Mittwoch, 16. April 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Maçka, Sümela, Maçka, Trabzon, Of, Uzungöl
Da wir heute eigentlich etwas früher loskommen wollten, geht mein Wecker schon um zehn Uhr. Schließlich wollen wir aus unserem Rhythmus, immer erst gegen Mittag loszufahren, auch mal ausbrechen. Das wird heute aber schonmal nichts, da ich mich mit unserem Nachbar-Gipsy unterhalte und Robert trotz drei wirkungslosen Weckversuchen – er hatte diesen gestern übrigens zugestimmt – erst um kurz nach elf aufsteht.
Jean-Louis von nebenan ist jedenfalls sehr redselig und erzählt von seinem inzwischen vier Jahre dauernden Nomadendasein, von seinen Söhnen, die ebenfalls schon eine Weltreise gemacht haben, sowie von seinen letzten Abenteuern. Er kommt gerade etwas traumatisiert aus Georgien, wo er eines Nachts von der Mafia aufgesucht wurde und in mir nicht ganz klarer Weise durch Flucht entkommen ist. Die seien in der Nacht mit schwarz verglaster Limousine und Anzügen aufgekreuzt, hätten sich als Polizei ausgegeben und den Pass verlangt. Ansonsten seien die Leute da wunderbar nett, aber er fand die dort offenbar omnipräsente Zerstörung nicht gerade allzu ansprechend.
Sein Gipsymobil hat er in Italien gekauft, wo er übrigens mit einer Kutsche hingefahren ist. Außen ist dieser Apetto – in Deutschland wohl besser bekannt unter dem Namen »Pizza-Alberto-Mobil« – im, sagen wir mal, indischen Gipsystil angemalt, innen ist er richtig nomadig eingerichtet, mit einer an der Decke hängenden Gaslampe, einer Holzbank zum Schlafen und ein paar an die Wand getackerten Fotos sowie sonstigem Kleinkram.
Los geht es dann also natürlich doch erst mittags, und zwar zum Kloster Sümela etwas weiter südlich auf der Straße, an der auch der Campingplatz liegt. Am Eingang zum Nationalpark werden uns erst mal 16 Lira für die Einfahrt mit Minibus abgeknüpft und weiter oben am Eingang zum Kloster dann nochmal vier. Dass die Internationale Studentenkarte hier Unesco-Karte genannt wird – da ist auch wirklich irgendwo ein Unesco-Logo drauf – wird mir heute erst später bewusst werden, sonst wäre zumindest der zweite Eintritt weggefallen.
Das Kloster ist ne ganz nette Geschichte, die Malereien erinnern mich sehr stark an die der Klöster in Rumänien und der halb im Felsen liegende Hauptraum ist auf jeden Fall nicht schlecht. Die Lage des Klosters auf über 1.000 Metern im Felsen ist hier im Grunde die Hauptattraktion, so sind es dann auch eher der Blick ins Tal und das selbst hier oben noch sehr laute Rauschen des viel weiter unten fließenden Flusses, was neben dem Kloster an sich auf jeden Fall noch erwähnenswert ist.
Auf dem Weg zurück zum Parkplatz begegnen wir dann wieder einem Mädel, das uns schon auf dem Weg nach oben etwas komisch angeschaut hat, doch jetzt kommt raus, dass sie nicht wie vermutet eine Türkin ist, sondern eine Kanadierin namens Mary. Sie ist eine »überbezahlte« Englischlehrerin, als Backpacker seit letztem Juni unterwegs und verbringt etwa vier Monate in der Türkei. Hier interessiert sie sich vor allem für das Bildungssystem, insbesondere was Fremdsprachen betrifft, wobei sie selbst die Landessprache aus unserer Sicht inzwischen ziemlich gut sprechen kann.
Wir nehmen sie mit runter ins Tal, wo sie bei einem Gasthaus nachschauen will, ob sich die Leute noch an sie erinnern, da sie schon vor acht Jahren als Kind mit ihrer Familie hier war. Der Wirt scheint sich zu erinnern und die ganze Aktion endet letztendlich damit, dass wir dort auch gleich zum Essen bleiben.
Zur inzwischen recht fortgeschrittenen Tageszeit geht es wieder über Maçka, bis wohin wir den Restaurantchef mitnehmen, zurück nach Trabzon, wo wir Mary absetzen. Der Türke, den wir bitten, das Abschiedsfoto von uns zu machen, bietet uns erst mal eine wunderbare Show, da er sich so anstellt wie jemand, der noch nie eine Kamera in der Hand gehabt hat. Schnell nimmt jedoch ein anderer Türke, der die Szene ebenfalls schmunzelnd beobachtet, dem ersten das Gerät aus der Hand. Ein gescheites Bild bringt er jedoch auch erst beim zweiten Abdrücken zu Stande.
Wieder zu zweit besuchen wir dann noch die Trabzoner Aya Sofia, wo ich bei freiem Eintritt herausfinde, dass die ISIC auch als Unesco-Karte gilt, sowie die hoch oben gelegene Atatürk-Villa.
Danach machen wir uns zum ersten Mal auf dieser Reise noch bei Tageslicht auf die Suche nach einem definitiven Übernachtungsplatz und fahren zu diesem Zweck erst mal die Küste weiter nach Westen. Da es hier in dieser Hinsicht jedoch etwas mau aussieht, nehmen wir bei der Abzweigung in Of die Straße nach Süden. Zur iranischen Grenze können wir von hier aus über Erzurum oder über Kars fahren. Keine der beiden Routen scheint jedoch der absolute Burner zu sein und so entscheiden wir uns mit der Erzurum-Route für die komfortablere und auch etwas kürzere.
Da die Straße jedoch in einem engen Tal verläuft, gibt es auch hier keine sinnvollen Plätze. Im Reiseführer lesen wir, dass die an einem Stausee auf 1.100 Metern gelegene Ortschaft Uzungöl mit etwas Touristik und Motels aufwarten kann und nehmen daher die Abzweigung dorthin. Definitiv zum Stehen kommen wir jedoch erst weit dahinter auf einer Piste, die sich entlang eines (wie gestern ja auch) rauschenden Flusses zieht. Hier sind wir wirklich am kompletten ADW, es ist nirgends ein Licht zu sehen, es gibt (endlich) kein Mobilfunknetz mehr – es sind nur wir und drei Meter vor unserer Tür der Fluss.
Erstmalig auf unserer Reise gibt es sodann auch Nudeln im Camper und irgendwann zwischen Mitternacht und eins geht es nach langer Abendunterhaltung ins Bett.