
Montag, 3. September 2007aus: Rumänien und Syrien 2007
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Es ist inzwischen urheiß, die Landschaft hat sich allein auf den letzten 50 Kilometern gehörig verändert, und als wenn das nicht genug wäre, sind ab jetzt auch noch lange Hosen angesagt. In der syrischen Grenzstation bekomme ich jedoch erstmal einen Klimaanlagen-Kälteschock. Viel los ist hier nicht, kommt ja nur zweimal die Woche ein Personenzug vorbei. Güterzüge etwas öfter.
Die Leute aus dem Backpackerwagen müssen aussteigen, weil wir mit dem Bus weiterfahren werden. Soweit ich das verstanden habe, hat der Schaffner des syrischen Wagens einen Freund angerufen, der jetzt aus Aleppo kommt und uns abholt. Ich tausche meine letzten türkischen Lira in syrische Pfund, ansonsten warten wir gefühlte zehn Ewigkeiten, bis so ein Typ alle unsere Pässe – ca. 30 bis 35 Stück – durchgearbeitet hat. Jede Seite wird genau kontrolliert und der Typ schaut irgendwie auch recht angestrengt aus.
Als uns die Pässe ausgeteilt werden, bin ich am Ende der einzige, der keinen bekommen hat. Sozusagen aus einer Ecke werden ein paar Pässe geholt und ich werde gefragt, ob einer davon meiner sei, doch da ist nichtmal irgendwas Deutsches drunter. Ein paar Minuten lang suchen fünf Leute an allen möglichen Stellen nach meinem Pass, gehen ein und aus und telefonieren sogar. Soll der bitte schon so weit sein, dass man telefonieren muss? Ich finde es unterdessen eigentlich recht lustig, dass das erste, was mir in Syrien passiert, das Verschlampen meines Passes durch die Behörden ist. Kurz danach kommt jedoch der Oberchief mit hocherfreut grinsendem Gesicht, reicht mir meinen Pass und macht mit dem Streifen des Handrückens über die Stirn die Geste, die »Puh, gerade nochmal geschafft« bedeuten soll. Ich erfahre, dass mein Pass in den Schlafwagen gebracht wurde, weil irgendein Hosch wohl meinte, ich sei einer der normalen Fahrgäste.
Nachdem alle nur auf mich gewartet hatten, kann es nun im ultraengen Minibus losgehen. Zusammengepfercht geht es für läppische 100 Pfund typisch orientalisch halsbrecherisch fahrend Richtung Aleppo, wo wir knapp zwei Stunden später ankommen.
Wir sind da, es ist geschafft. Mit 19 YTL + 6,50 YTL + 100 SYP war das wohl die billigste Verbindung ever! Was Billigeres als lächerliche 15 Euro kann man sich von İstanbul nach Aleppo wohl gar nicht vorstellen.
Zusammen mit einem Engländer suche ich in Aleppo ein Hostel. Als wir drei durchhaben, welche jedoch alle voll sind, beginne ich langsam zu verstehen, warum jeder, den ich bisher fragte, irgendetwas reserviert hat. Beim Zahir ar-rabi, einem etwas gammligen, dafür aber sehr billigen Hostel finden wir dann doch noch Platz. Der Typ hat keine Lust, einen Raum zu teilen, ich werde ihn auch nicht wieder sehen, also nimmt er den letzten verbliebenen Raum und ich quartier ich mich im Dormitory ein, welches aber zu meiner Überraschung mit nur vier Plätzen überschaubar klein ist. Ganz im Stile der zwei Tage in İstanbul ist auch hier kein Strom vorhanden. Das heißt, dass ich nach 34 Stunden gammligen Reisens nicht mal duschen kann, weil es kein Licht gibt.
Unverrichteter Dinge ziehe ich einfach los durch die Stadt und aus meinem geplanten Schnupperspaziergang von einer halben Stunde wird eine dreistündige Tour, bei der ich schon die wichtigsten Stellen kennen lerne. Erster Eindruck von Aleppo: Die Stadt ist sehr orientalisch. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten, die ich gesehen habe, scheint die Zeit hier wirklich um einiges zurückgeblieben zu sein. Tunesien ist im Gegensatz hierzu reinstes Westeuropa. Marokko kann es hingegen in vielerlei Hinsicht – egal ob das nun Verkehr, ständiges Gehupe, die Leute oder der Souk ist – schon hiermit aufnehmen. Im Gegensatz zum Maghreb ist hier fast nichts transkribiert. So gut wie alle Schilder sind allein auf Arabisch und ich fange wieder an, mich im Lesen zu üben. Für etwa 3,50 Euro verleibe ich mir ein Festmahl bei direktem Blick auf die wunderschön beleuchtete Zitadelle ein und verirr mich auf dem Heimweg.
Auf Arabisch frage ich nach dem Weg zum Bab Intakya, von dem ich wieder nach Hause finden würde, doch lustiger Weise texten mich alle drei Leute, die ich frage, komplett auf Arabisch zu. Durch das Achten auf ihre Gesten verstehe ich trotzdem ungefähr, wo es langgeht.
Im Hostel gibt es wieder Strom und ich kann endlich duschen. Meine Zimmerkumpanen sind ein Japaner und eine Japanerin. Erfolgreich wende ich meine einzigen fünf japanischen Wörter an, die mir der verrückte Tretroller-Japaner im April in Sousse beigebracht hat. Das Mädel ist schon zum zweiten Mal in Syrien und kommt auch sonst alleine ganz schön viel rum. Überhaupt sind ziemlich viele Leute alleine unterwegs, wie ich merke.
Auf der Dachterrasse treffe ich zwei Deutsche – Corinna und Simon – wieder, die ich schon aus dem syrischen Wagen kannte, und laber noch viel zu lange, obwohl ich eigentlich längst schlafen wollte. Wir machen aus, dass wir uns morgen früh mit den Australiern treffen und gemeinsam die Stadt unsicher machen.
Schließlich hau ich mich um eins endlich ins Bett und hole wunderschön tief schlafend in neun Stunden meinen fehlenden Schlaf nach.
Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.
Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.