Freitag, 11. April 2008aus: Iran, Irak & Türkei 2008
Routenteil: Stockdorf, [Deutschland/ Österreich], Salzburg, Villach, [Österreich / Slowenien], Ljubljana, [Slowenien / Kroatien], Zagreb, [Kroatien / Serbien], Beograd, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul
Erster Sachschaden schon nach sechs Stunden
Auf der A8 bei Irschenberg lege ich mich gemütlich hin und schlafe (für mich erstaunlicherweise) bis fünf Uhr richtig gut durch. Als ich wieder nach vorne komme, verfahren wir uns gerade auf dem Weg heraus aus Ljubljana und der Robby hält am Straßenrand an, um nachzusehen, wo es lang geht. Vade retro lautet die Devise, doch beim Wenden gibt’s von hinten auf einmal richtig böse metallenen Krach. Noch etwas vom Schlaf benommen steige ich aus, um die Situation aufzuklären: Robert ist rückwärts gegen ein zweimastiges Straßenschild gefahren und unsere Leiter hat sich etwas verschoben. Diese rücke ich einfach wieder zurecht, werfe noch kurz einen Blick auf die Campertür, stelle aber keine weiteren Schäden fest und steige wieder ein.
Das nächste Mal sollte ich mir für so was vielleicht etwas mehr Zeit lassen. Und nicht schlecht wäre auch, wenn ich dafür dann eine Taschenlampe benutze, denn ohne hab ich nicht viel mehr gesehen als die Silhouette eines Schildes und eines Campers auf einer Wiese neben einer Straße. Später in Kroatien wird mir hingegen auffallen, dass am Boden neben jenem Schild unsere nicht mehr vorhandene linke Stoßstange liegen muss. Sie aufzusammeln hätte zwar in diesem Fall auch keinen Sinn gemacht, da sie an den Befestigungen gebrochen sein muss, aber vielleicht geht es ja irgendwann mal um was anderes. Und noch später in Belgrad werden wir außerdem feststellen, dass die linke Tür mitsamt dem unteren Teil des Rahmens etwas eingedrückt ist, was uns optisch natürlich komplett wurscht ist, doch die Probe, ob das Schloss der hinteren Tür richtig funktioniert, steht noch aus.
So fahren wir rechts nun also mit einer von meinem Pa gebauten Holzstoßstange und links mit gar keiner. Robert dazu heute: »Jetzt haben wir mit den neuen Scheibenwischern einen weiteren Schritt in Richtung TÜV-Tauglichkeit gemacht und dann entferne ich unsere Stoßstange.« Alles halb so wild.
Zagreb fällt Graf Storno zum Opfer
Eigentlich hatten wir in Zagreb unser Frühstück und im Falle schönen Wetters auch eine kleine Stadtbesichtigung eingeplant. Da ich aber erst kurz nach Ljubljana das Steuer übernehme und das Wetter ungefähr so ausschaut wie im allertiefsten Nebeltal von Nebelland kombiniert mit deutschem Einheitsgrau, entscheiden wir uns bei der Übergabe, Zagreb ausfallen zu lassen. Noch wissen wir nicht, dass dort später inmitten eines durch und durch blauen Himmels die Sonne scheinen wird, doch ich lasse es dabei, weil der Robby sonst quasi keinen Schlaf hätte.
Von allen unseren Transitländern ist der Sprit in Serbien am billigsten. Mit weit über einem Euro zwar nicht gerade afrikanische oder iranische Verhältnisse, aber immerhin doch ein Schnäppchen im Gegensatz zu manch anderem Land. So kommt es auch, dass wir eigentlich mit dem Sprit von Slowenien bis nach Serbien kommen wollen, doch etwa hundert Kilometer vor der Grenze wird mir dann etwas mulmig. Die Nadel zeigt jetzt genau auf den linken Rand des roten Reservebereichs. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, wie der Stand der Nadel war, als wir in Stockdorf nach 9.946 Kilometern Marokko-Tour auf dem Trockenen saßen.
Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als bei der nächsten Tanke rauszufahren. Hier jedoch die Überraschung: kein Strom. An allen Säulen und am Shop-Eingang hängt ein handgeschriebenes Schild mit diesem Hinweis auf Kroatisch, Englisch und Deutsch. Bis auf einen Typen, der etwas grimmig zuschaut, wie ich davon Fotos mache, ist auch alles verlassen. Die 40 Kilometer bis zur nächsten Zapfstelle fiebere ich Zählerstand für Zählerstand mit, doch glücklicherweise reicht es und ich kann unserem Gefährt nochmal 10 kroatische Liter spendieren.
Die Grenzformalitäten bei der Ausreise aus Kroatien gestalten sich etwas einfacher, als vorhin bei der Einreise. Da musste ich den Robby noch wecken, weil der Grenztyp sein Gesicht mit dem des Passes vergleichen wollte. »Person muss sich zeigen!«. Hier hingegen reicht es sowohl auf kroatischer wie auch auf serbischer Seite aus, dass ich die zwei Pässe rausreiche und bei der Frage nach der zweiten Person kurz mit dem Daumen nach hinten zeige.
