Sonnenuntergang in Astara am Kaspischen Meer, Iran (22.04.2008)
n48e11.de
was zum Teufel soll diese Adresse?!?

Martins Iran-Reise 2007

Martin in Isfahan

Mein Schulfreund Martin Schmid besuchte im Sommer 2007 den Iran. Da mir sein Bericht sehr gut gefallen hat und er für den einen oder anderen angehenden Iran-Reisenden mitunter auch informativ ist, haben wir ausgemacht, dass ich ihn auf dieser Seite veröffentliche.

Das heißt jedoch nicht, dass ich mit seiner Meinung und seinen Erlebnissen übereinstimme. Insbesondere was Politik, Frauen und dergleichen angeht, haben Robert und ich von teils vollkommen anderen Fakten, Meinungen und Erfahrungen zu berichten.

Martins Fotos zum Bericht.

Für Fragen und Rückmeldung ist Martin unter der Adresse mrtschmid@gmx.de zu erreichen.

Samstag, 25. AugustHinflug: Frankfurt - Teheran

Als einer der wenigen oder vielleicht der einzige Nicht-Iraner oder zumindest Westler begann meine Iran-Reise am 25. August 2007 am Frankfurter Flughafen. Auf dem Iranair-Flug bekam ich schon einen Vorgeschmack auf das Land. So waren die Flugbegleiterinnen verschleiert und auch die Reisenden wurden gebeten, sich der iranischen Kleiderordnung schon auf dem Flug anzupassen. Netterweise konnte ich neben einer Freundin meiner Mutter sitzen, die mit einem Iraner verheiratet ist und zufällig auf demselben Flug wie ich war. So konnte ich mir schon vorab die wichtigsten Verhaltensregeln, Reisetipps und ähnliches einholen.

Nach vier bis fünf Stunden kamen wir im nächtlichen Teheran an. Beim Anflug viel mir auf, dass es besonders viele grüne Lichter gab, die wohl meist von Moscheen kommen.

Hivas Vater erwartete mich bereits bei hinter der Passkontrolle im eigentlich noch abgesperrten Bereich, aber er kommt durch seine Überredungskünste meist überall hin.

Hiva ist ein Freund von mir aus Lille, den ich dort vor zwei Jahren kennen gelernt habe und der mich diesen Sommer zu seinen Eltern in den Iran eingeladen hat.)

Am selben Abend zeigten mir Hiva und sein Vater noch Teheran von oben. Teheran hat alleine auf seinem Stadtgebiet einen Höhenunterschied von über 500 Metern und liegt durchschnittlich auf etwa 1200 Metern über NN. Das Elburs-Gebirge im Norden der Stadt erreicht bis zu 5671 Metern, so dass man mit einer Seilbahn von Teheran aus auch Skifahren gehen kann.

Das Straßenbild Teherans wird geprägt von großflächigen Wandgemälden, die an die so genannten Märtyrer des Iran-Irak-Krieges der 1980er Jahre erinnern soll. Daneben prägen Portraits von Ayatollah Khomeini und seinem Nachfolger den öffentlichen Raum. Diese sind teils wie Werbetafeln an Autobahnen, aber auch fast jedem öffentlich zugänglichen Gebäude angebracht.

In Teheran zeigen sich die Unterschiede zwischen am und reich am deutlichsten. So gibt es Armensiedlungen unter den Autobahnbrücken, aber auch Prunkvillen der Superreichen.

Sonntag, 26. AugustTeheran

An meinem ersten Tag in der iranischen Hauptstadt, deren Einwohnerzahl im zweistelligen Millionenbereich liegt, und leider auch nach Mexiko-City die zweithöchste Luftverschmutzungen aufzuweisen hat, ging ich mit Hiva auf eine kleine Erkundungstour in der Innenstadt. Im nationalen Teppichmuseum, in dem Teppiche der vergangenen Jahrhunderte aus allen Teilen des Landes ausgestellt werden traf ich auch die einzigen deutschen Reisenden während meines Aufenthalts, zwei Berliner Studenten, die mit dem Zug von Berlin nach Indien unterwegs waren. Gerade im Regierungsviertel, in dem auch das Nationalmuseum liegt, darf nicht Fotografiert werden, aus Angst vor Spionage. Obwohl ich mich daran gehalten habe hatte ich doch das Gefühl, dass ich von Sicherheitskräften grundsätzlich sehr skeptisch beäugt wurde, was wohl daran liegt, dass auch Teherans Straßen kaum Westler anzutreffen sind. Hingegen regierte die Bevölkerung immer sehr positiv und wollte sich, sofern möglich, auf Englisch oder Deutsch mit mir unterhalten. Bei diesen Gesprächen war der Grundtenor meist, »Wir sind nicht so, wie die Medien das vielleicht zeigen. Ahmadineschad vertritt nicht unsere Ansichten und die geistliche Führung erst recht nicht.« Oft waren die Gesprächspartner erstaunlich gut informiert und begrüßten zum Beispiel die Politik Merkels im Gegensatz zu Schröders Außenpolitik, die in den Augen eines Studenten ehrlicher sei.

