Abendessen im Zelt bei Redjim Maatoug, Tunesien (26.03.2007)
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was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Iran – Land der Gastfreundschaft

Vom 20. April bis 9. Juni 2008 fuhren Robert und ich mit unserem Camper durch den Iran. Auf dieser Seite habe ich einige Infos zusammengetragen, die für Iranneulinge interessant sein könnten. Einen besseren Überblick über das Alltagsleben des Iranreisenden bieten aber natürlich unsere Berichte.

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Mobilfunk

Eine Irancell-Karte des Providers MTN gibt es für 160.000 Rial in so gut wie allen Städten in vielen Läden zu kaufen. Im Preis inbegriffen sind ca. 47.000 Rial Startguthaben, welche für einige Zeit reichen sollten. Zum Aufladen des Guthabens kann man sich 50.000-Rial-Karten mit den frei zu rubbelnden Aufladecodes kaufen. Wir haben einmal aufgeladen und sehr oft telefoniert oder SMS geschrieben, ohne dass das Guthaben merklich geringer wurde.

Man sollte jedoch bedenken, dass die Netzabdeckung von Irancell ungefähr die Dichte hat, wie ein Fischernetz unter dem Mikroskop, da sie sich im Großen und Ganzen lediglich auf die Städte erstreckt. Selbst Hauptverkehrsverbindungen wie die Autobahn von Tehran nach Isfahan sind bei weitem nicht durchgängig abgedeckt. Wer viel überland oder offroad unterwegs ist, sollte auf jeden Fall zu einer Karte des teureren Providers TCI greifen, der angeblich einen fast flächendeckenden Service bietet.

Mit dem höheren Preis der TCI-Karte erkauft man sich gleichzeitig auch eine viel bessere Sprachqualität, die bei Irancell oft sehr zu wünschen übrig lässt. So mussten wir manchmal unser Gespräch abbrechen, weil Wortfetzen oder ganze Sätze »verschluckt« wurden und vernünftge Kommunikation nicht möglich war. Manchmal brach die Verbindung auch von selbst nach ein paar Sekunden ab oder wir konnten erst nach mehreren Versuchen raustelefonieren oder angerufen werden.

Zuverlässige Verbindungen und SMS von und nach Deutschland sind mit Iranell nur bedingt möglich. Manchmal geht es, manchmal nicht. Unsere Beobachtung war, dass SMS aus Deutschland nicht ankommen, nach Deutschland hingegen funktioniert es.

Öffentliche Telefone

Eine gute Alternative zum Mobilfunk sind die zahlreichen öffentlichen Telefone, die über das ganze Land hinweg verstreut sind. In den Städten findet man sie an jeder zweiten Ecke, jedes Dorf mit mehr als 10 Einwohnern scheint auf dem Hauptplatz eines stehen zu haben und selbst an weniger wichtigen Landstraßen steht oft mitten in der Pampa eine Telefonsäule herum.

Einige dieser Telefone sind zwar noch Münztelefone, in die man normale Rialmünzen einwerfen muss – sofern man überhaupt welche hat, denn mehr als ein bis zwei Münzen pro Woche bekommt man normalerweise nicht zu sehen. Doch die bei weitem meisten Telefone funktionieren mit einer Telefonkarte. Wir haben uns eine solche für 20.000 Rial gekauft, damit viele Male Gespräche ins Handynetz geführt und trotzdem ist das Guthaben nicht unter 18.000 Rial gesunken. Soviel kosten in Deutschland etwa 45 Sekunden. Telefonieren an den Telefonsäulen ist also wirklich spottbillig!

Diesel

Iran ist das wahrscheinlich beste Land für Dieselfahrzeuge. Während die Abgabe von Benzin aufgrund der nicht ausreichenden Raffineriekapazität des Landes seit Juni 2007 rationiert ist und zumindest zum Normalpreis nur noch mit entsprechender Tankkarte erfolgt, gibt es Diesel weiterhin ohne Probleme.