Nett ist auch, dass die ganzen Typen einigermaßen Grenzerdeutsch beherrschen. Bis jetzt war nur der kroatische Einreisetyp ziemlich schlecht dabei, der Rest begrüßte gleich auf Deutsch. Bis inklusive zur Ausreise aus Serbien wird das auch so bleiben. Interessant ist, dass alle wissen wollen, wo man hinfährt. Einmal habe ich auch gesehen, wie es im Computer eingegeben wurde, bei den anderen Malen bin ich mir nicht ganz sicher. Bis wir in der Türkei sind, werden wir weiterhin İstanbul als Ziel nennen, danach Tehran. Wahrscheinlich sind die Grenzer einfach zufrieden, wenn ihr Land nur als Transit benutzt wird und man nicht schon ankündigt, im Land ewig rumlungern zu wollen.
In Belgrad fahre ich gegen 15 Uhr auf den Parkplatz des Fußballstadions und wecke den immer noch pennenden Robert. 16 Stunden lang haben wir unseren Motor nicht mehr abgeschaltet, also immer mit laufendem Motor getankt und gerastet, um das Nicht-vom-Fleck-Kommen aufgrund leerer Batterie zu vermeiden, doch jetzt ist es genug. Wenn die Batterie nur leer war, wovon wir ja ausgehen, dann wird sie jetzt voll sein, wenn sie hingegen kaputt war, dann ist sie es jetzt auch noch. Des Rätsels Lösung gibt es, als wir wieder losfahren wollen: sie ist kaputt.
Zwar ist dieser dumme Parkplatz mangels Verkehr der schlechteste Ort für Starthilfe, doch nach etwa einer Viertelstunde können wir einen Taxifahrer anhalten, der uns gleich mit »Big big Problem!?!« begrüßt, obwohl wir unsere Kabel noch gar nicht draußen haben. Mit nun wieder laufenden Motor geht es auf die Suche nach einer Tankstelle, um eine Batterie zu kaufen. Die ersten paar Tankstellen, die uns Nokia Maps anbietet, gibt es nicht, aber nach ausreichend langer Suche und viel Kurbelei kommen wir zu einer kleinen Tanke, die auch prompt die von uns benötigte Batterie für umgerechnet faire 125 Euro anbietet. Nicht schlecht staunen wir, als uns beim Kauf auch noch eine originale Batteriekarte von Varta ausgestellt wird, wofür der Typ erst mal ewig die Seriennummer auf dem Teil suchen muss.
Mit neu eingebauter Batterie parken wir den Karren und machen uns ein bisschen zu Fuß durch die Stadt, welche letztendlich nichts anderes tut als mustergültig den Ostblockflair zu vermitteln und guten Gewissens als hässlich definiert werden kann. Am interessantesten ist da noch ein frei zugängliches Kriegsgerätmuseum im Freien, oben in der Festung. Dort kann man vom Sowjet-Panzer über den Ami-Tank bis zur französischen Kanone alles Mögliche ohne irgendwelche Absperrungen betrachten.
Nach unserem Nachmittagsessen geht es wieder weiter. Robert übernimmt das Steuer und bei Dunkelheit kommen wir zur bulgarischen Grenze. Da denkt man, als Bürger der Europäischen Union ist es einfach und vor allem kostenlos, in diese einzureisen, stellt dann aber fest, dass man sich wohl geirrt hat. Der Zöllner winkt zwar durch und interessiert sich genau wie alle anderen Grenzer heute interessanterweise überhaupt nicht für unsere Kanister auf dem Dach, doch an einem anderen Häuschen werden uns für unbekannten Zweck zwei Euro abgeknöpft. Erst nach genauerem Studieren der Quittung und Lesen der ADAC-Länderinformationen wird uns klar, dass wir damit die zur Einreise vorgeschriebene Desinfektion bezahlt haben. Schön, dass unser Karren auf dem Papier nun also sauber ist. Nach weiteren fünf Euro für die Vignette zur Benutzung der bulgarischen Schlaglochpisten kann es endlich – auf übrigens deutlich schlechteren Straßen – weitergehen.
In Sofia nehmen wir statt der Umfahrung die direkte Route durch die Innenstadt und wollen sozusagen sehen, ob etwas los ist. Die Stadt macht auf denn ersten Blick einen viel saubereren und besseren Eindruck als Belgrad, viel los ist hier jedoch um elf Uhr abends leider nicht. So machen wir kurz zu Fuß einen Rundgang bei zwei Kirchen, fahren dann noch zweimal erfolglos kreuz und quer durch die Stadt auf der Suche nach den auf der ADAC-Karte beschriebenen Sehenswürdigkeiten und machen uns weiter auf den Weg Richtung Türkei.