Freitag, 24. August 2007aus: Rumänien und Syrien 2007
Routenteil: Ighiu, Cluj-Napoca, Baia Mare, Surdeşti, Sighetu Marmaţiei
Real und Praktiker?!?
Alles »Euro« ist hier cool!
Die Bani sind wohl alle in Brunnen
Der nahosterfahrene Italiener weckt noch mehr Reiselust
Garten unseres Hotels
Was Bargeld angeht, erinnert Rumänien an das Italien der siebziger oder frühen achtziger Jahre: Kleingeld ist nicht zu bekommen. Ein Lei ist in 100 Bani unterteilt. Es soll angeblich Münzen von 5 bis 50 Bani geben, doch man kann froh sein, wenn man überhaupt eine 50-Bani-Münze in die Hände bekommt, denn diese sind rar wie Wasser in der Sahara. Beim Bezahlen in irgendwelchen Geschäften oder Restaurants füllt man daher automatisch seinen Kaugummivorrat auf, wenn man statt 10-Bani-Münzen Kaugummis zum Wechselgeld hinzugereicht bekommt. Das Einsetzen dieses Ersatzgeldes zum Bezahlen hat aber bisher leider noch nicht funktioniert. Italiens Gettoni waren damals vollwertig und deren Gegenwert erhöhte sich sogar ab und an einfach so über Nacht mıt der Änderung des Telefontarifs.
Was aber tut man, wenn man hier wirklich eine oder gar mehrere 50-Bani-Münzen braucht, um zum Beispiel einen Parkautomaten zu füttern? Entweder man klappert geschlagene 20 Minuten alle möglichen Geschäfte ab, wie es der Server vorgestern in Braşov getan hat, oder es steht schon ein »freundlicher« Herr wie heute beim Parkplatz in Cluj-Napoca bereit, der einem sogar 8 mal 50 Bani aushändigt und dafür fünf Lei verlangt – Gewinn: ein Leu.
Auch ansonsten weist Rumänien erstaunliche Ähnlichkeiten mit Italien auf. Deine Pension holst du bei der Post und musst dafür nicht weniger als eine halbe Stunde anstehen. Die TV-Nachrichten bestehen zum Großteil aus so genannter cronaca, also einer Aneinanderreihung von Unfall-, Mord-, Familientragödien- und sonstigen Berichten, wo jeder Depperlvorfall aus der hintersten Provinz ausgeschlachtet werden muss – sozusagen eine Mischung aus Taff, Explosiv und den RTL2-Nachrichten.
Und nicht zuletzt funktioniert der Straßenverkehr auch sehr ähnlich: Spuren werden nach Bedarf eröffnet und geschlossen, Kurven werden geschnitten und überholt wird bei Belieben. Geringer ist jedoch der Gemeinschaftssinn und die Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern, denn viel öfter passiert es hier, dass irgendein mit Hut versehener Vollspack im rumänischen Nationalwagen, dem Dacia, nichtmal checkt, dass du hinter ihm bist. Und mit Mittellinien- oder Linke-Hand-Kommunikaton wie in Italien stets üblich habe ich hier auch noch keine großen Erfolge verbuchen können. Trotzdem kommt man mit italienischem Fahrstil wirklich bestens zurecht.
Der Server meinte heute schon, dass ihm nun mit jeder Geschichte und jeder neuen Information über das Leben und die Verhaltensweisen in Italien klar wird, warum so viele Rumänen dorthin wollen: es ist fast wie zu Hause, nur ein bisschen fortgeschrittener.