Übernachtungsplatz bei Redjim Maatoug, Tunesien (27.03.2007)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Sonntag, 2. September 2007aus: Rumänien und Syrien 2007
Routenteil: İstanbul, [Türkei / Syrien], Maydan Akpas, حلب Aleppo

Mein gefürchteter Weckton am Funkgerät ertönt um Punkt sechs Uhr und reißt mich aus meinem richtig guten Schlaf. Der Stromgenerator des Hostels ist mal wieder in vollem Gange und dröhnt zusammen mit dem heute morgen recht starken Wind durch die offenen Fenster. Eine warme Dusche kann ich mir wohl auch heute nicht erwarten. Von den vier oder fünf Duschen, die ich hier im Hostel hatte, war nur die erste warm, und eine war zur Hälfte ohne Licht.

Chris aka Till und Mikey
Chris aka Till und Mikey

Ich packe meine sieben Sachen, während der Rest des Zimmers schläft, und um sieben gehe ich frisch (in jedem Sinne) geduscht und fertig bepackt an die Straße. Eine Minute später kommen zwei andere Jungs heraus. Sonntagmorgen um sieben? Wohin startet man da schon? »Aleppo« lautet die Antwort der beiden Australier Chris und Mark auf meine Frage, wohin es denn gehe. Zu dritt machen wir uns also auf den unerwarteterweise abenteuerlichen Weg nach Hayerpasa. Eigentlich dachte ich, dass alles klar sei, denn ich war gestern ja schon da gewesen, wobei ich jedoch nicht die richtige Linie genommen hatte, mir aber die richtige dann noch hab zeigen lassen. Als wir zur Haltestelle der gestern genommenen Linie kommen, war erstmal alles zu. Sollten die Linien nicht ab spätestens sieben in der Früh fahren, wie mir gestern gesagt wurde? Bei der Haltestelle der »richtigen« Linie dann das gleiche Bild, zusätzlich ein Schild, dass die erste Abfahrt um 8.20 Uhr sei.

Wir fragen einen Taxifahrer, wieviel er verlangt, um uns zum Bahnhof zu bringen. Angesichts seiner gleich null betragenden Englischkenntnisse und der Tatsache, dass bei einer solchen Fahrt ja der Bosporus und damit auch die normalerweise zahlpflichtige Brücke überquert werden müssten, trägt die Diskussion keinerlei Früchte. Während wir nun so rumstehen, bemerken wir zu spät, dass auf der ersten Linie nun doch eine Fähre startet. Mist. Schließlich gehen wir auf eine Fähre einer ganz anderen Linie, die um acht zwar an eine völlig falsche Stelle fahren soll, jedoch wenigstens überhaupt auf die asiatische Seite. Die Ironie des Schicksals will es wohl, dass wir beim Ablegen widerum eine andere Fähre beobachten, die gleichzeitig auf der fast richtigen Linie ablegt. Wieder Mist. Doch ab jetzt läuft wenigstens alles wie geschmiert. Der Taxifahrer, der uns zum Bahnhof bringt, scheint es dreimal so eilig zu haben wie wir, die Fahrt kostet schlappe 8 YTL und wir erreichen den Zug eine ganze Viertelstunde vor Abfahrt.

Ricci und Janosch
Ricci und Janosch
Abfahrt in Haydarpaşa
Abfahrt in Haydarpaşa

Nachdem wir uns noch am Kiosk mit Wasser und Proviant für die nächsten 35 Stunden versorgt haben, trennen sich hier unsere Wege erstmal, denn die beiden Australier haben schon vor einem Monat (Schatten?!?) den syrischen Schlafwagen gebucht, während ich mich nun auf die Suche nach meinem Wagen machen muss. Die an Toiletten erinnernde Angabe »00« auf dem Ticket hilft nicht gerade groß weiter. Im Wagen angekommen ist der Wortfetzen »keine Ahnung« das erste, was ich auf dem Gang höre. Ich treffe Richard und Janosch, die beide nach Damaskus wollen. Erst heute Nacht sind die beiden Freiburger von Basel aus mit dem Flugzeug gekommen und wollten natürlich auch einen Platz im syrischen Wagen. Von wegen der Wagen sei nie ausgebucht, auch sie wurden eines Besseren belehrt. An dieser Stelle daher einen schönen Gruß von uns dreien an die vielen Internetberichte, die standhaft diese Meinung vertreten.

