Abendessen im Zelt bei Redjim Maatoug, Tunesien (26.03.2007)
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was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Irak – Abenteuer oder Dummheit?

Vom 12. bis 27. Juni 2008 fuhren Robert, Calle, Arne und ich mit unseren beiden Wohnmobilen durch den Irak, wo wir uns jedoch meist in der autonomen Region Kurdistan aufhielten. Auf dieser Seite habe ich einige Gedanken für Abenteuerlustige in etwas überspitzter Form zusammengetragen. Einen besseren Überblick über das Alltagsleben des Irakreisenden bieten aber natürlich unsere Berichte.

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»Ihr verreckt dort!«

Gut, dass uns all diese Aussagen und verwunderten Nachfragen im Vorhinein erspart geblieben sind. Denn glücklicherweise fiel die Entscheidung, in den Irak zu fahren, erst einige Tage vorher auf der Reise. Und selbst da wussten wir noch nicht, ob wir das überhaupt schaffen würden. Niemand wusste also Bescheid und ich glaube auch wir selbst waren etwas überrascht, als wir auf einmal mit unseren Autos an der letzten Grenzschranke vorbei waren.

Nein, nach Baghdad sind wir nicht gekommen. Genausowenig waren wir in Al-Basra, Mosul oder Kirkuk. Fast ausschließlich hielten wir uns in der autonomen Region Kurdistan auf, dessen drei ursprüngliche Provinzen relativ sicher zu bereisen sind.

Entsprechend störungsfrei verliefen die 15 Tage unseres Aufenthalts.

Die größten Probleme

Vor dem heimischen Fernseher mag man vermuten, der Irakreisende sei täglich von Bomben mitführenden Selbstmordattentätern bedroht, treffe alle Nasen lang auf das was-weiß-ich-wievielte Regiment der United States Army, sehe an jeder Ecke die zerstörerischen Folgen der Kriege und müsse außerdem vor allem und jedem ständig auf der Hut sein.

Da müssen wir leider enttäuschen! Zumindest im Norden gibt es all das nicht. Wer auf Bomben steht, sollte wenigstens in Baghdad auf diese warten, US-Soldaten sieht man selbst im Kosovo mehr, für zerstörte Gebäude oder angeschossene Fassaden reicht es, nach Sarajevo zu reisen, und wer es darauf anlegt, ständig auf der Hut zu sein und in unfreiwillige Abenteuer verwickelt zu werden, dem sei derzeit eher ein netter Segeltörn vor der Küste Somalias empfohlen.

Wir jedenfalls mussten uns im Irak mit ganz anderen Dingen rumschlagen:

  • Parkplätze!

    Die Parkplatzsuche war teils nervtötend. Überall Parkverbote und das Parken verhindernde Polizisten. Einfach mal anhalten wie in jedem anständigen Land à la Iran war überhaupt nicht drin.

  • Dumme Leute!

    Hört sich nach einer sehr gewagten Aussage an – ist sie auch. Wer aber da war, wer zwei Wochen in Kurdistan verbracht hat, der weiß, wovon ich spreche. Es gehört schon einiges dazu, einen Stift in der Hand zu halten und dann mehrmals »This is pen!« erklären zu müssen. Wir wissen selbst, dass das ein Stift ist. Und das ist noch gar nichts!

  • Verlust wertvoller Lebenszeit an den Checkpoints!

    Mit vier Touristen und zwei Wohnmobilen aus Europa sind die Checkpoints überfordert. Jeder Soldat meint, er müsse jetzt wichtig sein und genau alles kontrollieren. Dass er dabei meist nicht mal einen Reisepass von einem internationalen Führerschein unterscheiden kann, macht die Sache nicht viel besser. Manch einer gab sich auch zufrieden, wenn wir auf die Nachfrage nach »Papers?!?« einfach irgendwelche Zettel oder eine Landkarte aus dem Fenster gereicht haben. Mit der Zeit entwickelt man eine Strategie, die KFZ-Durchsuchungen möglichst kurz zu halten. Die Devise lautet in jedem Fall: Am Checkpoint die Führung übernehmen, denn die Soldaten wissen sowieso nicht, was zu tun ist.

  • Unfähige Autofahrer und Verkehrspolizisten!

    Wer aus Ländern mit guten Autofahrern kommt, gerne in Marokko sein Nervenfestigkeit testet oder in Damaskus, Kairo und Tehran jeden Zentimeter Straße ausnutzt, der sollte einen großen Bogen um Kurdistan machen. Kreativität und sinnvolles, den Verkehrsfluss förderndes Fahren? Fehlanzeige! Von den Maßen des eigenen Autos – oft irgendein amerikanischer Shit – haben wohl auch nur die wenigsten richtig Ahnung. Oder wie soll man erklären, dass ein Taxifahrer (!) aussteigt, weil er meint, wir seien ihm aufgefahren, obwohl er dann ohne den Hauch eines Problems selbst zwischen unseren beiden Autos durchgehen kann?

