Unsere Camperfront in Monastir, Tunesien (05.04.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Sonntag, 20. April 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Doğubayazıt, Gürbulak, [Türkei / Iran], Bazargan, Qara Ziya Eddin, Tabriz

Der Morgen ist so ungefähr die Kopie des gestrigen. Ich stehe zwischen neun und zehn auf, mache die gestrige Fotoerkundung nochmal, da der Himmel wolkenloser als gestern ist, und verbringe den Rest bis zu Roberts Aufstehzeit, die mit ein Uhr aber eine ganze Stunde früher als gestern angesetzt ist, mit Mecid und seiner Familie, vorwiegend aber Bertil. Am heutigen Sonntag ist weit mehr Picknickbetrieb auf dem Campingplatz und es ist interessant, zuzuschauen, wie sowohl offensichtliche Stammgäste als auch Erstbesucher oder sogar zwei Polizisten ankommen.

Ein bisschen schade finde ich es schon, dass wir wegfahren, denn aufgrund mangelnder Sprachbarriere konnte man sich die letzten zwei Tage gut unterhalten. Außerdem waren die Leute hier auf dem Platz so nett, dass ich mich morgens wie abends wohl gefühlt habe. Dazu kommt noch, dass Doğubayazıt der erste Ort ist, wo wir nicht nur eine, sondern zwei Nächte geblieben sind, was zur Folge hat, dass man einen etwas anderen Bezug aufbaut, als wenn man am nächsten Morgen schon wieder weiterfährt. Vielleicht finde ich die Kurden hier auch deswegen viel sympathischer, als die bisherigen Leute in der Türkei. Nicht nur, dass mir die Mentalität etwas mehr zuzusagen scheint, auch die Fremdsprachenkenntnisse sind – zumindest hier in dieser Stadt – überraschenderweise besser.

Nach einem Zwischenstopp bei Osman, den wir verabschieden und auch noch unser letztes Augustiner da lassen, geht es nochmal in das kurdische Restaurant von gestern. Ich finde, man isst dort bestens und es ist der bisher billigste Laden, den wir in der Türkei besucht haben. Betrieben wird er, soweit ich das verstanden habe, von vier Frauen, deren Männer als PKK-Mitglieder inhaftiert wurden und die sich daraufhin zusammen getan haben, um das Restaurant zu betreiben.

Erst am späteren Nachmittag erreichen wir die türkisch-iranische Grenze bei Gürbulak. Im Internet wird zwar überall empfohlen, man solle morgens oder zumindest vormittags dort aufkreuzen, doch wir erkennen dahinter keinen besonderen Grund und so trudeln wir eben relativ spät urgemütlich ein mit der Einstellung, alle Zeit der Welt zu haben.

Beides, die Einstellung und die Zeit, brauchen wir dann auch, denn obwohl wir eigentlich genau wissen, wie das an so einer Grenze funktioniert, haben wir schon wieder so einen Public Écrivant an der Backe. Der macht erst mal im Grunde nichts anderes, als uns zum Vordrängeln zu ermutigen, was mir ehrlich gesagt nicht allzu genehm ist, auch wenn da ne ganze Menschentraube steht, die wohl zu den drei Reisebussen ein paar Meter weiter gehört. Als es dann darum geht, den Karren durch den Zoll zu bringen, gibt es Probleme. Der Écrivant gibt zu verstehen, dass wir das Auto nehmen und zu irgendeinem Posten zurückfahren sollen. Seine gehetzte Art passt uns aber überhaupt nicht und um zu demonstrieren, dass uns die Geschwindigkeit der Abfertigung wirklich wurscht ist, latschen wir minutenlang zu Fuß dort hin – den Typen natürlich immer dabei.

An dem Häuserl angekommen müssen wir erst mal ewig und drei Tage warten. Vorhin haben wir es nicht bemerkt, sind einfach dran vorbeigefahren, doch ohne den Stempel von dem Typen geht zwei Häuserl weiter vorne gar nichts. Jetzt muss der aber oben anrufen, um einen Kollegen zu fragen, ob unser Karren wirklich dort steht und auch wirklich die angegebene Matrikelnummer hat, und das zieht sich ewig! Der türkische Grenztyp ist dort aber sehr nett und fast arbeitslos, so dass das Warten in sehr angenehmer Atmosphäre stattfindet.

Als wir die Chose endlich geklärt haben, geht es wieder zu Fuß nach vorne und die Ausreise aus der Türkei haben wir bald hinter uns. Mit Quietschen und Krach öffnet sich das türkische Tor, eine Minute später dann auch das einen Meter dahinter befindliche iranische.

