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was zum Teufel soll diese Adresse?!?
5. September 200716. September 2007

Donnerstag, 6. September 2007aus: Rumänien und Syrien 2007
Routenteil: أفامي Afamya, دمشق Damaskus

Zahir
Zahir

Mein Zimmer scheint mit meinem Aufwachen ebenfalls zum Leben zu erwachen. Ich habe den Umständen entsprechend ganz gut geschlafen, soweit also alles ok, doch ich befürchte, dass es jetzt erstmal urlangweilig wird. Dem ist jedoch überhaupt nicht so, weil wirklich jeder Depp und Nicht-Depp, der auf dem Gang vorbeikommt – und das sind nicht gerade wenige – einen kurzen Abstecher in mein Zimmer macht, um mich zu besuchen. Die verschiedenen Ärzte kommen auch alle mal kurz einzeln vorbei, haben jedoch bis auf einen nicht viel zu vermelden. Dieser eine jedoch zeigt mir eine meiner schließlich massig vorliegenden Röntgenaufnahmen und erklärt mir, es sei ein leichter Bruch in der Hüfte zu sehen. Na det is ja mal prima.

Aber auch manch anderer kommt sogar extra wegen mir. Da wären zum Beispiel der Direktor der Ausgrabungsstätten von Afamya, der – wie natürlich alle anderen – wissen möchte, wie es mir geht. Außerdem, soweit ich das richtig verstanden habe, der Vizebürgermeister sowie mal wieder die Polizisten von gestern. Dass außerdem Zahir und Achmed wieder da sind, ist natürlich nichtmal der Frage wert. Ersterer hat mir sogar meine blutdurchtränkte Kleidung vom Vortag von seiner »Madame!« waschen lassen, die sieht jetzt also wieder aus wie neu. Naja, bis auf das kleine Loch im Hemd sowie ein paar unidentifizierbare Farbspuren auf der Rückseite desselben, die dann doch als Souvenir übrig geblieben sind. Der liebe Kerl rührt sich jedenfalls so gut wie überhaupt nicht vom Zimmer und hilft wirklich bei allem.

Die Entourage arbeitet wie die zwei hier gestern im Kloster
Die Entourage arbeitet wie die zwei hier gestern im Kloster

Wie auch gestern brauche ich meine private Entourage. Das Klo ist zwar zum Beispiel nur etwa 10 Meter von meinem Bett entfernt (auf dem Gang), doch um da hin zu kommen, brauche ich trotzdem zwei Leute, die mich quasi tragen. Dass dieses Klo nicht viel mehr ist als ein Loch im Boden, welches rundherum im ganzen »Bad« von einer ungefähr ein Zentimeter dicken Schicht an Scheiße geschmückt wird, überrascht mich nicht wirklich. In einem Krankenhaus, auch in so einem, hätte ich mir aber trotzdem ein ganz klitzekleines Stück mehr Hygiene erwartet.

Der zweite Kopf meiner Entourage, Achmed, kümmert sich um Besorgungen. Er holt mir eine syrische SIM-Card für mein Handy, welche leider – und ich habe keine Ahnung warum – nur etwa anderthalb Tage funktionieren wird. Außerdem kauft er ein bisschen Obst ein, denn in diesem KH sehe ich nur einmal am Mittag etwas Essen, und das ist nicht gerade der Oberhammer. Messer und Gabel, also überhaupt Besteck, fehlt indes völlig und ist selbst auf Nachfrage nicht aufzutreiben.

Gestern, als die Welt noch heil war
Gestern, als die Welt noch heil war

Den anderen vieren, also Münchnern und Australiern, teile ich mit, dass sie heute nicht kommen brauchen, sie sollen lieber was vom Land sehen als extra kompliziert wegen mir rauszufahren. Außerdem werde ich ja vielleicht nach دمشق Damaskus verlegt. Zumindest ist das der Wunsch, der in mir langsam zu wachsen beginnt, da ich wohl doch länger ans Bett gebunden bin, es aber nicht unbedingt eines in diesem KH sein muss, wenn ich mal ehrlich bin.

Gegen Mittag ruft mich dann auch die Frau Schlegl, Konsulin der deutschen Botschaft, an. »Mich anrufen« heißt übrigens, dass man sich so lange durch irgendwelche Nummern wählt, bis man jemanden am Handy hat, der mir das Gerät aufs Zimmer bringen kann. Ab und zu kommt also der eine oder andere, den ich teils nie gesehen habe, und reicht mir mehr oder weniger wortlos sein Mobiltelefon. Die Konsulin jedenfalls teilt mir mit, dass ich je nach Möglichkeit noch heute nach Damaskus verlegt werden soll und sie die Strippen dafür in der Hand hat. Außerdem fragt sie mich, ob meine Eltern informiert werden sollen, was ich bejahe, jedoch mit dem Hinweis, sie sollen sich doch bitte nicht aufregen. Daraufhin meint sie, sie bringe erstmal ne schonende Version hervor, nur ein paar Kratzer, die untersucht werden müssten, für Bruch etc. sei später immer noch Zeit.

