von Martin noch keine Antwort wegen den Telefonnummern erhalten und so kümmern wir uns wie üblich um einen Schlafplatz. Zehn Kilometer hinter Langarud werden wir bei Chamkaleh fündig. Erst waren wir etwas nordwestlich auf einen komplett verlassenen Strandabschnitt gestoßen, der jedoch kein gutes Gefühl auslöste. Mehrere Bauruinen, sonstige Baracken, ein altes Boot und genug Müll für jedermann ließen den Platz zu heruntergekommen rüberkommen und deuteten darauf hin, dass er genau die schlechte Kombination aus Wohnnähe und Pampa war. Für uns gilt normalerweise: Entweder richtig in der Pampa, wo recht sicher über die Nacht niemand oder nur ganz wenige vorbeikommen, oder gleich richtig in der Stadt, auch an einer mehrspurigen Straße oder ähnlichem.

2,16 Kilometer weiter ist es jedoch richtig schön am Strand. Es gibt ein paar Baracken, die man in Deutsch wohl als eine Art erweiterte Strandkörbe definieren könnte, einen Parkplatz, auf dem wir stehen, sowie zweihundert Meter weiter auch eine Baracke mit integriertem Kiosk/Restaurant/Bar/Wasweißichwas. Dort fragen wir in der Zeichensprache der Astarer Polizisten, also mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger einmal den Hals quer überstreichen, ob wir hier sicher seien, doch die Antwort ist erst mal nur lautes Gelächter und anschließend die Versicherung, dass es hier keine Probleme gebe.

Den Abend verbringen wir im Grunde nur erst vor und dann in diesem Kiosk. Zwar kann bis auf eine Gruppe Jugendlicher, die kurz vorbeikommt, keiner einigermaßen konversationstaugliches Englisch, aber dafür verbessern wir ja auch unser Farsi Tag für Tag. Allen voran reden wir noch mit Mohammed aus Qasvin, der zwar recht früh wieder geht, aber eigentlich noch der sympathischste der ganzen Truppe ist. Am lustigsten ist hingegen ein komischer dicker Typ, der ziemlich sicher betrunken ist und uns die ganze Zeit zu sich einladen will. Dass er dabei anscheinend Hörschwierigkeiten mit Verständnisschwierigkeiten verwechselt, weil er von Minute zu Minute lauter wird und am Ende lauthals penetrant schreit, macht ihn aber auch richtig nervig.

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Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.