    Die Polisisten tun indes ihr übriges! So wie man im Iran mit orangenem oder grünen Overall aus der Arbeitslosigkeit geholt und zum Putzen oder Kreisverkehrgießen auf die Straße geschickt wird, so bekommt man im Irak scheinbar eine Verkehrspolizistenuniform und darf sich aufführen. Es ist nicht auszuhalten, wie diese absolut unfähigen Polizisten jeglichen Verkehrsfluss im Keim ersticken, weil sie sich extrem wichtig vorkommen und in nie dagewesenem, höchst sinnlosem Maße von ihrer Pfeife gebrauch machen. Wir glauben, alle Verkehrsprobleme wären im Nu gelöst, wenn man die an jeder Kreuzung stehenden Unruhestifter in Uniform eliminieren und die Autofahrer alles selber regeln lassen würde. Funktioniert im Iran ja auch.

  • Skorpione!

    Es war nicht so lustig, am Dokan-Lake von einem Skorpionstich geweckt zu werden. Wer auf dem Feldbett schläft, sollte wenigstens keine Decke runterhängen lassen. Sei’s drum. Das Viech ist unser Haustier geworden und wengie Tage später haben wir mit Hilfe eines Soldaten noch einen Kumpanen für unser Maskottchen gefangen. Zwei irakische Skorpione stets zur Aufmunterung parat! Doch letzterer ist leider innerhalb von zwei Tagen verreckt.

  • Tagsüber bis 50 Grad, nachts auch mal 40!

    Bei 50 Grad über die Ausgrabungen von Nimrud zu laufen war nur auszuhalten, weil wir danach in den Tigris gesprungen sind. Ansonsten zeigte das Thermometer meist um die 44 Grad auf der Celsiusskala, egal ob wir gerade überland waren oder durch eine Stadt gelatscht sind. Das nächtliche Schlafen auf schweißdurchtränkten Matratzen bei ebenfalls manchmal 40 Grad ist außerdem durchaus gewöhnungsbedürftig.

  • Keine Socken beim Bowling dabei!

    Wer zum Bowlen geht, sollte an Socken denken. Logo, oder?!?

  • Paypal sperrt Accounts!

    Weil wir von einem irakischen Internetanschluss 500 Dollar an einen Ami überweisen wollten, wurden beide betroffenen Accounts von Gaypal gesperrt. Das für unterwegs extrem umständliche Entsperrprozedere (da werden Ausweiskopien und was weiß ich was alles verlangt) hat mehrere Tage gedauert und viele Mails erfordert. Ist ja schön, dass Gaypal sich um die Sicherheit der Nutzer sorgt, aber dass da der Otto-Normal-Irak-Urlauber drunter leidet, das muss ja nun wirklich nicht sein.

Und was macht man im Irak so?

Die wohl richtigste Antwort auf diese Frage wäre: Badeurlaub! Jawoll, an 10 von 15 Tagen haben wir gebadet, sind also entweder in einen Fluss gesprungen, in einem Schwimmbad abgehangen oder haben es uns an wunderschönen Seen gemütlich gemacht. Ansonsten haben wir sehr viel Zeit mit drei Yankees verbracht. Simone, Bill und Shaylan, zwei Filmemacher und ein zur Crew gehörender, durchgeknallter Spaßvogel. »Thank you for my eyes« wird das Ergebnis ihrer Mühen sein. Mit ihnen waren wir auch beim Bowling – wo am Eingang die Waffen stinknormal abgegeben werden wie in Deutschland Jacken an der Garderobe.

Extrem billig haben wir Mobiltelefone gekauft, selbst gebrauchte wieder verkauft, und mit diesen Geräten dann im freien Wlan eines Hotels aus dem Internet nicht jugendfreie Inhalte genuckelt. Schließlich wurde einer von uns an völlig abgelegener Stelle noch von einem Skorpion gestochen, wir haben danach aber lieber direkt vom Fischerboot einen großen Fisch gekauft, anstatt uns weiter um den Stich zu kümmern. Und weil das noch nicht genug war, sind drei unserer Leute vom Consumer- in den Prosumer-Status übergegangen, da der Irak mit seinen gut gefüllten Regalen in Supermärkten und Alkoholshops nach sieben Wochen Sparsamkeit im Iran einige Begehrlichkeiten weckte.

Und alles ausschließlich in Flip-Flops und Badelatschen.

Das macht man also so im Irak. Verstehen muss man das nicht.

Letzte Änderung: Januar 2009

Aktuelles

Sonntag, 6. Mai 2012
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Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.