Mit einer Minute Verspätung geht die Fahrt um 8.56 Uhr richtig gemütlich los: wir hocken zu dritt im theoretisch engen 8ter-Abteil und breiten uns nach Belieben aus. »Gemütlich« übrigens auch in anderer Hinsicht: Der Taurus-Express macht seinem Namen alle Ehre und hält auf der 1.391 Kilometer langen Strecke nach nur vier Minuten schon am ersten Kaffbahnhof. Das kann heiter werden.

Mutter mit Tochter (und mir)
Mutter mit Tochter (und mir)

Bereits nach wenigen Haltestellen wird unsere Dreierrunde auch schon gestört, denn eine Armada an Fahrgästen stürmt unseren Wagen. Wir versuchen das Abteil so »voll« wie möglich aussehen zu lassen, was jedoch letztlich wenig hilft. Eine Frau mit ihrer etwa fünfjährigen Tochter und der Großmutter gesellen sich zu uns ins Abteil. Die Truppe ist jedoch ganz nett und obwohl das einzige Wort, was wir in einer gemeinsamen Sprache sprechen, »Okay« ist, gibt es recht viele gegenseitige Kommunikationsversuche. Vor allem die Kleine entpuppt sich schließlich als Stimmungsmacher und scheint mich nach einiger Zeit mit ihrem persönlichen Clown oder Kindergärtner zu verwechseln. Als uns die drei in Bozüyük gegen 14 Uhr verlassen, empfinden wir es fast als schade, freuen uns aber über das wieder erlangte Platzangebot. Dass dies mit einer Minute nur von sehr kurzer Dauer ist und die Gesellschaft der drei die bei weitem beste war, die wir auf der ganzen Reise gehabt haben werden, soll uns erst später klar werden.

Station mit »Dorfschönheit« ;-)
Station mit »Dorfschönheit« ;-)
Zug von hinten
Zug von hinten
Zug von vorne
Zug von vorne

Der ultraschnelle Taurus-Express fliegt unterdessen mit Überschallgeschwindigkeit auf direktem Wege durchs Land, hält nur an großen Metropolen und ist komfortabel wie das eigene Wohnzimmer. Auf gut Deutsch heißt das, dass wir mit undefinierbar langsamer Geschwindigkeit über eine kurvenreiche, eingleisige Strecke dahintuckern und an jedem noch so kleinen Kaffbahnhof halten. Wir zählen nur drei haltlos durchfahrene Bahnhöfe, halten aber laut Fahrplan an etwa 95. Seufz!

Elektrifiziert ist die Strecke nur bis Eskisehir, also ein relativ kurzer Teil, von dort aus geht es dann mit einer Diesellok weiter. Ich beneide die Fahrgäste früherer Jahre nicht um ihre dieselgetriebene Fortbewegung, im Gegenteil, eine Runde herzliches Beileid. Wir sind im zweiten Wagen und es ist teils ohrenbetäubend laut. Vor allem, wenn irgendwelche Schall reflektierenden Bauten oder Formationen nahe den Gleisen sind, ist eine Unterhaltung fast unmöglich. Dazu kommt der permanente Gestank verbrannten Diesels, der einem je nach Windrichtung schon mal den Atem nehmen kann. Schaut man kurzzeitig mal in einem falschen Moment aus dem falschen Fenster, fühlt man gleich eine angenehme Dieselschicht auf der Haut. In einem der wenigen Tunnels hört der Spaß dann aber auch endgütlig auf, denn dort ist der Zustand wirklich nicht mehr feierlich.

Bestehen tut der Zug aus zwei Wagen unnummerierter Sitzplatzabteile, zwei Liegewagen, einem Schlafwagen und natürlich dem syrischen Schlafwagen. Hinter der Lok ist noch irgendein besonderer Wagen mit Post, Lichtmaschine, Schaffnerabteilen und sonstigem Zeug, wirklich abgecheckt hab ich den aber nicht.

Dachte ich bis zum frühen Nachmittag noch, dass wir in der Nacht massig Platz haben werden, so muss ich diese Meinung bald revidieren, da es immer voller statt leerer wird. Der Gang wird zum Generalabteil und zur Abstellkammer für alle möglichen Körbe, Kisten und Tüten. Wir sitzen mit selten wechselnder Besetzung, im beinahe immer voll besetzten Abteil, welches mit ganzen 11 Personen auch mal um einiges überbesetzt ist. Die Nacht über sind Veysel, Suzan, Yusuf, Tufan und Fatma unsere Hauptbegleitung, die wir zwar als sehr freundlich, aber ehrlich gesagt auch als ziemlich anstrengend empfinden.