Im Nationalmuseum, das in den Iran vor und nach der Islamisierung eingeteilt ist (zweiter Teil war wegen Renovierung geschlossen), gab es archäologische Fundstücke aus den vielen Jahrtausenden, in denen das Gebiet des heutigen Irans besiedelt ist.

Am Nachmittag begaben wir uns in eine Moschee für eine Trauerfeier. Ein enger Freund von Hivas Vater, ein beliebter kurdischer Parlamentsabgeordneter, war wenige Tage zuvor an Krebs verstorben. In der Moschee trugen Geistliche über das Leben des verstorbenen vor. Insgesamt sollen rund 10.000 Menschen auf der Feier gewesen sein. Da der Vater den Verstorbenen gut kannte, saß er auf Ehrenplätze und wurde pausenlos vom Fernsehen gefilmt.

Nach der Feier fuhren wir in eine Art Ausflugspark auf dem Berg, von dem im Winter auch eine Seilbahn zu Skipisten führt. Dort waren einige der Trauergäste dabei, zum Beispiel auch ein Mitarbeiter der kurdischen Selbstverwaltung im kurdischen Teil des Iraks.

Da ich während meines gesamten Aufenthalts weitgehend nur mit Kurden in Kontakt war, lernte ich eher auch nur kurdische Wörter.

Montag, 27. AugustTeheran

In einem höher gelegenen Teil Teherans, in einer ausgedehnten Parkanlage, befinden sich die Paläste der früheren Schah-Familie, die dort bis zur islamischen Revolution 1979 residierte. Diese sind in der damaligen Form nun als Museen zu besichtigen. Wahrscheinlich ist die Intention, der Bevölkerung zu zeigen, in welchem Luxus die Schah-Familie auf Kosten des Volkes gelebt hatte.

Dienstag, 28. AugustFahrt nach Mahabad

Da Hiva ja auch nicht so oft nach Hause kommen kann und die Familie ja eigentlich aus Kurdistan stammt, begaben wir uns am Dienstag auf den langen Weg nach Mahabad im kurdischen Teil des Irans. 1946 gab es für einige Monate die Republik Mahabad (von der Sowjetunion unterstützt wurde) der erste und einzige unabhängige kurdische Staat, der allerdings nur einige Monate existierte, bevor die iranische Armee einmarschierte.

Mittwoch, 29. AugustKurdistan - Mahabad

Am Vormittag schlenderten Hiva, sein Cousin Mamud und ich über den Basar und die Innenstadt von Mahabad. Die 100.000 Einwohner zählende Stadt ist dank eines Stausees aus den 1950er Jahren recht grün, da die Region sonst den Sommer über sehr trocken ist.

Am Abend begaben wir uns auf eine traditionelle kurdische Hochzeit. In einem Gemeindesaal versammelten sich runde 400 Gäste. Das arme Brautpaar musste den Großteil des Abends auf einer geschmückten Plattform in der Mitte der Halle ausharren, um dort Glückwünsche entgegenzunehmen und für Fotos zu posieren. Neben Teetrinken und Gebäckessen wurde die meiste Zeit in einer großen Kette bzw. Kreis im weiten Bogen um das Brautpaar getanzt. Da der Tanz relativ einfach ist, durfte und konnte ich daran auch teilnehmen. Im kurdischen Teil des Irans versuchen die Menschen, die strengen Regeln des Regimes soweit wie möglich zu umgehen. So tanzten etwa auf der Hochzeit Frauen und Männer in der Öffentlichkeit zusammen und der Großteil der Besucherinnen trug kein Kopftuch. Natürlich fiel ich als einziger wirklich Fremde bei der Feier sehr auf und den Sängern machte es sichtlich Freude, mich durchs Mikrofon in Mahabad willkommen zu heißen.

Donnerstag, 30. AugustKurdistan - Mahabad

Am Vormittag machten Mamud, Hiva und Raman, der Neffe von Hiva, mit mir einen kleinen Ausflug zum Stausee und einem in den Fels gehauenem, Jahrhunderte alten Grabmal.