Dem Public Écrivant haben wir gerade noch fünf türkische Lira gegeben. Das ist zwar wahrscheinlich das niedrigste, was er diese Woche bekommen hat, aber uns gehen diese Typen inzwischen richtig auf den Geist. Es geht nicht an, dass sie ungefragt ihre Dienste anbieten und man sie trotz ausdrücklichem Hinweis nicht los wird.

Auf der iranischen Seite geht es ganz anders zu: der Tortyp ist so interessiert an uns und unserem Wagen, dass er uns erst mal ein bisserl ausfragt und sich persönlich um uns kümmert. Viel zu tun haben die hier eh alle nicht, die Pkw-Grenzverkehrsdichte ist geringer, als ich erwartet hatte. Bis auf den nervigen Écrivant gerade eben scheint auch niemand große Eile zu haben.

Als wir in einem Gebäude darauf warten, dass mit unseren Pässen etwas geschieht, ruft der Tortyp aus einem Wartesaal zwei Backpacker hervor. Wir begrüßen Vanessa aus Kanada und Typ 011 – den Namen können wir uns leider nicht merken – aus Norwegen. Nach einem kurzen Gespräch zum Totschlagen der Wartezeit bieten wir ihnen an, sie auf den Weg nach Tabriz mitzunehmen, was sie aufgrund der inzwischen fortgeschrittenen Uhrzeit – im Iran ist es anderthalb Stunden später als in der Türkei – und den somit nicht mehr allzu üppigen Busverbindungen gerne annehmen.

Unsere eigene Einreise geht jedenfalls recht einfach vonstatten, einmal Pässe aus der Hand gegeben, etwa 15 Minuten später mit zusätzlichem Zettel wiederbekommen. Fertig. Etwas komplizierter wird es aber, als wir den Karren auch noch ins Land bringen müssen. Natürlich braucht es das Carnet des Passages, vor allem braucht es aber viel Geduld. Zusammen mit Pass und Fahrzeugschein müssen wir mehrere Stellen durchlaufen und schließlich in einem Büro eine halbe Ewigkeit warten. Obwohl die hier wahrscheinlich tagtäglich Carnets ausfüllen, scheint unser Typ nicht gerade allzu geübt darin zu sein. Jedenfalls muss er immer dreimal schauen. Hinten werden dem Carnetblatt zwei Stempel verpasst und dort einige Sachen eingetragen. Vorne wird ganz normal der Einreisestempel angebracht, jedoch gibt es eine handschriftliche Bemerkung über die Einreise auf allen drei Blattabschnitten. So ist es zwar nicht gedacht, aber solange sich bei der Ausreise niemand beschwert, soll es uns recht sein.

Zu unserer großen Überraschung bekommen wir noch ein von ihm ausgefülltes persisches Formular ausgehändigt, mit dem wir in Tehran zu Polizei latschen und uns persische Nummernschilder abholen sollen. Von so was hatten wir bisher noch überhaupt nirgends, weder auf offiziellen noch auf Reiseberichtsseiten, gelesen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Typ in das Carnet eine Verweildauer von drei Monaten eingetragen hat und genau ab dieser Zeit diese Prozedur vonnöten ist. Naja, wir werden einfach mal schauen. Persische Nummernschilder wären natürlich schon lustig, aber vielleicht lassen wir es auch einfach sein und lassen das Formular Formular sein.

Zusammen mit Vanessa und dem Norweger geht es anschließend den Hang ab in Richtung Bazargan, dem iranischen Grenzort. Als wir unten ankommen, sind wir überrascht, nochmals Grenzposten zu finden, und realisieren erst hier, dass wir uns noch auf Grenzgebiet befinden. Wir dachten, wir seien drin. Jedenfalls geht hier nochmal dasselbe Spiel wie vorhin auf der türkischen Seite los, denn es sieht so aus, als seien wir an einer Hütte unbemerkt vorbeigefahren und hätten nicht den entsprechenden Stempel. Aber wenigstens sind es hier nur 150 Meter zum Zurücklaufen und recht schnell habe ich den Stempel auf dem Wisch. Dann sind wir wirklich drin.

Im Iran. Ja, eigentlich ist alles normal, so wie sonst auch im Urlaub, nur dass schon auf den ersten paar Kilometern eine unerträgliche Anzahl von diesen verkehrsberuhigenden Hubbeln auf der Straße sind, die Robert anfangs aufgrund ihrer Unscheinbarkeit öfter übersieht, und der Karren wahrscheinlich so hoch fliegt, wie nichtmal in seinen besten Zeiten.

Geld getauscht haben wir an der Grenze nicht, da uns die Kurse zu schlecht waren, jedoch müssen wir jetzt Diesel bekommen und das geht eigentlich nur in Rial. Wie eigentlich erwartet ist das größere Problem jedoch, überhaupt eine Tanke mit Diesel zu finden und nicht die Frage der Bezahlung. PKW tanken im Iran kein Diesel, es sind nur Benziner unterwegs und außerdem ist die Abgabe von Benzin seit letztem Juni ja rationiert, sodass man für das Tanken eine Chipkarte braucht. Diesel wird folglich nur von LKW und Bussen getankt. Und eben von uns.