Der Preis ist, wie in solchen Ländern üblich, festgelegt und betrug bei unserer Reise 165 Rial. Das ist ein lächerlicher Eurocent pro Liter! Für gut einen Euro, für den man in Deutschland nicht einmal einen mickrigen Liter bekommt, tanken wir also den Karren und unsere Kanister voll.

Es gehört offenbar zum guten Ton, den an der Tankstelle zu zahlenden Betrag etwas aufzurunden, also zumindest auf die nächsten vollen 10.000 Rial. Wir haben auch schon Tankwarte gehabt, die noch Geld nachforderten, weil wir zu wenig aufgerundet haben.

Lediglich das Finden einer Tankstelle gestaltet sich öfter etwas schwierig. Da im Iran alle PKW ausschließlich mit Benzin betrieben werden, erhält man Diesel nur an speziellen LKW-Tankstellen, welche meist an den Hauptverkehrsadern einige Kilometer außerhalb der Städte liegen. Irgendwo im Hinterland auf einer Nebenstraße wird man also kaum Diesel bekommen.

Die Dieseltankstellen sind am einfachsten daran erkennbar, dass sich dort LKW und Busse aufhalten und manchmal sogar mehrere Dutzend davon schon weit in die Straße hinein stauen. Oft ist hier deshalb auch längeres Anstehen zwischen den Brummis angesagt, doch wenn man freundlich fragt und nur einhundert Liter oder weniger tanken will, wird man eigentlich immer vorgelassen.

Auch sollte man in den Grenzregionen, vor allem zur Türkei, aufpassen, da hier die Abgabe auf eine gewisse Anzahl Litern beschränkt sein kann. Kurz hinter Maku waren es in unserem Fall 30.

Straßen & Verkehr

Die Iranischen Straßen können es wahrscheinlich mit so ziemlich jedem – auch europäischen! – Land aufnehmen, ohne dabei alt auszusehen. Sie erinnern eher an Länder wie Italien, schlagen aber zum Beispiel die Türkei und Rumänien um Längen! Selbst im letzten Dorf findet man meist eine bestens geteerte Straße vor, alles wird permanent erneuert und auch die Schlaglochdichte ist deshalb im allgemeinen sehr gering, konzentriert sich, wenn überhaupt vorhanden, höchstens auf spezielle Abschnitte.

Die Hauptverkehrsadern werden zudem nach und nach vierspurig ausgebaut, sodass es nicht allzu oft Stau wegen langsamer LKW (oder langsamer Camper wie uns) gibt. Interessanterweise ist das meist so gelöst, dass es für die beiden Fahrtrichtungen zwei komplett verschiedene Straßen gibt, die im Flachland oft hundert Meter und mehr voneinander entfernt parallel verlaufen.

Nicht übersehen sollte man jedoch, dass der Westiran fast komplett von Gebirgen durchzogen ist und ein Großteil dieser Fläche daher auch über 1.000 Höhenmetern liegt. Man kann ohne Probleme drei oder vier Wochen durchs Land reisen, ohne jemals eine dreistellige Höhenangabe auf dem GPS zu sehen. Auf unseren täglichen Fahrten waren zudem 5.000 und mehr summierte Höhenmeter keine allzu große Besonderheit, denn nicht selten verlaufen selbst wichtige Hauptstraßen von 1.000 auf 2.400, zurück auf 1.100, wieder hoch auf zweitausendirgendwas und schließlich wieder runter zum Ziel – normales Auf und Ab nicht mit einberechnet. Tal für Tal, Serpentine für Serpentine arbeitet man sich vorwärts.

Zum Verkehr selbst möchte ich gar nicht viel sagen. Das muss man – und vor allem der Durchschnittsnordeuropäer – wohl gesehen beziehungsweise selbst durchgemacht haben, um es zu glauben. Die iranischen Fahrer, und hier speziell die Tehraner, sind die besten, die ich bisher kennen gelernt habe. Uns machte der berüchtigte tehraner Verkehr viel Spaß und ich komme weit besser zurecht als im schrecklichen deutschen Fahrspurtrott zwischen scheuklappentragenden, unfähigen Fahrern, die das Improvisieren längst verlernt haben, da ihnen das Denken von der StVO abgenommen wird. Entsprechend erzählt einem so gut wie jeder Europäer, den man im Iran trifft, er hätte schon bei der Taxifahrt vom Tehraner Flughafen zum Hotel fast einen Herzinfarkt bekommen. Darüber können wir nur lachen.