Am späten Nachmittag nahm Hivas Vater Raman und mich auf einen kleinen Ausflug Richtung irakisch Grenze mit. Dort hat man eine schöne Aussicht aufs Bergland, außerdem kann man an Straßenständen gewisse Produkte kaufen, die es im Iran eigentlich nicht zu kaufen gibt. Abend waren wir dann noch nett bei einer Familie zum Essen eingeladen, deren Mitglieder alle perfekt Französisch sprachen.

Freitag, 31. AugustKurdistan - Mahabad

Mit dieser Familie besuchten wir am folgenden Tag auch das Mausoleum von Sheikh Borhan. Das ist der Ur-Großvater von Hivas Vater, der dort von vielen Menschen verehrt wird.

Um sein Grabmahl befinden sich auf dem Hügel die Gräber derer, die sich seiner Philosophie verbunden fühlen. Teils auch Menschen aus New York und London.

In der Moschee des Dorfes trafen wir auf den 92-jährigen Enkel von Sheikh Borhan und waren zum Tee geladen. Im Laufe des Tages besuchten wir noch verschiedene Verwandte von Hivas Familie und besuchten am späten Nachmittag noch eine Tropfsteinhöhle, die stark von Tauben bevölkert wurde.

Samstag, 1. SeptemberKurdistan - Mahabad

Nördlich von Mahabad befindet sich auch einer der größten Seen des Landes. Der Urmieh-See hat einen Salzgehalt von etwa 30%, was zur Folge hat, dass man ohne Schwimmbewegungen auf der Oberfläche treibt. Leider war das Ufer aber so Flach, dass man selbst nach über hundert Metern gerade so tiefes Wasser erreicht hatte, um nicht den Boden zu berühren.

Nach dem Bad im Salzsee, dem sich nur einer von Hivas Freunden anschloss, fuhren wir gemeinsam mit Mamud wieder zurück nach Mahabad. Im Laufe des Tages besuchten wir noch zahlreiche Freunde der Familie, wobei ich leider an den Gesprächen nie wirklich teilnehmen konnte. Ich genoss aber die Atmosphäre der Gastfreundschaft und natürlich den schwarzen Tee, der zu jeder Gelegenheit serviert wird.

Sonntag, 2. SeptemberMahabad - Teheran

Die Rückfahrt gestaltete sich etwas komplizierter. Nachdem wir bereits am Vortag einen Platten reifen hatten (das Nachbarskind hatte das Ventil geöffnet), lies uns auch auf der Rückfahrt nach Teheran ein Reifen im Stich. Uns blieb nichts anderes übrig, als auf der Straße den Reifen zu wechseln. In einer Rekordzeit von unter 10 Minuten entluden wir den Kofferraum, tauschten die Reifen und luden das Gepäck zurück, welches in der Zwischenzeit als eine Art Warndreieck Verwendung fand. Hivas Mutter und ich machten durch Winken den vorüber fahrenden Verkehr auf das Hindernis aufmerksam.

Ein Höhepunkt auf der Rückfahrt war der Besuch des Oljaytu-Mausoleums in Soltanije mit der höchsten aus Lehmziegeln gemauerten Kuppel, das als Mausoleum für Vetter und Schwiegersohn Mohammeds hätte dienen sollen. Da diese von ihren bisherigen Grabstätten nicht freigestellt wurden, wurde letztlich nur der Baumeister in seinem Dom beigesetzt.

Montag, 3. SeptemberFahrt ans Kaspische Meer

Eigentlich hatte ich mir ja fest vorgenommen, die Freunde meiner Eltern am Kaspischen Meer zu besuchen. Da bereits am Mittwoch Hivas Eltern mit uns nach Isfahan fahren wollten, blieben dafür allerdings nur noch der Montag und Dienstag. Nachdem wir erst Sonntagnacht in Teheran angekommen waren, brachte mich Hiva am Montagmorgen zum Bus, mit dem ich rund sechs Stunden ans Kaspische Meer unterwegs war. Während der Fahrt genoss ich die Aussicht in die Täler, die teils Vegetation wie die bayerischen Alpen aufwiesen. In tieferen Lagen gab es aber auch großflächige Reisfelder und an den Hängen Teeplantagen. Mit einigen Mitfahrern, die Englisch konnten, unterhielt ich mich zeitweise sehr nett. Allerdings konnten die meisten Fahrgäste kein Englisch. Eine Gesprächssituation fand ich besonders bemerkenswert. Vor mit saßen zwei iranische Männer, von denen der eine stumm war und die sich in Gebärdensprache unterhalten konnten. Mit den beiden und einem weiteren Iraner kam ich ins Gespräch. Zwar konnte der Begleiter des stummen Mannes Gebärdensprache, aber kein Englisch. Wollte der stumme Mann mir also eine Frage stellen, so wurde sie vom Begleiter ins persische, und daraufhin von einem weiteren Fahrgast für mich ins Englische übersetzt.