Teil der Wartezimmerkompanie
Teil der Wartezimmerkompanie

Der Tag vergeht erstmal weiter, wie er auch begonnen hat. Leute Leute Leute. Inzwischen hab ich sechs oder sieben Handynummern aufgedrückt bekommen und musste meine syrische dafür natürlich auch rausgeben. Am sympathischsten ist mir jedenfalls eine Familie, die aus meinem Zimmer einfach eine Art Wartezimmer macht und inklusive netter Töchter länger verweilt. Die, die am jüngsten ausschaut, vielleicht so 18, ist aber, soweit ich verstanden habe, schon verheiratet. Mit einem Typen, der wie 35 aussieht und ebenfalls seine Nummer mit mir austauscht.

Gegen 17 Uhr stehen dann auf einmal zwei Leute im Zimmer, die mich nach Damaskus bringen wollen. Da es eigentlich kurz davor noch hieß, die kämen in zwei Stunden, sind wir alle ein bisschen überrascht. Schnell werden meine Sachen zusammengepackt und ich in die für hiesige Verhältnisse erstaunlich gute Ambulanz verfrachtet. Trotz meiner mehrmaligen Nachfrage wird hier mein Arsenal an Röntgenaufnahmen vergessen, was ich jedoch erst später bei Ankunft bemerken werde. Meinen Pass habe ich auch gerade nicht da, den hat Achmed unter Angabe einer mir fadenscheinig erscheinenden und bis jetzt nicht verstandenen Begründung mitgenommen, um in Hama irgendwas in ein Register eintragen zu lassen. Wahrscheinlich bin ich jetzt gesuchter Spion oder sonstwas, wer weiß. Nachdem ich es geschafft habe, diesen Umstand zu erklären, wird ein Treffen mit ihm in Hama arrangiert, damit ich das Teil auch zurück bekomme. Klappt Gott sei Dank auch.

»Aussicht« während der Fahrt
»Aussicht« während der Fahrt

Ansonsten ist die Fahrt aber eher beschissen. Ziemlich beschissen sogar. Obwohl der Fahrer des Wagens meiner Meinung nach ziemlich gut fährt, rüttelt und schüttelt es mich hinten durch wie in einer Waschmaschine. Zum ersten Mal auf einer Reise wünschte ich, dass ich eine schön geteerte, deutsche Straße befahren möge. Aber das ist nun mal Syrien und obwohl die Straße – ich kann hinten zum Fenster rausschauen – eigentlich recht gut aussieht, tut es mehrmals pro Minute höllisch weh. Die Hälfte der Fahr verbringe ich folglich damit, mich an einer Stange an der Seitenwand festzuklammern, um die Stöße etwas abzufedern.

Es dauert gefühlte Ewigkeiten, doch irgendwann sind wir endlich in Damaskus und kurz darauf wird der Motor des Wagens abgestellt. Endlich am Ziel. Es dauert keine fünf Minuten und ich werde auf der Liege in ein Einzelzimmer gefahren, welches auf den ersten Blick – vor allem nach dem Eindruck des letzten Krankenhauses – wie jenes eines Fünf-Sterne-Hotels rüberkommt. Ich sehe ein tolles Bett, ein sauberes Euroklo, einen Fernseher, alles wunderbar, doch sogleich kommt mir auch ein anderer Gedanke durch den Kopf geschossen: Hier wird es einsam!

Erster Eindruck vom Bett aus: Bild, TV, Klima
Erster Eindruck vom Bett aus: Bild, TV, Klima

Die Transportleute rücken ab und ich bereite mich mental schon aufs Pennen vor, doch zu meiner Überraschung wird hier auch abends – es ist inzwischen neun Uhr – noch mehr gearbeitet, als ich dachte. So geht es wieder los mit Urinprobe, Röntgen, CT-Scan, das Komplettpaket halt. Röntgen und CT übrigens in Geräten, die weit moderner sind als jene, mit denen ich bisher in Deutschland in Kontakt gekommen bin. Respekt.

Nachdem ich das alles hinter mir habe, darf ich dann aber doch mal schlafen. Müde bin ich bei weitem genug. Auf den morgigen Tag bin ich jedenfalls sehr gespannt.

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Aktuelles ...

Aktuelles

Freitag, 27. August 2010
Freitag, 3. September, 13:45 Uhr

Funkrufzeichen in Äthiopien:
+251 921457521
+39 328 8982773

Funkrufzeichen in Somaliland:
+252 2 4234075

Funkrufzeichen in Jemen:
+967 736367955

Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden (vielleicht) noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (sehr vielleicht) noch folgen.