Sonnenuntergang am Evan-See, Iran (25.04.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Donnerstag, 17. April 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Uzungöl, Kökna, Of, Trabzon, Maçka, Bayburt, Erzurum, Palandöken

Um neun Uhr wache ich auf, es ist arschkalt. Das Wetter ist ätzend. Es hat reingeregnet. Die ganze Nacht. Ja, es regnet sogar immer noch rein, draußen hat’s Schneeregen. Zwei Autos kommen talabwärts vorbei, beide mit 15 Zentimeter Schnee bedeckt. Ich sehe zu, dass ich mich schleunigst anziehe, verrichte meine »Geschäfte« und wecke Robert. Zur Feier des Tages gibt es heute Room-Service, denn mangels Teebeuteln mache ich einfach einen Kaffee – irgendetwas Warmes muss jetzt sein.

Nach nur 25 Minuten setzen wir uns schon in Bewegung, um wegzukommen von diesem miesen Ort, welcher doch eigentlich so schön sein könnte, wenn das Wetter ein ganz anderes wäre. Unten an der Hauptstraße angelangt verpassen wir erst mal die Abzweigung, kehren dann aber schnell um und setzen die Fahrt in Richtung Süden fort.

Nach nur wenigen Kilometern wird die Straße jedoch zur Bergpiste und erst spät realisieren wir, dass das auch noch zig Kilometer so weitergehen wird. Da wir aber nun schon ein Viertel der ungeteerten Strecke hinter uns haben und das Befahren jeglicher anderen Strecke einen erheblichen Umweg bedeuten würde, entscheiden wir uns dafür weiterzufahren.

Die Piste führt uns durch zwei Dörfer, wobei das erste wirklich nur aus ein paar Häusern besteht und menschenmäßig auch nicht gerade viel zu sehen ist. Ein paar Kilometer weiter vorne in Kökna, dem zweiten, halten wir dann jedoch neben einer Gruppe von Leuten an, um einfach kurz ein paar Worte zu wechseln, hier wird ja nicht allzu oft ein Ausländer gesehen werden. Ohne dass wir weitere Erklärungen zu unserem Ziel abliefern müssten, wird uns gleich klar gemacht, dass die Straße unpassierbar ist. Es habe diese Nacht viel Neuschnee gegeben und der Pass mit seinen 2.600 Metern sei komplett zugeschneit. Wir sollen umkehren, zurück nach Trabzon fahren und die Route über Maçka nehmen.

Ein bisschen hatten wir so was schon geahnt, als wir die Piste und dann auf der Karte auch noch die Höhe des Passes gesehen haben. Nun gilt es aber erst mal, eine Pause zu machen, also folgen wir unseren Gastgebern in die Dorfkneipe, wo wir daraufhin geschlagene zwei Stunden inmitten von zumeist älteren Männern verbringen werden.

Hier wird uns bewusst, welch erstaunliche Überraschungen dieser Ort bereithält. Zum einen wäre da die Kommunikation mit den Türken, die hier besser läuft als in jedem anderen Ort, in dem wir bis jetzt waren. In der Kneipe finden sich zwei Leute, die Französisch sprechen, zwei Leute, die Deutsch sprechen, und der einzige etwas jüngere, Yusuf, spricht Englisch. So vergeht die Zeit im Reden, Fotos Zeigen und beim fünften oder sechsten Tee bzw. Kaffee in Folge wie im Flug. Leute kommen und gehen, jeden begrüßen wir natürlich einzeln, und die meisten sind an uns auch merklich interessiert.

Die andere große Überraschung ist, dass dieses verlorene 600-Seelen-Dorf sogar ADSL2+ mit 6 Mbit/s aufweisen kann! Wir trauen unseren Ohren kaum, als wir das hören, vor allem, da wir bei der Anfahrt noch genau darüber gescherzt haben, doch schließlich wird uns sogar die Benutzung des PCs angeboten.

Wir wollen aber heute auch noch weiterkommen, besser gesagt zurück, also verabschieden wir uns mit dem guten Gefühl, dass sich diese an sich eigentlich sinnlose Fahrerei hierher doch noch voll gelohnt hat.

In Trabzon erwartet uns erstmalig seit Tagen ein klarer und wolkenloser Sonnenschein, der die Stadt gleich viel schöner als in den letzten zwei Tagen erscheinen lässt. Unser erstes Ziel ist die Touristeninformation, um Informationen zu türkischen Zollangelegenheiten in Erfahrung zu bringen sowie um zu fragen, ob eigentlich alle drei Grenzübergänge zum Iran geöffnet sind.

Uns fällt auf, dass hier niemand mehr auch nur mit der Wimper zuckt, wenn wir angeben, in den Iran reisen zu wollen. Viele gehen sogar selbstverständlich davon aus, wie zum Beispiel der Typ von der Touriinfo, der uns gleich die Route dorthin aufzählt, ohne dass wir das Land auch nur erwähnten. Scheinbar sind Touristen, die hier auftauchen, aber nicht (!) in den Iran fahren, eher selten. Selbstfahrende wohl erst recht.

Nach einem Zwischenstopp nebenan beim Mittagessen – Köfte, wie fast jeden Tag – fahren wir auch noch beim Hafen vorbei, um direkt mit dem Zoll zu sprechen. Dafür nutzen wir an einer Ampel mal wieder ein unverschlüsseltes Wlan, um das türkische Wort für Zoll herauszufinden: Einfach bei Wikipedia »Zoll« aufrufen und auf Türkisch klicken. Urlaub fern der Heimat in Isolation schaut jedenfalls anders aus.

Danach geht es wieder wie schon vorgestern auf die Straße nach Maçka und es beginnt der lange Schlauch bis Erzurum. Auf dem Weg dorthin, den wir ja in Trabzon auf Meereshöhe begonnen haben, gilt es mehrere Pässe zu überwinden, und so macht der Camper heute munter weiter, indem er mehrfach tausend und mehr Höhenmeter unter oder über sich lässt.

Auf dem 2.400 Meter hohen Kop Geçidi machen wir an einem kleinen Truckstoppgebäude halt und gönnen uns zur Verwunderung der anwesenden Trucker einen Tee. Leider funktioniert die Kommunikation hier nicht ganz so gut wie heute Morgen, außerdem ist es schon längst dunkel, so fahren wir hier schon nach zwanzig Minuten weiter.

Erzurum erreichen wir gegen zehn Uhr, doch es lässt sich partout kein Übernachtungsplatz finden, der uns auch wirklich zusagt. Robert hat daraufhin die Idee, ins nur wenige Kilometer entfernte Skigebiet zu fahren und dort ggf. auf einem Parkplatz, wo schon niemand sein wird, die Nacht zu verbringen.

Im Ergebnis schießen wir etwas über das Ziel hinaus, denn am Ende stellen wir den Motor erst auf einem 2.492 Meter hohen Picknickplatz ab, der seinen Namen nicht unbedingt verdient hat, wo wir aber alle Hotels und ähnlichen Anlagen unter uns gelassen haben. Belohnt wird diese letzte Bergerklimmung mit einem atemberaubenden Panorama auf Erzurum im Tal vor uns sowie die schneebedeckten Berge hinter uns.

Bei einem Grad Außentemperatur machen wir noch eine kleine Foto- und Erkundungstour in der nahen Umgebung, hocken anschließend noch ein bisschen mit Bier im Camper rum und um zwei Uhr ist dann endlich im inzwischen auch kalten Innenraum Zapfenstreich.

Die Freude auf das Einlullen im Schlafsack mitsamt zwei Decken darüber ist unbeschreiblich.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.