Am Kaspischen Meer, das rund 20m unter dem Meeresspiegel liegt, herrschte fast subtropisches Klima. Von der deutsch-iranischen Familie wurde ich sehr herzlich aufgenommen.

In der nähe des sehr europäisch eingerichteten Hauses gibt es einen öffentlichen Badestrand.

Wer allerdings im allen zugänglichen Bereich baden möchte, muss dies einigermaßen bekleidet tun. Davon abgesehen gibt es für beide Geschlechter abgetrennte Bereiche, deren Sichtschutzwände weit ins Wasser hineinreichen. Sittenwächter achten darauf, dass ja auch alle Regeln eingehalten werden. Regelmäßig wurden Verstöße, wie etwa zu leicht bekleidet im öffentlichen Bereich zu baden, per Lautsprecher vom Bademeister im Ansatz unterbunden.

Nachdem ich nachts ein kurzes Bad im Kaspischen Meer genommen hatte, wobei ich mich dank Dunkelheit nicht mehr an die Regeln hielt, verbrachte ich die Nacht bei angenehmen Temperaturen unter einem Mückennetz im Freien auf der Terrasse.

Dienstag, 4. SeptemberRückfahrt vom Kaspischen Meer

Nach einem gemütlichen Tag am Kaspischen Meer brachten mich meine Gastgeber wieder zum Bus und es ging zurück nach Teheran, wo mich Hiva abends am Bus abholte.

Mittwoch, 5. SeptemberFahrt nach Isfahan über Kashan

Bereits am nächstens Tag ging es mit Hiva und seinen Eltern nach Süden nach Isfahan, der wohl schönsten Stadt des Landes. Auf dem Weg dorthin passierten wir mehrer andere wichtige Städte des Landes und hielten uns lange in Kashan auf. Die Stadt ist berühmt für ihre Fließen, die man in den vielen Palästen, Badehäusern und Gärten bestaunen kann, die ersten Siedlungsreste gehen sogar schon auf das 6. Jahrtausend vor Christus zurück.

In der Nacht trafen wir im Hotel in Isfahan ein. Zum Glück hatten wir zwei Doppelzimmer reserviert, da eigentlich alle Hotels der Stadt voll waren, da vor allem Iraner die letzten Ferientage nutzen wollten. Scheinbar schien alles in Ordnung zu sein, bis der Concierge bemerkte, dass ich Ausländer bin. Er meinte, es sei gegen das Gesetz, dass ich ein Iraner mit einem Ausländer ein Doppelzimmer teilt. Dank der Überredungskünste und einer etwas höheren Rechnung (Ausländer zahlen in Hotels teils mehr) durfte ich zum Glück doch noch mit Hiva auf ein Zimmer, in dem teils sogar BBC-News zu sehen war, was eigentlich auch nicht erlaubt ist. Noch am späten Abend besuchten wir den Meidan-e Emam, den zentralen Platz Isfahans, der zu den größten und wohl auch schönsten Plätzen der Welt gehört.

Donnerstag, 6. SeptemberIsfahan

Die Schönheit und Vielfalt Isfahans lässt sich nur schwer beschreiben. Ich hoffe, dass die Fotos einen gewissen Eindruck vermitteln. Besonders beeindruckend fand ich die Brücken der Stadt, aber natürlich auch die prächtigen Kuppelbauten und Parks. Deshalb ist Isfahan wohl auch einer der Haupttouristenmagneten, wo ich auch einige Franzosen und zwei Schweizer und im Allgemeinen die meisten ausländischen Touristen auf meiner gesamtem Reise antraf. Die meisten Besucher sind aber mit Abstand iranische Touristen.