Erst etwas länger nach Maku finden wir eine Tanke, die Diesel hat. Die Höchstabgabemenge ist zwar 30 Liter, aber das soll uns bei einem fast leeren Tank erst mal recht sein. Ein Geldtauscher, wo ich zu einem miesen Kurs lediglich zehn Euro tausche, ist auch sofort bei uns. Die größere Attraktion der Tanke sind sowieso wir selbst, sodass wir irgendwie das Kommunizieren versuchen und das Tanken eher eine Nebensache ist. So schert sich auch wirklich niemand ums Betanken und ich muss selbst die 30 Liter in den Tank pumpen, ohne dass irgendjemand auch nur mal kontrollieren würde, ob ich nicht mehr reintanke. Bezahlen tun wir die 30 Liter mit 5000 Rial, also lächerlichen 30 Eurocent, und auch jetzt schaut niemand auf die Zapfsäule. Komischer Laden. Wir kaufen beim anwesenden ambulanten Obsthändler noch vier Bananen und zischen ab.

In Qara Ziya Eddin wollen wir essen gehen. Die Suche nach einem Restaurant gestaltet sich schwierig, ist aber mit den paar Wörtern an rudimentären Sprachkenntnissen, die ich vom Pimsleur – nach dem Typen wurde ein Audio-basiertes Lernsystem aus den USA benannt – mitbringe, wenigstens überhaupt möglich. So folgen wir schließlich jemandem auf seinem Motorrad zu einem Restaurant und bedanken uns herzlich.

Die Restaurant-Typen scheinen jedoch nicht allzu begeistert von unserem Erscheinen zu sein. Einer steht gerade in der Tür, als wir kommen, doch anstatt sie uns aufzuhalten und uns zu begrüßen, macht er sie hastig zu und geht rein. Drinnen dann ein ähnliches Bild: Eher widerwillig werden wir begrüßt und nach dem Bestellen per Daumenzeig auf gewisse Fleischspieße auch entsprechend teilnahmslos bedient. Es ist zwar nicht mehr allzu früh, doch andere Gäste sind nicht im Lokal und nachdem wir aufgegessen haben, werden wir auch regelrecht rausgeschmissen und der Laden sofort hinter uns dicht gemacht.

Die Bezahlung läuft jedoch oberpeinlich ab. Man zeigt uns den Taschenrechner, auf dem 16.500 steht und wir beginnen regelrecht loszulachen, weil wir an einen Preis von sechzehntausendfünfhundert Rial, also etwa 1,15 Euro, für ein Vier-Personen-Essen denken. Als ich dem Typen jedoch zwei Zehntausenderscheine geben will, vergeht uns das Lachen, denn wir merken, dass damit Tuman, eine Zehn-Rial-Einheit, gemeint ist. Die Typen müssen sich schon fast verarscht vorkommen, weil wir mehrere Minuten brauchen, um die Kosten durch vier zu teilen und auch noch jeweils die richtigen Scheine zur Bezahlung der einzelnen Viertel zu finden. Mit knapp 12 Euro war das üppige Essen für vier Personen trotzdem noch recht billig.

Auf der Weiterfahrt nach Tabriz, wo wir eigentlich gar nicht mehr unbedingt ankommen wollen, jedoch den anderen beiden zuliebe doch noch hinfahren, schlafe ich stellenweise ein. Erst als es darum geht, in Tabriz das Ark-Hotel zu finden und die Suche nicht so recht fruchtet, bemühe ich mein Persisch, um einen Taxifahrer zu fragen. Auch dieser gibt zu verstehen, wir sollen folgen, und so ist das Hotel im Nu gefunden sowie die anderen beiden abgesetzt.

Der Rezeptionist ist recht lässig, fragt zwar noch sein »are you married«, quittiert die negative Antwort jedoch mit einem angesetzten Grinsen. Vanessa versinkt derweil im Boden und schiebt noch ein offensichtlich lustig gemeintes »not yet« hinterher. Damit ist die Sache aber auch schon gegessen und die beiden teilen sich ein Doppelzimmer. Vanessa ist sowieso nur das Euroklo im Zimmer wichtig, alles andere, Preis, Lage, sonstwas, ist ihr vollkommen egal.

Wir bleiben hingegen direkt auf der anderen Straßenseite des Hotels stehen und gehen ohne Umwege pennen. Ob das nun ein guter Platz ist oder nicht, ist uns jetzt – es ist zwei Uhr Lokalzeit – nämlich wirklich wurscht.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.