Montag, 21. April 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Tabriz, Bostanabad, Sarab, Nir, Ardabil
Erst kurz vor zwölf stehe ich nach einer angenehmen Nacht auf. Das erste, was auffällt, ist die doch etwas andere Temperatur als die vergangenen Tage. Nur der Morgen in Ankara war gefühlsmäßig auch so warm.
Die Straße, an der wir stehen, welche heute Nacht noch wie komplett tot und als letzte Nebenstraße in der hintersten Ecke überhaupt erschien, ist jetzt voller Leben. Man hört ein Haufen Stimmen und im Sekundentakt kommen Leute am Camper vorbei.
Ich ziehe mich an und gehe zu Zimmer 30 vom Ark-Hotel, wo die anderen beiden gerade im Gehen begriffen sind. Freundlicherweise erlauben sie mir aber, zu bleiben und die dortige Dusche mit super Brause und bestem warmen Wasser zu benutzen. Nicht zu vergessen das Euroklo.
In einer etwas langwierigen Prozedur muss ich danach Robert wecken, damit wir nicht ewig und drei Tage hier rumstehen. In den Städten ist das, zumindest wenn wir mitten auf der Straße stehen, immer etwas dumm, denn ich kann hier kaum einen Stuhl rausstellen und dann einfach Frühstücken oder gar auf dem Laptop Bericht tippen. Da hat das Pennen irgendwo in der Pampa schon seine Vorteile. Aber auch gewisse Nachteile.
Unser erstes Ziel an diesem Tag ist, harte Euros in inflationäre Rial zu wechseln. Dass es dermaßen schwer werden würde, hätten wir aber bei weitem nicht gedacht. In allen Banken, in die wir reinlatschen, schickt man uns weiter, wobei wir nicht so recht verstehen, wohin. Offenbar haben nur ganz spezielle Banken oder Filialen einen Umtauschdienst. In einer Bank werden wir dann schließlich gleich hinter den Tresen gebeten und uns zwei Stühle angeboten, jedoch nicht etwa zum Geldwechseln, sondern um mit dem Direktor zu labern. Auf einem Zettel malt uns dieser auf, wo wir zum Umtauschen hin müssen, und den aktuellen Tageskurs gibt er uns auch gleich, damit wir nicht verarscht werden.
Die Suche nach dem genannten Ort dauert jedoch und fruchtet nicht so richtig, sodass wir in dessen Nähe letztendlich doch bei einem privaten Straßenwechsler landen, dem wir jedoch den Kurs diktieren. Aus dreihundert Euro in vier Scheinen werden schließlich mehrere hundert Rialscheine im Wert von 10.000 und 20.000 Rial, also etwa ein bis zwei Dollar. Mit ungewohnt überfüllten Hosentaschen kann unser Rundgang durch Tabriz schließlich weitergehen.
Das Finden eines Restaurants zum Mittagessen gestaltet sich schwieriger als gedacht und der Preis ist auch um einiges gesalzener als gedacht. Satte 200.000 Rial will der Typ von uns haben, was in etwa 15 Euro sind und somit schon fast an deutsche Verhältnisse grenzt. Wir wissen nicht ganz, ob wir abgezockt werden oder ob es hier normal ist, dazu fehlt uns die Erfahrung. Fakt ist aber, dass das gestrige Abendessen um einiges billiger war.
Nach dem Besuch der Blauen Moschee von Tabriz, die auf jeden Fall sehenswert ist und wo wir sogar 50 % Studentenrabatt bekommen – gut finde ich vor allem, dass die restaurierten Teile nicht so gestaltet wurden, dass sie dem Original möglichst ähneln, sondern dass man sie weiterhin klar vom Original übrig gebliebenen Rest abgrenzen kann – fahren wir weiter in Richtung Ardabil.