Ein weiterer Beweis für die Überredungskünste von Hivas Vater war der Besuch einer Koranschule, die in einem historischen und architektonisch wunderschönen Gebäudekomplex untergebracht ist. Die Schule gilt als sehr konservativ und als eine Kaderschmiede für die geistliche Führung des Landes. Ein Besuch dort ist eigentlich völlig ausgeschlossen. Irgendwie schaffte es Hivas Vater allerdings doch, den Pförtner zu überreden, dass wir uns das Gebäude anschauen könnten. Gerade mein äußeres Erscheinungsbild führte dazu, dass wir zwar sehr bald recht bestimmt aufgefordert wurden, das Gebäude wieder zu verlassen, da es sich bei uns wohl offensichtlich um unbefugte Besucher handelte.

Freitag, 7. SeptemberIsfahan

Am zweiten vollen Tag in Isfahan fuhren wir mit einem Taxi durch die Stadt und besichtigten weitere Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel die wackelnden Minarette. Ein Baumeister hatte einen Effekt kreiert, einfach nur um seine Genialität unter Beweis zu stellen. Bei einem Mausoleum mit zwei Minaretten kann eine Person ein Minarett zum Schwingen bringen. Das Minarett auf der anderen Seite fängt darauf hin auch an zu wackeln.

Vom Ateshgah, einem Berg mit Turm aus der Mitte des ersten Jahrtausends nach Christus, hatte man einen besonders guten Blick auf die Stadt. Der Taxifahrer brachte uns auch zu dem Krankenhaus, in dem meine Mutter vor 31 Jahren 10 Tage lang als Patientin lag. Natürlich würde man dort normalerweise nicht einfach eintreten können, aber Hivas Vater, der ja Arzt ist, wollte es auch von innen sehen und konnte natürlich den Wächter überreden, uns eintreten zu lassen. Der Altbau hatte sich während den letzten 31 Jahren wohl kaum geändert.

Im armenischen Viertel Isfahans konnte man sehen, dass auch christliches Leben im Iran existiert. Man gesteht den Armeniern auch Sonderrechte zu, zum Beispiel den Alkoholkonsum im Rahmen ihrer Rituale. Deswegen fungieren sie oft auch als Alkoholquelle für muslimische Iraner, wobei der Verkauf sich wohl wie ein Drogendeal bei uns abspielt, in dunklen Seitenstraßen.

An meinem letzten Tag in Isfahan und meinen letzte richtigen Urlaubstag hatte man mir auch meinen Sonnenhut aus Guatemala geklaut, der eigentlich nicht viel Wert war. Ich gehe davon aus, dass er vielmehr eine Trophäe darstellte. Ein junger Mann kam auf mich zu, riss mir den Hut vom Kopf und sprang auf den Rücksitz eines Motorrades und raste jubelnd davon. Eigentlich ist der Iran aber ein sehr sicheres Reiseland.

Samstag, 8. SeptemberRückfahrt von Isfahan

Die Rückfahrt nach Teheran durch karge, aber doch teils malerische Wüstenlandschaft gestaltete sich problemlos. Das Mausoleum für Ayatollah Khomeini, das direkt an der Autobahn liegt, mussten wir uns aber nicht unbedingt von innen ansehen. Nach einem Postbesuch und Packen ging ich mit Hiva noch in ein Einkaufszentrum, in dem zwar keine westlichen Ladenketten vertreten waren, aber trotzdem westliche Marken verkauft wurden. Als ich ein Foto von der Halle mit den großen Ayatollah-Porträts gemacht hatte, kam gleich ein Wachmann und hatte wohl wieder Angst, dass ich ein Spion bin. Er meinte, ich müsste mir bei der Direktion eine Fotoerlaubnis holen, was aber nicht ginge, weil der Chef beim Arzt sei. War aber auch nicht so schlimm. In einem Souvenir-Laden sah ich versteckt zwischen Stofftieren einige geschmacklose Tassen, auf die leicht bekleidete Damen gemalt waren. Hiva fragte für mich, ob so etwas denn überhaupt erlaubt sei, die Verkäuferin verneinte und meinte, die Schließung ihres Geschäfts zu riskieren. Da die Regeln des Regimes sehr streng sind, versuchen viele Menschen dies aus Prinzip zu brechen, auch wenn das, wie im Fall der Tassen, keinen wahren Sinn ergibt, außer sich dem Regime zu widersetzen. Laut Aussage eines Mannes im Flugzeug neben mir, verhält es sich mit dem Alkoholkonsum ähnlich, wobei die Strafen dafür extrem sind. Beim ersten Vergehen 80 Peitschenhiebe, die man aber durch Zahlungen reduzieren kann, bei der dritten Verurteilung droht die Todesstrafe. Da der Staat Postsendungen öffnen und überprüfen lässt, sollte ich mich im Hinblick auf das allgemein sehr strenge Justizsystem, auf Postkarten und in Briefen in keiner Weise über politische Themen äußern, natürlich auch nicht über Alkoholkonsum bei der ein oder anderen Einladung. Diese Selbstzensur im Hinblick auf die fehlende Freiheit habe ich als sehr bedrückend empfunden, wenn man allgemein nicht das schreiben kann, was man möchte. Ähnlich ist es auch mit dem Internet. So können viele westliche Seiten, vor allem Nachrichtenseiten, nicht geladen werden und es verweist eine Warnseite darauf.