Geld

Offizielle Zahlungswährung ist der Iranische Rial. Auf unserer Reise sind uns Scheine zu 50.000, 20.000, 10.000, 5.000, 2.000, 1.000, 500, 200 und 100 Rial begegnet. Mit den drei letzteren kommt man angesichts eines Gegenwerts von maximal einer Hand voll Eurocent jedoch kaum in Kontakt. Münzen gibt es ebenfalls, wobei wir nur sehr wenigen 500-, 250- und 100-Rial-Münzen begegnet sind. Ebenfalls soll es 50- sowie gar 10- und 5-Rial-Münzen geben.

Kopfzerbrechen mögen in mancher Situation die Nullen bereiten, insbesondere, wenn man nicht weiß, wie viele bei der Angabe eines Betrages weggelassen werden. So wird unter Iranern meist die inoffizielle Einheit Tuman für 10 Rial verwendet und damit eine Null gespart. Ganz weggelassen werden die Nullen oft bei mündlichen oder handschriftlichen Angaben, wodurch 20.000 Rial zu 2.000 Tuman und schließlich bei alleiniger Nennung der Tausenderstelle zu einem simplen »Do« für »Zwei« mutieren. Nicht zuletzt könnte »Do« aber genauso zwei Millionen Tuman, also 20.000.000 Rial bedeuten, wenn es gerade um den Wert eines Gebrauchtwagens geht. Um das eine oder andere – manchmal auch peinliche – Missverständnis wird der Iranreisende wohl anfangs kaum herumkommen, doch mit entsprechendem Gefühl für die Preise vor Ort sinkt auch die Fehlerquote rapide.

Angesichts der geringen Werte der Scheine, sollte man beim Tausch darauf bestehen, möglichst 50.000er ausgezahlt zu bekommen. Die Vermutung, dass man diese »großen« Scheine – immerhin der Gegenwert von etwa 5 US-Dollar – nicht zum Zahlen verwenden kann, stellte sich als falsch heraus. Wenn man aber seine Hosentaschen nicht mit hunderten von Scheinen in zig Bündeln vollstopfen oder gar einen kompletten Safe mitschleppen will, sind 50.000er die einzige richtige Wahl. Vereinzelt werden auch so genannte Schecks im Wert von 500.000 Rial ausgetauscht, doch außer dass uns welche in einer Wechselstube angeboten wurden, haben wir keine Erfahrungen damit gemacht.

Banken wechseln im Allgemeinen kein Geld! Wenn überhaupt, gibt es in der Stadt nur eine oder zwei Filialen, die das übernehmen. Wir haben jedenfalls nie in einer Bank tauschen können, mit Wegbeschreibungen und Tee weitergeholfen wurde uns dort jedoch immer. Wechselstuben sind selbst in größeren Städten oft nicht einfach zu finden, haben aber die besten Kurse. Bei den Straßenwechslern kann man eigentlich auch ohne Probleme tauschen, wenn man die Wechselstubenkurse kennt und sich auf eine minimale oder gar keine Provision einigt. Da die Straßenwechsler meist jedoch sowieso in der Straße stehen, wo die Wechselstuben sind, oft sogar direkt davor, kann man zumindest während der Öffnungszeiten auch gleich in diese hineingehen.

Letzte Änderung: Oktober 2008

Aktuelles

Montag, 27. September 2010
Tunis, [Tunesien / Italien], Fiumicino, Oriolo Romano

Fotos aus Äthiopien und Somaliland von der letzten Reise sind nun online. Jemen und der Nahe Osten folgen noch.

Berichte von Sana'a und Amman werden später noch nachgeliefert.