Auf dem Weg dorthin schaffen wir es auch, erstmalig richtig zu tanken. Tankstellen, wo es Diesel gibt, erkennt man offenbar gemeinhin meilenweit an der Tatsache, dass immer mehrere Lastkraftwagen und Busse davor warten. Wir füllen unseren Tank sowie drei unserer Kanister mit insgesamt über einhundert Liter Sprit und zahlen dafür den lächerlichen Betrag von unter einem Euro. So lässt es sich gut leben – oder besser gesagt: So lässt es sich gut fahren.
In Ardabil angekommen wird es gerade dunkel und wir machen uns wieder auf Restaurantsuche. Die Erkenntnis des Tages scheint zu sein, dass es im Iran recht schwierig ist mit Restaurants. Findet man in anderen Ländern immer recht leicht irgendeine Stätte, wo man sich zum Essen hinsetzt, so kann man hier ewig und drei Tage ganze Hauptstraßen durchlaufen und trotzdem nichts auch nur annähernd Restaurantähnliches entdecken.
Erst nachdem wir vier Jugendliche fragen, wo wir etwas finden können, kommen wir zu einem kleinen Lokal, wo man uns ein paar Spieße anbieten kann. Aber nicht nur, dass die Restaurantdichte und damit das Finden um einiges schwerer ist, auch die Restaurantkultur scheint hier eine völlig andere zu sein. Das ist jetzt unser drittes Essen hier und niemals schaut man uns an, wenn man uns das Essen bringt, geschweige denn fragt irgendjemand, ob es geschmeckt habe, oder räumt die Teller ab, wenn wir fertig sind. Man behandelt uns irgendwie als wären wir unerwünscht oder gar nicht da. Sehr komisch. Und nicht gerade vereinbar mit der hier sonst so hoch gelobten Gastfreundschaft.
Auf dem Weg zum Camper nach dem Essen sprechen uns zwei Jungs auf der Straße an und wir verstehen erst mal überhaupt nicht, was sie wollen. Erst nach mehreren Erklärungsversuchen wird uns bewusst, dass das zwei der vier Jungs sind, die wir vorhin nach dem Weg gefragt haben. Da sie nunmehr zu zweit und nicht mehr zu viert sind, haben wir den Bogen einfach nicht richtig gespannt. Sie laden uns zu sich nach Hause ein.
Die vier Studenten, die letztendlich alle in unserem Alter plusminus ein zwei Jahre sind, wohnen zusammen zur Untermiete in einem maximal 15 Quadratmeter messenden Zimmer und einem vier Quadratmeter großen Flur. Ein bisserl eng, die Geschichte. Natürlich bietet man uns wie überall seit İstanbul eine Menge Tee an, vornehmlich versuchen wir aber, miteinander zu kommunizieren. Allzu einfach ist das nicht, denn mit Englisch oder anderen Sprachen ist es nicht allzu weit her, einer bringt zwar immerhin ganze Sätze raus, die wir nach einigem Rätselraten verstehen können, die anderen drei haben aber sichtlich Mühe, irgendwelche Wörter zu finden. Arabisch könnten sie zwar noch, aber das hilft nun auch nicht mehr so groß weiter, denn unser Persisch deckt sich inzwischen sowieso fast schon mit meinen höchst spärlichen Arabischkenntnissen. Nur für das eine oder andere Wort ist es ab und zu doch ganz hilfreich.
Irgendjemand kommt plötzlich auf die Idee, zu einem See zu fahren. Zu Fuß latschen wir also zum recht weit entfernt geparkten Camper und fahren quer durch die ganze Stadt zu einer Art Ausflugsgebiet, einem Erholungsraum mit See, kleiner Promenade, ein paar Metern Strand, Seerestaurants und ähnlichem sowie einem ganzen Luna Park. Im Grunde gehen wir nur einmal komplett durch und dann wieder zurück, da es schon recht spät ist und die paar Hanseln, die jetzt noch vorzufinden sind, im Gehen begriffen sind.
Zurück bei denen Zuhause gibt es – was auch sonst – wieder Tee und die Unterhaltung geht weiter. Ich bin ultramüde und gehe deshalb alsbald ins Bett, während Robert den Jungs hingegen noch eine Weile irgendein Kartenspiel beibringt.