Sonntag, 9. SeptemberRückflug: Teheran - Kopenhagen - München

Da ich bereits um 3h30 das Haus verlassen musste, blieb ich in der letzten Nacht wach. Als mich Hiva und sein Vater zum Flughafen brachten, waren die Straßen zum ersten Mal frei. Obwohl ich auch einen großen Koffer hatte, kaum ich mir im Vergleich zu den anderen Passagieren fast schon arm vor, die Unmengen an Koffern, Kisten, Kartons und Taschen einchecken wollten und versuchten, die hohen Übergewichtgebühren herunter zu handeln.

Teilweise musste ich anderen Passagieren beim Einsteigen helfen, weil sie zu viel Handgepäck zum Tragen hatten. Folglich zog sich der chaotische Einstieg so lange hin, dass wir bereits mit einer Stunde Verspätung Teheran verließen. Da ich erst einmal nach Kopenhagen flog (wegen Ferienende waren alle anderen Flüge voll), überflog ich sogar schwedisches Territorium. Ursprünglich hätte ich in Kopenhagen sechs Stunden Aufenthalt gehabt und wollte mir etwas die Innenstadt ansehen. Aufgrund der Verspätung blieben aber nur noch fünf Stunden übrig, die auch noch dahin schmelzen sollten. Zuvor im Iran noch immer als potentieller Spion angesehen, tauschte ich nun die Rolle und wurde gemeinsam mit den anderen Mitreisenden als potentieller Terrorist angesehen. Bevor wir in den Transitbereich des Flughafens gelassen wurden, mussten wir uns nochmals jeder einer eingehenden Sicherheitskontrolle unterziehen. Obwohl ich im ersten Drittel der rund 300 Passagiere wartete, dauerte es etwa eine Stunde, bis ich durch war, die letzten in der Schlange werde also rund Stunden angestanden haben. Nach dem einchecken für München blieben mir noch rund zwei Stunden, die ich an einem kleinen Segelhafen in der nähe des Flughafens verbrachte. Bei strahlendem Sonnenschein aß ich vom iranischen Fladenbrot, das man mir mitgegeben hatte und ließ mich beim Fühlen der Wassertemperatur von einer Welle nass machen.

PS: Hier noch...

... eine Reihe von Punkten, die ich für ein Uni-Seminar in Münster beobachten sollte:

1) allgemeine politische Stimmung und wirtschaftliche Lage

Niemand der Passanten, Bekannte und Freunde, die ich angetroffen habe, hat sich positiv über das Regime geäußert. Das mag wohl daran liegen, dass die Passanten mich meist von sich aus angesprochen haben und eher daran interessiert waren, sich Frust von der Seele zu reden, bzw. die Chance zu nutzen, mit jemandem »aus dem Westen« über Politik zu reden.

Da ich auch sonst eher mit Akademikern und Kurden in Kontakt war, fielen die Meinungen über die iranische Regierung ähnlich aus, da gerade viele Akademiker sich vom Regime ausgebremst fühlen und die Kurden selbstverständlich dem Regime äußerst kritisch gegenüber stehen.

Die wirtschaftliche Situation des Irans ist angespannt. Aufgrund der politischen Situation im Iran wird das Land teilweise wirtschaftlich isoliert (zum Beispiel von den USA), auch verlaufen ausländische Investitionen im Land nur sehr zögerlich, aus Angst vor mangelnder Rechtssicherheit und der Sicherheitslage in der Region. Seit der Islamischen Revolution wurden viele Bereiche der Wirtschaft verstaatlicht, darüber hinaus sind die Besitztümer extrem ungleich verteilt, so dass die einfache Bevölkerung von den Reichtümern des Landes weitgehend ausgeschlossen wird. Gerade in der armen Bevölkerungsschicht macht sich Unmut über die Regierung breit, da vor den Wahlen viele Versprechen gemacht wurden, die nicht eingehalten wurden. Dank des Atom-Konfliktes kann die Regierung davon teils aber ablenken. Wie lange dies aber funktioniert, sei fraglich. Viele Iraner können sich unter Atomenergie nicht wirklich etwas vorstellen und sehen es eher als Prestigeprojekt an. Ein Gesprächpartner machte den Vergleich: »Die Franzosen haben den Eiffelturm, dann haben wir halt Nuklearenergie.« Die Unwissenheit über das Thema ist weit verbreitet. Ein Taxifahrer meinte zum Beispiel, dass Iran unbedingt Atomenergie bräuchte, weil er dann nicht mehr tanken müsste.

