Dienstag, 21. August 2007aus: Rumänien und Syrien 2007
Routenteil: Planegg, München, [Deutschland / Österreich], Wien, [Österreich / Ungarn], Budapest, [Ungarn / Rumänien], Braşov, Bran
Start in meinem Zimmer
Die Nacht ist härter als erwartet. Zwar sind die Sitze im ungarischen Großraumsitzwagen bequemer als gedacht, doch ich finde nur zwischen halb drei und sieben vereinzelt etwas Schlaf. Wenigstens ist der Wagen nur spärlich besetzt und es bleibt viel Platz für den Einzelnen.
Budapest Keleti – Pisswetter!
Um 7.13 Uhr überqueren wir bei einem undefinierbaren Himmelsgrau die ungarische Grenze. Erst hier komm ich mit den mich umgebenden Leuten wirklich ins Gespräch. Darunter auch Peter, ein junger Brite, der gerade eine einmonatige Europa-Tour macht. Mit ihm zusammen stelle ich mich den Wirren des Bahnhofs, nachdem der Zug mit etwa halbstündiger Verspätung in Budapest Keleti angekommen ist. Mir gelingt es, ein Ticket nach Brasov für heute Abend zu bekommen, jedoch ist dies mit 15.810 Forint, also ca. 60 Euro, fast doppelt so teuer wie von mir aufgrund des Studiums der rumänischen Preisliste erwartet. Doch was bleibt mir anderes übrig? Visa über den Tresen wachsen lassen und bezahlt ist die Sache. Ärgern tuts mich dennoch. Später werde ich erfahren, dass die alleinige Hinfahrt fast genauso teuer ist wie Hin- und Rückfahrt zusammen und deshalb meine Info wohl falsch war. Außerdem habe ich vor lauter Verdutztheit ganz vergessen, nach einem Jugendtarif zu fragen, das hätte ca. zehn Euro gespart.
Das Gepäck ist bei der äußerst dubios wirkenden Gepäckaufgabe, welche im Grunde nur aus Kellerregalen besteht, aufgegeben, sogar inklusive Jacke, da das Wetter kurz vor Ankunft etwas besser aussah. Doch da habe ich mich arg getäuscht, kaum setze ich den ersten Fuß vor das Bahnhofsgebäude, beginnt es zu schiffen. Also vade retro um den Typen zu überreden, dass ich nochmal kurz an den Rucksack darf. Zu meiner Überraschung lässt sich dieser nicht lang bitten, sondern führt mich sogar direkt zu den Regalen und lässt mich in meinem Zeug rumwühlen. Wenigstens beobachtet er mich dabei, denn sonst hätte ich den Rucksack wegen offensichtlich mangelnder Sicherheit wohl gleich wieder mitgenommen.
Im neuen Anlauf klappt dann alles etwas besser. Mit Peter zusammen latschen wir zunehmend nass werdend Richtung Budapester Zentrum. Nach dem einen oder anderen Irrweg erreichen wir als erstes Ziel die Synagoge, die die größte Europas sein soll. Ist auch ganz nett anzuschauen, inklusive Friedhof, Museum und pi pa po.
Mit Peter auf dem Castle Hill
Inzwischen bessert sich das Wetter und und unsere etwas planlose Besichtigung gilt der Altstadt. Gegen drei Uhr trennen sich am »Castle Hill« unsere Wege, da er zu müde ist und nicht mehr laufen will. Ich fühle mich noch recht fit und schau mir weiter Stadt und Touristen an. Von den tausenden Touristen, die man hier an jeder Ecke zu sehen und hören bekommt, sind die Hälfte Deutsche und weitere vierzig Prozent Italiener. Der zu vernachlässigende Rest sind dann alle anderen. So viele Deutsche wie hier gibt’s nichtmal in München – in der Fußgängerzone erst recht nicht.
Um vier bin ich schließlich auch komplett im Arsch und hock mich an irgendein nettes Denkmal, das nahe der Einkaufsmeile an einem zentralen Platz steht. Nachdem ich eine Stunde alleine Touristen beobachte, finden sich auch zwei Italienerinnen ein, mit denen ich (etwas viel später) ins Gespräch komme. Veronica und Nerina haben um elf aus ihrem Hotel ausgecheckt und müssen nun zusehen, dass sie bis zu ihrem Rückflug nach Rom um sechs Uhr morgens die Zeit totschlagen.
Donau mit Pest (l) und Buda (r)
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Das Zeitvertreib-Denkmal...
