Robert und Daniel, zwischen Anagame und Tagounite, Marokko (02.09.2006)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?
31. August 20072. September 2007

Samstag, 1. September 2007aus: Rumänien und Syrien 2007
Routenteil: İstanbul

Hagia Sophia
Hagia Sophia

Ich wache auf und es gibt – welch Überraschung – gerade keinen Strom. Einer unserer gerade kennen gelernten zwei englischen Zimmergenossen gibt sich das Abenteuer, komplett im Dunkeln zu duschen und überlebt es sogar ohne größere Schäden. Als ich an der Reihe bin, fließen die Elektronen glücklicherweise seit zwei Minuten wieder.

Das im Preis inbegriffene Frühstück des Hostels wird ausgenutzt und anschließend mache ich mich nochmal auf den Weg zum Sirkeci-Bahnhof. Inzwischen hängt mir der Weg vom Hostel zum Bahnhof/Zentrum so dermaßen zum Hals raus, doch es gibt ja auch keine Alternative. Dass ich jedoch wieder umsonst gelatscht bin, weil mir der Schaltertyp abermals sagt, dass ich nach Haydarpaşa muss, macht die Sache auch nicht unbedingt viel besser.

Hagia Sophia
Hagia Sophia

Mittags gehe ich trotz des abenteuerlichen Eintrittspreises mit Sarah in die Hagia Sophia. Mit ganzen 10 Lira nehmen die es von den Lebenden. Der Besuch lohnt sich aber sehr, denn es gibt Beeindruckendes und auch viele kleine interessante Details zu sehen. Überrascht bin ich aber über die »Stimmung«, die im Inneren herrscht: für einen (wenn auch nur ehemals) heiligen Ort beinahe ohrenbetäubendes Gelaber dutzender Busladungen ausländischer Touristen und weiterer Hundertschaften Türken. Ganze Familien hocken auf irgendwelchen Stufen und versperren Durchgänge, Kinder laufend spielend herum, das Blitzlichtgewitter fühlt sich an wie auf dem roten Teppich irgendeiner Gala. Zugegeben, die Beschreibung ist ein bisschen übertrieben, doch im Großen und Ganzen ist es einfach nur laut und chaotisch. Vermiest wird einem der Besuch dadurch nicht wirklich, aber vielleicht sollte man schon zusehen, nicht gerade eine Hauptbesuchszeit zu erwischen.

Zwei Anlegestellen
Zwei Anlegestellen

Nun endlich mache ich mich auf den Weg zum Hayerpasa-Bahnhof. Der übliche Weg runter langweilt, das Boot Fahren ist dafür wie gestern umso interessanter. Diese Bootsverbindungen zwischen den vielen Haltepunkten der Stadt sind hier quasi das, was eine Metro in anderen Städten ist. Die Benutzung funktioniert entsprechchend genauso: Mit einem Jeton müssen die üblichen Schranken passiert werden, dann wartet man, bis das Gefährt kommt, steigt ein, und irgendwann wieder aus. Einziger Unterschied ist wohl, dass »hinterm Bahnsteig« Wasser ist und keine Gleise. Einziges – aber dafür riesengroßes – Manko, ist die absolute Undurchschaubarkeit des Linien- und Zeitplans. Es gibt keine Karte mit eingezeichneten bunten Linien, sondern nur ein kleines Heftlein mit endlos vielen Tabellen von Abfahrtszeiten und komplizierten Überschrifen, welche offenbar mit den Stadteilnamen beschriftet sind. Dass diese teils auch noch nahezu gleich klingen und geschrieben werden, gibt dem um ein bisschen Erleuchtung suchenden Touristen endgültig den Rest. Für die sinnvolle Benutzung der Bootsverbindungen, wenn man also nicht einfach irgendwo an einer x-beliebigen Haltestelle rauskommen will, braucht es einen Doktor in İstanbulogie oder eine Engelsgeduld mit Durchfragevermögen.

Bahnhof Haydarpaşa
Bahnhof Haydarpaşa

Irgendwie komme ich schließlich nach Haydarpaşa, wo mich keine guten Nachrichten erwarten. Der Typ hinter der Scheibe des internationalen Ticketschalters scheint mich mit Hiob zu verwechseln und teilt mir mit, dass der Kurswagen nach Aleppo ausgebucht ist. Scheiße! Irgendwie hatte ich mich jetzt gefreut, mit dem syrischen Schlafwagen direkt bis nach Aleppo zu fahren und auch fest damit gerechnet, einen Platz zu bekommen. Jeder Depperlbericht im Internet behauptet, dass der Wagen so gut wie nie ausgebucht ist und man sogar direkt am morgen der Abfahrt problemlos Plätze bekommen sollte. Nun ja, dies hier ist dann wohl das Gegenbeispiel.

Als nächstes geht’s also zum nationalen Ticketschalter, wo ich allem Anschein nach die Rolle des Hiob II. bekleiden soll: Keine Liegewagenplätze mehr nach Gaziantep. Und als ob dies nicht genug wäre hat er mir einen Sitzplatz nur in der zweiten Klasse anzubieten. Bei einer Preisdifferenz von nichtmal einer Hand voll Euro ist die Ausbuchung der ersten Klasse ja nicht wirklich verwunderlich.

Vor die Wahl gestellt, ob ich nun zwei weitere Tage auf einen Liegewagenplatz warte oder morgen einen Sitzplatz nehme, entscheide ich mich ad-hoc für letztere Alternative. Wenigstens kann ich mir nun des Gefühls sicher sein, die wohl billigste Bahnverbindung meines bisherigen Lebens zu nutzen, denn der lächerliche Spottpreis von 19 neuen türkischen Lira (=10,86 Euro) für ganze 1.391 Kilometer ist der echte Hammer.

Christoph, Sarah und ich verpassen uns leider wegen zu vage ausgemachtem Treff- und Zeitpunkt, also laufe ich allein durch den asiatischen Teil der Stadt, bis mir die Füße weh tun. Das geht nach dem gestrigen Tag heute ja recht schnell.

Um 18 Uhr komme ich zurück zum Hostel und hocke mich auf dessen Dachterasse, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Außerdem treffe ich ausnahmsweise auch mal einen Italiener namens Lorenzo anstatt der üblichen Briten, die das ganze Hostel und die Stadt zu belagern scheinen. Doch nichts gegen die Briten, bis jetzt habe ich mich mit allen sehr gut verstanden. Die Atmosphäre im Hostel ist sowieso sehr positiv, man redet mit allen möglichen Leuten und hört viele interessante Geschichten. Die Slowenin, die gerade einen Monat allein im Iran war, ist nur ein Beispiel für die Sorte, die man hier so trifft.

Spät abends esse ich mit den anderen beiden nur ein paar Meter vom Hostel entfernt zu Abend. Auf großes Latschen hat niemand Bock, der Gang zum Geldautomaten ist das Höchste der Gefühle.

31. August 20072. September 2007

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Freitag, 27. August 2010
Freitag, 3. September, 13:45 Uhr

Funkrufzeichen in Äthiopien:
+251 921457521
+39 328 8982773

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Berichte von Syrien & Libanon 2010 werden (vielleicht) noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (sehr vielleicht) noch folgen.