Am besten war dies am Beispiel der Spritrationierung zu sehen. Pro Tag und Auto stehen nur noch 3 Liter zur Verfügung, die man sich innerhalb von 6 Monaten frei einteilen kann. Wer Geld hat, kann sich aber auf dem Schwarzmarkt soviel kaufen, wie er will. Außerdem wird von Personen mit normalem Einkommen kritisiert, dass sich die Reichen einfach noch ein paar Autos kaufen, um so ein höheres Kontingent zu erhalten.

2) Die Rolle von Frauen im politischen und sozialen Leben

Frauen besitzen im Iran das Wahlrecht. Zwar können sie auch ins Parlament gewählt werden und das iranische Parlament hat auch den zweithöchsten Frauenanteil in einem islamischen Land (nach Tunesien), allerdings hat das Parlament im Iran keine sehr große Macht. Entscheidenden politischen Einfluss besitzt der Revolutionsführer und der Wächterrat. Diese hohen Posten im Staat werden ausschließlich von geistlichen Würdenträgern bekleidet, die natürlich alle männlich sind.

Von der letzten Präsidentschaftswahl wurden alle Kandidatinnen ausgeschlossen.

Per Gesetz hat die Frau in der Ehe eigentlich eine gute Position. Bei der Hochzeit muss der Ehemann das Brautgeld vorweisen, das zur finanziellen Absicherung der Ehefrau dient. Per Gesetz kann sich die Ehefrau dieses jederzeit auszahlen lassen, und gewinnt dadurch an gewisser Macht, da sie es sich theoretisch jederzeit auszahlen lassen könnte – und dies auch vor Gericht einklagen kann – und der Ehemann das Geld bei der Scheidung auf alle Fälle zahlen muss. Da es sich um eine sehr hohe Summe handelt (nicht genau festgelegt, aber dem Reichtum der jeweiligen Familien entsprechend ein bedeutender Anteil), wäre der Ehemann meist nicht in der Lage, das Geld ohne weiteres auszuzahlen und muss also daran interessiert sein, dass seine Ehefrau nicht auf einer Auszahlung besteht. Es würde mich aber nicht wundern, wenn in gewissen Kreisen der traditionelle Druck auf der Ehefrau so groß ist, sich nicht ihrem Ehemann entgegenzusetzen. Gesetzlich ist sie hier aber abgesichert.

Im Iran kann ein Mann bis zu zwei Ehefrauen haben, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die erste Ehefrau damit einverstanden ist, der Ehemann sich verpflichtet, ein weiteres Brautgeld zu zahlen und er zusichert, keine der Frauen zu bevorzugen. Da gerade das Brautgeld für eine einfache Ehe schon kaum erschwinglich ist, ist dies ein Grund, warum es kaum mehr Zweitehen gibt.

Frauen sind besonders der strikten Kleiderordnung unterworfen, das heißt, sie müssen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen, dass die Haare bedeckt und einen knielangen Mantel. Hier kann man sehen, dass diese Regeln je nach Trägerin mehr oder weniger mutig ausgelegt werden. So rutscht das Kopftuch bei manchen Frauen weit nach hinten und der Mantel ist auch kürzer und enger als eigentlich erlaubt, was mit dem Risiko einhergeht, von der Polizei aufgegriffen zu werden. Andere Frauen hingegen verschleiern sich fast vollständig und lassen nur noch einen Schlitz für die Augen. Soweit schreibt es das Gesetz nicht vor, aber das lässt sich dann wohl auf familieninterne Regeln, beziehungsweise die Vorstellungen des Ehemanns zurückführen. Im Privaten können die Frauen laut Gesetz rumlaufen, wie sie wollen. Die Mutter meiner Gastgeber lief im Privaten ganz normal und ohne Kopftuch herum. Interessanterweise passten sich meine Gastgeber hier etwas den Befindlichkeiten der Gäste an. Bei manchen Gästen saß man ganz normal zusammen und ohne Kopftuch am Tisch, bei manchen setzte sie dann doch ein Kopftuch auf und bei manchem Besuch hielten sich dann Frauen und Männer auch in unterschiedlichen Räumen auf. Wahrscheinlich wussten sie, dass der ein oder andere Gast (es waren eigentlich immer Gäste zu Besuch) sonst nicht hätte kommen können. Interessanterweise sind vor allem Häuser teils so konstruiert, dass der Raum für Frauen und der für Männer durch unterschiedliche Haupteingangstüren zu erreichen ist, so dass man also nie gezwungen ist, den jeweils anderen Raum zu betreten.

