Camper eingegraben im Sand der Oase Tamerza, Tunesien (26.03.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Samstag, 12. April 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Stockdorf, [Deutschland/ Österreich], Salzburg, Villach, [Österreich / Slowenien], Ljubljana, [Slowenien / Kroatien], Zagreb, [Kroatien / Serbien], Beograd, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Die Schichtplanung für heute Nacht haben wir leider etwas vercheckt. Robert ist zwar erst um 13 Uhr aufgestanden, fährt aber nur bis kurz nach zwei. Ich beginne also nach zwei Stunden Schlaf das Fahren und verfahre mich gleich mal im sehr dichten Nebel auf der Landstraße. Da ich das schlauerweise mit Pathaway auf dem PDA wegen zu ungenauer Karte nicht merke, wird es mir erst bewusst, als ich mal einen Blick auf Nokia Maps werfe. Nach einer ganzen verlorenen Stunde geht es also weiter in Richtung türkische Grenze, inzwischen nebelfreier, aber dafür langweiliger.

Kurz vor der Grenze wecke ich nach Sonnenaufgang Robert auf. Wir wollen auch nochmal tanken, da die Türkei die horrendesten Spritpreise überhaupt hat – da kann auch Deutschland nicht mithalten. Außerdem wollen wir zwei unserer vier Kanister befüllen. Zollfrei können zwar nur 25 Liter eingeführt werden, jedoch wird kaum einer nachmessen, ob das nun 25 oder 40 Liter sind. Anders sähe es natürlich aus, wenn auch ein dritter befüllt wäre.

Die Tankstelle will uns aber scheinbar verarschen: Das VISA-Terminal funktioniert nicht und für 171 bulgarische Lev wollen sie uns erst mal 140 Euro abzocken. Nach einiger Rumrechnerei auf dem Taschenrechner werden es immerhin 110 Euro, was jedoch trotzdem noch 20 zu viel sind. Da die mathematisch scheinbar nicht ganz auf der Höhe sind und ich beim Vorrechnen auf deren Rechner immer auf kleinere Beträge komme, schlagen sie selbst vor, ich solle zur Wechselstube gegenüber gehen. So mache ich das dann auch, tausche den exakten Eurobetrag dort um und zahle an der Tankstelle 171 Lev an sehr erfreute und sichtlich erleichterte Gesichter, die wohl dachten, dass sie ihr Geld gar nicht mehr sehen würden.

Robert hat draußen inzwischen den von mir verschlampten Schlüssel des Vorhängeschlosses, das unsere Reifen und die Kanister auf dem Dach sichert, gefunden und so geht es zwei Kilometer weiter zur Ausreise. Wir fahren an etwas heran, das aussieht wie ein Vorposten, werden jedoch ohne weiteren Kommentar mit einem simplen »Bye bye!« abgefertigt. Zweihundert Meter weiter vorne bei der richtigen Passkontrolle lässt man uns vor der Haltelinie warten und den Motor abstellen. Wir warten also. Und warten. Und warten. Und auch danach tun wir nichts als warten, warten, warten. Inzwischen haben wir verstanden was los ist: Es ist etwa neun Uhr, und zu dieser Zeit findet anscheinend ein Schichtwechsel statt. So weit, so gut, doch da die alte Schicht sich offenbar eine halbe Stunde eher vom Acker macht und die neue erst eine halbe Stunde später antanzt, ist der Grenzübergang einfach mal eine knappe Stunde geschlossen.

Erst nachdem die neuen Leutchen endlich aus ihrem Bus gestiegen sind, geratscht und schließlich ihre Posten bezogen haben – und hinter uns über 20 Autos sowie ein französischer Camper warten – werden wir vorgewinkt. Die wirkliche Verarschung ist jedoch, dass die Abfertigung nur 15 Sekunden dauert, wodurch die Diskrepanz zwischen sinnvoll und nicht sinnvoll verstrichener Zeit ein klein wenig zu groß ist.

Damit jedoch nicht genug, denn auf der türkischen Seite wiederholt sich das ganze Spielchen wieder. Hier müssen wir jedoch nur fünf Minuten bis zum vollzogenen Schichtwechsel warten und können dann vor zum Zoll fahren. Abgesehen davon, dass ich unseren Spiegel gegen eine Wand fahre und den Bordstein dort mitnehme (peinlich, auch wenn nix passiert ist), läuft die ganze Chose hier recht langweilig ab, da im Grunde nur irgend so ein Zöllner mit unseren Dokumenten rumläuft und wir nix zu tun haben. Einmal soll ich mit in ein Büro kommen, wo ich nichtstuend zuschauen darf, wie drei Beamte es nicht schaffen, unser Kennzeichen in einen Computer einzugeben. Am Ende gibt’s dann auch noch ne kurze Fahrzeugkontrolle, die letztendlich darin besteht, dass der Typ alle unsere Schranktüren aufmacht und kurz reinschaut – da wo er aufgrund unseres zweiten Schlosses gegen Erschütterungen es jedoch nicht schafft, lässt er es sinnvollerweise kommentarlos bleiben und macht weiter. Ohnehin schien unsere gut bestückte Bibliothek noch am meisten Interesse bei ihm zu wecken.

Um zwölf Uhr erreichen wir die Mautstelle in İstanbul. Als wir in der Schlange stehen, kriege ich bei laufendem Motor auf einmal keinen Gang mehr rein. Auch zweimaliger Neustart bringt keine Verbesserung. Mit Warnblinker stehe ich nun mitten in der Spur und wecke Robert auf, doch gerade als er seinem Bett entsteigt, geht es auf einmal wieder. Naja, hoffen wir mal, dass die Kupplung noch ne Weile hält.

Geschlagene drei Stunden verbringen wir anschließend mit sinnlosem Rumgefahre auf Campingplatz- und dann auf Parkplatzsuche. Die Campingplätze in den Führern sind nicht aufzufinden bzw. nicht mehr existent, die Kommunikation mit Leuten, die man fragt, funktioniert überhaupt nicht, und wenn doch, wird man einfach irgendwo falsch hingeschickt.

Schließlich finden wir einen Parkplatz, der gewisse Campingleistungen wie Duschen und Toiletten anbietet. Hier sind auch schon zwei nette Niederländer, doch der Platz sagt uns eigentlich überhaupt nicht zu, da er kacke ist und außerdem viel zu weit außerhalb liegt. Stattdessen wollen wir nun in der Nähe der Hostels im Zentrum parken und in einem dieser Hostels um die Benutzung der Dusche bitten.

Nach schwieriger Parkplatzsuche hilft uns ein Typ von einem Otopark etwas unterhalb des Hostelviertels weiter, indem er uns direkt vor seinem Laden an der Straße einen Parkplatz organisiert. Da wir ohne ihn wohl noch heute Abend rumfahren würden, drücken wir ihm einen Euro-Fünfer in die Hand.

Zum Automaten oben zwischen Hagia Sofia und Blauer Moschee gehen wir eigentlich, um dem Hostel Lira anbieten zu können, doch am Ende latschen wir sowieso ganz dreist in das Sultan Hostel rein – hier war ich letzten Sommer, kenne mich daher also aus – und gönnen uns jeder ne gescheite Gratisdusche.

Am Abend flanieren wir noch durch die Stadt, essen etwas und gehen dann recht früh pennen. Ich finde es jedenfalls toll, hier zu sein, denn es kommen schöne Erinnerungen an letzten Sommer hoch, wo ich ja auch noch dachte, dass mir der Großteil des Urlaubs bevorstehen würde. Dass ich aber so früh wieder herkommen würde, hätte ich nicht gedacht.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.