Yusuf, Veysel, ich, Janosch
Yusuf, Veysel, ich, Janosch
Ricci, Suzan, Tufan, Fatmo
Ricci, Suzan, Tufan, Fatmo
Streicheleinheiten ;-)
Streicheleinheiten ;-)

Als uns fast die ganze Kompanie irgendwann spät nachts verlässt, stürmt gleich eine andere Horde ins Abteil, mit der wir uns schon kurz auf dem Gang unterhalten haben. Die Jugendlichen sind ebenfalls freundlich und es ist durchaus lustig mit ihnen, aber anstrengend ist es weiterhin.

Warum uns eigentlich alle auf Türkisch zutexten, wie wenn wir alles verstehen würden, kapier ich einfach nicht. Die labern alle 10 Sätze runter, wundern sich dann, dass man keine Antwort drauf hat, und anschließend lachen wir alle miteinander. Das ist ein paar Mal ganz nett, stundenlang kann es aber ganz schön auf den Geist gehen. Die Italiener sind im Gegensatz zu den Türken übrigens wahre Sprachgenies. Im ganzen Wagon scheint kein Mensch zu sein, der einigermaßen Englisch oder Französisch spricht. Einige wenige bringen noch Sachen wie »my name is« raus, doch das ist echt die Minderheit. Wenn jemand etwas sagen will, suchen alle gemeinsam nach den richtigen Vokabeln und gehen zu diesem Zweck sogar in andere Abteile, um nachzufragen. Unter solchen Voraussetzungen wird die Hände-Füße-Kommunikation natürlich stark gefördert.

Schlafen tu ich vielleicht insgesamt eine Stunde in zehn Häppchen à sechs Minuten. Mehr ist bei der ungemütlichen Enge, dem Lärm und den ständigen Ansprachen von anderen Leuten einfach nicht drin. Janosch und Richard schlafen etwas mehr, aber die hatten auch schon seit über 30 Stunden keinen Schlaf.

Montag, 3. September 2007aus: Rumänien und Syrien 2007
Routenteil: İstanbul, [Türkei / Syrien], Maydan Akpas, حلب Aleppo

Höchst unausgeschlafen genießen wir am frühen Morgen ab Adana das etwas freiere Abteil. Eine Besetzung von vier bis fünf Leuten erscheint uns jetzt absoluter Luxus. Die Verspätung, die wir mangels sinnvoller Beschäftigung bei fast jeder Haltestelle minutengenau auf einer Tabelle mitschreiben, beträgt inzwischen 90 bis 99 Minuten. Die 100 erreichen wir entgegen unseren Erwartungen auf der ganzen Fahrt nie.

Kurz nach Sonnenaufgang
Kurz nach Sonnenaufgang

Die Zeit geht im durch Schlafmangel benebelten Zustand auch recht schnell um. Zu unserer Überraschung spricht uns noch weit vor Gaziantep ein Typ vom Zugpersonal an, ob wir nach Aleppo wollen. Nachdem wir dies bejahen, gibt er uns mit seiner Zeichensprache zu verstehen, dass wir unsere Sachen packen und uns bereit halten sollen. Warum, wissen wir auch nicht so genau, doch es scheint fast so, als würde man unsere Weiterfahrt organisieren.

Till und Ricci
Till und Ricci

Eine Viertelstunde später kommt der Typ wieder vorbei und wir folgen ihm durch den ganzen Zug ganz hinter in den syrischen Wagen. Auf dem Weg dorthin sammeln wir gleich noch ca. 10 weitere Backpacker ein, die alle nach Aleppo wollen. Im Wagen angekommen bestaunen wir den Komfort, mit dem die Fahrgäste hier die Nacht verbracht haben und ich treffe auch endlich die Australier wieder, in deren Abteil ich gleich mal die 220V zur Aufladung des GPS benutze.

Im Nachhinein muss ich jedoch sagen, war es weit interessanter, mit dem Pöbel die Nacht zu verbringen und original türkische Zugkultur mitzuerleben, als hier isoliert im fast ausschließlich von Europäern besetzten Schlafwagen rein gar nichts vom restlichen Geschehen mitzubekommen. Leute auf dem Flur? Dieselgeruch? Lokomotivenkrach? Bazarstimmung? Alles Fehlanzeige!

Syrischer Wagen und Güterwaggons
Syrischer Wagen und Güterwaggons

Am nächsten Bahnhof werden wir vom Taurus-Express abgekoppelt und vorne an einen langen Güterzug drangehängt. Das dauert eine halbe Ewigkeit, doch irgendwann bewegen wir uns langsam wieder vorwärts, zweigen aber auf die direkt nach Süden führende Strecke ab, fahren also gar nicht mehr über Gaziantep und weitere Haltestellen davor.