In meinen Gesprächen konnte ich mich meist nur mit Männern unterhalten. Allgemein hätten fremde Frauen wohl nicht den Mut gehabt, in der Öffentlichkeit einen fremden Mann anzusprechen. Im Privaten unterhielt ich mich auch meist mit den Männern, da diese im Gegensatz zu den Frauen Fremdsprachenkenntnisse besaßen, meist Englisch, teils aber auch Französisch oder Deutsch.

3) öffentliche Meinungen gegenüber den USA/EU und China/Russland

Mit den unter 1) erwähnten Menschen habe ich auch über Außenpolitik geredet. Im Folgenden werde ich die Länder einzeln aufführen.

Vereinigte Staaten

Das Verhältnis zu den USA war gespalten. Teilweise kritisierten die selben Personen scharf das Vorgehen im Irak als arrogant und verfehlt, lobten aber auf der anderen Seite die USA als einzige Macht, die sich dem Regime im Iran konsequent gegenüber verhält, in sie es boykottiert. Da deswegen keine wirtschaftlichen Interessen gefährdet sind, äußerten meine Gesprächspartner die Hoffnung, dass es mithilfe der USA zu einem Regimewechsel im Iran kommen könnte, ohne sich die Art und Weise genauer vorzustellen. Man geht davon aus, dass alles besser wäre, als das derzeitige Regime, sofern dieser Umbruch nicht durch einen Krieg wie im Irak vollzogen würde. Teilweise auch von denselben Personen geäußert, aber auch grundsätzlich von vielen Menschen vertreten wird die Ansicht, dass man sich fast sicher ist, dass in den kommenden Jahren die USA in irgendeiner Form militärisch gegen den Iran vorgehen werden, wobei die Variante von gezielten Luftschlägen gegen Militär- und Forschungseinrichtungen als die wahrscheinlichste eingeschätzt wird.

Im Geheimen konnte ich auch Kleidungsstücke mit USA-Flagge sehen. Die USA symbolisieren für viele Menschen einfach das Gegenteil des verhassten Regimes.

Europäische Union

Allgemein wird der EU Verlogenheit und Doppelzüngigkeit vorgeworfen, da sie öffentlich das Regime kritisieren, aber auf der anderen Seite geschäftliche Verbindungen pflegen.

Großbritannien

Aufgrund der Geschichte, in der Großbritannien öfters an Invasionen im Iran beteiligt war, hegen gerade ältere Menschen eine skeptische Haltung gegenüber Großbritannien, die bei der jüngeren Generation aber nicht mehr vorhanden ist.

Frankreich und Deutschland

Gerade Frankreich und Deutschland wird die oben erwähnte Verlogenheit und Doppelzüngigkeit vorgeworfen. Gerade Chirac und Schröder wurden mir als zwei Beispiele genannt und man hofft, dass die Regierungen von Sarkozy und Merkel sich trauen, kritischer Position gegenüber dem Iran zu beziehen.

Russland

Wörtlich sagte man mir: »Russia would do anything for money.« Neben diesem Vorwurf spielt ähnlich wie bei Großbritannien die geschichtliche Rolle Russlands im Iran eine Rolle.

Diese ist noch gegenwärtiger, da sie bis zum Ende der Sowjetunion akut erschien und eine größere geografische Nähe besteht.

China

Die Kritik an China ist der von Russland ähnlich, wobei man meint, dass China noch rücksichtsloser seine wirtschaftlichen Interessen verfolgt. Hier wurde auch Chinas Energiepolitik im Bezug auf Afrika als Beispiel genannt.

Aktuelles ...

Aktuelles

Dienstag, 17. November 2009
Dienstag, 9. März, 08:00 Uhr
Belgrad, [Serbien / Bulgarien], Sofia, [Bulgarien / Türkei], İstanbul

Im März 2010 geht’s wieder los.

Berichte von Ostafrika 2009 wurden noch peu à peu nachgereicht.

Fotos der letzten Reisen werden irgendwann (vielleicht) noch folgen.