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...und eine Spiegelung im Gebäude gegenüber
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Weitere anderthalb Stunden hocken wir noch am Denkmal rum und dann geht es essen. Mein erstes Essen auf der Reise hätte ich mir nicht besser vorstellen können: die zwei führen mich zu »Vapiano«, einem pseudo-italienischen Pseudo-Restaurant mit Pseudo-Italienern, aber ziemlich guter Holzofenpizza. Damit sind dann auch meine letzten Forint fast aufgebraucht, es geht nochmal ein bisschen zu Fuß durch das wunderschöne Budapest bei Nacht – ist echt tausendmal schöner als bei Tag! – und um halb zehn wird ciao ciao gesagt und ich packe es zurück zum Keleti.
Castle Hill am Abend
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Veronica und Nerina
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Budapest Keleti
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Der aus Wien kommende Zug weist 20 Minuten Verspätung auf. In meinem Abteil finde ich zwei Marburger, eine in Düsseldorf lebende rumänische Oma und zwei reale Rumänen vor. Allesamt am Schlafen oder im Versuch begriffen, dies zu tun. Ich stehe noch 20 Minuten am Fenster im Gang rum und erfreue mich dann um Mitternacht meines Bettes.
Mittwoch, 22. August 2007aus: Rumänien und Syrien 2007
Routenteil: Planegg, München, [Deutschland / Österreich], Wien, [Österreich / Ungarn], Budapest, [Ungarn / Rumänien], Braşov, Bran
Einfahrt in Braşov
Server in Dracula-Burg
Um kurz vor neun wache ich ausgeschlafen irgendwo in Rumänien auf. Nein, eigentlich ist es kurz vor zehn, denn die Uhren ticken hier ne Stunde vor. Das mit dem ausgeschlafen ist auch eher relativ, obwohl ich die beiden nächtlichen Passkontrollen eher im Schlaf abgehandelt habe, indem ich meinen Pass, ohne die Augen aufzumachen oder mich umzudrehen, einfach jedem gereicht habe, der mich wachgerüttelt hat – wer weiß wer das alles war. Hinzu kam noch, dass sich meine Abteilgenossen in punkto Sicherheit benommen haben, als wenn sie absolute Schlafwagen-Neulinge wären, weshalb ich die halbe Nacht über mit absperren und sogar aufsperren – nichtmal wie es aufgeht ham sie gecheckt! – beschäftigt war. Gebrannte Kinder wissen nunmal, wie es ist, wenn im Abteil geklaut wird. Ausgeschlafen fühle ich mich trotzdem, und das ist ja die Hauptsache.
Mit etwa zehn Minuten Verspätung trudelt unser innen bestens gepflegter ÖBB-Wagen in Braşov ein. Weder in der Bahnhofshalle noch auf dem Vorplatz schaut’s jedoch nach Server aus. Nachdem ich vor zwei Stunden noch eine SMS von ihm empfangen hatte, weiß ich wenigstens, dass er unterwegs ist, doch nun streikt mein Handy bzw. Sunsim scheint es nicht nötig zu haben, hier einen gescheiten Roaming-Partner zu haben, denn die meiste Zeit hieß es auf der Zugfahrt genau wie jetzt »Accès au réseau interdit«. Nach 20 Minuten wollte ich mir gerade ein fremdes Handy leihen, als der Server doch noch am Horizont aufkreuzt. Er hatte eine SMS geschrieben, doch auf meinem dummen Teil kommt ja nix an. Egal, unsere Tour kann beginnen.
Rathaus auf dem Marktplatz
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Schwarze Kirche
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Schöner Blick vom weißen Turm
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Nach kurzer Fahrt in die Innenstadt geht es zu Fuß durch Braşov. Marktplatz, Schwarze Kirche, Schwarzer und Weißer Turm, der Reise-Know-How führt uns zu den wichtigsten Stellen. Touris sind nicht gerade wenige am Start, zwar auch hier Deutsche und Italiener in nicht gerade geringer Anzahl, aber natürlich kein Vergleich zu Budapest.
Nach einem Halt und einem Essen im Ski- und Erholungsgebiet Poiana Braşov geht es nach Bran, wo »die« Drakula-Burg steht. Dass die Hütte im Grunde rein gar nichts mit Drakula am Hut hat und trotzdem quasi willkürlicherweise im In- und Ausland als solche bekannt ist, scheint den zahlenden Touristen und dem einnehmenden Staat indes wurscht zu sein. Aber mit sechs Lei für Studenten ist der Eintritt jedoch sogar günstiger als an den meisten Stellen in Tunesien.
Park der Dracula Burg
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Wir beide vor 'ner Hütte
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Pension Andre
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Am frühen Abend lassen wir uns dann schon auf der Wiese unserer Pension Andre in Bran nieder und tun garnix. Feierabend für heute.