Am nächsten türkischen Bahnhof ist mal wieder Grenzkontrolle an der Tagesordnung. Auch hier ist Aussteigen angesagt und in irgendeinem Häuschen stellen wir uns für den Ausreisestempel an. Währenddessen improvisieren die Türken und der syrische Schaffner ein bisschen und hängen einfach einen türkischen Wagen vor den syrischen, wo die etwa 12 Backpacker Platz finden. Das nenne ich Service. Zwar ist der Wagen urdreckig und augenscheinlich älterer Generation, doch dass sie für uns Hanseln überhaupt spontan einen Wagen anhängen, wo theoretisch fast jeder ein Abteil für sich hat, ist schon ne tolle Leistung.

»Ticket« zur Grenze
»Ticket« zur Grenze

Die Weiterfahrt bis zur Grenze kostet ganze 6,50 Lira und ist damit, auf den Kilometerpreis bezogen, ungefähr zehnfach so teuer, wie die bisherige Strecke. Trotzdem spottbillig. Wirklich schnell geht es nicht voran, aber schließlich erreichen wir gegen eins die syrische Grenze, vor der wir nochmal ne halbe Stunde warten müssen, bis irgendein Güterzug auf syrischer Seite das Feld (=Gleis) geräumt hat.

Im Wagen ist neben zwei Schweizern und einem einzelreisenden Engländer, dessen Pass übrigens keine einzige freie Seite mehr aufweist, auch eine Gruppe von vier Engländern, die auf dem Landweg per Zug hergekommen sind. Vor einer Woche in London mit dem TGV/Eurostar gestartet, sind sie ohne Unterbrechung bis hierher gefahren. Entsprechend freuen sie sich auf zwei »Luxusnächte« im für meine Verhältnisse nicht gerade allzu billigen Hotel in Aleppo, das sie reserviert haben. Ein bisschen Komfort nach einer Woche Zug muss schon sein. Zurückfliegen werden sie in drei Wochen von Tel Aviv. Interessant ist, dass alle vier Sprachstudenten sind. Alle verstehen einigermaßen Deutsch, zwei können es auch sehr gut sprechen. Der eine davon hat sein fast perfektes Deutsch (!) in nur einem Jahr (!!!) gelernt. Sowas habe ich echt noch nie gesehen, ich bin absolut baff. Auch Französisch und Spanisch ist selbstredend kein Problem. Unsere Diskussionen drehen sich denn auch mehr um Grammatik und Spracheigenheiten denn um unsere Reisen.

Landschaft kurz vor Syrien
Landschaft kurz vor Syrien
Idem
Idem
Syrischer Grenzzaun
Syrischer Grenzzaun

Es ist inzwischen urheiß, die Landschaft hat sich allein auf den letzten 50 Kilometern gehörig verändert, und als wenn das nicht genug wäre, sind ab jetzt auch noch lange Hosen angesagt. In der syrischen Grenzstation bekomme ich jedoch erstmal einen Klimaanlagen-Kälteschock. Viel los ist hier nicht, kommt ja nur zweimal die Woche ein Personenzug vorbei. Güterzüge etwas öfter.

Türkische Ein- und Ausreise, syrische Einreise und Visum
Türkische Ein- und Ausreise, syrische Einreise und Visum

Die Leute aus dem Backpackerwagen müssen aussteigen, weil wir mit dem Bus weiterfahren werden. Soweit ich das verstanden habe, hat der Schaffner des syrischen Wagens einen Freund angerufen, der jetzt aus Aleppo kommt und uns abholt. Ich tausche meine letzten türkischen Lira in syrische Pfund, ansonsten warten wir gefühlte zehn Ewigkeiten, bis so ein Typ alle unsere Pässe – ca. 30 bis 35 Stück – durchgearbeitet hat. Jede Seite wird genau kontrolliert und der Typ schaut irgendwie auch recht angestrengt aus.

Als uns die Pässe ausgeteilt werden, bin ich am Ende der einzige, der keinen bekommen hat. Sozusagen aus einer Ecke werden ein paar Pässe geholt und ich werde gefragt, ob einer davon meiner sei, doch da ist nichtmal irgendwas Deutsches drunter. Ein paar Minuten lang suchen fünf Leute an allen möglichen Stellen nach meinem Pass, gehen ein und aus und telefonieren sogar. Soll der bitte schon so weit sein, dass man telefonieren muss? Ich finde es unterdessen eigentlich recht lustig, dass das erste, was mir in Syrien passiert, das Verschlampen meines Passes durch die Behörden ist. Kurz danach kommt jedoch der Oberchief mit hocherfreut grinsendem Gesicht, reicht mir meinen Pass und macht mit dem Streifen des Handrückens über die Stirn die Geste, die »Puh, gerade nochmal geschafft« bedeuten soll. Ich erfahre, dass mein Pass in den Schlafwagen gebracht wurde, weil irgendein Hosch wohl meinte, ich sei einer der normalen Fahrgäste.

Janosch, Engländer und ich im Bus
Janosch, Engländer und ich im Bus

Nachdem alle nur auf mich gewartet hatten, kann es nun im ultraengen Minibus losgehen. Zusammengepfercht geht es für läppische 100 Pfund typisch orientalisch halsbrecherisch fahrend Richtung Aleppo, wo wir knapp zwei Stunden später ankommen.

Wir sind da, es ist geschafft. Mit 19 YTL + 6,50 YTL + 100 SYP war das wohl die billigste Verbindung ever! Was Billigeres als lächerliche 15 Euro kann man sich von İstanbul nach Aleppo wohl gar nicht vorstellen.

Zusammen mit einem Engländer suche ich in Aleppo ein Hostel. Als wir drei durchhaben, welche jedoch alle voll sind, beginne ich langsam zu verstehen, warum jeder, den ich bisher fragte, irgendetwas reserviert hat. Beim Zahir ar-rabi, einem etwas gammligen, dafür aber sehr billigen Hostel finden wir dann doch noch Platz. Der Typ hat keine Lust, einen Raum zu teilen, ich werde ihn auch nicht wieder sehen, also nimmt er den letzten verbliebenen Raum und ich quartier ich mich im Dormitory ein, welches aber zu meiner Überraschung mit nur vier Plätzen überschaubar klein ist. Ganz im Stile der zwei Tage in İstanbul ist auch hier kein Strom vorhanden. Das heißt, dass ich nach 34 Stunden gammligen Reisens nicht mal duschen kann, weil es kein Licht gibt.

Essensplatz
Essensplatz

Unverrichteter Dinge ziehe ich einfach los durch die Stadt und aus meinem geplanten Schnupperspaziergang von einer halben Stunde wird eine dreistündige Tour, bei der ich schon die wichtigsten Stellen kennen lerne. Erster Eindruck von Aleppo: Die Stadt ist sehr orientalisch. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten, die ich gesehen habe, scheint die Zeit hier wirklich um einiges zurückgeblieben zu sein. Tunesien ist im Gegensatz hierzu reinstes Westeuropa. Marokko kann es hingegen in vielerlei Hinsicht – egal ob das nun Verkehr, ständiges Gehupe, die Leute oder der Souk ist – schon hiermit aufnehmen. Im Gegensatz zum Maghreb ist hier fast nichts transkribiert. So gut wie alle Schilder sind allein auf Arabisch und ich fange wieder an, mich im Lesen zu üben. Für etwa 3,50 Euro verleibe ich mir ein Festmahl bei direktem Blick auf die wunderschön beleuchtete Zitadelle ein und verirr mich auf dem Heimweg.

Eingang der Zitadelle
Eingang der Zitadelle
Zitadellenfront
Zitadellenfront
Moschee gegenüber Zitadelle
Moschee gegenüber Zitadelle

Auf Arabisch frage ich nach dem Weg zum Bab Intakya, von dem ich wieder nach Hause finden würde, doch lustiger Weise texten mich alle drei Leute, die ich frage, komplett auf Arabisch zu. Durch das Achten auf ihre Gesten verstehe ich trotzdem ungefähr, wo es langgeht.

Im Hostel gibt es wieder Strom und ich kann endlich duschen. Meine Zimmerkumpanen sind ein Japaner und eine Japanerin. Erfolgreich wende ich meine einzigen fünf japanischen Wörter an, die mir der verrückte Tretroller-Japaner im April in Sousse beigebracht hat. Das Mädel ist schon zum zweiten Mal in Syrien und kommt auch sonst alleine ganz schön viel rum. Überhaupt sind ziemlich viele Leute alleine unterwegs, wie ich merke.

Brunnen im Kreisverkehr
Brunnen im Kreisverkehr

Auf der Dachterrasse treffe ich zwei Deutsche – Corinna und Simon – wieder, die ich schon aus dem syrischen Wagen kannte, und laber noch viel zu lange, obwohl ich eigentlich längst schlafen wollte. Wir machen aus, dass wir uns morgen früh mit den Australiern treffen und gemeinsam die Stadt unsicher machen.

Schließlich hau ich mich um eins endlich ins Bett und hole wunderschön tief schlafend in neun Stunden meinen fehlenden Schlaf nach.

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.